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Blitztechniken Teil 3: Blitzlicht führen

2012-09-10 Blitzlichtfotos sind häufig sofort zu erkennen. Der direkt aufs Motiv gerichtete Blitz meißelt dieses sehr hart aus seiner Umgebung heraus, zudem erzeugt das Blitzlicht einen harten und wenig ansprechenden Schattenwurf. Wer diese unerwünschten Nebenwirkungen vermeiden möchte, setzt ein Systemblitzgerät mit Schwenkreflektor ein. Derartige Aufsteckblitze lassen sich zudem mit Diffusoren oder Farbfiltern ausrüsten. Im dritten und abschließenden Teil unserer Serie zur Blitztechnik dreht sich alles um die Lichtführung.  (Martin Vieten)

Standen in den ersten beiden Teilen der kleinen Serie zum Blitzen (siehe weiterführende Links am Ende des Beitrags) vor allem technische Aspekte im Fokus, geht es diesmal um die Gestaltung von Blitzlichtaufnahmen. Heute sind praktisch alle Kameras mit einem Bordblitz ausgestattet, der bei Bedarf das Hauptmotiv im Vordergrund aufhellt. Diese Punktlichtquellen leuchten indes sehr hart aus, sie bündeln das Licht wie ein enges Spotlicht. Die Folgen sind sehr harte Kontraste auf dem Motiv sowie Schlagschatten – beides wird in der Regel als unangenehm empfunden und sollte möglichst vermieden werden.

Wird das Blitzlicht direkt aufs Motiv gerichtet, entstehen sehr harte Kontraste und starke Schattenwürfe. [Foto: Martin Vieten] Beim indirekten Blitzen wird das Blitzlicht zum Beispiel wie hier über die Zimmerdecke aufs Motiv gelenkt. Die Ausleuchtung ist sehr weich, das Hauptmotiv verliert aber an Brillanz. [Foto: Martin Vieten] Der Blitzreflektor 80-20 von Lumiquest lenkt rund 20 Prozent des Blitzlichts direkt aufs Motiv, die restlichen 80 Prozent wurden indirekt über die Zimmerdecke geleitet. [Foto: Martin Vieten]
Wird das Blitzlicht direkt aufs Motiv gerichtet, entstehen sehr harte Kontraste und starke Schattenwürfe. Beim indirekten Blitzen wird das Blitzlicht zum Beispiel wie hier über die Zimmerdecke aufs Motiv gelenkt. Die Ausleuchtung ist sehr weich, das Hauptmotiv verliert aber an Brillanz. Hier kam der Blitzreflektor 80-20 von Lumiquest zum Einsatz. Er lenkt rund 20 Prozent des Blitzlichts direkt aufs Motiv, die restlichen 80 Prozent wurden indirekt über die Zimmerdecke geleitet. Durch das schwache Frontallicht wird das Motiv besser herausgearbeitet, ohne dass die Ausleuchtung hart wirkt.

Ein schwenk- und klappbarer Blitzkopf ermöglicht es, indirekt zu blitzen – etwa über die Zimmerdecke. [Foto: Martin Vieten]
Ein schwenk- und klappbarer Blitzkopf ermöglicht es, indirekt zu blitzen – etwa über die Zimmerdecke.
 
Ist indirektes Blitzen nicht möglichen, weichen kleine Softboxen oder Diffusoren den Lichtkegel auf. [Foto: Martin Vieten]
Ist indirektes Blitzen nicht möglichen, weichen kleine Softboxen oder Diffusoren den Lichtkegel auf.
Schatten und Kontraste werden umso weicher, je größer die Fläche ist, die Licht aufs Motiv abgibt. Beim integrierten Blitz einer Kamera lässt sich diese Abstrahlfläche praktisch nicht vergrößern; wer sein Foto weich ausleuchten möchte, benötigt ein leistungsfähiges externes Blitzgerät. Besonders einfach lässt sich die Abstrahlfläche erweitern, indem der Blitzreflektor auf eine möglichst farbneutrale Fläche über oder neben dem Motiv geschwenkt wird. Das kann zum Beispiel die Zimmerdecke sein, aber auch eine Hauswand. Bei dieser Form des indirekten Blitzes sollte das Blitzlicht etwa bei halber Entfernung zum Motiv auf die Reflexionsfläche treffen. Fehlt eine entsprechende Zimmerdecke oder Wand, leistet beispielsweise eine Styroporplatte gute Dienste. Als Faustregel gilt dabei: Die Reflexionsfläche sollte wenigstens so groß sein wie das Motiv, das ausgeleuchtet werden soll.

Beim indirekten Blitzen können alle Funktionen der Kamera genutzt werden, die diese zur Blitzsteuerung bietet, insbesondere wird die Blitzbelichtung automatisch geregelt. Nur die Hochgeschwindigkeitssynchronisation funktioniert in der Regel nicht, wenn der Blitzkopf aus seiner Standardposition geschwenkt wird. Allerdings führt der indirekte Blitz mit zunehmendem Abstand zwischen Reflexionsfläche und Motiv schnell zu einer unerwünscht weichen Ausleuchtung. Bei Portraitfotos stört das vielleicht weniger, Sachaufnahmen können dadurch indes flach und blutleer wirken. Einige Hersteller haben daher Blitzgeräte im Programm, die mit einem frontalen Zweitreflektor ausgestattet sind und bei Bedarf etwas direktes Licht hinzumischen. Auch dieser Trick hilft jedoch nicht weiter, wenn keine Reflexionsfläche zur Verfügung steht – etwa bei Aufnahmen im Freien. In diesem Fall lässt sich das Blitzlicht mit speziellen Diffusoren absoften, die direkt am Blitzgerät angebracht werden. Auch hierbei gilt: Je größer die Abstrahlfläche des Diffusors, desto weicher wird das Blitzlicht.

Es gibt jedoch noch eine weitere Möglichkeit, das Blitzlicht aufzuweichen: Durch Vergrößerung des Abstands zwischen Motiv und Kamera. Denn je weiter die Hauptlichtquelle von Motiv entfernt ist, desto weicher wird es ausgeleuchtet. Prinzipiell steht diese Möglichkeit auch bei Aufnahmen mit einer Kompaktkamera ohne Blitzschuh zur Verfügung, allerdings setzt die maximale Blitzleistung dem Verfahren Grenzen. Auch beim indirekten Blitzen kann die nutzbare Reichweite des Blitzlichts unter Umständen rapide sinken. Blitzaufnahmen sollten daher stets unverzüglich kontrolliert werden – schon so manches Hochzeitsfoto wurde durch einen indirekten Blitz gegen eine viel zu hohe Decke völlig unterbelichtet!

Da das Blitzlicht eine ausgeprägte Punktlichtquelle darstellt, versinken Motivpartien außerhalb des Lichtkegels deutlich im Dunkeln. Problematisch wird dies vor allem bei Weitwinkelaufnahmen mit kurzen Brennweiten unter 24 Millimeter (bezogen auf Kleinbild). Systemblitzgeräte sind daher meist mit einer Streuscheibe ausgestattet, die bei Weitwinkelaufnahmen aufgesteckt oder vor den Reflektor geklappt werden. Noch wirkungsvoller ist es aber auch in diesem Fall wieder, indirekt zu blitzen – etwa wenn ein Zimmer ausgeleuchtet werden soll. All zu groß dürfen die Räume jedoch nicht sein, andernfalls gerät die Ausleuchtung in Tiefe und Breite ungleichmäßig. Dann hilft nur noch der Einsatz mehrere Blitzgeräte, die drahtlos ausgelöst werden – mehr dazu im zweiten Teil dieser kleinen Serie.

 Ein farbiger Reflektor sorgt dafür, dass die Lichtfarbe des Blitzes an die Farbtemperatur der Beleuchtung im Hintergrund angeglichen wird. [Foto: Martin Vieten]  Ein farbiger Reflektor sorgt dafür, dass die Lichtfarbe des Blitzes an die Farbtemperatur der Beleuchtung im Hintergrund angeglichen wird. [Foto: Martin Vieten]
Farbfilter oder ein farbiger Reflektor wie hier sorgen dafür, dass die Lichtfarbe des Blitzes an die Farbtemperatur der Beleuchtung im Hintergrund angeglichen wird. Der Weißabgleich an der Kamera wurde mit 4.800 Grad Kelvin fest vorgegeben.

Einen entscheidenden Einfluss auf die Bildwirkung hat auch die Farbe des Blitzlichts. Heute ist die Farbtemperatur der Blitzgeräte auf ca. 5.600 Grad Kelvin abgestimmt und entspricht somit etwa der Temperatur des indirekten Tageslichts. Glühlampen und viele andere Lichtquellen erzeugen jedoch ein deutlich wärmeres Licht. Das führt oft dazu, dass Motivpartien in Reichweite des Blitzlichts sehr kalt im Vergleich zum Hintergrund im Umgebungslicht wirken. Abhilfe schaffen hier Farbfilterfolien oder farbige Reflektoren, mit denen sich die Farbtemperatur des Blitzlichts an die des Umgebungslichts angleichen lässt. Dabei sollte man jedoch den Weißabgleich der Kamera im Auge behalten. Viele Kameras wählen bei aktiviertem Blitz automatisch dessen Farbtemperatur als Referenzwert – mit der Folge, dass Farbfilter vor dem Blitzreflektor nicht die gewünschte Wirkung erzielen. In diesem Fall hilft es, den Weißabgleich manuell zu konfigurieren. Das gilt vor allem auch, wenn das Motiv gezielt mit farbigem Licht ausgeleuchtet werden soll.

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