Rubriken: Aufnahmeeinstellungen, Grundlagenwissen

Die richtige Belichtung erkennen Teil 2

2017-12-25 In diesem zweiten Teil der Fototipp-Reihe erklärt Fachbuchautor Sam Jost den zweiten Weg die richtige Belichtung eines Fotos zu ermitteln. Als zweiten Weg beschreibt Autor Sam Jost die Überbelichtungswarnung, den die meisten System- und Spiegelreflexkameras sowie einige Bridge- und Edelkompakte eingebaut haben. Auch dieser Fototipp stammt aus dem Buch "Manuell Belichten".  (Sam Jost)

Weg 2: Die Überbelichtungswarnung

Ein Punkt, den ich bei jeder neuen Kamera als Erstes aktiviere, ist die Überbelichtungswarnung. Das bedeutet eigentlich nur, dass die Kamera zu helle Stellen des Fotos in der Anzeige auf dem Kameradisplay besonders darstellt. Bei den meisten Kameras blinken diese überbelichteten Stellen schwarz, daher wird dies im Englischen gern „blinkies“ genannt. Bei Nikon findet sich dieser Punkt im Menü unter "Wiedergabe", "Infos bei Wiedergabe", dort den Punkt "Lichter" anhaken. Bei Canon stellt man dafür den im Wiedergabe-Menü den Punkt "Überbelicht.warn." auf aktiv.

  • Bild Links das normale Bild, rechts eines, bei dem die hellen Stellen schwarz aufblinken. [Foto: Sam Jost]

    Links das normale Bild, rechts eines, bei dem die hellen Stellen schwarz aufblinken. [Foto: Sam Jost]

Nun könnte man auf den Gedanken kommen, dass auf einem Foto nichts blinken darf, denn was blinkt, ist ja hoffnungslos überbelichtet und damit für das Foto verloren. Das ist natürlich Unsinn. Lampen, Kerzen, Feuer oder die Sonne beispielsweise dürfen im Bild nicht nur blinken, sondern müssen es vermutlich sogar, sonst wäre das Foto aller Wahrscheinlichkeit nach unterbelichtet. Ich persönlich sehe die Überbelichtungswarnung recht entspannt. Für mich darf nur dort nichts blinken, wo mir Details wichtig sind. So möchte ich beispielsweise kein Blinken im Gesicht einer Person sehen, denn das würde bedeuten, dass diese Stellen im Gesicht gnadenlos überbelichtet und weiß werden. So würde ich das überbelichtete Foto aus dem letzten Kapitel anhand der Belichtungswarnung schnell als überbelichtet erkennen, da es im Gesicht des Künstlers blinkt:

  • Bild  [Foto: Sam Jost]

Allerdings gibt es, wie immer, auch hier Ausnahmen, bei denen ich hell ausgefressene Stellen in Gesichtern akzeptiere. Zum Beispiel mag ich manchmal überbelichtete Streiflichter auf der Haut oder Lichtreflexe in den Haaren, die einfach nur noch weiß sind. Solche Lichtreflexe setze ich bewusst ein, dann aber genau wissend, dass sie da sind und dass sie auf dem Display überbelichtet blinken.

Wenn nichts blinkt, ist das Foto zu dunkel

Wenn im Motiv helle Bereiche sind, zum Beispiel ein weißes Hemd, ein Brautschleier oder weiße Wolken, dann neige ich dazu, das Bild heller zu drehen, bis irgendwas auf dem Foto blinkt (wie, beschreibe ich im nächsten Kapitel). Und dann entscheide ich, ob mir dieser blinkende Bildteil so wichtig ist, dass ich das Foto wieder ein wenig dunkler drehe. Wenn keine hellen Sachen im Bild sind, neige ich ebenfalls dazu, das Bild eher zu hell als zu dunkel aufzunehmen: Beim Abdunkeln leidet die Qualität in der Nachbearbeitung weniger als beim Aufhellen. Die Ausnahme sind Sonnenuntergänge, denn Sonnenuntergänge wirken intensiver, wenn sie dunkler fotografiert werden. Allerdings muss ich dazu sagen, dass ich mir dieses Verhalten vor allem mit dem Kauf der Nikon D700 angewöhnt habe, denn bei den RAW-Dateien der D700 kann ich in Lightroom sogar teilweise überbelichtete Stellen ohne sichtbare Probleme wieder retten, wenn das nötig sein sollte. Das ging mit keiner meiner vorherigen Kameras, weswegen ich jetzt mit den blinkenden Lichtern risikofreudiger geworden bin.

Hier würde ich Dir empfehlen, mit Deiner Kamera zu experimentieren, herauszufinden, wie weit Du gehen kannst und möchtest. So kenne ich Fotografen, die lieber das Bild etwas unterbelichten und auch damit gute Fotos machen, während andere, wie ich, es lieber etwas überbelichten. Das ist eine Frage der verwendeten Technik, der Vorlieben des Fotografen und seiner weiteren Arbeitsweise. Bei Verwendung eines Zoom-Objektivs ist es auch ein gern verwendeter Trick, in einen weißen Teil des Motivs reinzuzoomen beispielsweise auf ein weißes Hemd oder einen Brautschleier und dort ein Foto zu machen, um die Helligkeit zu beurteilen. Aber Achtung! Manche Zoom-Objektive verändern die Blende, wenn man die Zoomeinstellung ändert, wodurch sich beim Zoomen die Helligkeit verändern kann!

Dieser Fototipp ist ein Auszug aus dem Buch "Manuell Belichten" von Sam Jost.Dieses E-Book von Sam Jost war unser "Versuchsballon" beim Vertrieb von E-Books als PDF auf digitalkamera.de und wurde zur Erfolgsgeschichte, die uns ermuntert unsere E-Book-Rubrik im Sommer 2015 komplett zu renovieren und zu erweitern. Der Erfolg liegt natürlich nicht an uns, sondern vor allem an dem tollen Buch selbst, das ganz offenbar genau die Fragen beantwortet, die sich viele Digitalfotografen stellen: Wie hole ich noch mehr aus meiner Kamera heraus? Wann verlasse ich die Automatik und wie greife ich dann selbst in die Belichtungssteuerung ein? Das Buch ist nicht an ein bestimmtes Kameramodell gebunden, sondern behandelt das Thema grundsätzlich und dabei sehr anschaulich. mehr …

Der nächste Teil dieser Serie erscheint am 01. Januar 2018.


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Autor

Sam Jost

Sam Jost, 48, besitzt das seltene Talent, Einsteigern komplexen Lernstoff mit Leichtigkeit und aufs Wesentliche reduziert nahebringen zu können. Seine Bücher "Manuell belichten", "Scharfe Fotos" und "Farbmanagement für die Digitalfotografie" gehören zu den meist gekauften E-Books auf digitalkamera.de und sind auch als gedruckte Bücher erhältlich.

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