Spiegellose Systemkamera für ambitionierte Fotografen

Testbericht: Canon EOS M5

2017-04-21 Bis zur vergangenen Photokina im September 2016 bestand das spiegellose Canon-EOS-M-System, obwohl bereits vier Jahre alt, aus lediglich drei Kameras und sechs Objektiven, was man sicher mit Recht als "stiefmütterlich" bezeichnen kann. Doch mit der Vorstellung der EOS M5, der ersten ernsthaften EOS-M-Kamera für ambitionierte Fotografen, änderte sich das auf der vergangenen Photokina. Mit dem EF-M 18-150 hatte Canon auch ein neues Objektiv im Gepäck und schob kürzlich die EOS M6 nach, quasi eine M5 ohne festen Sucher. Ob die EOS M5 tatsächlich ein "Game Changer" für das System ist und was die Kamera mit dem neuen Objektiv leistet, klärt unser Test.  (Benjamin Kirchheim)

Ergonomie und Verarbeitung

Einerseits kompakt und doch mit einem großen Bildschirm, vielen Bedienelementen (16 Tasten und fünf Räder zuzüglich Auslöser und Einschalthebel) und einem Handgriff ausgestattet macht die EOS M5 Hoffnung auf eine gut zu bedienende und dennoch verhältnismäßig kleinformatige Kamera, die nicht zu viel Platz in der Tasche raubt und zu schwer am Schultergurt zerrt. Das Gewicht von knapp über 400 Gramm ist für das nackte Gehäuse aber durchaus stolz, zusammen mit dem EF-M 18-150 mm 1:3,5-5,6 IS STM sind es sogar über 700 Gramm. Angesichts dessen wundert man sich doch etwas über das recht billig wirkende Kunststoffgehäuse, das an jeder Ecke ächzt und knarzt, vor allem auf der Handgriffseite. Auch das Objektiv bietet, wo man nur hinschaut, "Plaste und Elaste" – selbst am Bajonett. Und während die Tasten auf der Ober- und Rückseite noch einen halbwegs ordentlichen Druckpunkt bieten, sieht es bei der seitlich am Handgriff eingelassenen WLAN-Taste und erst Recht an der nahe dem Bajonett gelegenen Funktionstaste ganz anders aus. Erstere bietet immerhin noch einen gewissen Hub, letztere besitzt nicht einmal den. Auch das Daumen-Funktionsrad auf der Kameraoberseite wirkt für einen mitteleuropäischen Daumen doch etwas zu sehr zwischen Sucher und Belichtungskorrekturrad eingeengt, sodass man es kaum zwei Rastungen weit drehen kann, bevor der Daumen anstößt.

  • Bild Die EOS M5 ist die erste ernstzunehmende spiegellose Systemkamera von Canon mit Handgriff und Sucher. Das billig wirkende Gehäuse wird dem aufgerufenen Preis von knapp 1.100 Euro (ohne Objektiv) jedoch überhaupt nicht gerecht. [Foto: MediaNord]

    Die EOS M5 ist die erste ernstzunehmende spiegellose Systemkamera von Canon mit Handgriff und Sucher. Das billig wirkende Gehäuse wird dem aufgerufenen Preis von knapp 1.100 Euro (ohne Objektiv) jedoch überhaupt nicht gerecht. [Foto: MediaNord]

  • Bild Der Handgriff der kompakten Canon EOS M5 wirkt nicht besonders groß, bietet aber dennoch guten Halt. Vor allem dank der vielen Räder und Tasten lässt sich die M5 gut bedienen, wobei das hintere Daumenrad allerdings etwas eingeengt wirkt. [Foto: MediaNord]

    Der Handgriff der kompakten Canon EOS M5 wirkt nicht besonders groß, bietet aber dennoch guten Halt. Vor allem dank der vielen Räder und Tasten lässt sich die M5 gut bedienen, wobei das hintere Daumenrad allerdings etwas eingeengt wirkt. [Foto: MediaNord]

Der Handgriff selbst ist für so eine kompakte Kamera jedoch gut gelungen und bietet knapp sogar dem kleinen Finger noch etwas Platz. Die genarbte Gummierung ist zudem ausreichend rutschfest und der Auslöser lässt sich gut erreichen. Der Druckpunkt des Auslösers wiederum ist jedoch auch grenzwertig. Der erste Druckpunkt ist etwas schwammig und der Widerstand zum zweiten Druckpunkt etwas zu gering, sodass man gerne mal auslöst, obwohl man nur den Fokus halten wollte oder aber in der Vorsicht, nicht versehentlich auszulösen, den ersten Druckpunkt und damit den Fokusspeicher wieder verliert.

Die eigentliche Bedienung bezüglich der Funktionsaufteilung auf die Knöpfe, den Vorbelegungen und Möglichkeiten ist jedoch wiederum gut gelungen. So bietet die M5 etwa zwei Benutzerprogramme direkt auf dem Programmwählrad, auch die wichtige ISO-Taste sowie eine Taste zum Umschalten auf manuellen Fokus fehlen nicht. Richtig eingestellt lassen sich dank der drei Funktionsräder sogar Blende, Belichtungszeit und ISO-Empfindlichkeit unabhängig von einander mit jeweils einem anderen Rad regeln, was sehr bequem ist. Das Belichtungskorrekturrad läuft ausreichend stramm, um nicht allzu leicht versehentlich verstellt zu werden. Übrigens lässt sich aufgrund eben dieser vielen Räder auch die Belichtungskorrektur im manuellen Modus mit der ISO-Automatik kombinieren.

Die Schnittstellenauswahl ist ebenfalls gut gelungen. Neben einem Micro-HDMI-Anschluss gibt es eine Micro-USB-Buchse, einen 3,5mm Stereo Mikrofonanschluss sowie einen 2,5 mm Kabelfernauslöseanschluss. Auch eine Infrarotfernbedienung und alternativ WLAN können zum (Fern-) Auslösen verwendet werden. Der Micro-USB-Buchse fehlt jedoch eine Ladefunktion für den wechselbaren Lithium-Ionen-Akku, er kann nur extern in der mitgelieferten Ladeschale mit Energie versorgt werden. Modern ist das nicht, beide Optionen wären einer solchen, immerhin gut 1.100 Euro teuren, Kamera angemessen. Angesichts der nur mäßigen Akkulaufzeit von knapp unter 300 Bildern nach CIPA-Standard ist zudem die Anschaffung eines Zweitakkus anzuraten. Das SD-Kartenfach, das unter dem Akkufachdeckel auf der Kameraunterseite sitzt, ist übrigens maximal zu UHS-I kompatibel, UHS-II-Karten laufen also nur mit dem älteren, langsameren Interface. Mit gut 51 Megabyte pro Sekunde ist die Schreibrate ordentlich, nutzt die möglichen knapp über 90 MB/s, die UHS-I erlaubt, jedoch ebenfalls nicht aus (mehr dazu im Abschnitt Ausstattung).

Sehr schön ist der, um 85 Grad nach oben und sogar um 180 Grad nach unten (für die obligatorischen Selfies) klappbare, acht Zentimeter große Touchscreen, der mit 1,6 Millionen Bildpunkten äußerst fein auflöst. Trotz dieser Größe nimmt er nicht die gesamte Fläche des Klappelements ein, da wäre also sogar noch etwas Luft nach oben. Der Touchscreen kann nicht nur zum Setzen des Fokuspunkts oder optional zum Auslösen verwendet werden, sondern auch zur Bedienung der Kamera. Wer es lieber mag, kann sogar die Blende und Belichtungszeit mit einem Tipp und Wisch auf dem Bildschirm einstellen. So geht ein modernes Benutzerinterface, ohne das klassische zu vernachlässigen! Die Menüs geben vor allem Canon-Fotografen keine Rätsel auf. Auch Neulingen sollte die Einarbeitung je nach Kenntnisstand nicht allzu schwer fallen, zumal das Menü nicht überbordend viele Einstellmöglichkeiten bietet, wohl aber die wichtigsten. Das Live-View lässt mit einblendbarer Wasserwaage, Gitterlinien, Livehistogramm und Belichtungsvorschau sowie Fokuslupe samt Fokuspeaking übrigens keine Wünsche offen.

  • Bild Sogar am Bajonett in Handgriffnähe hat Canon bei der EOS M5 noch eine Funktionstaste untergebracht, die sich aber im Gegensatz zu den anderen Tasten sehr billig anfühlt. [Foto: MediaNord]

    Sogar am Bajonett in Handgriffnähe hat Canon bei der EOS M5 noch eine Funktionstaste untergebracht, die sich aber im Gegensatz zu den anderen Tasten sehr billig anfühlt. [Foto: MediaNord]

  • Bild Der mit acht Zentimetern angenehm große Touchscreen der Canon EOS M5 bietet mit 1,6 Millionen Bildpunkten eine feine Auflösung. Er kann um 85 Grad nach oben sowie um 180 Grad nach unten geklappt werden, taugt somit also auch für die beliebten Selfies. [Foto: MediaNord]

    Der mit acht Zentimetern angenehm große Touchscreen der Canon EOS M5 bietet mit 1,6 Millionen Bildpunkten eine feine Auflösung. Er kann um 85 Grad nach oben sowie um 180 Grad nach unten geklappt werden, taugt somit also auch für die beliebten Selfies. [Foto: MediaNord]

Als erste Kamera in Canons gar nicht mehr so jungem spiegellosen System besitzt die EOS M5 einen eingebauten elektronischen Sucher, so dass man diesen nicht mehr optional erwerben muss. Er löst mit 2,36 Millionen Bildpunkten fein auf und gibt ein brillantes und ausreichend großes Sucherbild wieder, auch wenn Canon selbst auf Nachfrage keinen Vergrößerungsfaktor mitteilt. Er entspricht unserem Eindruck nach etwa dem Faktor 0,5 bis 0,6 im Kleinbildäquivalent, ist also so groß wie von der überwiegenden APS-C-Konkurrenz gewohnt, kommt aber bei weitem nicht an die Spitzenmodelle der Konkurrenz heran, die teilweise Suchervergrößerungen wie Kleinbildkameras bieten.

Ausstattung

Die Canon EOS M5 ist zwar für ambitionierte Fotografen konzipiert, die sich im DSLR-System von Canon vielleicht für eine EOS 80D, 800D  oder 77D entscheiden würden, stellt aber auch Einsteiger vor kein unlösbares Problem. So erkennt die Motivautomatik 58 verschiedene Motive und stellt die Kamera automatisch darauf ein. Genauso kann der Fotograf aber auch eines von neun Motivprogrammen einstellen, darunter ein HDR-Programm zur Aufnahme bei Gegenlicht oder etwa die Selbstporträtfunktion. Wer jedoch gerne ein Panorama aufnehmen möchte, wird von der Canon leider allein gelassen. Weder eine Schwenkpanoramaautomatik, noch ein Panoramaassistent sind vorhanden. Fans "kreativer" Filtereffekte kommen hingegen auf ihre Kosten. Echte fotografische Kreativität entfaltet der versierte Fotograf freilich in den Halbautomatiken oder dem manuellen Modus mit Einstellung der Blende und/oder Belichtungszeit. Der Programmautomatik fehlt hingegen eine Shift-Funktion, um die Programmkurve bei Bedarf anzupassen. Die kürzeste Belichtungszeit liegt bei 1/4.000 Sekunde, ein elektronischer Verschluss, der eine lautlose und gegebenenfalls sogar kürzere Verschlusszeit bieten könnte, fehlt leider.

Der Autofokus arbeitet nach dem Dual-Pixel-CMOS-Prinzip, bei dem der Pixel in zwei Hälften aufgeteilt wird und quasi eine Phasenvergleichsmessung durchführt. Das funktioniert meistens ziemlich gut und vor allem auch bis weit an den Randbereich des Sensors. Jedoch scheint es kein reines Kontrastautofokus-Fallback zu geben, denn bei Motiven, die die Phasen-AF-Technologie nicht zügig erfassen kann, gibt der Autofokus nach kurzem Pumpen ganz auf. Zum Glück konnten wir dieses Phänomen im Wesentlichen nur im Labor beobachten, in der Praxis hingegen selten. Die reine Auslöseverzögerung von 80 bis 100 Millisekunden liegt eher im Bereich von DSLRs als in dem von schnellen spiegellosen Systemkameras, die drei bis zehnmal so schnell sein können. Mit einer Auslösegeschwindigkeit von 0,3 bis 0,5 Sekunden inklusive Fokussierung arbeitet die M5 zwar ausreichend flott, stellt aber auch hier keine Geschwindigkeitsrekorde auf. Kleine Fokusbewegungen liegen der Kamera mehr als die großen Sprünge, die bei unserer Labormessung (von unendlich auf zwei Meter) stattfinden.

So erklärt es sich auch, dass trotz des nicht allzu begeisternden Messergebnisses auch bei recht hohen Serienbildgeschwindigkeiten von sieben Bildern pro Sekunde noch eine Fokusverfolgung des Motivs möglich ist. Ohne diese kann die Canon sogar mit neun Bildern pro Sekunde fotografieren. Diese Geschwindigkeit hält sie für 15 Raw- oder 25 JPEG-Bilder aufrecht, bevor sie, vor allem bei Raw, deutlich langsamer wird. Der Puffer fällt also nicht allzu groß aus, reicht aber vor allem bei JPEG für fast drei Sekunden lange Aufnahmen mit voller Geschwindigkeit. Danach geht es, natürlich motivabhängig, mit etwas über fünf Bildern pro Sekunde bei JPEG oder nur einem Bild pro Sekunde bei Raw weiter. Begrenzend wirkt hier das SD-Karteninterface, das maximal 51 Megabyte pro Sekunde schnell ist. Ein verlustfrei komprimiertes Raw benötigt knapp über 50 Megabyte, was die langsame Serienbildgeschwindigkeit bei vollem Puffer erklärt.

  • Bild Auf der linken Gehäuseseite der Canon EOS M5 können neben einem USB-Kabel auch ein Fernauslösekabel sowie ein Stereomikrofon angeschlossen werden. Der Akku lässt sich jedoch nicht per USB laden, sondern muss in die mitgelieferte Ladeschale. [Foto: MediaNord]

    Auf der linken Gehäuseseite der Canon EOS M5 können neben einem USB-Kabel auch ein Fernauslösekabel sowie ein Stereomikrofon angeschlossen werden. Der Akku lässt sich jedoch nicht per USB laden, sondern muss in die mitgelieferte Ladeschale. [Foto: MediaNord]

  • Bild Auf der Handgriffseite der Canon EOS M5 sitzen der Micro-HDMI-Anschluss sowie die WLAN-Taste, die zwar genug Hub, aber einen schlechten Druckpunkt besitzt. [Foto: MediaNord]

    Auf der Handgriffseite der Canon EOS M5 sitzen der Micro-HDMI-Anschluss sowie die WLAN-Taste, die zwar genug Hub, aber einen schlechten Druckpunkt besitzt. [Foto: MediaNord]

Bei der Videofunktion gibt sich das Canon-EOS-M-System weiterhin konservativ bescheiden. Die Auflösung erreicht maximal Full-HD, aber bei immerhin knapp 60 Bildern pro Sekunde mit einer flüssigen Bildwiederholrate, die auf Wunsch auf bis zu 24 Bilder pro Sekunde heruntergeregelt werden kann. Die Autofokusverfolgung im Video funktioniert gut, vor allem aber der Bildstabilisator leistet einen wichtigen Beitrag zu gelungenen Videoaufnahmen. Hierbei kombiniert Canon nämlich den optischen Stabilisator des Objektivs mit einem digitalen Videostabilisator, der sogar Rotationsbewegungen ausgleichen kann. Somit arbeitet der Stabilisator auf fünf Achsen und kann selbst im Gehen noch für ein recht ruhiges Videobild sorgen. Die Belichtung lässt sich im Videomodus auf Wunsch genauso manuell einstellen wie der Fokus oder der Mikrofonpegel. Die Komprimierung erfolgt mit dem effektiven und mit vielen Geräten kompatiblen H.264-Codec.

Der eingebaute Pop-Up-Blitz der M5 fährt nur auf manuellen Knopfdruck aus und niemals automatisch, da es sich um einen mechanischen Riegel handelt. Der Blitz bietet lediglich eine (von uns gemessene) Leitzahl von sechs, was zwar zum Aufhellen naher Motive in Innenräumen taugt, jedoch draußen, vor allem auch aufgrund der Blitzsynchronzeit von lediglich 1/200 Sekunde, schnell an seine Grenzen stößt. Zum Glück besitzt die Canon einen Systemblitzschuh, womit sich das umfassende Blitzsystem des japanischen Herstellers vollumfänglich inklusive Drahtlossteuerung und Highspeed-Synchronisation nutzen lässt. Aber auch die Einstelloptionen des integrierten Blitzes können sich mit einer Synchronisation auf den zweiten Verschlussvorhang, einer Langzeitsynchronisation, einer Blitzbelichtungskorrektur und sogar einer manuellen Leistungsregelung, wenn auch nur in drei Stufen, sehen lassen. Als Drahtlosmaster taugt der integrierte Blitz hingegen leider nicht. Die Anti-rote-Augen-Funktion arbeitet übrigens mit Hilfe des orangen LED-AF-Hilfslichts, das vor der Aufnahme ausgesendet wird, damit sich die Pupillen der porträtierten Person etwas schließen und die Augenrückwand damit weniger Blitzlicht in roter Farbe reflektiert.

Die Canon EOS M5 bietet einige rudimentäre Bildverarbeitungsfunktionen, etwa den Beschnitt oder das Drehen der Aufnahmen, wobei letzteres dank des Orientierungssensors eigentlich nicht nötig ist. Interessant ist die Möglichkeit, die Bilder noch in der Kamera bewerten zu können, so dass man nach dem Überspielen auf den Computer seine Favoriten schneller finden kann. Ebenfalls lobenswert ist der eingebaute Raw-Konverter. Dank WLAN, Bluetooth und NFC bietet die Canon EOS M5 übrigens gute Vernetzungsfähigkeiten. So nimmt sie energiesparend eine dauerhafte Smartphoneverbindung auf, um etwa das GPS des Smartphones anzuzapfen. WLAN wird bei Bedarf zugeschaltet, etwa zum Übertragen großer Bilder oder zur Kamerafernsteuerung. Aber auch beispielsweise zur Canon Connect Station CS100 mit Bildspeicher nimmt die M5 Verbindung auf, so dass sich die Aufnahmen bequem im heimischen Netzwerk sichern und auf dem Fernseher wiedergeben lassen.

Bildqualität

Um der Bildqualität der Canon EOS M5 auf den Grund zu gehen, haben wir sie eingehend in unserem Lübecker Testlabor untersucht. Der gesamte Labortest mit allen Diagrammen, auf denen die folgenden Betrachtungen beruhen, kann gegen eine kleine Gebühr von 1,40 € eingesehen werden (siehe weiterführende Links). Des Weiteren bieten wir Prepaid-Flatrates an, die zeitlich beschränkt den Zugriff auf das gesamte Testarchiv mit über 1.600 Tests von Kameras und Objektiven, darunter auch einige, die wir an der EOS M5 getestet haben, ermöglichen. Die umgerechnet ab 2,08 € monatlich erhältlichen Flatrates werden einmalig im Voraus bezahlt und verlängern sich nicht automatisch. Auch wer sich nicht primär für den Labortestinhalt interessiert, unsere redaktionelle Arbeit und die kostenlosen Tests wie diesen hier aber finanziell unterstützen beziehungsweise würdigen möchte, kann dies einfach mit dem Kauf eines Labortests tun.

  • Bild 24 Megapixel löst der APS-C-Sensor (Copfaktor 1,6) der Canon EOS M5 auf. Für die Fokussierung steht der Dual-Pixel-AF zur Verfügung, der die Pixel zur Phasenmessung in zwei Hälften teilt. [Foto: MediaNord]

    24 Megapixel löst der APS-C-Sensor (Copfaktor 1,6) der Canon EOS M5 auf. Für die Fokussierung steht der Dual-Pixel-AF zur Verfügung, der die Pixel zur Phasenmessung in zwei Hälften teilt. [Foto: MediaNord]

  • Bild Das in der optischen Achse sitzende Stativgewinde ist eines der wenigen Metallteile der mit einem Kunststoffgehäuse versehenen Canon EOS M5. [Foto: MediaNord]

    Das in der optischen Achse sitzende Stativgewinde ist eines der wenigen Metallteile der mit einem Kunststoffgehäuse versehenen Canon EOS M5. [Foto: MediaNord]

Als Testobjektiv diente in unserem Fall das mit der EOS M5 erhältliche, neue EF-M 18-150 mm 3.5-6.3 IS STM, das einen alltagstauglichen wie großen Brennweitenbereich von auf Kleinbild umgerechnet 29 bis 240 Millimeter bietet. Wie bereits im Testbericht des Objektivs festgestellt (siehe weiterführende Links) zeigt es zwar eine hohe tonnenförmige Verzeichnung im Weitwinkel und kissenförmige Verzeichnung bei mittlerer und langer Brennweite, schattet jedoch am Bildrand kaum ab und die chromatischen Aberrationen halten sich ebenfalls in Grenzen. Mit einer maximalen Auflösung von 65 Linienpaaren pro Millimeter (lp/mm, bei 50 Prozent Kontrast im Kleinbildäquivalent) zeigt es zudem, dass die EOS M5 sehr hoch auflösen kann. Jenseits von F5,6 nimmt die Auflösung jedoch beugungsbedingt ab und ein deutlicher Randabfall der Auflösung ist bei dem Objektiv auch nicht zu leugnen, der jedoch erst bei Ausdrucken größer als im DIN A4 Format sichtbar wird.

Die M5 selbst zeigt bei ISO 100 und 200 einen guten Signal-Rauschabstand von über 40, aber unter 45 dB. Bei ISO 400 sinkt der Wert unter 40 dB und unterschreitet die kritische Grenze von 35 dB bereits bei ISO 1.600. Mit unter zwei Pixeln Durchmesser bleibt das Rauschen feinkörnig und wird ab ISO 3.200 leicht in Form von Helligkeitsrauschen sichtbar. Auch bei höheren Empfindlichkeiten steigt es nur sanft an, um jedoch bei der höchsten Empfindlichkeit von ISO 25.600 einen deutlichen Sprung nach oben zu machen. Farbrauschen hat die Canon hingegen perfekt im Griff. Die Rauschunterdrückung macht sich ab ISO 800 durch den Verlust an Details bemerkbar, kritisch wird es jedoch erst oberhalb von ISO 1.600, wo die Bilder deutlich weicher werden und Details vermissen lassen, die bei niedrigeren Empfindlichkeiten noch sichtbar sind. Vor allem bei ISO 12.800 und 25.600 ist der Detailverlust äußerst hoch.

Die Eingangsdynamik erreicht bis einschließlich ISO 800 einen sehr guten Wert von über elf Blendenstufen und beginnt dann langsam mit der Steigerung der Empfindlichkeit zu sinken. Bis ISO 3.200 bleibt der Wert mit über zehn Blendenstufen noch im guten Bereich, kritisch niedrig wird auch die Eingangsdynamik wieder bei den beiden höchsten einstellbaren ISO-Empfindlichkeiten. Die Tonwertkurve verläuft für eine knackige Darstellung gut angesteilt, der Ausgangs-Tonwertumfang ist bei ISO 100 und 200 sehr gut, hier werden fast alle der 256 möglichen Helligkeitsnuancen tatsächlich genutzt. Mit steigender Empfindlichkeit sinkt dieser Wert jedoch rapide, oberhalb von ISO 800 sind es weniger als 160 Helligkeitsabstufungen, kritisch wird es bereits oberhalb von ISO 3.200 mit unter 100 Stufen, so dass feine Helligkeitsübergänge gestuft aussehen. Die Farbwiedergabe hingegen ist wieder gut, auch bei höheren Empfindlichkeiten bis hin zu ISO 3.200 werden über zwei Millionen Farben unterschieden, bei ISO 100 und 200 sogar acht Millionen. Die Farbwiedergabe ist größtenteils recht neutral, Grüntöne sind teilweise leicht entsättigt, während Rottöne etwas übersättigt sind. Nichts Kritisches und im normalen Rahmen einer herstellerspezifischen Abstimmung. Schärfeartefakte sind übrigens vorhanden, aber im völlig unkritischen Bereich.

  • Bild Die SD-Speicherkarte wird bei der Canon EOS M5 im Akkufach an der Kameraunterseite entnommen. Das Interface erreicht knapp über 50 MB/s Schreibgeschwindigkeit und ist UHS-I-kompatibel. [Foto: MediaNord]

    Die SD-Speicherkarte wird bei der Canon EOS M5 im Akkufach an der Kameraunterseite entnommen. Das Interface erreicht knapp über 50 MB/s Schreibgeschwindigkeit und ist UHS-I-kompatibel. [Foto: MediaNord]

Die Abstimmung der Bilder in JPEG ist gut, die Bilder wirken knackig und sehen schön aus, ohne aber Anzeichen eines zu starken Eingriffs der Bildaufbereitung zu zeigen. Eine bessere Nachbearbeitungsgrundlage sind aber wie immer die Rohdatenbilder, zumal sie eine höhere Farbtiefe bieten und sich dadurch in Lichtern und Schatten bei kritischen Motiven noch mehr Details herausholen lassen.

Fazit

Insgesamt kann man die Canon EOS M5, mit Abstrichen in gewissen Bereichen, als gut gelungene spiegellose Systemkamera bezeichnen. Sie bietet eine gute Ausstattung, die nur recht wenige Punkte vermissen lässt (etwa eine Panoramafunktion) sowie ein durchdachtes Bedieninterface, das teilweise von der Gehäuseergonomie etwas ausgebremst wird. Den dicksten Minuspunkt fährt sie in unseren Augen bei der preisunwürdigen Verarbeitungsqualität ein. Canon ist zwar in dieser Preisklasse nicht berühmt für die am besten verarbeiteten Kameras, die Schwerpunkte auf Technik, Bildqualität und Bedienung zu legen ist auch völlig legitim, bei der M5 ist die Verarbeitungsqualität jedoch arg grenzwertig. Bei der Bildqualität kann die Kamera wiederum überzeugen, wobei sie insbesondere bei den niedrigsten Empfindlichkeiten punkten kann, hingegen oberhalb von ISO 1.600 weniger. So ist die Canon kein Available-Light-Monster, braucht sich aber ansonsten wahrlich nicht hinter der Konkurrenz zu verstecken. Ein gewisses Manko stellt die bisher geringe Objektivauswahl dar, hier könnte und sollte Canon etwas Gas geben und sich nicht zu sehr auf dem relativ preisgünstigen EF-Adapter ausruhen, der teilweise sogar als kostenlose Zugabe zur Kamera zu haben ist, denn der Vorteil der Kompaktheit einer spiegellosen Systemkamera wird dabei außen vor gelassen. Durch den Adapter bietet sich die EOS M5 für Besitzer einer EOS-DSLR natürlich als ideale Zweitkamera an.


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Hersteller
Kameras

Autor

Benjamin Kirchheim

Benjamin Kirchheim schloss 2007 sein Informatikstudium an der Uni Hamburg mit dem Baccalaureus Scientiae ab. Seit 1998 war er journalistisch für verschiedene Atari-Computermagazine tätig und beschäftigt sich seit 2000 mit der Digitalfotografie. Ab 2004 schrieb er zunächst als freier Autor und Tester für digitalkamera.de, bevor er 2007 als fest angestellter Redakteur in die Lübecker Redaktion kam. Seine Schwerpunkte sind die Kameratests, News zu Kameras und Fototipps.

Steckbrief
HerstellerCanon
ModellEOS M5
SensorCMOS APS-C 22,5 x 15,0 mm (Cropfaktor 1,6)
25,8 Megapixel (physikalisch)
24,2 Megapixel (effektiv)
Pixelpitch3,7 µm
Auflösung (max.)6.000 x 4.000 (3:2)
Video (max.)1.920 x 1.080 60p
ObjektivCanon EF-M 18-150 mm 3.5-6.3 IS STM (Zoom-Objektiv)
VideosucherEVF, 100 % Bildfeldabdeckung, 2.360.000 Bildpunkte Auflösung, Dioptrienausgleich
Monitor3,2" (8,0 cm)
  Auflösung1.620.000 Bildpunkte
  kippbarja
  drehbar
  schwenkbar
  Touchscreenja
AV-AnschlussHDMI-Ausgang Micro (Typ D)
Vollautomatikja
Motivautomatikja
Motivprogramme8
Programmautomatikja
Programmshift
Blendenautomatikja
Zeitautomatikja
Manuellja
Bulb-Langzeitbelichtungja
HDR-Funktionja
Panoramafunktionnein
BelichtungsmessungMatrix/Mehrfeld-Messung, Mittenbetonte Integralmessung, Spotmessung
kürzeste Verschlusszeit1/4.000 s
Blitzeingebauter Blitz
  Synchronzeit1/200 s
  BlitzanschlussBlitzschuh: Canon, Standard-Mittenkontakt
WLANja
NFCja
GPSextern, dauerhafte Smartphone Verbindung
Fernauslöserja, Kabelauslöser, Infrarotauslöser, Fernsteuerung über Smartphone/Tablet
Intervallaufnahme
Speichermedium
SD (SDHC, SDXC, UHS I)
Empfindlichkeit
  automatischISO 100-25.600
  manuellISO 100-25.600
Weißabgleich
  automatischja
  manuelle Messungja
  Kelvin-Eingabeja
  Feinkorrekturja
Autofokusja
  Anzahl Messfelder49
  Geschwindigkeit0,30 s bis 0,50 s
  AF-HilfslichtLED
Abmessungen116 x 89 x 61 mm
Gewicht (betriebsbereit)424 g (nur Gehäuse)
713 g (mit Objektiv)
Stativgewindein optischer Achse
Zoom
  Zoomverstellungmanuell am Objektiv
Akkulaufzeit295 (gem. CIPA-Standard)

– = "entfällt" oder "nicht vorhanden"

Kurzbewertung

  • Dank drei Einstellrädern unabhängige Einstellung von Blende, ISO und Belichtungszeit
  • Guter Video-Bildstabilisator und -Autofokus
  • Hohe erreichbare Auflösung (mit gutem Objektiv)
  • Gute Bildqualität bis ISO 1.600 mit sehr guter Dynamik bis ISO 800
  • Wenig robust wirkendes Gehäuse
  • Gelegentlich unentschlossener Autofokus
  • Hinteres, oberes Daumenrad zwischen Sucher und Belichtungskorrekturrad schlecht zu erreichen
  • Keine Panoramafunktion