Kompakte spiegellose Systemkamera für Vollformat-Einsteiger

Canon EOS RP als preisgünstige Vollformat-Spiegellose präsentiert

2019-02-14 Mit der neuen, preisgünstigen spiegellosen Vollformat-Systemkamera EOS RP will Canon breitere Kundenkreise erschließen. Daher steht das P in RP für Populär, wie übrigens schon Anfang der 60er Jahre des vergangenen Jahrhunderts, damals gab es eine Canonflex RP. Die Canon EOS RP orientiert sich bei der Ausstattung ungefähr an der EOS 6D Mark II, etwa dem 26 Megapixel auflösenden Kleinbildsensor und packt sie in ein besonders kompaktes Gehäuse, kleiner und leichter als die EOS R.  (Benjamin Kirchheim)

  • Bild Die neue Canon EOS RP, hier mit dem erst in der zweiten Jahreshälfte erhältlichen RF 24-240mm F4-6.3 IS USM, ist besonders kompakt und leicht. [Foto: Canon]

    Die neue Canon EOS RP, hier mit dem erst in der zweiten Jahreshälfte erhältlichen RF 24-240mm F4-6.3 IS USM, ist besonders kompakt und leicht. [Foto: Canon]

Die Canon EOS RP baut deutlich niedriger als noch die EOS R; sogar die kompakten Kameras der Alpha-7-Serie von Sony sind höher. Auch das Gewicht kann sich mit betriebsbereiten 485 Gramm (ohne Objektiv) sehen lassen. Trotzdem ist die neue RP nicht billig gebaut, der Handgriff ist sogar sehr ergonomisch, das konnten wir bereits ausprobieren. Selbst über einen Spritzwasser- und Staubschutz verfügt die Kleinbildkamera, er soll auf dem Niveau der EOS 5D Mark III sein. Das Gehäuse selbst besitzt im Inneren einen Leichtmetallkäfig aus einer Magnesiumlegierung und außen Kunststoffschalen. Wer die Kamera gern etwas voluminöser hätte und mehr Platz für den kleinen Finger am Handgriff bevorzugt, bekommt optional für knapp 80 Euro die Grifferweiterung EG-E1. Diese besitzt einen eigenen Akkufachdeckel. Der Deckel am Kameraboden wird vor der Montage entfernt. So braucht man den ansonsten funktionslosen Zusatzgriff nicht abnehmen, wenn man den Akku wechseln möchte.

Das Herzstück der EOS RP ist ihr 26 Megapixel auflösender Kleinbildsensor in CMOS-Technik mit Dual-CMOS-AF-Unterstützung. Es ist derselbe Sensor wie in der EOS 6D Mark II, allerdings mit an das R-System angepasster Mikrolinsenstruktur. Die maximale Empfindlichkeit beträgt ISO 40.000 ohne und ISO 102.400 mit Erweiterung. Um die Datenverarbeitung kümmert sich der Bildprozessor Digic 8, der mit Hilfe des Digital Lens Optimizers (DLO) sogar Objektivfehler kompensieren kann. Dies gilt für alle RF-Objektive sowie bis zu fünf in der Kamera registrierbare adaptierte EF-Objektive.

  • Bild Der Vollformat-CMOS-Sensor der Canon EOS RP löst 26 Megapixel auf und nimmt 4K-Videos mit 1,6-fachen Cropfaktor auf. [Foto: Canon]

    Der Vollformat-CMOS-Sensor der Canon EOS RP löst 26 Megapixel auf und nimmt 4K-Videos mit 1,6-fachen Cropfaktor auf. [Foto: Canon]

Bei der Serienbildfunktion indes muss sich der Käufer mit fünf Bildern pro Sekunde begnügen, mit kontinuierlichem AF-C (der bei Canon Servo-AF heißt) sind es sogar nur vier Bilder pro Sekunde. Immerhin unterstützt der SD-Speicherkartenschacht die Standards SDHC, SDXC, UHS I und sogar UHS II, so dass eine entsprechend schnelle Speicherkarte unterbrechungsfrei komplett mit JPEG-Serienbildern vollgeschrieben werden kann. Bei Raw+JPEG sinkt die Serienbildanzahl dagegen auf immer noch beachtliche 90 Bilder, was 18 Sekunden lang Serienbildern mit AF-S beziehungsweise über 22 Sekunden Serienbildern mit AF-C entspricht.

Neu ist die Möglichkeit, die Serienbilder lautlos mit elektronischem Verschluss aufnehmen zu können. Das beherrscht aktuell nicht einmal die EOS R, soll sie aber dank eines Firmwareupdates bald können. Für Einzelbilder ist der elektronische Verschluss hingegen leider an das Leise-Modus-Motivprogramm gekoppelt, das außer einer Belichtungskorrektur und der optionalen Raw+JPEG-Aufzeichnung kaum Eingriffsmöglichkeiten in die Aufnahme bietet.

  • Bild Neben einem 0,7-fach vergrößernden, 2,36 Millionen Bildpunkte auflösenden OLED-Sucher bietet die Canon EOS RP auch einen 7,5 Zentimeter großen, dreh- und schwenkbaren Touchscreen mit 1,04 Millionen Bildpunkten Auflösung. [Foto: Canon]

    Neben einem 0,7-fach vergrößernden, 2,36 Millionen Bildpunkte auflösenden OLED-Sucher bietet die Canon EOS RP auch einen 7,5 Zentimeter großen, dreh- und schwenkbaren Touchscreen mit 1,04 Millionen Bildpunkten Auflösung. [Foto: Canon]

Die Bedienung ist etwas anders aufgebaut als in der EOS R. Die kontrovers diskutierte Touchbar fehlt, auch ein Status-OLED gibt es nicht. Die EOS RP bietet stattdessen ein klassisches, sehr schön versenktes Programmwählrad, das sogar Platz für Benutzerspeicher bietet. Selbst der neue Fv-Modus hat es in die RP geschafft. Dabei handelt es sich um eine Art Universalmodus, bei dem flexibel die Belichtungsparameter Blende, Belichtungszeit und ISO-Empfindlichkeit wahlweise manuell oder automatisch eingestellt werden können, ohne dafür das Aufnahmeprogramm wechseln zu müssen (siehe weiterführende Links). Eine eingebaute Hilfe-Funktion zeigt Neulingen zudem eine Modusbeschreibung, einen Kreativassistenten sowie eine Autofokusfunktionserläuterung an. Des Weiteren bietet die EOS RP eine M.Fn-Taste auf der Oberseite, die mit Hilfe der beiden Einstellräder die Einstellung von fünf aus neun wählbaren Funktionen erlaubt. Auch einen Lock-Schalter zum Sperren bestimmter Bedienelemente hat Canon eingebaut.

Der elektronische Sucher speckt gegenüber der EOS R etwas ab und bietet "nur" eine 0,7-fache Vergrößerung und ein 2,36 Millionen Bildpunkte auflösendes 0,39"-OLED. Das ist zwar nicht der letzte technische Stand, reicht aber allemal, um gut damit arbeiten zu können. An einen Näherungssensor und eine Dioptrienkorrektur hat Canon jedenfalls gedacht. Der rückwärtige 7,5cm-Bildschirm lässt sich sogar schwenken und drehen, was Aufnahmen aus allen möglichen Perspektiven erlaubt und auch Selfie-Fotografen sowie Vlogger zufriedenstellen sollte. Es handelt sich dabei um einen Touchscreen mit einer Auflösung von 1,04 Millionen Bildpunkten und einem 3:2-Bildseitenverhältnis. Also auch hier im Gegensatz zur EOS R technische Standardkost, mit der sich aber bewährt arbeiten lässt.

  • Bild Die Canon EOS RP besitzt ein klassisches Programmwählrad sowie zwei Einstellräder. Auch ein TTL-Systemblitzschuh fehlt nicht. [Foto: Canon]

    Die Canon EOS RP besitzt ein klassisches Programmwählrad sowie zwei Einstellräder. Auch ein TTL-Systemblitzschuh fehlt nicht. [Foto: Canon]

Der Autofokus arbeitet dank des Dual-CMOS-AFs auf fast der gesamten Sensorfläche (88 Prozent horizontal und 100 Prozent vertikal) und lässt sich über 4.779 Felder praktisch stufenlos verschieben, beispielsweise mittels des Touchscreens. Weil eine begrenztere Anzahl fester Autofokusfelder aber in der Bedienung praktischer ist, bietet die EOS RP auch das, beispielsweise beim Zonen-AF. Innerhalb von 0,05 Sekunden soll die EOS RP fokussieren können, was laut Canon unter den Vollformat-DSLMs Weltrekord ist. Auch eine auf F11 geschlossene Blende oder -5 LW dunkles Umgebungslicht werden vom Autofokus noch bedient.

Neu ist die Fokus-Bracketing-Funktion, die den elektronischen Verschluss verwendet. Sie kann wahlweise automatisch oder manuell gesteuert werden. Bei der Automatik wählt die Kamera selbst die Schrittweite und Bildanzahl anhand des Motivs aus. Allerdings müssen die Aufnahmen für ein Fokus-Stacking mit einer externen Software zusammengesetzt werden, die neue Version der von Canon mitgelieferten Software Digital Photo Professional (DPP) wird dies unterstützen. Der Augen-Autofokus arbeitet nun auch im AF-C-Betrieb und ebenso während einer Videoaufnahme.

  • Bild Mit der 80 Euro teuren Grifferweiterung EG-E1 lässt sich die Ergonomie der Canon EOS RP für große Hände verbessern. [Foto: Canon]

    Mit der 80 Euro teuren Grifferweiterung EG-E1 lässt sich die Ergonomie der Canon EOS RP für große Hände verbessern. [Foto: Canon]

Apropos Videos: Diese werden maximal mit 25 Bildern pro Sekunde in 4K-Auflösung oder bei bis zu 60 Bildern pro Sekunde in Full-HD-Auflösung aufgenommen. In 4K arbeitet die EOS RP allerdings mit einem 1,6-fachen Crop. Canon gibt noch ungelöste Wärmeprobleme als Grund dafür an und empfiehlt, doch einfach ein AF-S-Objektiv für Weitwinkelvideos zu adaptieren, etwa das recht neue 10-18 mm. Leider arbeitet der Dual-Pixel-CMOS-AF nicht während 4K-Aufnahmen, so dass nur der Kontrast-Autofokus zur Verfügung steht. Immerhin bietet die EOS RP einen externen Mikrofon- und Kopfhöreranschluss, zudem lassen sich via HDMI externe Videos in 4:2:2 8 Bit aufzeichnen. Des Weiteren bietet die EOS RP Fokus-Peaking, eine HDR-Videofunktion, einen elektronischen Fünf-Achsen-Video-Bildstabilisator, einen Intervall-Timer und eine 4K-Zeitraffer-Funktion.

Zur Stromversorgung kommt der aus der EOS-M-Serie und den Canon-Mittelklasse-DSLRs bekannte Lithium-Ionen-Akku LP-E17 zum Einsatz. Er soll für 270 Aufnahmen nach CIPA-Standard reichen. Dank USB-C lässt sich der Akku unterwegs in der Kamera nachladen. Dazu ist allerdings ein 3 A starkes USB-C-Ladegerät nötig (auch wenn die Kamera in der Praxis weniger Stromstärke abruft), zudem lädt sie nur im ausgeschalteten Zustand. Da ihr aber auch ein klassisches externes Ladegerät beiliegt, kann man den Akku auch anderweitig laden.

WLAN und Bluetooth sind ebenfalls an Bord, so dass die Canon EOS RP Bilder in Raw und JPEG sowie Videos drahtlos übertragen kann und sich auch fernsteuern lässt. Zudem ist das Anzapfen des Smartphone-GPS möglich, wobei alternativ der Blitzschuh-GPS-Dongle von Canon ebenfalls unterstützt wird. Bereits ab Ende Februar 2019 soll die Canon EOS RP zu einem Preis von knapp 1.500 Euro erhältlich sein. Ein EF-Adapter gehört zum Lieferumfang. Das Set mit dem RF 24-105mm F4L IS USM soll knapp 2.500 Euro kosten. Canon bietet aber auch ein günstiges Bundle-Programm für beliebige Objektive an, so wäre auch ein selbst zusammengestelltes Set mit dem EF 24-105 mm für knapp 2.000 Euro denkbar, der passende Adapter liegt der EOS RP ja bei.


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Benjamin Kirchheim

Benjamin Kirchheim, 41, schloss 2007 sein Informatikstudium an der Uni Hamburg mit dem Baccalaureus Scientiae ab. Seit 1998 war er journalistisch für verschiedene Atari-Computermagazine tätig und beschäftigt sich seit 2000 mit der Digitalfotografie. Ab 2004 schrieb er zunächst als freier Autor und Tester für digitalkamera.de, bevor er 2007 als fest angestellter Redakteur in die Lübecker Redaktion kam. Seine Schwerpunkte sind die Kameratests, News zu Kameras und Fototipps.