Spiegellose Systemkamera, Systemkamera

Testbericht: Panasonic Lumix DMC-G1

Seite 2 von 2, vom 2008-12-11 (Autor: Benjamin Kirchheim)Zur Seite 1 wechseln

Auf diese Weise kommt man auch am schnellsten zu den Blitzeinstellungen. Hier bleiben kaum Wünsche offen. Damit der Blitz (mit einer von uns gemessenen Leitzahl 11,2) überhaupt zünden kann, muss er allerdings zuerst per Hand entriegelt werden – automatisch poppt er nicht auf. Neben einer Automatik kann man einen Aufhellblitz zuschalten oder eine Langzeitsynchronisation aktivieren. Darüber hinaus gibt es einen Vorblitz gegen rote Augen; besser wirkt allerdings die digitale Entfernung, die die Kamera ebenfalls beherrscht. Kreative Blitzer werden sich nicht nur über die Blitzbelichtungskorrektur freuen, sondern auch über die Möglichkeit, auf den zweiten Verschlussvorhang, also zum Ende der Belichtung, zu blitzen. Selbstverständlich gehört zu einer Systemkamera auch ein Systemblitzschuh, der sowohl Olympus- als auch Panasonic-TTL-Blitze (FL220, FL360 und FL500) aufnimmt. Die kürzeste Blitzsynchronzeit liegt generell bei 1/160 Sekunde. Das ist etwas schade, liegt aber daran, dass die Kamera noch über einen mechanischen Verschluss verfügt (näheres siehe Abschnitt Objektiv).

Die Serienbildfunktion ist hauptsächlich aufgrund der schnellen Schreibgeschwindigkeit auf die SD-Speicherkarte recht leistungsfähig – eine entsprechend schnelle SD-Karte vorausgesetzt. Im JPEG-Modus nimmt die Kamera locker 170 Aufnahmen am Stück bei 3,2 Bildern pro Sekunde auf – danach bricht die Geschwindigkeit auf immer noch respektable 1,8 Bilder pro Sekunde ein. Bei RAW-Aufnahmen ist hingegen schon nach fünf Bildern Schluss mit der "Geschwindigkeitsorgie" – danach bleiben nur noch klägliche 0,6 Bilder pro Sekunde, bis die Speicherkarte voll ist. Wer noch mehr Bilder mit konstanter Geschwindigkeit aufnehmen möchte, aber weniger als drei Bilder pro Sekunde braucht, kann die Geschwindigkeit im Menü drosseln.

Objektiv Die Lumix G1 ist die erste Umsetzung des Micro FourThirds-Systems, das zwar ähnlich wie "klassische" digitale Spiegelreflexkameras auf Wechselobjektive setzt, aber im Konzept keinen Schwingspiegel vorsieht. Dadurch konnte das Auflagemaß (Flange Back), das den Abstand vom Sensor zum Objektiv angibt, deutlich von den sonst üblichen rund 40 mm auf 20 mm schrumpfen. Das erlaubt nicht nur kompaktere (flachere) Kameras, sondern vor allem auch kompaktere Objektive, was insbesondere im Weitwinkelbereich auffällt – hier sind normalerweise äußerst klobige und teure Retrofokus-Konstruktionen vonnöten. Dem 14-45mm-Kitobjektiv merkt man die Größenersparnis an, dem 45-200mm-Telezoom hingegen kaum.

Befindet sich kein Objektiv an der Kamera, ist der direkte Blick auf den Sensor frei. Das täuscht vor, die G1 hätte keinen mechanischen Verschlussvorhang mehr, was allerdings nicht zutrifft; standardmäßig ist er aber offen. Das führt zum einen zu der recht langen Blitzsynchronzeit von 1/160 Sekunde (ohne wäre der gesamte Verschlusszeitenbereich bis 1/4.000 Sekunde möglich), zum anderen aber auch zu einem deutlichen Auslösegeräusch, was man von einer Kamera ohne Schwingspiegel nicht erwarten würde. Gleich viermal muss sich der Verschluss bei jedem Auslösevorgang bewegen: Erst geht er zu, um den Sensor abzudunkeln und auf "Null" zu setzen, dann geht er für die Belichtung auf, zum Ende der Belichtung wieder zu und anschließend wieder auf, um den Sensor für die Livebildfunktion freizugeben. Für die Lebensdauer des Verschlusses kann das nichts Gutes bedeuten, sie wird dadurch halbiert. Man kann nur hoffen, dass Panasonic hier einen sehr hochwertigen Verschluss verbaut hat, um das zu kompensieren.

Durch das neue Bajonett ist die Auswahl an Objektiven äußerst dünn gesät. Neben dem 14-45mm-Kitobjektiv gibt es nur noch ein 45-200mm-Telezoom – auf weitere Objektive wird man noch etwas warten müssen. Für recht teure 230 EUR gibt es zwar einen mechanischen Adapter auf FourThirds-Objektive, diese müssen aber bis auf wenige Ausnahmen manuell fokussiert werden – nicht gerade ein Kaufargument für Besitzer eines FourThirds-Systems. Wer dagegen gerne manuell fokussiert, sollte einen Blick auf Novoflex werfen: Diese Firma bietet nämlich inzwischen einen Micro FourThirds-Adapter für Leica-M-Objektive an. Hier können also alte Schätze mit manueller Fokussierung zu neuer Form auflaufen. Prinzipiell lassen sich – rein mechanisch – auch Adapter für sämtliche andere Bajonette bauen, die aktuell noch am Markt vertreten sind. Das größte Problem dürfte allerdings die Blendensteuerung moderner Objektive sein. Auch wenn das Objektivprogramm aktuell noch recht dünn gesät ist, kann man auf die Zukunft bauen, denn Panasonic plant einen systematischen Ausbau des Systems. Interessanterweise tragen die beiden Kit-Zooms kein Leica-Label. Der verbaute optische Bildstabilisator kann dabei schon als Selbstverständlichkeit angesehen werden.

Der Autofokus der Panasonic Lumix DMC-G1 setzt dagegen neue Maßstäbe. Er ist mit rund 0,3-0,4 Sekunden rattenschnell und flüsterleise – auch wenn die Objektive laut Panasonic keinen Ultraschallantrieb besitzen. Die G1 muss sich wahrlich vor keiner Einsteiger-DSLR verstecken. Doch der Live-Autofokus hat noch ganz andere Vorteile: Praktisch stufenlos kann man den Autofokuspunkt auf dem Monitor umher schieben, Motivteile können erkannt und anhand ihrer Struktur verfolgt werden. Gesichter werden identifiziert, und maximal 23 Autofokusfelder gleichzeitig ausgelesen. Klassische DSLRs sind hingegen auf bestimmte Autofokuspunkte festgelegt, die nichts anderes können als Schärfe messen. Und um dies zu können, bedarf es bei einer SLR vieler mechanischer Tricks: Das Bild muss mit halbdurchlässigen Spiegeln kompliziert getrennt und umgelenkt werden, schließlich sitzen die AF-Sensoren im Boden. So ergeben sich höhere mechanische Toleranzen, die auch die Zuverlässigkeit des Autofokus negativ beeinflussen – all das fällt bei der G1 weg. Auch mit lichtstarken Objektiven arbeitet der Autofokus höchst genau, und je lichtstärker die Objektive sind, desto größer ist der Genauigkeitsgewinn der G1. Selbst bei wenig Licht soll der Autofokus noch arbeiten, Panasonic gibt einen Bereich von immerhin 0-18 EV bei ISO 100 an. Ist es noch dunkler, schaltet sich optional ein oranges LED-Hilflicht zu, das allerdings recht grell leuchtet.

Bildqualität Bei all den Highlights gerät die Sensorauflösung fast ins Hintertreffen, doch auch hier gibt es eine Weiterentwicklung zu vermelden. Zwar bleibt die Auflösung mit 12,1 Megapixeln (physikalisch 13,1 Mio.) relativ bescheiden, auch wenn die Auflösung des 4/3-Sensors damit um 2 Megapixel steigt (z. B. gegenüber der Panasonic L10 oder Olympus E-3/420/520), aber bei einem Vollformatsensor entspräche das einer Auflösung von gut 50 Megapixeln bei entsprechender Pixeldichte. Bewährt und wieder eingesetzt wird dabei Panasonics Live-MOS-Technik, die Vorteile verschiedener Techniken in sich vereint und zu hoher Bildqualität fähig ist, wie man beispielsweise bei einer Olympus E-3 sehen kann. Dank der MOS-Technik spielen Smear-Effekte im LiveView – im Gegensatz zur CCD-Technik – auch keinerlei Rolle. Somit kommt es im LiveView-Modus bei Spitzlichtern (Reflexionen oder der Sonne im Bild) nicht zu durchgehenden, senkrechten Linien in Magenta oder anderen Farben. Um die Bildqualität zu testen, haben wir die G1 mit insgesamt drei Objektiven ins DCTau-Bildqualititäts-Testlabor geschickt. Die ausführlichen Ergebnisse mit Diagrammen, Ausschnitten aus Testbildern, Testnoten und Testerkommentar sind über die weiterführenden Links abrufbar. Die folgenden Ausführungen stützen sich auf die Ergebnisse mit dem 14-45mm-Kitobjektiv.

Die Auflösung des Objektivs an der G1 ist bei allen Brennweiten in der Bildmitte gut, zeigt aber einen Randabfall bei kurzer und mittlerer Brennweite. Dabei spielt die verwendete Blende kaum eine Rolle – sowohl auf- als auch abgeblendet zeigt sich der Randabfall, ein Auflösungsunterschied zwischen den Blenden ist nicht zu erkennen. Somit kann das Objektiv als offenblendtauglich bezeichnet werden – für ein Kitobjektiv eine außerordentlich gute Leistung. Bei der Aufbereitung feiner Bilddetails geht Panasonic nicht gerade zaghaft zu Werke. Vor allem an Diagonalen zeigen sich deutliche Aliasing- und Moiréeffekte, wobei die Farbmoirés dominieren. Das kann bei der Wiedergabe bestimmter Strukturen durchaus störend wirken. Dieses Phänomen zeigt sich allerdings bei fast allen Kameras mehr oder minder stark. Sehr gut hingegen ist die Scharfzeichnung, die zwar nicht zurückhaltend ist, aber auch keine Artefakte, Doppellinien oder Schwarz/Weißclipping erzeugt.

Neben der Offenblendtauglichkeit kann das Objektiv auch in Sachen Verzeichnung überzeugen. Zwar liegt bei kurzer und mittlerer Brennweite eine tonnenförmige Verzeichnung vor, diese ist aber vor allem am Weitwinkelende für die Brennweite erstaunlich gering. Die minimale tonnenförmige Verzeichnung in Telestellung hingegen kann man vernachlässigen. Damit gehört das Kitobjektiv in Sachen Verzeichnung zu den Allerbesten, sofern die Korrektur nicht durch kamerainterne Bildbearbeitung erfolgt ist. In einer anderen wichtigen Disziplin des Objektivs ergibt sich ein gemischtes Bild. Die Vignettierung ist im Weitwinkel bei Offenblende am stärksten und zeigt hier – wie auch am Teleende – einen leichten spontanen Vignettierungsanteil, was die Randabdunklung stärker sichtbar macht. Abgeblendet kann sie hingegen bei allen Brennweiten vernachlässigt werden.

Gespannt waren wir auf das Rauschverhalten des Sensors. Bis ISO 800 ist es erstaunlich gering. Es zeigt sich ein ganz leichtes Farbrauschen und ein wenig aggressives Helligkeitsrauschen. Ab ISO 1.600 hingegen steigt das Rauschen sprunghaft an. Zwar bleibt das Farbrauschen niedrig, das Helligkeitsrauschen hingegen zeigt aggressive Salz & Pfeffer-Anteile. Man muss Panasonic an dieser Stelle allerdings zu Gute halten, das nicht versucht wird, die Ergebnisse durch eine starke Schattenrauschunterdrückung zu schönen. Bei anderen Herstellern ist dies längst Gang und Gebe, was zwar zu Lasten der Detailzeichnung in den Schatten geht, aber den Signal-Rauschabstand in den Schatten und die Eingangsdynamik schönt. Da Panasonic dies nicht tut, bricht auch die gemessene Eingangsdynamik ab ISO 1.600 deutlich ein. Darunter gehört sie mit rund 8,2 Blendenstufen allerdings auch eher zur unteren Klasse. Das gemischte Bild setzt sich bei der Ausgangsdynamik fort. Diese ist erstaunlich neutral und vor allem in den Lichtern sehr linear. In den Schatten ist sie etwas weicher, verschenkt aber vor allem die Ausnutzung der wirklich tief schwarzen Tonwerte, wodurch die Schatten unnötig an Brillanz verlieren. Dem kann in der Bildbearbeitung glücklicherweise leicht abgeholfen werden.

Gespeichert werden die Bilder im RAW- oder JPEG-Format mit jeweils zwei Kompressionsstufen. Die geringere JPEG-Komprimierung arbeitet dabei visuell verlustfrei. Bei der höheren Komprimierung passen zwar rund 2½-mal so viele Bilder auf die Speicherkarte, man muss allerdings auch mit ein paar Detailverlusten durch Komprimierungsartefakte leben. Alternativ kann auch die Auflösung – in allen drei Seitenverhältnissen (4:3, 3:2 und 16:9) – auf die Hälfte oder ein Viertel herabgesetzt werden, um Speicherplatz zu sparen. Souverän arbeitet die Belichtungsmessung der G1, die neben Mehrfeld je nach Motiverfordernissen auch auf mittenbetont Integral oder eine Spotmessung umgestellt werden kann. Der automatische Weißabgleich hingen arbeitet nicht bei allen Lichtverhältnissen optimal. Zwar ist er bei natürlichem Licht sehr zuverlässig, aber bei Leuchtstofflampenlicht schleicht sich gerne mal ein leichter Grünstich ein, wohingegen bei Glühlampenlicht ein Orangefarbstich auftritt. Die Weißabgleichsvoreinstellungen helfen bei diesen Problemen wenig, denn es gibt nur eine Kunstlichteinstellung, wo andere Kamerahersteller Glühlampenlicht plus drei Leuchtstofflampenfarbtöne anbieten. Da bleibt dem Fotografen nur der Griff zum manuellen Weißabgleich, der mit zwei Speicherplätzen daherkommt, oder der manuellen Farbtemperaturwahl. Die kann auch in anderen Lichtsituationen sinnvoll sein, z. B. wenn man die Farbtemperatur der Lampen im Studio kennt. Wem die Weißabgleichsvoreinstellungen nicht zusagen, kann sie zusätzlich per flexibler Feinkorrektur anpassen.

Fazit Die Lumix DMC-G1 ist ein klasse Einstieg von Panasonic in dieses neu geschaffene Marktsegment. Praktisch alles an vorhandener, modernster Technik ist in der Kamera verbaut, auch haptisch überzeugt sie vollauf. Die G1 ist faktisch die Weiterentwicklung der anachronistischen DSLR. Man hat regelrecht das Gefühl, dass Panasonic schon lange eine solche Kamera bauen wollte, es bisher lediglich am Konzept (Micro FourThirds) und der Technik (Sucher, Bildsensor, Prozessorgeschwindigkeit) gemangelt hat. Insgesamt überzeugt die Bildqualität bis ISO 800, die Auflösung stimmt, und das Objektiv ist – trotz fehlendem Leica-Schriftzug – im Vergleich zu anderen Kitobjektiven geradezu herausragend. Bei der Eingangsdynamik und dem Schwarzwert sollte Panasonic aber nochmal seine Hausaufgaben machen. Wer Spaß an Fotografie, Einfachheit und moderner Technik hat, wird sich jedenfalls für diese Kamera begeistern können.

Kurzbewertung

  • Flexibler Monitor
  • Hohe Verarbeitungsqualität
  • Für einen elektronischen Sucher überragende Qualität
  • Schneller Autofokus
  • Nur akzeptable Eingangsdynamik, Ausgangsdynamik mit zu hohem Schwarzwert
  • Ab ISO 1.600 hohes Rauschen
  • Aktuell geringe Auswahl an kompatiblem Objektiven (bzw. teurer FourThirds-Adapter und nur wenige Live-AF-kompatible Objektive)
  • Zu rutschiges und schwergängiges Einstellrad

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