Kompaktkamera

Testbericht: Kodak DC4800

2000-10-12 Ganz unscheinbar sieht Kodaks neuestes Digitalkamera-Flaggschiff DC4800 aus. Unter der "Verkleidung" einer Kompaktkamera versteckt sich aber eine vollwertige Semi-Profi-Kamera, die durch ihre Einstellmöglichkeiten und ihr Zubehör besonders bei Reise- und Reportagefotografen gefallen dürfte. Grund genug für die digitalkamera.de-Redaktion, die Kodak DC4800 mit ins Testlabor zu nehmen und sie unter allen Blickwinkeln zu begutachten.  (Yvan Boeres)

Kodak DC4800 [Foto: MediaNord]Kodak hat eine ausgesprochene Vorliebe für "ausgefallene" Digitalkameras: In puncto Design haben sich die DC-Modelle schon immer von der Masse abgehoben und auch in Sachen Technik wagte Kodak schon einige Experimente mit mehr oder weniger glücklichem Ausgang. Die neue DC4800 bildet da keine Ausnahme und wirft sogar das bisherige Konzept der Kameras aus der DC-Reihe förmlich über Bord. Klein, handlich und extrem leicht zu bedienen, hat die DC4800 das Zeug, bei vielen Digitalfotografen als auch bei "alten Hasen" aus der Kleinbildfotografie einen neuen Liebhaber-Kreis zu finden. Das Konzept der DC4800 erinnert ein bißchen an die analogen Kameras Konica Hexar und Leica Minilux und wird sicherlich auch dieselbe Käuferschicht ansprechen. Sie bietet nämlich die Kompaktheit von Kompaktkameras, die manuellen Einstellmöglichkeiten einer Spiegelreflexkamera und die Bedienungsfreundlichkeit einer manuellen Kamera und das in Form einer modernen Digitalkamera. Ob die DC4800 auch hält, was sie verspricht und tatsächlich im Fotografen-Alltag ohne jeglichen Zweifel an die Praxistüchtigkeit überall mitgenommen werden kann, mußte sie im digitalkamera.de-Praxis-Test beweisen.

Ergonomie und Verarbeitung  Mit der DC4800 schlägt Kodak ganz neue Wege in puncto Kameradesign ein. Die DC4800 kommt im Kompaktkamera-Look und besticht durch ihr ganz schlichtes Auftreten. Schlicht ist auch die Verarbeitung, besteht das Kameragehäuse doch hauptsächlich aus Kunststoff (das gilt auch für das Stativgewinde) – wenn auch von der hochwertigeren Sorte. Die Lackierung ist champagnerfarben und verleiht so der DC4800 einen Hauch von Exklusivität. Trotz aalglattem Finishing und gerundeten Formen liegt die Kamera erstaunlich gut in der Hand; höchstens bei schweißgebadeten Händen sollte man die Kamera vielleicht zur Sicherheit über die mitgelieferte Handschlaufe festhalten. Beim Einschalten fährt das Objektiv der DC4800 mit einem angenehm leisen Surren aus dem etwas hervorstehendem Tubus heraus; leider wird dieser gute Eindruck vom einem lautstarken Knarren des Autofokus getrübt, sobald man den Auslöser halb herunterdrückt.

Kodak DC4800 Rückseite [Foto: MediaNord]Der Sucher der DC4800 ist linksbündig an der Kamera gelegen, ist aber so plaziert, daß man kaum mit der Nase – egal ob Rechts- oder Links-"Äuger" – gegen den LCD-Farbbildschirm drückt. Das Sucherbild ist klar und hell, die Schärfe läßt sich über eine Dioptrieneinstellung an das eigene Auge anpassen. Autofokus-Arbeitsbereich und Bildausschnitt bei Nahaufnahmen (Parallaxen-Phänomen) sind durch entsprechende Markierungen im Sucher gekennzeichnet. Die Anschlußleiste und der Speicherkartenschacht werden durch stabile Deckel geschützt und belegen die linke und die rechte Seite des Kameragehäuses, so daß es kaum zu Kabelsalat kommen kann.

Das relativ mittig plazierte Stativgewinde aus Kunststoff ermöglicht zwar eine feste Montage der Kamera auf einem Stativ oder auf einer Schnellwechselplatte. Dann ist leider jedoch weder das Wechseln des Akkus möglich noch das Entnehmen der Speicherkarte – obwohl deren Schacht an der Seite liegt. Ungünstigerweise hat Kodak den Auswurfhebel für die Speicherkarte auf die Unterseite der Kamera nahe dem Stativgewinde gelegt und ohne dessen Unterstützung (die sogar einen erheblichem Kraftaufwand erfordert) bekommt man die CompactFlash-Karte kaum aus der Kamera.

Bedienungsanleitung  Neben je einer Schnellstartanleitung in deutsch, englisch und französisch, in der die wichtigsten Schritte für die ersten Aufnahmen erklärt sind, liegen der Kamera in denselben Sprachen vollständige, gedruckte Handbücher im handlichen DIN A6-Format mit farbigem Einband bei. Während der englischen Version noch ein eigenes handliches Handbuch spendiert wurde, sind die deutsche und französische Versionen in einem gemeinsamen Heft untergebracht. Von der einen Seite blättert man im deutschen Teil, von der anderen Seite im französischen. Eine Trennung der beiden Sprachversionen ist leider ohne Zerstörung des Heftes nicht möglich, so muß man den unnötigen Teil als Ballast in Kauf nehmen. Im Einband jeder Sprachversion befindet sich eine Ausklappseite mit einer grafischen Darstellung der Anatomie der Kamera; so daß man beim Lesen schnell vergleichen kann, welcher Knopf gemeint ist. Die Suche nach bestimmten Themen wird durch ein Stichwortverzeichnis und ein komplettes Inhaltsverzeichnis sehr gut unterstützt, sogar jedes Kapitel beginnt mit einem eigenen Inhaltsverzeichnis. Der deutschsprachige Teil umfaßt 121 Seiten, auf denen nicht nur alle Funktionen mit unterstützenden Illustrationen beschrieben sind, sondern zu jedem Thema auch immer ein wenig Know-How vermittelt wird.

Kodak DC4800 Detail Hauptmenü [Foto: MediaNord]   
Kodak DC4800 Detail Menüführung "Farbmodus" [Foto: MediaNord]

Menüführung, Kameraeinstellung  Mit ihrem zentralen Einstellrad, das zugleich als Blenden-Wahlschalter fungiert, erinnert die Kodak DC4800 ein bißchen an die edlen Kleinbild-Kompaktkameras Konica Hexar und Leica Minilux. Das zentrale Einstellrad besitzt sogar noch eine dritte Funktion; ist doch noch zusätzlich der Einschaltknopf in der Mitte des Einstellrades versenkt. Zwischen Auslöser und Einstellrad befindet sich noch ein Drehschalter für Belichtungskorrekturen, der Anpassungen um bis zu 2 Blenden in halben Schritten erlaubt. Die Wahl der Belichtungseinstellung ist ein bißchen ungewöhnlich: Ist das Einstellrad auf "P" gestellt, arbeitet die DC4800 in der Programmautomatik. Dreht man das Rädchen weiter nach links auf eine der drei möglichen Positionen (F2,8 sowie F5,6 und F8), gibt man der Kamera die Blende vor und die Belichtungsautomatik wählt dann automatisch die den Lichtbedingungen angepaßte Belichtungszeit (Zeitenautomatik mit Blendenvorwahl). Ganz manuell läßt sich die Belichtung auch einstellen – dafür muß man im Kameramenü die entsprechende Option aktivieren und per Cursor-Taste die gewünschte Verschlußzeit auswählen. Eine Blendenautomatik gibt es bei der DC4800 nicht.

Separate Knöpfe wurden bei der DC4800 den Blitzfunktionen (manuelle Blitzzuschaltung und Rote-Augen-Verringerung), den Fokussier-Optionen (Makro- und Landschaftseinstellung) sowie den Bildtransportfunktionen (Serienbild, Selbstauslöser) gewidmet. Alle andere Einstellungen erfolgen über das grafische Menüsystem, das auf dem LCD-Farbbildschirm angezeigt und über eine Cursorwippe bedient wird. Der 1,8"-TFT-LCD-Monitor ist ausreichend hell und sogar bei direktem Sonneneinfall noch einigermaßen lesbar. Die Darstellung im Vorschaumodus ist weitgehend ruckelfrei, neigt jedoch bei schwachem Licht zu leichter Grobkörnigkeit bzw. zu Bildrauschen.

Objektiv  Ein gutes Stückchen ragt das fest mit dem Gehäuse verbundene Teil des 3-fach-Zoomobjektiv bereits in Ruhestellung aus dem Kameragehäuse. Wird die Kamera eingeschaltet, fährt der innere Teil noch weitere 2 cm heraus und verharrt in dieser Position unabhängig von der Zoomeinstellung. Der Brennweitenbereich (umgerechnet auf Kleinbild) ergibt etwa 28 bis 84 mm bei einer Lichtstärke von F2,8 bis F4,5. Das ist eine sehr glückliche Wahl von Kodak, entspricht dies doch praktisch einem Standard-Zoomobjektiv mit 28 bis 80 mm Brennweite, wie es viele Fotografen aus der analogen Kleinbildfotografie kennen. Die DC4800 ist somit auch eine der wenigen Kameras, die eine "echte" Weitwinkelposition bieten. Das Objektiv arbeitet im Telebereich weitgehend verzeichnungsfrei, in extremer Weitwinkel-Stellung leicht tonnenförmig (sichtbar bis leicht störend). Die Abbildungsschärfe ist bei allen Brennweiten und in allen Bildbereichen gut, wenn auch nicht überragend. Vignettierungen treten nicht auf.

Kodak DC4800 mit Vorsatzobjektivadapter [Foto: MediaNord]Passend zur Kamera gibt es im Kodak-Zubehörprogramm einen Objektivadapter mit 43-mm-Anschlußgewinde, an den das eigens für die DC4800 entworfene optische Zubehör angeschraubt werden kann. Zusätzlich besitzt der Objektivadapter noch eine weitere Funktion: er enthält nämlich eine praktische Sonnenblende und kann somit bei nicht vorgeschraubten Konverter einen guten Schutz gegen seitlich einfallendes Licht bieten. Der Weitwinkel-Konverter für die DC4800 kommt mit einem 0,6-fachen Verkürzungsfaktor, was die Anfangsbrennweite der DC4800 auf erstaunliche 17 mm reduziert. Diese kann man durchaus voll nutzen; Vignettierungen sind selbst bei dieser beachtlich großen Brennweite nicht vorhanden. Die Kodak DC4800 ist somit eine der ersten Digitalkameras (egal ob Consumer- oder Profi-Digitalkameras), die einen "echten" Super-Weitwinkel besitzt. Die Verzeichnungen halten sich dabei im erträglichen Rahmen. Sie sind zwar deutlich sichtbar und der Weitwinkel-Konverter eignet sich deshalb nur bedingt für Architektur- und Personenaufnahmen. Wenn man bedenkt, daß man es hier mit einer Brennweite von 17 mm zu tun hat (und das auch noch mittels optischem Aufsatz), ist die Verzeichnung erstaunlich gering. Der 2-fach Telekonverter von Kodak hinterläßt einen nicht ganz so positiven Eindruck. Ganz ohne Vignettierung geht es nur in stärkster Zoomstellung; man kann also lediglich die ursprüngliche Maximal-Brennweite von 84 mm auf knapp 170 mm verdoppeln, alle Zwischenbrennweiten bleiben wegen der starken Vignettierung unbrauchbar. Darüber hinaus bietet Kodak für die DC4800 noch Makro-Vorsatzlinsen (+7 und +10 Dioptrien) an, mit denen der geringstmögliche Aufnahmeabstand von 20 cm bei Makroaufnahmen weiter herabgesetzt werden kann. Generell muß man feststellen, daß die DC4800 – mit oder ohne optischem Konverter – zu einem ganz leichten Farbsaum in allen Bildpartien neigt. Ob dies ein rein optisches Problem (chromatische Aberration) oder Bildsignal-bedingt ist, konnten wir mit der uns zur Verfügung stehenden Test-Ausrüstung nicht herausfinden.

Kodak DC4800 Oberseite [Foto: MediaNord]Belichtungsmessung und -steuerung  Wie bereits in der Rubrik "Menüführung, Kameraeinstellung" erwähnt, erfolgt die Wahl des Belichtungsmodus teils über das zentrale Einstellrad, teils über das Menüsystem der Kamera. Ist das Einstellrad auf P gestellt, befindet sich die DC4800 in der Programmautomatik und sucht sich die zu den Lichtverhältnissen passende Verschlußzeiten- (1/2 bis 1/1.000 Sekunden) und Blenden- (F2,8 sowie F5,6 und F8) Kombination. Rastet man das Einstellrad auf eine der drei wählbaren Blenden ein, wechselt die DC4800 in die Zeitenautomatik mit Blendenvorwahl. Wählt man zudem noch im Kameramenü eine der Verschlußzeiten manuell an (zusätzlich zu den Standard-Verschlußzeiten kann man noch Langzeit-Belichtungszeiten zwischen 0,7 und 16 Sekunden (in 10 Schritten) verwenden), verhält sich die DC4800 wie eine manuell gesteuerte Kamera. Bei der Belichtungsmessung stehen eine Mehrfeld-, eine Spot- und eine mittenbetonte Integralmessung dem Benutzer zur Verfügung. Äußerst komfortabel lassen sich Belichtungskorrekturen bei der DC4800 eingeben: Ein Drehschalter an der Kameraoberseite (unmittelbar neben dem Auslöser) läßt Belichtungskorrekturen um bis zu 2 Blenden in halben Schritten zu. So einfach war die Eingabe von Belichtungskorrekturen noch nie!

Unheimlich viel Spielraum läßt die DC4800 dem Benutzer auch bei der Einstellung des Weißabgleiches. Neben den Standardeinstellungen (automatisch, Tageslicht, Blitzlicht, Glühlampen, Leuchtstofflampen) kann der geübte Digitalfotograf die Farbtemperatur auch manuell (von 2.500 bis 10.000 Kelvin in 15 Stufen) eingeben oder per Cursor-Tasten solange in einen bestimmten Farbbereich (die Grundfarben Gelb, Grün, Magenta und Cyan werden durch eine der vier Cursor-Richtungen angesteuert) verschieben, bis die Farbgebung dem gewünschten Ton entspricht. Bei der Lichtempfindlichkeit kann man zwischen der automatischen Anpassung der Empfindlichkeit und den ISO-Werten 100, 200 und 400 wählen. Die Belichtungsautomatik der DC4800 arbeitet meistens sehr zuverlässig – selbst bei Gegenlicht mit unterschiedlicher Gewichtung zwischen Lichter und Schattenpartien. Lediglich in Extremsituationen (weißer Gegenstand auf schwarzem Hintergrund oder umgekehrt) sollte man lieber auf eine Belichtungskorrektur und/oder eine Spotmessung zurückgreifen. Automatische Belichtungsreihen kennt die DC4800 leider nicht.

Kodak DC4800 mit Pop-Up Blitz [Foto: MediaNord]Blitz  Die Kodak DC4800 verfügt über einen eingebauten Pop-Up Blitz, der nicht automatisch herausspringt, sondern per Hand in Betrieb genommen wird. Dies ist angeraten, wenn die rote Leuchtdiode am Sucher vor zuwenig Licht und damit vor verwackelten oder unterbelichteten Aufnahmen warnt. Bei ausgeklapptem Blitz kann auch dieser erzwungen werden oder man überläßt es der Kamera, ob die jeweilige Aufnahme mit oder ohne Blitz gemacht wird. Die Blitzlichtdosierung und -verteilung bei der DC4800 ist ideal: Es kommt weder zu Abschattungen in den Rändern, noch zu überblitzten Nahaufnahmen. Die Farbtemperatur des Blitzes ist neutral bis sehr leicht warm. Im Normalblitz-Modus kommt es gelegentlich zum gefürchteten Kaninchenaugen-Effekt; die roten Augen können vermindert werden, indem man die entsprechende Blitzfunktion (Anti-Roten-Augen Vorblitz) aktiviert. Eine Langzeitsynchronisation gibt es ebenfalls (und sogar ausschließlich), denn die Blitzsynchronzeit ist standardmäßig auf 1/30 Sekunde festgelegt. Das ist ein guter Kompromiß zwischen Verwacklungssicherheit und Bildstimmung.

Zum Betreiben externer Blitzgeräte verfügt die DC4800 über einen X-Synchronstecker. Damit lassen sich entsprechend ausgerüstete Blitzgeräte mit Automatikblenden oder Studioblitzanlagen benutzen. Die Belichtung wird somit entweder vom Blitzgerät gesteuert oder muß manuell per Handbelichtungsmesser ermittelt werden. An der Kamera wird dann nur noch die Synchronzeit (beliebig, da Zentralverschluß) und die Arbeitsblende eingestellt.

Scharfeinstellung  Der Autofokus der DC4800 arbeitet zuverlässig, wenn auch ziemlich lautstark. Es handelt sich laut Kodak um einen Multi-Spot-Autofokus mit TTL-Video-Kontrastmessung. Die AF-Meßfelder werden durch abgerundete Klammern im Sucher markiert, allerdings wird das aktive Meßfeld in keiner Weise (weder im optischen Sucher noch auf dem LCD-Farbbildschirm) angezeigt. Wenn also die grüne Leuchtdiode neben dem Sucher aufleuchtet, muß man blind davon ausgehen, daß die Schärfe stimmt – der LCD-Farbbildschirm erlaubt nur eine grobe Abschätzung der Schärfe. Der Arbeitsbereich des Autofokus liegt zwischen 50 cm und unendlich; auf Knopfdruck wird der Makro-Modus eingeschaltet, der eine Nahgrenze von (laut Kodak-Angaben) 20 cm ermöglicht. Die mittlere AF-Geschwindigkeit liegt bei knapp 0,8 Sekunden, ein eher durchschnittlich guter Wert also. Eine Autofokus-Betriebsart mit Schärfenachführung (kontinuierlicher Autofokus) ist nicht vorhanden.

Auflösung  Die Kodak DC4800 ist zwar mit einem 3,3-Megapixel-CCD-Bildwandler ausgestattet, allerdings gibt Kodak die Auflösung offiziell mit 3,1 Megapixeln an. Das ist auch so ziemlich genau das, was die nutzbare Höchstauflösung von 2.160 x 1.440 Bildpunkten ergibt. Zusätzlich verfügbar sind Auflösungen von 1,6 (1.536 x 1.024) und 0,8 (1.080 x 720) Megapixeln. Dies sind etwas ungewöhnliche Zahlenwerte, das Geheimnis ist aber einfach gelöst: Anstatt auf das Digitalkamera-spezifische Seitenverhältnis von 4:3 zurückzugreifen, setzt Kodak mit der DC4800 auf das fotografische Seitenverhältnis von 3:2. Wer seine Digitalbilder im Großlabor aufKodak DC4800 Anschlüsse [Foto: MediaNord] Fotopapier belichten läßt, bekommt somit randlose Bilder zurück. Dabei ist die effektiv genutzte Pixelzahl (3,11 Megapixel) praktisch genauso groß wie bei anderen 3,34-Megapixel-Kameras (übliche Höchstauflösung 2.048 x 1.536 Pixel, also 3,14 Megapixel). Das Rauschverhalten des CCD und die Tendenz zu Überstrahlungseffekten sind sehr gering und selbst bei höheren Auflösungen kaum erkennbar. CCD-unabhängige Bildqualitätsfaktoren wie etwa die Farbsättigung sind ebenfalls frei von jeglicher Kritik. Die Standardeinstellung "Satt" liefert kräftige Farben ohne übertriebene Sättigung, wem das dennoch zuviel ist, kann die Sättigung auf "Neutral" stellen. Weniger gut ist die Neigung der DC4800 zu Farbrauschen bzw. Farbsäumen in dunklen Bildpartien.

Speicherung  Seitlich an der Kamera angebracht und durch eine Klappe geschützt liegt der Speicherkartenschacht der DC4800. Dieser nimmt CompactFlash-Wechselspeicherkarten vom Typ I auf; IBM Microdrives oder Typ II Festspeicherkarten bleiben also außen vor. In der höchsten Auflösungsstufe (2.160 x 1.440 Bildpunkte) hat der Kamerabesitzer die Wahl zwischen einem unkomprimierten TIFF-Modus, einer "normalen" JPEG-Kompression (1:9) und einer hohen JPEG-Kompression (1:19). Alle anderen Auflösungsstufen sind mit einer einzigen Kompressionsrate von etwa 1:7 bzw. 1:8 verbunden.

Stromversorgung  Erstmals greift Kodak bei der DC4800 auf Lithiumionen-Akkus zurück. Bei diesem Akku handelt es sich um einen "alten Bekannten", da es derselbe Akku mit 3,7 V und 1.1100 mAh ist, wie ihn u. a. diverse Fujifilm-Digitalkameras und deren Leica-Ableger sowie die meisten Toshiba-Modelle und die Ricoh RDC-7 benutzen. Dieser Akku ist zwar sehr klein und leicht, enthält im Vergleich zu einem Satz Hochleistungs-Typ-AA-Zellen (4 Stück NiMH-Akkus mit 1.600 mAh), wie er in viele anderen Digitalkameras (auch den bisherigen Kodak-Modellen) zum Einsatz kommt, nur gut halb so viel Energie. Kodak gibt dennoch eine höchst optimistische Ausbeute von rund 280 Bildern pro Akkufüllung an, die wir mit der Kamera nicht erreichten. Eine permanente Batteriestandsanzeige gibt es bei der DC4800 nicht. Die Batterieanzeige kennt nur zwei Zustände: Entweder "Batterie ladebedürftig" oder "Batterie ganz leer".

Kodak DC4800 rechte Kameraseite [Foto: MediaNord]Deshalb und weil man auch nicht "notfalls" auf überall erhältliche Standard-Batterien zurückgreifen kann, empfiehlt sich der Kauf eines Zweitakkus. Da der Lithiumionen-Akku relativ verbreitet ist, dürfte es nicht schwierig sein, einen Ersatzakku im Handel aufzutreiben (auch wenn der Akku bis heute von Kodak nicht separat erhältlich ist, ein Fujifilm Akku NP-80 beispielsweise tut es genauso). Zum Lieferumfang der DC4800 gehört ein Netz-/Ladegerät, das, bei eingelegtem Akku an die Kamera angeschlossen, den Akku innerhalb von 4 Stunden wieder auf Vordermann bringt. Praktischerweise kann man während des Ladevorgangs mit der Kamera netzgebunden weiterfotografieren oder Bilder betrachten.

Einschalt- und Auslösezeiten  Vom Einschalten bis zum betriebsbereiten Zustand braucht die Kodak DC4800 rund 4 Sekunden. Die Auslöseverzögerung beträgt ungefähr 0,75 Sekunden; zusammen mit dem Fokussiervorgang, der etwa genauso viel Zeit in Anspruch nimmt (siehe Abschnitt "Scharfeinstellung"), ergibt das eine ziemlich lange gesamte Auslöseverzögerung von maximal 1,5 Sekunden. In der Praxis können je nach Lichtverhältnissen, eingesetzter Speicherkarte, Batteriestand oder Motivkontrast auch kürzere Auslösezeiten erzielt werden. Die anschließende Speicherung der Bilder beansprucht im Durchschnitt üppige 12 Sekunden (Höchstauflösung bei normaler Kompression). Glücklicherweise braucht man die 12 Sekunden nicht abzuwarten bis man weiterknipsen kann: Dank Pufferspeicher ist eine längere Wartezeit nur nötig, wenn dieser voll ist. Eine Anzeige des verbleibenden Pufferspeichers, wie bei der Olympus C-3030/C-3000 Zoom, gibt es bei der Kodak DC4800 nicht.

Der Pufferspeicher sorgt auch dafür, daß unabhängig von der gewählten Kompressionsstufe und selbst im unkomprimierten TIFF-Modus Serienbilder mit bis zu 4 Bilden in Folge möglich sind; danach ist aber dann 1 (JPEG) bis 3 Minuten (TIFF) "Zwangspause" erforderlich. Die Serienbild-Funktion funktioniert übrigens in den meisten Auflösungsstufen (außer 0,8 Megapixel) gleich: Bis zu 4 Bilder in Folge bei ca. 2 Bildern pro Sekunde sind unabhängig von der Auflösung zu erreichen.

Ausstattung  Der Funktionsumfang der DC4800 ist reichhaltig für eine Kamera, bei der auf eine besonders einfache Bedienung Wert gelegt wurde. Während die wichtigsten Aufnahmefunktionen direkt über Knöpfe gesteuert werden, schlummern in den Tiefen des angenehm bedienbaren Kameramenüs etliche interessante Funktionen und Einstellmöglichkeiten. Außer den Grundeinstellungen (Weißabgleich, Auflösung/Kompression, Belichtungsmeßart, Empfindlichkeitseinstellung) bietet die DC4800 Funktionen zur Abstimmung der Farbwiedergabe (satt, neutral, schwarzweiß, schwarzweiß mit Gelb- oder Rotfilter sowie Sepia), zur Einstellung der kamerainternen Bildschärfung (scharf, Standard, weich) und zum festen "Einbelichten" von Datum und Urzeit ins Bild.

Kodak DC4800 Unterseite [Foto: MediaNord]Im Wiedergabe-Modus gibt es neben den üblichen Funktionen (Wiedergabezoom, Bildlöschfunktion, Schreibschutz) noch die Möglichkeit, Bildinformationen abzurufen, Bilder als Dia-Shows anzuzeigen sowie DPOF-Druckaufträge aufzugeben. Im Setup-Modus kann man die Stromsparfunktion, den Digitalzoom, das akustische Signal sowie Datum und Uhrzeit einstellen. Zusätzlich kann man noch das Videoausgangs-Signal zwischen PAL auf NTSC umschalten, die Menüsprache wählen (Englisch, Französisch, Deutsch, Spanisch und Italienisch) sowie die Speicherkarte formatieren, die Kamera komplett auf Werkseinstellung zurücksetzen und die Firmware-Version abrufen.

Lieferumfang  Im Karton der Kamera findet sich außer dieser noch der Lithiumionen-Akku samt Netz-/Ladegerät, eine 16-MByte-CompactFlash-Wechselspeicherkarte, ein Objektivdeckel, ein recht hochwertiger Trageriemen, sämtliche Kabel (USB und Video) sowie die Handbücher und Quickstart-Anleitung in gedruckter Form. Die Software-Sammlung auf CD-ROM umfaßt TWAIN-Treiber für Windows 95/98/2000/NT, ein Photoshop-Plugin für Macintosh-Systeme, Datenübertragungsoftware, Panoramasoftware Arcsoft Panorama Maker für Windows und für Macintosh. Die Kodak DC4800 wird anfangs zusätzlich mit dem sogenannten "Premium Pack" ausgeliefert, das eine zusätzliche 32-MByte-Speicherkarte, eine Kameratasche und einen Reinigungspinsel mit Linsenreinigungsvlies enthält – insgesamt also ein Gegenwert von deutlich über 300 DM! Auf die Kamera gibt Kodak eine Herstellergarantie von 12 Monaten.

Optisches Zubehör für Kodak DC4800 [Foto: MediaNord]Kodak ist einer der Digitalkamera-Hersteller mit dem größten Zubehörprogramm. Der DC4800 liegt ein kleines Heft bei, das einen Überblick über das Zubehörangebot von Kodak gewährt. Eigens für die DC4800 wurden angeblich die Makro-Vorsatzlinsen sowie der Weitwinkel- und Telekonverter entwickelt, die in diesem Test unter der Rubrik "Optik" erläutert sind. Wer sich vor dem Kauf der DC4800 über das angebotene Zubehör von Kodak informieren will, kann dies online unter der Adresse www.kodak.com/go/accessories tun.

Fazit  Mit der DC4800 scheint Kodak ein neues Kamerakonzept einzuläuten. Waren die jeweiligen Spitzenmodelle der Kodak Digitalkameras bisher recht klobig und schwer, ist die DC4800 klein und fein. Sie ist so schlicht, daß sie fast schon wieder bieder aussieht und von vorne kaum von einer konventionellen 35-mm-Kompatkamera zu unterscheiden ist. Die grundlegende Bedienung bis hin zur Blendenvorwahl und Belichtungskorrektur ist sehr intuitiv und die weiterführenden Funktionen werden über ein ansprechendes Menüsystem aufgerufen. Auch wenn man die Kamera mal einige Monate nicht mehr in der Hand hatte, wird man schnell wieder damit zurechtkommen. Ihr 28-mm-Weitwinkel (mit Konverter sogar 17 mm) und ihre einfache Bedienung machen sie zur idealen Reise- und Reportagekamera.

Detaillierte Informationen über die Ausstattungen der Kodak DC4800 finden Sie im "Steckbrief" links und im ausführlichen digitalkamera.de-Datenblatt. Testbilder der Kamera enthält unsere Rubrik ComputerFoto-Testbilder.

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Kamera-Tests Auswahl

Hersteller
Modell

Steckbrief

Steckbrief
Hersteller Kodak
Modell DC4800
Preis ca. 2.300 DM
Bildauflösung
physikalisch
2.160 x 1.440
Auflösung CCD-Sensor 3.300.000
Brennweite 28 – 84 mm
Filtergewinde 43 mm*
Weitwinkelkonverter* 0,6-fach
Telekonverter* 2-fach
optischer Sucher
   Dioptrienausgleich
ja
ja
Spiegelreflex
LCD-Monitor
   Auflösung
   schwenkbar
   als Sucher
   verzögerungsfrei
1,8"
k. A.

ja
ja
PAL-Videoausgang
   als Sucher
   verzögerungsfrei
ja
ja
ja
Serienbilder
   Auflösung
   Geschwindigkeit
   Anzahl
   mit Blitz
ja
2.160 x 1.440
2 Bilder/s
4
externer Blitz*
Programmautomatik ja
Zeitautomatik ja
Blendenautomatik
Manuelle Belichtung ja
TTL-Belichtungs-
messung
ja
Blitz eingebaut ja
Blitzanschluß Synchronbuchse
Empfohlene Blitzgeräte Automatik-Blitzgeräte (ISO 100, Kamerablende)
TTL-Blitzsteuerung
externer Blitz
Multitasking
Einhandbedienung** ja
Fernauslöser
Intervall-Aufnahmen
Steckplatz für
Speichermedium
CompactFlash (Typ I)
unkomprimierte
Speicherung
ja
Tonaufzeichnung
 
– = "entfällt" oder "nicht vorhanden"

* optionales Zubehör erforderlich, vom Kamerahersteller angeboten
** mindestens Zoom und Auslöser mit einer Hand bedienbar

In unserem Test verwendetes Blitzgerät:
Metz mecablitz 40 MZ-1i (ca. 440 DM)

Kurzbewertung

  • professionelles "Look and Feel"
  • schwenkbarer Monitor
  • optimale Systemblitz-Ansteuerung 
  • Autofokus nicht kontinuierlich
  • Autofokus mit nur einem Messfeld
  • hoher Preis