Kompaktkamera mit großem Sensor, Kompaktkamera

Testbericht: Fujifilm X100T

2014-11-13 Retrolook ist derzeit in, doch auch Retrotechnik? Fujifilm hat sich jedenfalls bei der inzwischen fast schon legendären X100 nicht gescheut, längst vergessene Bedienkonzepte aus der Zeit der analogen Fotografie zu verwirklichen. Nun ist die bereits dritte Inkarnation dieser Kamera, die X100T, zum Test bei digitalkamera.de angetreten. Die wohl größte Neuerung der X100T ist ihr erweiterter Hybrid-Sucher, bei dem Fujifilm die Vorteile eines optischen Suchers noch besser mit denen eines Videosuchers kombiniert haben will.  (Martin Vieten)

  • Bild Die aus robustem Metall gefertigte Fujifilm X100T sieht aus wie eine klassische Messsucherkamera. [Foto: MediaNord]

    Die aus robustem Metall gefertigte Fujifilm X100T sieht aus wie eine klassische Messsucherkamera. [Foto: MediaNord]

  • Bild Auf der Rückseite bietet die Fujifilm X100T ein 7,5 Zentimeter großes, hoch auflösendes Display, das von Bedientasten eingerahmt wird. [Foto: MediaNord]

    Auf der Rückseite bietet die Fujifilm X100T ein 7,5 Zentimeter großes, hoch auflösendes Display, das von Bedientasten eingerahmt wird. [Foto: MediaNord]

  • Bild Blende, Belichtungszeit und Belichtungskorrektur werden bei der Fujifilm X100T über klassische Bedienräder am Kameragehäuse sowie dem Objektiv eingestellt. [Foto: MediaNord]

    Blende, Belichtungszeit und Belichtungskorrektur werden bei der Fujifilm X100T über klassische Bedienräder am Kameragehäuse sowie dem Objektiv eingestellt. [Foto: MediaNord]

Ergonomie und Verarbeitung Fujifilm bleibt seiner Linie treu und ändert das Design bei der X100T praktisch nicht. Wie schon das Ur-Modell der Serie präsentiert sich die X100T im Gewand einer klassischen Messsucherkamera. Für eine Kompaktkamera fällt sie ungewöhnlich groß aus. Dafür vermittelt die X100T einen äußerst robusten Eindruck, wozu sicherlich auf das recht hohe Gewicht von 440 Gramm beiträgt. Insbesondere bei unserem Textexemplar in Silber mit schwarzer Belederung wird deutlich, wieviel Metall Fujifilm bei der X100T verbaut hat. Für alle, die es dezenter lieben, gibt es die Kamera aber auch in reinem Schwarz. Das Äußere mag dem Auge schmeicheln, in der Hand fühlt sich die Kamera dagegen etwas ungehobelt an. Das liegt auch an dem nur sehr schwach ausgeprägten Handgriff, der für einhändiges Fotografieren nicht genug Halt bietet.

Bei der X100T steckt Fujifilm nicht einfach nur moderne Digitaltechnik in das Kleid einer analogen Messsucherkamera. Vielmehr folgt auch die Bedienung Konzepten aus längst vergangenen Analog-Zeiten. So sucht man ein Programmwählrad bei der X100T vergebens. Stattdessen gibt es auf der Kopfplatte ein großes Wählrad zur Vorgabe der Verschlusszeit, die Blende wird in Drittelstufen ganz klassisch mit einem Ring am Objektiv eingestellt. Sowohl das Zeitwählrad wie auch der Blendenring bietet die Stellung „A“, um auf Zeit- beziehungsweise Blendenautomatik umschalten zu können. Bringt man beide in die A-Stellung, steuert die X100T die Belichtung per Programmautomatik. Was sich zunächst logisch anhört, erweist sich in der Praxis indes als etwas umständlich. Um zwischen „M“- und „P“-Modus zu wechseln, müssen zwei verschiedene Einstellhilfen bedient werden. Als praktisch hat sich hingegen im Einsatz erwiesen, dass die X100T mit einem dedizierten Einstellrad zur Belichtungskorrektur ausgestattet ist.

Dass die X100T eben doch eine Digitalkamera ist, wird klar, wenn man einen Blick auf ihren Rücken wirft. Dort prangt ein üppiges Display, das von einigen Knöpfen umrahmt wird. Das Display löst mit über eine Million Bildpunkte sehr hoch auf, ist jedoch fest verbaut und lässt sich weder klappen noch schwenken. Aber meistens wird man zur Aufnahme sowieso durch den Sucher der Fujifilm X100T blicken. Denn der hat es wirklich in sich: Mit einem kleinen Hebel auf der Vorderseite der Kamera lässt sich zwischen einem klassischen optischen Sucher und einem EVF umschalten. Wobei der optische Sucher so klassisch gar nicht ist: Auf Wunsch überlagert er nämlich das Sucherbild mit einer Vielzahl an Informationen. Bei diesem Hybrid-Sucher vereint Fujifilm die Vorteile eines optischen Suchers mit denen eines elektronischen. Die X100T bietet bei diesem Konzept noch einiges mehr als ihre Vorgängerinnen: Wird manuell fokussiert, blendet die Kamera auf Wunsch eine elektronische Fokuslupe ein oder zeigt ein elektronisch erzeugtes Schnittbild. Auf diese Weise lässt sich mit der X100T spielend leicht manuell scharf stellen, zumal der Fokusring am Objektiv sich leicht und gefühlvoll drehen lässt. In der Praxis kann das Konzept voll überzeugen – und deckt gnadenlos die Schwächen des elektronischen Suchers auf. Der löst zwar sehr fein auf, zeigt das Sucherbild aber mit viel zu hohen Kontrasten und verfälscht die Farben.

Dank der vielen dedizierten Schalter und Knöpfe lässt sich die X100T leicht bedienen. Hinzu kommt ein Schnellmenü mit zwölf Positionen, durch das sich sehr einfach navigieren lässt. So wird selten ein Besuch der Hauptmenüs nötig, und das ist auch gut so. Denn die Fujifilm X100T bringt nach einem Druck auf die MENU-Taste zwei gänzlich unterschiedliche Menüs auf den Schirm, je nachdem ob sich die Kamera im Aufnahme- oder Wiedergabemodus befindet. Ein Gutes hat die eigenartige Zweiteilung allerdings: Die Hauptmenüs bleiben übersichtlich; Listen, bei denen man über den Bildschirmrand hinaus scrollen muss, gibt es nicht.

Die Seiten des Kameragehäuses sind sehr übersichtlich. Links findet sich lediglich ein Umschalter zur Wahl des AF-Modus. Auf der rechten Seite verschwinden USB-, HDMI- und Mikrofonanschluss unter einer sauber schließenden Plastiklappe. Akku und Speicherkarte verschwinden in einem Schacht, der von unten her zugänglich ist. Leider sitzt direkt daneben (und außerhalb der optischen Achse) das Stativgewinde, bei angesetzter Stativplatte ist das Akkufach also nicht zugänglich.

  • Bild Das Metallstativgewinde der Fujifilm X100T liegt außerhalb der optischen Achse. [Foto: MediaNord]

    Das Metallstativgewinde der Fujifilm X100T liegt außerhalb der optischen Achse. [Foto: MediaNord]

  • Bild Hinter der Schnittstellenklappe auf der rechten Seite der Fujifilm X100T verbergen sich die Anschlüsse für HDMI, USB und Mikrofon. [Foto: MediaNord]

    Hinter der Schnittstellenklappe auf der rechten Seite der Fujifilm X100T verbergen sich die Anschlüsse für HDMI, USB und Mikrofon. [Foto: MediaNord]

  • Bild Auf der linken Gehäuseseite der Fujifilm X100T lässt sich zwischen Autofokus, Nachführ-Autofokus und manuellem Fokus umschalten.. [Foto: MediaNord]

    Auf der linken Gehäuseseite der Fujifilm X100T lässt sich zwischen Autofokus, Nachführ-Autofokus und manuellem Fokus umschalten.. [Foto: MediaNord]

Ausstattung Das eher mechanisch anmutende Äußere der X100T mag vielleicht den Eindruck erwecken, Fujifilm habe am Funktionsumfang der Kamera gespart. Dem ist jedoch nicht so. Sicher, es fehlen Motivprogramme oder auch eine Vollautomatik. Doch wer auf derartige Assistenten verzichten kann und sich eher der puren Fotografie verschrieben hat, kann bei der X100T aus einem Füllhorn an Funktionen und Optionen schöpfen. So ist die X100T mit einem elektronischen Verschluss ausgestattet, der Belichtungszeiten bis hinab zu 1/32.000 s ermöglicht. Willkommener Nebeneffekt des elektronischen Verschluss: Die Kamera löst nahezu lautlos aus. Ist dagegen eine möglichst lange Belichtungszeit gewünscht, bietet die X100T einen integrierten Graufilter, der sich in den Strahlengang schwenken lässt. Schön auch, dass Fujifilm bei der X100T eine echte Intervallfunktion implementiert hat. Eine Bulb-Funktion hat die X100T ebenfalls an Bord, ebenso eine T-Funktion, bei der die Belichtung mit einem Druck auf den Auslöser eingeleitet wird und mit einem zweiten Druck beendet wird.

Die X100T ist zwar mit einer Festbrennweite von 35 Millimeter (bezogen auf Kleinbild) ausgestattet, das Objektiv nimmt aber auch zwei spezielle Konverter auf. Der WCL-X100 verkürzt die Brennweite auf 28 Millimeter, mit dem TCL-X100 verlängert sie sich auf 50 Millimeter. Klasse ist, dass Fujifilm bei der X100T für einen automatischen Parallaxenausgleich sorgt. So ändert sich der sichtbare Bildausschnitt im optischen Sucher praktisch nicht, wenn von nah auf fern (oder umgekehrt) fokussiert wird. Weniger begeistern konnte jedoch in der Praxis der eher gemächliche Autofokus: Er braucht rund 0,5 Sekunden, um scharf zu stellen – da sind andere Kameras in der Klasse der X100T deutlich schneller. Ansonsten bietet der Autofokus alles, was man von einer zeitgemäßen Kamera erwarten kann. Die 49 AF-Felder lassen sich einzeln anwählen und bei Bedarf kann das gewählte AF-Feld mit dem Spotbelichtungsmesser gekoppelt werden. Neu bei X100T ist eine automatische Gesichtserkennung, die beim Fokussieren von Portraitaufnahmen hilft.

Für den individuellen Look der Aufnahmen bietet die X100T acht Effektfilter von „Lochkamera“ über „Weichzeichner“ bis hin zum Color-Key mit wählbarer Farbe. Wer aus der Welt der analogen Fotografie kommt, dürfte es indes viel interessanter finden, dass die X100T auch den Look klassischer Filme aus dem Sortiment von Fujifilm simuliert. Standardmäßig ist das der Provia, aber im praktischen Einsatz hat sich auch die Simulation des Astia mit eher schwächer gesättigten Farben als angenehm erwiesen.

Fortsetzung auf Seite 2

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