Aus dem digitalkamera.de-Testlabor

Sony NEX-3N mit 16-50 PZ und 35 1.8 OSS auf Bildqualität getestet

2013-04-19 Die NEX-3N ist das neue spiegellose Einsteigermodell von Sony. Die Kamera wurde gegenüber dem Vorgängermodell NEX-F3 ergonomisch kräftig renoviert, so klappt der Bildschirm jetzt nur noch nach oben, durch Wegfall des Handgriffs wurde das Gehäuse kompakter und leichter; außerdem musste der Zubehörschuh mit Aufschraubblitz einem integrierten Blitz weichen. Die neue Zoomwippe am Auslöser lässt zusammen mit dem Motorzoomobjektiv 16-50mm PZ das Gefühl einer Kompaktkamera aufkommen, die mit einer Hand bedient werden kann. Im Inneren ist es dagegen bei 16 Megapixel auflösenden CMOS-Sensor geblieben. Wir haben die NEX-3N im digitalkamera.de-Testlabor gründlich untersucht.  (Benjamin Kirchheim)

Sony NEX-3N mit E 16-50 mm [Foto: Sony]Der Testbericht aus der Praxis folgt wie üblich in rund zwei bis drei Wochen, schließlich müssen wir mit der Kamera erst einmal Erfahrungen sammeln. Den Labortest hingegen haben wir vorgestern gleich nach Ankunft der Kamera in der Redaktion und dem Laden des Akkus gemacht. Durch das neue, etwas weitwinkligere und vor allem kompaktere Setobjektiv erwarten wir durchaus andere Messergebnisse, der Marktpreis der NEX-3N liegt hingegen kaum über dem des Vorgängermodells NEX-F3, obwohl diese mit einem billigeren Setobjektiv verkauft wird. Zusätzlich zum Standardzoom stand uns auch die neue lichtstarke Festbrennweite E 35 mm 1.8 OSS zum Test zur Verfügung. Es entspricht an der NEX-3N auf Kleinbild bezogen ungefähr einem Normalobjektiv mit rund 53 Millimeter Brennweite, interessanterweise ist die Festbrennweite mit einem optischen Bildstabilisator ausgestattet, worauf Sony bisher bei seinen E-System-Festbrennweiten verzichtete. Außerdem waren wir besonders gespannt, ob Sony es endlich schafft, eine Festbrennweite im E-System mit überzeugender Bildqualität abzuliefern, denn weder das 16 mm Pancake noch das 30 mm Makro haben sich im Testlabor mit Ruhm bekleckert, selbst das etwas bessere 50 mm 1.8 konnte nicht vollends überzeugen.

Beim E 35 mm 1.8 OSS sieht das ganz anders aus. Die Schärfeleistung reicht bei jeder Blende für knackige Fotos in 20 x 30 Zentimeter, und zwar von der Bildmitte bis zum Bildrand. Die Randabdunklung liegt selbst bei Offenblende nur knapp über einer halben Blendenstufe, der äußerst sanfte Verlauf kaschiert sie dermaßen, dass sie in der Praxis gar nicht auffällt. Auch die Verzeichnung weicht kaum von der Nulllinie ab, zeigt aber eine minimale Welle, das heißt auf halber Bildhöhe verzeichnet es minimal kissenförmig und am Bildrand minimal tonnenförmig. Beide Ausschläge sind für das Auge praktisch nicht sichtbar, da sie zu gering ausfallen. Überraschend niedrig fallen auch die Farbsäume aus, beim 50er waren sie noch ein dicker Minuspunkt. Im Mittel liegen sie Sony E 35 mm 1.8 OSS [Foto: Sony]bei einem halben Pixel, selbst das Maximum reicht nicht an einen vollen Pixel heran. Auf 20 x 30 Zentimeter sieht man das höchstens mit der Lupe. Die höchste und gleichmäßigste Auflösung bei 50 Prozent Kantenkontrast konnten wir bei Blende F5,6 messen. Im Zentrum werden knapp über 38 Linienpaare pro Millimeter (lp/mm) erreicht, am Bildrand sind es nur rund 3 lp/mm weniger. Etwas weicher zeigt sich das 35er bei Offenblende, hier liegt die Auflösung bei knapp 30 lp/mm im Zentrum und am Bildrand. Bei F2,8 und F4 fällt der Randabfall der Auflösung etwas höher aus als bei den anderen Blenden, liegt aber stets unter der Grenze von 20 Prozent Randabfall. Damit kann das Sony E 35 mm 1.8 OSS mit einer rundum gelungenen Bildqualität überzeugen und sollte bei Fans von Normalbrennweiten und Available-Light-Fotografie nicht in der Fototasche fehlen.

Die NEX-3N ist von der Bildqualität ihrem Vorgängermodell NEX-F3 recht ähnlich. Abgesehen von den Unterschieden des Objektivs fällt eine etwas geringere Scharfzeichnung und etwas weniger aggressive Detailaufbereitung der NEX-3N auf. So sind feine Strukturen nicht mehr überschärft, dafür wird sie bei höheren Empfindlichkeiten etwas früher ein wenig weicher, was nicht heißt, dass man mit der NEX-3N nicht genauso gute Fotos bei ISO 1.600 und 3.200 aufnehmen könnte, darüber bauen beide Kameras deutlich ab. Interessanterweise kitzelt die NEX-3N eine etwas höhere Eingangsdynamik aufs dem Sensor, was man nicht verachten sollte. Gerade bei kontrastreichen Situationen kann eine halbe Blendenstufe mehr Kontrastumfang schon viel ausmachen. Von ISO 200ß bis 1.600 liegt die NEX-3N nur knapp unter elf Blendenstufen Kontrastumfang, selbst bei ISO 3.200 sind es noch knapp 10,5 Blendenstufen. Selbst die neun Blendenstufen bei der höchsten Empfindlichkeit von ISO 16.000 sind noch sehr gut akzeptabel, vor allem wenn man die Höhe der Empfindlichkeit berücksichtigt. Bei ISO 200 und 400 besitzt die NEX-3N einen sehr guten Signal-Rauschabstand von über 40 dB (siehe Diagramm aus dem Labortest unten) und bis einschließlich ISO 3.200 bleibt sie im akzeptablen Bereich von über 35 dB. Farbrauschen spielt praktisch keine Rolle und selbst das weniger störende Luminanzrauschen wird erst ab ISO 6.400 minimal sichtbar. Dass sich eine Rauschunterdrückung dafür verantwortlich zeigt, sieht Sony NEX-3N mit E 16-50 mm [Foto: Sony]man zwar an der Korngröße von rund zwei Pixeln, das ist aber noch fein genug für beispielsweise 20 x 30 Zentimeter große Abzüge, so dass man hier keine "Klötzchenbildung" zu befürchten braucht.

Allerdings besitzt die NEX-3N eine recht steile Tonwertkurve, was weniger für eine neutrale Reproduktion, sondern für eine knackige Wiedergabe von Kontrasten gerade im Mittentonbereich steht. Der Ausgangs-Tonwertumfang glänzt vor allem bei ISO 200 und 400 bist sehr guten Werten von über 224 von 256 möglichen Abstufungen, fällt darüber ab, hält sich jedoch bis ISO 1.600 wacker bei guten über 160 Stufen. Die tatsächliche Farbtiefe bewegt sich auf sehr hohem Niveau. Bei ISO 200 und 400 werden über acht Millionen Farbtöne differenziert, bis ISO 3.200 über vier Millionen und selbst bei der höchsten Empfindlichkeit sind es noch knapp zwei Millionen Abstufungen, ein immer noch knapp guter Wert. Mit der Farbtreue nimmt es die NEX-3N hingegen nicht so genau. Man kann die Farbwiedergabe kurz mit "bunt" betiteln. Die Farben leuchten vor allem kräftiger als im Original, besonders bei allen Farben mit Rotanteil. Das passt gut zur knackigen Tonwertkurve, die NEX-3N verspricht also lebendige, knackige Fotos. Wer es etwas neutraler mag, sollte den Raw-Modus verwenden.

Das Sony E 16-50 mm 3.5-5.6 OSS PZ zeigt eine eher durchwachsene Leistung. Auch im Vergleich mit dem 18-55er kann es nicht in allen Belangen punkten. Zwar reicht die Schärfe von der Bildmitte bis zum Bildrand locker für 20 x 30 Zentimeter große Bilder, der Blick auf die Auflösung bei 50 Prozent Kantenkontrast offenbart jedoch vor allem im Weitwinkel deutliche Schwächen am Bildrand, während das Objektiv in Telestellung insgesamt etwas geringer auflöst. Immerhin wird die Verzeichnung gut korrigiert, auch die Randabdunklung bleibt gering. Die Farbsäume halten sich mit durchschnittlich unter einem Pixel in Grenzen, selbst das Maximum mit weniger als 1,5 Pixeln kann man gut akzeptieren.

Insgesamt zeigt die NEX-3N eine sehr solide Leistung. Zwar gibt es keinen Anlass, vom Vorgängermodell der Bildqualität wegen umzusteigen, es spricht aber auch nichts dagegen. Vor allem bei ISO 200 und 400 besitzt die NEX-3N eine sehr gute Bildqualität, kann aber sogar bis ISO 1.600 überzeugen, selbst ISO 3.200 sind mit nur geringen Einbußen versehen. Das Setobjektiv E 16-50 mm 3.5-5.6 OSS PZ hingegen ist zwar schön kompakt, besitzt aber vor allem Auflösungsschwächen, die sich bemerkbar machen, sobald man Bilder größer als 20 x 30 Zentimeter benötigt. Der Griff zur deutlich gleichmäßiger und auch etwas höher auflösenden Festbrennweite E 35 mm 1.8 OSS bietet sich an, mit rund 450 Euro kostet sie allerdings auch ungefähr so viel wie das Set aus NEX-3N und 16-50 PZ.

Sony NEX-3N mit Sony E 16-50 mm 3.5-5.6 OSS PZ (SEL-P1650)

Signal-Rauschabstand

Im digitalkamera.de-Testlabor werden mit Hilfe der Software Analyzer von DXOMARK verschiedene Bildqualitätsparameter gemessen. Der Labortest mit klar gestalteten und leicht verständlichen Diagrammen, Erklärungstexten sowie einer ausführlichen PDF-Datei zum Archivieren und Ausdrucken kostet 1,40 EUR im Einzelabruf für eine Kamera und 0,50 EUR für ein Objektiv. Flatrates, die den Zugriff auf das gesamte Labortest-Archiv erlauben, sind ab 2,08 EUR pro Monat buchbar. Eine Flatrate hat keine automatische Verlängerung und wird im Voraus für einen festen Zeitraum gebucht und bezahlt.

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Benjamin Kirchheim

Benjamin Kirchheim, 41, schloss 2007 sein Informatikstudium an der Uni Hamburg mit dem Baccalaureus Scientiae ab. Seit 1998 war er journalistisch für verschiedene Atari-Computermagazine tätig und beschäftigt sich seit 2000 mit der Digitalfotografie. Ab 2004 schrieb er zunächst als freier Autor und Tester für digitalkamera.de, bevor er 2007 als fest angestellter Redakteur in die Lübecker Redaktion kam. Seine Schwerpunkte sind die Kameratests, News zu Kameras und Fototipps.