Vorhang auf und Bühne frei

Nikon D80 betritt die Szene

2006-08-09 Sie ist da! Der Countdown auf der Webseite von Nikon ist um, und wie erwartet wurde heute ganz offiziell ein neues digitales Spiegelreflexkameramodell mit einer Auflösung von 10,2 Megapixeln vorgestellt. Begleitet wurde die Vorstellung einmal wieder von den – mittlerweile in der Branche üblichen – "Leaks", so dass jeder Besucher einschlägiger Foren seit zirka anderthalb Wochen weiß, wie Nikons neueste DSLR aussehen und heißen würde. Doch die gezeigten Fotos der D80 sagen nur wenig darüber aus, was so alles neu ist am D70s-Nachfolger.  (Yvan Boeres)

Nikon D80 [Foto: Nikon]Auch wenn man der D80 das nicht unbedingt auf den ersten Blick auf den kürzlich versehentlich veröffentlichten Produktfotos ansieht, ist die Modellpflege diesmal so radikal, dass man von einer Generalüberholung reden kann. Wer jedenfalls gedacht hatte, dass die im Teaser (siehe digitalkamera.de-Meldung vom 20.07.2006) angekündigte Auflösung von 10,2 Megapixeln die einzige Neuerung wäre, hat sich gründlich geirrt. Passend zum CCD gibt es nämlich eine komplett überarbeitete Bildverarbeitungselektronik, deren Herzstück ein neuer, leistungsfähigerer Signalprozessor ist. Der soll die Bilddatenverarbeitung auf allen Ebenen deutlich beschleunigen; das Auslesen des CCDs über zwei Kanäle (nur die D200 und die Kameras der D2-Serie sind mit vier Datenkanälen noch schneller) ermöglicht einen schnellen Transport des Bildsignals zum Prozessor. Dank einer farbunabhängigen analogen Vorverarbeitung der Bilddaten (also noch vor der Umwandlung in ein digitales Signal) und verbesserten 12-bit-Algorithmen soll die Bildqualität vor allem im Bezug auf die Farb- und Tonwertwiedergabe weiter verbessert worden sein. Trotz höherer Leistung will die interne Bildverarbeitungselektronik weniger Strom verbrauchen als die der D80-Vorgängermodelle.

Laut Nikon soll die D80 mit einer Akkuladung auf bis zu 2.500 Aufnahmen kommen. Obwohl die Kapazität des mitgelieferten Lithiumionenakkus unverändert bei 1.500 mAh bleibt, macht die D80 von einem neuen Akkutyp (EN-EL3e) Gebrauch. Hauptunterschied zum Vorgändermodell EN-EL3a ist die integrierte Elektronik. Dadurch gewinnt man zwar eine präzise Akkuanalyse nach Vorbild der D200 und der Profi-Kameras aus der D2-Serie (numerische Akkustandanzeige, Anzahl der Auslösungen seit dem letzten Ladevorgang, Anzeige des allgemeinen Akkuzustands zur Abschätzung der verbleibenden Lebensdauer), verliert aber die Möglichkeit, Akkus von Drittherstellern zu benutzen. Dafür gibt es aber eine frohe Botschaft für Nikon-Fans: Endlich gibt es für eine Einsteiger-DSLR von Nikon einen optional erhältlichen Batteriehandgriff, der u. a. die Verwendung sechs handelsüblicher AA/Mignon-Zellen (Einweg-Batterien oder Akkus) erlaubt. Der MB-D80 kann alternativ dazu zwei EN-EL3e-Akkus aufnehmen (für bis zu 5.000 Aufnahmen), verleiht der Kamera einen professionelleren Look bzw. einen besseren Halt und verfügt über einen separaten Auslöser, zwei Einstellräder sowie eine AE-L/AF-L-Taste für die bequeme Bedienung der D80 bei Hochformat-Aufnahmen.

Nikon D80 Mattscheibendarstellung  [Foto: Nikon]Auch ohne Batterie- bzw. Multifunktionshandgriff lässt sich die D80 besser bedienen als ihre Vorgängerinnen. So erfolgt die Dioptrieneinstellung für den Sucher nicht mehr über einen Schieber, sondern über ein Einstellrädchen. Die OK-Taste (ehemals ENTER-Taste) sitzt jetzt in Daumenreichweite näher am Multifunktionswähler/Navigationsfeld, und zum Vergrößern der Bilder im Wiedergabemodus braucht man nicht mehr einen Rahmen um den gewünschten Bildausschnitt zu ziehen, sondern kann mit zwei getrennten Tasten (Plus- und Minus-Taste) ins Bild hinein und wieder heraus zoomen. Mit der D80 hält auch der von der D200 und den Profimodellen der D2-Serie bekannte Funktions-Knopf Einzug in die Einsteigerklasse. Zu den Belegungsmöglichkeiten für die kleine runde Taste in der Nähe der Objektivfassung (oberhalb der Abblendtaste) gehören u. a. die Anzeige des von der Kamera eingestellten Lichtempfindlichkeitsstufenäquivalentes in der ISO-Automatik, diverse mit den Drehrädern kombinierbare Einstellungen wie auch die Umschaltung zwischen normaler und breiter AF-Messfeldgröße (mehr dazu später). Auch auf Menüebene wurde an der Bedienungsfreundlichkeit gearbeitet. Die D80 ist unseres Wissens die erste Digitalkamera überhaupt mit Menü-"Baukasten". Im Klartext bedeutet das, dass man jeden einzelnen Menüpunkt ein- und ausschalten kann, so dass nur die Menüpunkte auf dem Bildschirm erscheinen, die man aktiviert hat. Somit kann man sich sein ganz persönliches Menü zusammenstellen, das nur die Punkte enthält, die man wirklich braucht. Erwähnenswert ist in diesem Zusammenhang noch die neue, farbkodierte Menüansicht, die große Schrift und die z. T. neu formulierten Schlüsselwörter (zwecks noch besserer Verständlichkeit) für die Menüpunkte.

Nikon D80 LCDisplay [Foto: Nikon]Sicherlich auch im Zeichen der Benutzerfreundlichkeit steht die Tatsache, dass die D80 mit dem gleichen LC-Farbbildschirm bestückt wurde, wie er auch bei der D200 (und in leicht modifizierter Form auch bei der D2Xs) zum Einsatz kommt. Dessen Haupteigenschaften sind eine angenehm große Bildschirmoberfläche (Bilddiagonale von 2,5" bzw. 6,3 cm), eine der Bildschirmgröße angemessene Auflösung von 230.000 Pixeln sowie eine geringe Winkelabhängigkeit (Betrachtungswinkel horizontal und vertikal von je 170 Grad). Dazu kommt bei der D80 noch eine automatische Helligkeitsanpassung. Gemeinsam mit den ranghöheren Modellen der D-Serie hat die D80 auch noch die breite Flüssigkristallanzeige an der Kameraoberseite – natürlich mit zuschaltbarer Hintergrundbeleuchtung. Breiter bzw. größer geworden ist nicht nur das Informations-LCD: Auch das Sucherbild ist größer geworden. Der Sucher der D80 deckt zwar weiterhin das Bildfeld zu 95% ab, erlaubt aber – im Vergleich zur D70 bzw. D70s – einen größeren Augenabstand (Abstand der Austrittspupille: 19,5mm) und vergrößert das Sucherbild stärker (0,94-fach).

Nikon D80 Rückansicht  [Foto: Nikon]Dass die D80 trotz größerem Monitor, Status-LCD und Sucherbild deutlich kleiner geraten ist als die D70 und D70s, ist kein Paradoxon bzw. Antagonismus. Mit ihren Außenmaßen von 132 x 103 x 77 mm (B x H x T) ist sie zwar – nahezu auf den Millimeter – fast genauso kompakt wie eine D50, muss aber dafür einige Zugeständnisse an die Technik machen. So verwendet die D80 keine CompactFlash-Karten mehr (sondern SD/SDHC-Karten), es wurde ein langsamerer Verschluss eingebaut (was zugegebenermaßen nichts direkt mit der Gehäusegröße zu tun hat) und die Belichtungsmesszelle ist von 1.005 auf 420 Pixel geschrumpft. Letzteres hat, wie es die ebenfalls mit einer 420-Pixel-Messzelle arbeitende D50 zeigt, in der Praxis keinen größeren Einfluss auf die Präzision der Belichtungsmessung; die 3D-Colormatrixmessung (II) von Nikon bleibt auch mit 420 Pixel eine der effizientesten Belichtungsmessungen auf dem Markt. Dass die kürzeste Verschlusszeit nicht mehr auf 1/8.000 s, sondern "nur" noch auf 1/4.000 s steigt, dürfte in der Praxis auch nicht weiter stören. Nur im Blitzbetrieb könnte man den schnelleren Verschluss vermissen, sinkt doch die kürzeste Blitzsynchronzeit von 1/500 auf 1/200 Sekunden. Aushelfen kann man sich da mit der Blitz-Highspeedsychnronisationsfunktion des iTTL-Systems.

Von keiner Geringeren als der "großen Schwester" D200 erbt die D80 das Autofokus-Modul. Gedrosselt wurde das Multi-CAM1000-Modul nur in der Hinsicht, als man jeweils nur ein AF-Messfeld manuell vorwählen kann (ganze Messfeldgruppen werden im Gegensatz zur D200 nur automatisch angesteuert) und nur das mittlere AF-Feld verbreitert werden kann. Die Anzahl der Messfelder (11) bleibt aber dieselbe, und ob die Scharfstellungsalgorithmen der D80 (die laut Nikon optimiert wurden) nicht ganz so stark auf Schnelligkeit ausgelegt sind wie bei der D200, wird sich bestenfalls in der Praxis herausstellen. Überhaupt dürfte mangelndes Tempo bei der D80 kein Thema sein. Die Einschaltzeit der D80 gibt Nikon mit 0,18 Sekunden, die Auslöseverzögerung mit 80 Millisekunden und die Serienbildgeschwindigkeit mit 3 Bildern pro Sekunde (bei max. 6 RAW/NEF- oder 100 mittelgroßen JPEG-Bildern in Folge) an. Speicherkarten sollen mit ca. 9,5 MBytes/s beschrieben werden; beim Übertragen der Bilder auf einen Computer kann die Kamera die Karte schneller lesen (ca. 12 MBytes/s), als sie über die PictBridge-kompatible USB-2.0-Highspeed-Schnittstelle auf den Rechner zu befördern (ca. 7,5 MBytes/s).

Nikon D80 mit MB-D80 [Foto: Nikon]Weitere Neuerungen und Verbesserungen gibt es bei der D80 u. a. in Form einer Pilotlicht-Funktion für das eingebaute Blitzgerät (LZ 13), eines RGB-Histogramms und einer Bildmontage-Funktion (ähnlich wie bei der D200, D2Xs & Co.), einer Funktion zur kamerainternen Erkennung und Retusche roter Augen (wie bei den Coolpix-Modellen), der D-Lighting-Funktion zur elektronischen Schattenaufhellung (wie bei den Coolpix-Modellen, aber in drei Stufen), einer Crop-Funktion (Bildbeschneidung), einer Kompaktbildfunktion (erstellt eine verkleinerte Kopie eines ausgewählten Bildes) und neuer Filtereffekte (z. B. Simulierung eines Skylight-Filters, Blautönung, S/W, Sepia); bei den Farbraum-Einstellungen kann man nun wie bei der D2Xs und D200 zwischen drei Einstellungen (sRGB mit Hauttonoptimierung, Adobe RGB, sRGB mit Landschaftsfarbenoptimierung) wählen. Die D80 verfügt wie moderne DSLRs über diverse Bildparameter-(Vor-)Einstellungen und eine ISO-Automatik, deckt einen Lichtempfindlichkeitsstufenbereich von ISO 100 bis 1.600 (eine weitere Steigerung der Empfindlichkeit ist mit den Einstellungen HI-0.3, HI-0.7 und HI-1 möglich) ab, bietet mehrere Rauschunterdrückungsfunktionen (für Aufnahmen bei hoher Empfindlichkeit und für Langzeitbelichtungen) an, wartet mit 32 Individualfunktionen auf und kann wie neuere Coolpix-Modelle so genannte PictMotion-Diashows (multimediale Diashows mit unterschiedlichen Übergangseffekten und vorinstallierter/aufspielbarer Hintergrundmusik) erstellen.

Preislich liegt die D80 mit einem Gehäusepreis von knapp 970 EUR ein Stück über der derzeit einzigen anderen Einsteiger-DSLR mit 10,2-Megapixel-CCD, der Sony Alpha 100. Im Kit mit dem neuen Universalzoom DX 18-135/3.5-5.6 G IF-ED (die Objektivneuheiten von Nikon werden in einer gesonderten digitalkamera.de-Meldung vorgestellt) kostet sie rund 1.300 EUR. Über weitere Details zu Technik, Funktion und Ausstattung der Kamera gibt, wie gewohnt, das entsprechende digitalkamera.de-Datenblatt im Anschluss an diese Meldung Auskunft. Die Nikon D80 kommt als Photokina-Neuheit im September dieses Jahres (2006) auf den Markt.

Artikel-Vorschläge der Redaktion

Enträtselt: Der neue Front-End LSI von Sony erklärt

Enträtselt: Der neue Front-End LSI von Sony erklärt

So richtig erklärt hat Sony nicht, was der Front-End LSI besonderes ist. Wir haben bei Sony Europa nachgefragt. mehr…

Überarbeitete Ausgabe der Kaufberatung Outdoor-Kameras erschienen

Überarbeitete Ausgabe der "Kaufberatung Outdoor-Kameras" erschienen

Dank zweier Neuerscheinungen hat unser im Mai 2017 veröffentlichtes E-Book schon eine überarbeitete Neuausgabe verdient. mehr…

Franzis Photo Works projects 3 elements kostenlos erhalten

Franzis Photo Works projects 3 elements kostenlos erhalten

Bildbearbeitungs-Software für mehr Spaß am Fotografieren – jetzt gratis für alle digitalkamera.de-Leser. mehr…

Outdoor Fotografie Spezialpaket – Know-how-Workshops-Videos

Outdoor Fotografie Spezialpaket – Know-how-Workshops-Videos

Zwei Outdoor-Fotografie-Zeitschriften plus 18 Videoanleitungen für nur 16,95 € statt UVP 45,88 € (63 % Ersparnis). mehr…

News-Suche

von bis
Hersteller
Autor
Suche nach