Aus dem digitalkamera.de-Testlabor

Kamera des Smartphones OnePlus 6 auf Bildqualität getestet

2018-06-22 OnePlus bietet mit seiner Smartphone-Reihe vor allem ein gutes Preis-Leistungsverhältnis und legt den Schwerpunkt überwiegend auf die Performance. Beim aktuellen Modell OnePlus 6 kommt jedoch auch die Kamera nicht zu kurz. Dabei handelt es sich, wie inzwischen so oft, um eine Dual-Kamera, wobei die zweite Kamera lediglich für den Unschärfe-Effekt bei Porträts sorgen soll. Anders als bei Huawei kommt also keine Monochrom-Kamera zum Einsatz, um die Bildqualität vor allem in dunkleren Umgebungen zu verbessern. Der 16 Megapixel auflösende 1/2,3"-Sensor und das F1,7 lichtstarke 24mm-Objektiv versprechen dennoch eine gute Bildqualität. Ob das auch zutrifft, zeigt unser Labortest.  (Benjamin Kirchheim)

  • Bild Das OnePlus 6 besitzt eine Dual-Kamera mit F1,7 lichtstarkem Objektiv und 16 sowie 20 Megapixeln Auflösung. [Foto: OnePlus]

    Das OnePlus 6 besitzt eine Dual-Kamera mit F1,7 lichtstarkem Objektiv und 16 sowie 20 Megapixeln Auflösung. [Foto: OnePlus]

Vorweg ein paar Worte zum Smartphone an sich: Mit dem 2,8 GHz schnellen Snapdragon 845 Quad-Core-Prozessor, 8 GB RAM und 128 GB Flash-Speicher sowie Android 8.1 verspricht das OnePlus 6 in der knapp 570 Euro teuren mittleren Ausstattungsvariante eine hohe Performance. Tatsächlich ist das Smartphone im Alltag stets schnell. Ergänzt wird diese Flaggschiff-Ausstattung mit einem großen 6,3" FullHD+ OLED und einem äußerst schnell aufladbaren 3.300 mAh Li-Ion-Akku. Das Display leuchtet mit maximal 420 cd/m² in den meisten Situationen, vor allem dank des hohen Kontrastes des OLED-Panels, ausreichend hell. Der Akku klingt zwar nicht allzu groß, reicht aber locker über den Tag und erreichte bei uns vier bis sieben Stunden Laufzeit mit eingeschaltetem Display. Teilweise mussten wir den Akku, je nach Nutzungsintensität, nur alle zwei bis drei Tage aufladen.

Dem OnePlus 6 fehlen aber auch ein paar Ausstattungsdetails, die Flaggschiffmodelle anderer großer Hersteller durchaus bieten. Dazu gehört etwa eine Drahtlos-Ladefunktion, die Unterstützung von Voice over LTE oder WLAN-Call für die Anruffunktion bei schlechter Netzabdeckung oder etwa USB 3.0 oder HDMI über USB. Auch auf eigene Softwarelösungen verzichtet OnePlus mit Ausnahme von leichten Anpassungen des Android-Systems. So muss man oft die originalen Google- oder Drittanbieter-Apps verwenden, was jedoch kein Beinbruch ist und manche sicher sogar bevorzugen. Zudem kommen schnell beziehungsweise viele Updates, in unserem vierwöchigen Testzeitraum waren es stolze drei. Allerdings fehlten den Updates im Juni die entsprechenden monatlichen Sicherheitspatches von Google, der Stand verblieb bei Mai.

Die Foto-App

Für den Start der Kamera stehen verschiedene Optionen zur Verfügung, etwa über Gesten oder einfach das Antippen der entsprechenden App. Ein dedizierter Kameraknopf fehlt jedoch wie bei so vielen anderen auch, den gibt es weiterhin nur bei Sony. Daher war es uns beispielsweise nicht möglich, die Autofokusgeschwindigkeit und Auslöseverzögerung zu messen. In der Praxis gab es jedoch keine auffälligen Verzögerungen, sodass genaue Zahlen nicht mehr so relevant erscheinen wie noch zu Zeiten deutlich langsamerer Smartphone-Kameras.

  • Bild Tatsächlich dient die höher auflösende Kamera des OnePlus 6 jedoch nur der Generierung des Unschärfeeffekts, sie verbessert dagegen nicht die Bildqualität bei schlechtem Licht. [Foto: OnePlus]

    Tatsächlich dient die höher auflösende Kamera des OnePlus 6 jedoch nur der Generierung des Unschärfeeffekts, sie verbessert dagegen nicht die Bildqualität bei schlechtem Licht. [Foto: OnePlus]

Die Foto-App von OnePlus gibt sich eher minimalistisch, was die Bedienung vereinfacht. Es gibt sogar einen Pro-Modus mit vollmanueller Steuerung, allerdings lässt sich hier der LED-"Blitz" nicht zuschalten. Immerhin können Fotos sogar im Rohdatenformat DNG gespeichert werden. Bei der Belichtungszeit gibt es mit 1/8.000 bis 30 Sekunden einen großen Spielraum, die ISO-Empfindlichkeit beschränkt sich hingegen auf Werte zwischen 100 und 3.200. Auch der Weißabgleich kann manuell eingestellt werden, er bewegt sich zwischen 2.300 und 7.500 Kelvin. Löblich ist die Anzeige des jeweiligen Werts auf den Kelvin genau, wenn man die Automatik wählt. Der Weißabgleich kommt sogar mit Kunstlicht gut klar.

Im Testlabor

Das F1,7 lichtstarke Objektiv des OnePlus 6, die Blende ist wie üblich nicht veränderbar, zeigt kaum Randabdunklung, auch ein Schärfeabfall zu den Bildrändern und Farbsäume treten kaum auf. Die Messung zeigt aber, dass die Schärfe keineswegs gleichmäßig über das Bildfeld verteilt ist, sondern dass sie vom Bildzentrum zum Bildrand erst leicht sinkt und dann wieder steigt, was auf eine entsprechende digitale Korrektur hinweist. Der Effekt ist aber eher mess- als sichtbar und spielt in der Praxis keine Rolle. Auch die Verzeichnung ist gering, wobei hier jedoch eine interessante Wellenform auffällt. Die Verzeichnung steigt bis etwa 50 Prozent radialen Abstand zum Bildzentrum auf ein halbes Prozent Tonnenform, ist bei 70 Prozent Abstand neutral und zeigt bei 90 Prozent Abstand eine einprozentige Kissenform, was man bei kritischen Motiven durchaus sehen kann, wenn man genau darauf achtet. Die Auflösung bei 50 Prozent Kontrast erreicht im Bildzentrum 42 Linienpaare pro Millimeter im Kleinbildäquivalent und am Bildrand etwa 37. Das sind gute, aber auch keine überragenden Werte für einen 16-Megapixel-Sensor.

  • Bild Die matte Rückseite des OnePlus 6 sieht zwar nicht danach aus, aber sie besteht aus Metall. Das verbessert die Empfangsleistung, eine Drahtlos-Ladefunktion hat der chinesische Hersteller dennoch gespart. [Foto: OnePlus]

    Die matte Rückseite des OnePlus 6 sieht zwar nicht danach aus, aber sie besteht aus Metall. Das verbessert die Empfangsleistung, eine Drahtlos-Ladefunktion hat der chinesische Hersteller dennoch gespart. [Foto: OnePlus]

Vor allem interessant ist die Leistung bei höheren ISO-Empfindlichkeiten. Immerhin verfügt das OnePlus 6 über einen optischen Bildstabilisator, der zumindest bei statischen Motiven für scharfe Aufnahmen auch bei etwas längeren Belichtungszeiten sorgt, sodass man nicht gleich die Empfindlichkeit erhöhen muss. Das lichtstarke Objektiv trägt ebenfalls einen positiven Teil dazu bei. Tatsächlich zeigt das OnePlus 6 im Messlabor bis hinauf zu ISO 1.600 einen akzeptablen Signal-Rauschabstand von über 35 dB. Überhaupt zeigt es kaum Rauschen, selbst bei höheren Empfindlichkeiten. Allenfalls bei ISO 3.200 wird leichtes Helligkeitsrauschen sichtbar.

Das "riecht" nach einer starken Rauschunterdrückung, doch auch hier ist die Messung nicht nur unauffällig, sondern es werden scheinbar selbst bei ISO 3.200 noch ausreichend viele Details aufgelöst. Leider trügt diese Messung, denn das gute Bild kommt nur beim Schwarzweiß-Motiv des Testcharts zustande, mit dem die Bildaufbereitung der Kamera offensichtlich sehr gut umgehen kann. Ein Gegenvergleich mit den im Labor entstandenen Aufnahmen eines realitätsnäheren Testaufbaus zeigt deutliche Detailverluste ab ISO 800. Jedoch sind bei ISO 400 noch überraschend viele Details erkennbar. Warum das so ist, erklären wir weiter unten.

  • Bild Das OnePlus 6 beeindruckt vor allem mit dem schnellen Prozessor, dem großzügigen Speicher und der schlanken Software, was in der Summe ein hohe Performanz ergibt. [Foto: OnePlus]

    Das OnePlus 6 beeindruckt vor allem mit dem schnellen Prozessor, dem großzügigen Speicher und der schlanken Software, was in der Summe ein hohe Performanz ergibt. [Foto: OnePlus]

Ebenfalls gut schneidet das OnePlus 6 bei der Eingangsdynamik ab (siehe Diagramm aus dem Labortest unten, der übrigens wie bei allen Smartphones kostenlos über die weiterführenden Links abgerufen werden kann). Bis ISO 1.600 maßen wir über zehn Blendenstufen Dynamikumfang, nur bei ISO 3.200 bricht der Wert recht drastisch ein. Die Tonwertübertragung verläuft etwas ungewöhnlich. So sind in den Tiefen die Kontraste deutlich erhöht, flachen jedoch ungewöhnlich früh ab. Relativ gering sind zudem die Schärfeartefakte. Der Ausgangs-Tonwertumfang ist hingegen etwas niedrig, selbst bei ISO 100 werden weniger als 192 der 256 möglichen Helligkeitsabstufungen genutzt. Anders sieht es bei der Farbwiedergabe aus. Diese ist ausgesprochen gut und detailreich. Bis ISO 1.600 werden über vier Millionen Farben differenziert. Dabei halten sich die Farbabweichungen vom Original in Grenzen, hier fallen eigentlich nur ein Richtung Magenta tendierendes Lila und ein etwas zu gesättigtes (leuchtendes) Grün auf.

Fortsetzung auf Seite 2

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Benjamin Kirchheim

Benjamin Kirchheim, 40, schloss 2007 sein Informatikstudium an der Uni Hamburg mit dem Baccalaureus Scientiae ab. Seit 1998 war er journalistisch für verschiedene Atari-Computermagazine tätig und beschäftigt sich seit 2000 mit der Digitalfotografie. Ab 2004 schrieb er zunächst als freier Autor und Tester für digitalkamera.de, bevor er 2007 als fest angestellter Redakteur in die Lübecker Redaktion kam. Seine Schwerpunkte sind die Kameratests, News zu Kameras und Fototipps.