Rubrik: Studio

Was der Color Rendering Index (CRI) bedeutet

2022-04-26 Keine Werbung für fotografisches LED-Dauerlicht kommt ohne die Angabe des Kürzels CRI aus. Manchmal hat man Glück und es wird von Color Rendering Index gesprochen und versteht dadurch, dass es irgendwas mit Farbwiedergabe zu tun hat, doch was sagt die Zahl dahinter aus? Wir erklären in diesem Fototipp, was der CRI ist, wie er ermittelt wird und vor allem was er tatsächlich aussagt.  (Harm-Diercks Gronewold)

  • Bild Im unteren Farbtemperaturbereich besitzt das abgegebene Licht nur einen geringen Blauanteil. Blaue Farbtöne werden also nicht so gut wiedergegeben. Der CRI muss deswegen aber nicht zwangsläufig schlechter sein. [Foto: Weeylite]

    Im unteren Farbtemperaturbereich besitzt das abgegebene Licht nur einen geringen Blauanteil. Blaue Farbtöne werden also nicht so gut wiedergegeben. Der CRI muss deswegen aber nicht zwangsläufig schlechter sein. [Foto: Weeylite]

Die LED hat in den letzten Jahren einen echten Siegeszug hingelegt und das nicht nur als Beleuchtung für die eigenen vier Wände, sondern auch als Werkzeug für die fotografische Arbeit. Doch nicht alle Leuchten (LED oder andere) sind für die farbverbindliche Arbeit geeignet; auch nicht, wenn eine Farbtemperatur angegeben ist. Denn die Farbtemperatur allein sagt nichts darüber aus, ob oder in welchem Umfang die Spektralfarben vom Leuchtmittel erzeugt werden können.

Hier kommt dann der Farbwiedergabeindex (Color Rendering Index, kurz CRI) ins Spiel. Der CRI beschreibt die Verteilung der Spektralfarben einer Lichtquelle in Bezug auf eine Referenzlichtquelle mit gleicher Farbtemperatur. Bis zu einer Farbtemperatur von 5.000 Kelvin (K) wird ein schwarzer Strahler der entsprechenden Farbtemperatur als Referenzlichtquelle eingesetzt. Oberhalb von 5.000 K wird mit einem genormten, dem Tageslicht entsprechenden Spektrum eines Normlicht-Leuchtmittels verglichen.

Ermittelt wird der CRI mit Hilfe von 14 beziehungsweise 15 Referenzfarben. Je mehr Referenzfarben verwendet werden, desto deutlicher ist die Beschreibung der Lichtqualität. So verwendet beispielsweise die Europäische Rundfunkunion (EBU) 24 Referenzfarben, um den TLCI-2012 (Television Lightning Consistency Index) zu ermitteln.

Kann das Leuchtmittel, dessen CRI ermittelt werden soll, die Farben genauso wiedergeben, wie die Referenzlichtquelle, so liegt der CRI bei 100. Das bedeutet aber nicht, dass alle Farben gleichmäßig gut wiedergegeben werden können. So besitzt eine hohe Farbtemperatur beispielsweise nur wenig Rotanteil im abgegebenen Licht. Das führt dann dazu, dass Rottöne schlecht dargestellt werden können. Der optimale Farbtemperaturbereich von Leuchtmitteln liegt für foto- und videografische Aufnahmen zwischen 4.500 bis 6.000 Kelvin. Dies ist entspricht ungefähr dem Tageslichtbereich, bei dem die Spektralfarben optimal verteilt sind.

  • Bild Bi-Color LED-Leuchten haben den Vorteil, dass sie verschiedene Farbtemperaturen erzeugen können und gleichzeitigt einen hohen CRI haben können. [Foto: Jinbei]

    Bi-Color LED-Leuchten haben den Vorteil, dass sie verschiedene Farbtemperaturen erzeugen können und gleichzeitigt einen hohen CRI haben können. [Foto: Jinbei]

Nun könnte man auf die Idee kommen, sich einfach Tageslicht-LED-Lampen mit E27- oder E14-Sockel zu kaufen und als Foto-Beleuchtung einzusetzen. Prinzipiell eine prima Idee, wenn da nicht die "lasche" EU-Verordnung wäre, die in Innenbereichen Leuchtmittel mit einem CRI von mindestens 80 vorsieht. Das ist für fotografische Anwendungen nicht optimal. Besser ist ein CRI von über 90 oder sogar über 95. Je dichter an der CRI an der 100 ist, desto besser. Leuchtmittel, die für die Beleuchtung von Wohnräumen gedacht sind, können also nur bedingt für die Fotografie eingesetzt werden.

Wir bei digitalkamera.de haben über ein Jahrzehnt bei der Produktfotografie mit zwei Flächenleuchten gearbeitet, die mit vier beziehungsweise Leuchtstoffröhren Osram Dulux L 55W/12-950 bestückt waren. Die Leuchtmittel haben eine Farbtemperatur von 5.300 K und einen sehr guten CRI von 90 bis 99. Eigentlich hätte das optimal sein müssen. Das war es auch, als die Röhren noch neu waren. Mit steigenden Betriebsstunden entfernten sich die Farbtemperaturen der Leuchtmittel der beiden eigentlich identischen Leuchten voneinander und durch den recht großen Toleranzbereich in der CRI kam es zu immer stärker werdenden Farbunterschieden. Diese zu beseitigen war möglich, doch das nur mit zeitaufwändiger nachträglicher Farbkorrektur in der Bildbearbeitung.

Zurzeit setzen wird für unsere Produktfotos zwei LED-Studiolampen ein, die eine festgelegte Farbtemperatur und einen CRI von über 95 haben. Seither kommt es zu keinen sichtbaren Farbunterschieden mehr und die Nachbearbeitung der Aufnahmen hat sich damit um 30 bis 40 Prozent reduziert.

Es ist also mehr als nur empfehlenswert, dass Sie bei der Wahl des Leuchtmittels auf die Farbtemperatur im Bereich von 4.500 bis 6.000 K und auf einen CRI von 95 oder höher achten. Auf keinen Fall sollten Sie Leuchtmittel einsetzen, die sich von der Farbtemperatur unterscheiden oder die einen unterschiedlichen CRI haben.

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Harm-Diercks Gronewold

Harm-Diercks Gronewold, 51, ist gelernter Fotokaufmann und hat etliche Jahre im Fotofachhandel gearbeitet, bevor er 2005 in die digitalkamera.de-Redaktion kam. Seine Schwerpunkte sind die Produktdatenbanken, Bildbearbeitung, Fototipps sowie die Berichterstattung über Software und Zubehör. Er ist es auch, der meistens vor der Kamera in unseren Videos zu sehen ist und die Produkte vorführt.