Gedanken und Ideen für kleinere Fotohändler in der Covid-19-Zeit

Für Fotohändler (Teil 1): Wie finden die Kunden mich als Händler?

2020-04-01 Der Einzelhandel ist derzeit bis auf wenige Ausnahmen weitgehend geschlossen, um Kontakt zwischen Personen zu vermeiden und die Ausbreitung des neuartigen Corona-Virus zu verlangsamen. Wie lange die staatlich angeordnete Zwangsschließung anhält, ist unklar. Einzelhändler suchen nach Wegen, in dieser Zeit wenigstens noch einen Teil ihres Umsatzes zu machen. Wir haben einige Ideen zusammengetragen. Hinweis: Dieser Artikel richtet sich speziell an lokale Fachhändler (und nicht an Endkunden).  (Jan-Markus Rupprecht)

  • Bild Ausschnitt der Titelseite der Lübecker Nachrichten vom 01. April 2020 mit Teaser zu #supportyourlocal im Lokalteil. [Foto: MediaNord]

    Ausschnitt der Titelseite der Lübecker Nachrichten vom 01. April 2020 mit Teaser zu #supportyourlocal im Lokalteil. [Foto: MediaNord]

  • Bild Seite #supportyourlocal im Lokalteil der Lübecker Nachrichten vom 01. April 2020. [Foto: MediaNord]

    Seite #supportyourlocal im Lokalteil der Lübecker Nachrichten vom 01. April 2020. [Foto: MediaNord]

E-Mail

Falls Sie einige E-Mail-Adressen Ihrer Kunden haben: Ein Mailing, auf welchen Wegen man Sie erreichen kann, wäre vielleicht nicht verkehrt. Die Datenschutzgrundverordnung setzt da eigentlich enge Grenzen, aber Ihre Kunden (also jemand der wirklich schon mal was bei Ihnen gekauft hat oder einen Workshop besucht hat) dürfen Sie anschreiben. Mein Postfach quillt zwar derzeit über von E-Mails nach dem Motto "Wir wollten Ihnen nur mitteilen, dass wir als riesengroßer Pappkarton-Hersteller weiterhin Pappkartons herstellen und Sie diese bei uns weiterhin kaufen können und DHL oder unsere Spedition Ihnen die auch weiterhin bis an die Tür liefert". Das nervt natürlich. Aber wenn mir ein lokaler Händler schreiben würde, dass er nicht mit 100 Prozent Kurzarbeit abgetaucht ist, sondern wie ich weiterhin bei ihm lokal die gewohnten Produkte beziehen kann, wäre ich wahrscheinlich nicht sauer. Wichtig:

Wenn Sie ein Mail an viele Empfänger schicken, dann müssen Sie die Adressen in Ihrem E-Mail-Programm unbedingt in das BCC-Feld einfügen, nicht in das An- oder das CC-Feld. BCC heißt Blind Carbon Copy, also Blindkopie. Die Adressen dort sind für die anderen Empfänger nicht sichtbar (kein Kunde möchte seine E-Mail-Adresse und seinen Namen in einem großen Verteiler für alle sichtbar sehen). In das An-Feld können Sie einfach ihre eigene Adresse reinschreiben, am besten die offizielle Haupt-Adresse (info@..., mail@... oder was auch immer; ohne An-Adresse können Sie die Mail nicht losschicken).

Eigene Website, Google, Facebook, Twitter, Instagram

Haben Sie eine Website? Diese bitte unbedingt auf Stand bringen. Schreiben Sie dort ganz deutlich, wie Sie erreichbar sind und was geht und was nicht geht. Bitten Sie vielleicht auch um Hinterlegung/Mittelung der E-Mail-Adresse, damit Sie Interessenten auf dem Laufenden halten können.

Wenn Sie einen Google-Geschäftseintrag haben, halten Sie auf den auf dem aktuellen Stand. Schauen Sie, dass die Leute, die online nach Ihren Kontaktdaten suchen, irgendwo landen, wo eine Telefonnummer und eine E-Mail-Adresse stehen und vor allem den Link zu Ihrer Website. 

Wenn Sie auf Facebook, Twitter oder Instagram aktiv sind, sollten Sie die aktuelle Informationen zu Ihrer Erreichbarkeit auch dort verbreiten. Mit einer interessanten Geschichte, z. B. Nummern-Shopping im Schaufenster oder Online-Aktion, erhöht man dort sicherlich die Chance, dass der Beitrag geteilt wird (siehe unten unter Ladengeschäft).

Vielleicht haben Sie Kontakt zu Fotoclubs und können auf dem Wege zu einer kleinen Notiz im Verteiler des Fotoclubs gelangen.

Lokale Initiativen

Es gibt derzeit oft Aktivitäten der Tageszeitungen oder anderer lokaler Größen, die das "Was geht aktuell noch im lokalen Handel?" thematisieren. Bei uns in Lübeck ist das eine Tageszeitungsinitiative #supportyourlocal. Das ist momentan noch eine lieblose Seite, die mit einer auf die ganze Welt rausgezoomten Weltkarte startet und einer schlichten Tabelle mit den ungefähr 250 Firmen, die sich dort eingetragen haben. Keine Suche, keine Filter, kein Garnichts. Wenn die Programmierer da aber noch etwas Zeit und Liebe investieren, ist das sicherlich ausbaubar. Promotet wird das ganze aber redaktionell in der Tageszeitung und wer das große Glück hat, dort genannt zu werden, bekommt natürlich eine schöne Werbung gratis. In Kiel gibt es Kiel-hilft-Kiel und in Hamburg #hamburgbringts von hamburg.de, in anderen Städten sicherlich ähnliches. Sich dort einzutragen kostet nichts und ist schnell gemacht. Schaden kann das sicherlich nicht.

Ladengeschäft

Sehr wichtig ist ein Aushang am Laden. Am besten ausreichend groß, sodass man schon beim Vorbeiradeln oder Vorbeifahren sieht, dass das was steht (was genau sieht man dann, wenn man näher rankommt). Ausgangssperre haben wir ja in Deutschland zum Glück nicht, trotzdem ist natürlich nicht viel los in den Innenstädten. Aber ein Aushang ist das Mindeste. Haben Sie natürlich längst gemacht.

  • Bild ONE-Fairtrade & Kaffeerösterei in Lübeck mit "Windows Shopping". [Foto: MediaNord]

    ONE-Fairtrade & Kaffeerösterei in Lübeck mit "Windows Shopping". [Foto: MediaNord]

  • Bild ONE-Fairtrade & Kaffeerösterei in Lübeck mit "Windows Shopping". [Foto: MediaNord]

    ONE-Fairtrade & Kaffeerösterei in Lübeck mit "Windows Shopping". [Foto: MediaNord]

  • Bild ONE-Fairtrade & Kaffeerösterei in Lübeck mit "Windows Shopping". [Foto: MediaNord]

    ONE-Fairtrade & Kaffeerösterei in Lübeck mit "Windows Shopping". [Foto: MediaNord]

  • Bild ONE-Fairtrade & Kaffeerösterei in Lübeck mit "Windows Shopping". [Foto: MediaNord]

    ONE-Fairtrade & Kaffeerösterei in Lübeck mit "Windows Shopping". [Foto: MediaNord]

Vielleicht können Sie im Ladengeschäft noch einen Schritt weiter gehen. Ich zeige hier das Beispiel eines Lübecker Fair-Trade-Ladens "ONE-Fairtrade & Kaffeerösterei", das mir sehr, sehr gut gefällt. Die haben ihr Schaufenster zu einer Art Nummern-Shop gemacht. Alle Artikel, die dort stehen, haben eine deutliche Nummer und den Preis. Wer am Schaufenster entlang geht und etwas sieht, das ihn interessiert, kann anrufen und das Produkt bestellen. Das ist nicht nur für die (wenigen) Passanten vor dem Schaufenster gut, sondern das ist vor allem eine Story! Eine Story für Ihre Website, für Facebook, Twitter oder Instagram. Auch dort können Sie Fotos mit den Produkten, Nummern und Preisen veröffentlichen.

Verkauf über Marktplätze

Normalerweise würde ich den Verkauf über Marktplätze nicht als erste Wahl bezeichnen, da die Marktplätze ihren Anteil von der ohnehin oft schmalen Marge einbehalten. Dass bei bestimmten Produkten Verträge mit den Lieferanten die Listung in Marktplätzen ausschließen, ist eine andere Sache. Gerade ist eine Not-Situation und wenn Sie die Ware im lokalen Geschäft gerade nicht verkaufen können, müssen Sie andere Wege finden. Ein eigener Online-Shop ist gut, wenn er gut gepflegt und etabliert und beworben ist. Das macht sich nicht auf die Schnelle, sondern kostet enorm viel Manpower, Zeit und Geld. Das ist nichts, was man mal kurz während einer Corona-Schließzeit macht. Aber Marktplätze bestücken geht immer.

Fortsetzung auf Seite 2

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Autor

Jan-Markus Rupprecht

Jan-Markus Rupprecht, 55, fotografiert mit Digitalkameras seit 1995, zunächst beruflich für die Technische Dokumentation. Aus Begeisterung für die damals neue Technik gründete er 1997 digitalkamera.de, das Online-Portal zur Digitalfotografie, von dem er bis heute Chefredakteur und Herausgeber ist. 2013 startete er digitalEyes.de als weiteres Online-Magazin, das den Bogen der digitalen Bildaufzeichnung noch weiter spannt.