Kompaktkamera mit großem Sensor, Bridge-Kamera, Kompaktkamera

Testbericht: Sony DSC-R1

2005-12-19 Welche Experimente Sony noch so in seinen Laboren treibt, weiß niemand so richtig, aber kürzlich ist es den Sony-"Forschern" gelungen, einer so genannten Bridge- bzw. Prosumerkamera einen CMOS-Bildwandler in der von digitalen Spiegelreflexkameras bevorzugten Größe "einzupflanzen". Der Patient bzw. die Patientin scheint sich bester Gesundheit zu erfreuen und zeigt auch keine Abstoßungsreaktionen; obwohl die DSC-R1 mittlerweile die Sony-Labore verlassen hat und seit kurzem sogar am aktiven (Markt-)Leben teilnimmt, haben wir die Kamera zu einer "Nachuntersuchung" in unserem (Test-)Labor einbestellt.  (Yvan Boeres)

Sony Cyber-shot DSC-R1  [Foto: MediaNord]Eine solche "Kreuzung" aus Prosumer-Kamera und DSLR hat es natürlich besonders schwer, muss die DSC-R1 sich doch an der Konkurrenz aus gleich zwei grundverschiedenen Kameraklassen messen. Doch die Sony-Kamera der besonderen Art ist mehr als nur ein wissenschaftliches Experiment, sondern ein fertiges Produkt, das den Markt für anspruchsvolle Fotografen und DSLR-Verweigerer anpeilt. Wie gut die Bildwandler-Transplantation verlaufen und wie "fit" die Sony DSC-R1 sonst noch ist, können unsere Leser sowohl im nachfolgenden Text als auch im nebenstehenden Steckbrief, in der Tabelle "Messwerte" am Ende des Tests und in einer aktualisierten Version unseres digitalkamera.de-Datenblattes zu dieser Kamera nachlesen. Als hilfreiche Ergänzung dazu bieten wir das DCTau-Testprotokoll zum kostenpflichtigen Abruf (bzw. im Abo) an, das diesem Test bei der Beurteilung der Bildqualität zugrunde lag.

Ergonomie/Verarbeitung Als wolle man in wirklich jeder Hinsicht mit dem von den Kameras der F-Serie (DSC-F505, DSC-F717, DSC-F828 usw.) her bekannten Gerätekonzept brechen, verabschiedet sich Sony mit der DSC-R1 von der Drehgelenk-Konstruktion ihrer Vorgängerinnen, um ein "Monoblock"-Design anzunehmen. Demnach bilden Kamera und Objektiv eine feste Einheit, wobei Aufnahmen aus ungewöhnlichsten Perspektiven dank dreh- und schwenkbarem LC-Bildschirm weiterhin möglich sind. Mit einem Identitätsverlust braucht die R1 auch nicht zu kämpfen, da sie als Kamera immer noch auffällig genug ist, um sich von der Masse abzuheben. Das tut sie bereits durch ihre verhältnismäßig üppigen Dimensionen und ein ebenso imposantes Gewicht. 140 x 168 x 97 mm sind für Bridge-Kameras eben nicht besonders kompakt und gut 1 kg (im betriebsbereiten Zustand) auch nicht besonders leicht. Die Handlage bzw. Balance und die Verarbeitung sind allerdings ganz gut – auch wenn die Gewichtsverteilung ein klein bisschen ungleichmäßig ist (der Gewichtsschwerpunkt liegt halt auf der linken Seite) und das Gehäusematerial fast ausschließlich Kunststoff (von der stoßfesteren und allgemein hochwertigeren Sorte) ist.

Sony DSC-R1  [Foto: MediaNord]Doch das Auffälligste am Design der R1 sind der Blitzschuh am Handgriff (mehr dazu im Testabschnitt "Blitz") und der über dem Sucher montierte Dreh-/Schwenkbildschirm. Bei Benutzung des "Deckmonitors" – so wie ihn unsere Kollegen vom FotoMagazin nennen – fühlt man sich irgendwie in alte Zeiten zurückversetzt, wo man Mittelformatkameras an die Brust bzw. an den Bauch hielt und von oben herunter in den Lichtschachtsucher blickte; zumindest dann, wenn der LC-Bildschirm so eingeklappt ist, dass die Bildschirmoberfläche nach oben zeigt. Mit einer Bilddiagonale von 2" gehört der Farbmonitor zu den Größeren seiner Art (in der Kategorie der dreh- und schwenkbaren Bildschirme) und steht im gesunden Verhältnis zur Bildschirmauflösung von 134.000 Bildpunkten. Mit grellem Sonnenlicht kommt der LCD dank transreflektiver Technik und weitgehend entspiegelter Displayschutz-Scheibe genauso gut klar wie mit schnellen Kameraschwenks (die zumindest auf dem Bildschirm zu keinen Rucklern oder Nachzieheffekten führen) und von der Seite auf das Bild guckende Zuschauer (der hohe Betrachtungswinkel macht es möglich). An eine automatische Bildschirmaufhellung bei schwachem Licht hat Sony auch gedacht; eine Art "Restlichtverstärkerfunktion", wie sie manche Sony-Kameras in Form der NightFraming-Funktion oder wie sie einige andere Kameras in Form einer "Extraportion" Bildschirmhelligkeit per Knopfdruck bieten (z. B. Fujifilm FinePix F10, neuere Lumix-Modelle von Panasonic, BrightCapture-Technologie von Olympus), lässt die R1 jedoch vermissen. Dafür funktioniert die Bildschirmumschaltung automatisch. Sofern der entsprechende Schalter auf "Auto" steht, schaltet sich der elektronische Videosucher der R1 ganz von alleine ein, sobald man das Auge ans Okular führt. Nimmt man das Auge wieder weg, wird wieder auf den LC-Bildschirm umgeschaltet. Leider ist aber der Augensensor für unseren Geschmack etwas zu empfindlich eingestellt, so dass die Anzeige etwas zu willkürlich umher springt. Wer das ähnlich sieht, kann – wie wir es gemacht haben – die Umschaltautomatik abschalten und manuell die Anzeigeart wechseln. Der so genannte EVF (Electronic View-Finder) zeigt ein schön großes Sucherbild mit guter Abstimmung zwischen Sucherbildvergrößerung und Detailfeinheit/Auflösung. Hier setzt der elektronische Sucher der R1 in Punkto LCD-Technik (leSony DSC-R1  [Foto: MediaNord]ider) keine neuen Maßstäbe und bleibt bei einer Bildschirm- bzw. Sucherauflösung von 235.000 Bildpunkten. Eine Dioptrieneinstellung unter dem Okular erlaubt die Anpassung der Schärfe an die individuelle Sehstärke, doch auch mit Brille lässt es sich ganz bequem durch den Sucher gucken. Ein paar Sonderfunktionen bieten der Sucher und der Bildschirm in Form einer ein- und abschaltbaren Belichtungsvorschau (Framing/Preview-Schalter an der Kamerarückseite), eines einblendbaren Gitternetzes, der so genannten "Zebra"-Funktion (bei der überbelichtete Bildpartien schraffiert hervorgehoben werden), einer zuschaltbaren Histogrammanzeige (im Wiedergabemodus sogar für jeden einzelnen Farbkanal) und einer Flimmerreduzierungsfunktion (das von manchen Leuchtstoffröhren und z. T. auch von Kathodenstrahlröhren-Bildschirmen verursachte Flimmern auf dem Bildschirm bzw. im Sucher kann damit verringert werden). Störende Farbstiche gibt es auf den beiden LCDs keine; das von uns als etwas "düster" empfundene Sucherbild des elektronischen Videosuchers kann im Einstellungsmenü durch Umschaltung der "EVF-Gegenlicht"-Einstellung auf "Hoch" aufgehellt werden.

Etwas gewöhnungsbedürftig ist die Bedienung der R1. Ein Großteil der Bedienelemente ist unter dem Sucher an der Kamerarückseite angesiedelt, und wenn man zum Einstellen diverser Parameter darauf blicken will, muss man entweder das Auge vom Okular nehmen oder – wenn man stattdessen den LC-Bildschirm benutzt – die Kamera leicht nach vorne neigen; es sei denn, man nimmt die Einstellungen im "Blindflug" vor. Ein gleichzeitiges Gucken durch den Sucher bzw. Anvisieren des Motivs und Einstellen der Kamera ist nur mit viel gutem Willen möglich; richtig intuitiv ist das Ganze jedenfalls nicht. Wenigstens sind alle wichtigen Funktionen und Einstellungen ohne Ausflug ins Menüsystem der R1 erreichbar. Die Lichtempfindlichkeitsstufen (ISO-Einstellung), die Belichtungsmessart, das Belichtungsprogramm, die Belichtungsparameter (Verschlusszeit/Blende), die Weißabgleich-Einstellungen, die Selbstauslöser-Funktionen und die Bildfolge-Modi sind alle über Tasten, Schalter oder Einstellräder direkt aufrufbar – nur die Bildqualität (Bildgröße, Komprimierung, Dateiformat) muss noch im Menü eingestellt werden. Sehr "Canon-like" ist die Funktionseinstellung über das große Kodierrad an der Kamerarückseite. Alleine oder in Verbindung mit dem kleineren Einstellrad an der Rückseite des Handgriffs erlaubt es den schnellen Aufruf verschiedener Funktionen oder Parameter. Inmitten des Drehkranzes ist ein Miniatur-"Joystick" eingefasst, der das sonst bei vielen Digitalkameras übliche Steuerkreuz ersetzt und sowohl bei der Navigation durch die Menüs als auch bei der AF-Messfeldsteuerung (mehr dazu im nächsten Testabschnitt) zum Einsatz kommt. Das Menü selbst ist – Sony-typisch – horizontal aufgebaut und vereint 248 Einstellungen auf 34 Menüpunkten. Personalisierungsmöglichkeiten wie z. B. umprogrammierbare Tasten, Benutzerprogramme oder "ShSony DSC-R1  [Foto: MediaNord]ortcuts" (bei denen man über bestimmte Tastenkombinationen direkt zu einem Menüpunkt gelangt) gibt es bei der Bedienung nicht.

Die restlichen Bedienelemente sind oben auf dem Handgriff und seitlich am Objektiv zu finden. Im Handgriff finden auch die Speicherkarte(n) und der Lithiumionenakku Platz, wobei der Batterieschacht und die Kartensteckplätze (CF I/II/II+, MemoryStick) über unterschiedliche, scharnierbesetzte Hartkunststoff-"Türen" zugänglich sind und einen getrennten Wechsel von Speicherkarte und Akku zulassen. Ihnen steht auch keine Stativ-Schnellwechselplatte o. ä. im Weg, da das metallene Stativgewinde weit vom Griff entfernt mitten in der optischen Achse liegt (wo es auch hingehört). Die Steckerleiste der R1 (ACC-Zubehörbuchse, USB-Schnittstelle, Videoausgang, Netzeingang) ist an der linken Kameraseite gelegen und wird von einer semi-rigiden Kunststoff-Kappe abgedeckt. Keine richtige Design-Sünde, aber im praktischen Betrieb störend ist die Tatsache, dass die Kamera ans Netz muss, um den Akku aufzuladen. Wer sich vorsorglich einen Ersatzakku für längere Fotostrecken gekauft hat oder noch einen von anderen Sony-Kameras (z. B. DSC-F828, DSC-F707/717 oder diversen Modellen der "S-Klasse") besitzt, kommt u. U. nicht darum herum, sich ein externes Ladegerät hinzu zu kaufen, da ein gleichzeitiges Laden des Akkus und Betreiben der Kamera mit dem Ersatzakku sonst unmöglich ist.

Optik Das Objektiv der R1 zu übersehen, dürfte einem schwer fallen, da die Fünffachzoom-Optik einen Großteil der Dimensionen und des Gewichtes der Kamera ausmacht. Das als Carl Zeiss Vario-Sonnar auftretende Zoomobjektiv ist eine der seltenen fest verbauten Konstruktionen, deren Brennweite schon bei umgerechnet 24 mm anfängt. Ein ähnlich weitwinkelfreudiges Objektiv wissen derzeit nur die Nikon Coolpix 8400 und die Kodak EasyShare P880 aufzuweisen, wobei die beiden R1-Kontrahentinnen von der Sensorgröße und Auflösung her in einer ganz anderen Klasse mitspielen. Die Brennweite endet bei 120 mm (KB-äquivalent), so dass sich ein nutzbarer Brennweitenbereich von 24 bis 120 mm ergibt. Das ist eine vor allem bei Reise-, Natur- und Reportagefotografen sehr beliebte "Zoom-Range". Die Brennweitenverstellung erfolgt vollkommen manuell durch einen Dreh am griffig geriffelten und großzügig dimensionierten (3 cm breit) Zoomring. Die Drehbewegungen der Benutzerhand werden über eine mechanische Kopplung direkt auf das Linsensystem übertragen, und das ist einer der wenigen Bereiche, wo die Mechanik der Elektronik in Sachen Intuitivität, Präzision, Diskretion und Schnelligkeit noch überlegen bleibt. Wer sich jedenfalls schon mal mit einem motor- bzw. tastengesteuertem Zoom abgemüht hat, weiß, dass die "gute alte" manuelle Einstellung in dieser Hinsicht unübertroffen bleibt.

Sony DSC-R1   [Foto: MediaNord]Mit der Brennweite ändert sich auch die Lichtstärke des R1-Objektivs. Die größtmögliche Blende beginnt bei F2,8, um am anderen Ende des Brennweitenspektrums (d. h. bei umgerechnet 120 mm) mit F4,8 aufzuhören. Welche Brennweite man ungefähr eingestellt hat, kann man auf dem Zoomring ablesen, wo an den entsprechenden Positionen die geläufigsten Brennweitenwerte (24, 28, 35, 50, 70, 100 und 120 mm) als Referenz aufgedruckt sind. Schade nur, dass man auf dem Bildschirm bzw. im Sucher statt der eingestellten Brennweite nur den jeweiligen Zoomfaktor angezeigt bekommt, denn mit einer genauen Brennweitenangabe (z. B. 87 mm) dürfte ein Fotograf mehr anzufangen wissen als mit einem – vergleichsweise nichts sagenden – Zoomfaktor (z. B. 1,2x). Was sich ebenfalls mit der Brennweite ändert, ist die Länge des Objektivs. Beim Zoomen kann der Objektivtubus um bis zu 5 cm anwachsen; dank eines sehr geringen Spiels kommt es nicht vor, dass der Tubus durchrutscht, wenn sich die Kamera beim Transport zum Boden neigt.

Spürbar weniger mechanisch arbeitet der 2 cm breite Fokussierring am Objektiv der R1. Im Normalbetrieb, wo der Autofokus aktiv ist, zeigt das Drehen an diesem Ring keine Wirkung; hier genügt es, wie gewohnt den Auslöser halb niederzudrücken, damit die Kamera die Scharfstellung von alleine vornimmt. Dabei versucht sie auch, die Position des Hauptmotivs in einem von 5 AF-Messfeldern abgedeckten, kreuzförmigen Areal in und um die Bildmitte zu ermitteln. Wo der Autofokus nun scharf gestellt hat, zeigt die Kamera im Sucher bzw. auf dem Bildschirm durch eine oder mehrere grün hervorgehobene Klammern. Versagt die automatische "Zielerfassung", kann man auch die Stelle vorgeben, wo der Autofokus die Schärfe finden soll. Das kann durch einmaliges Drücken des Miniaturjoysticks auf der Kamerarückseite entweder ganz in der Bildmitte sein oder – wenn man den Joystick noch einmal drückt und ihn anschließend bewegt – punktgenau an einer beliebigen Stelle auf dem Bild (es sind 540 einzelne Positionen möglich). Im Einstellungsmenü darf man wählen, ob der Autofokus schon vor dem Antippen des Auslösers "Vorarbeit" leistet (so genannter Monitor-Modus), erst auf Auslöserbefehl in Aktion tritt und die Scharfstellung abschließt (Einzel-AF) oder noch die Schärfe kontinuierlich nachjustiert (Serien-AF).

Sofern das Motiv von der Entfernung her im Arbeitsbereich des Autofokus liegt (50 cm bis Unendlich) und es nicht zu dunkel ist bzw. die Motivkontraste nicht zu schwach sind, funktioniert die automatische Scharfstellung schnell (siehe Messwert-Tabelle) und zuverlässig. Das eingebaute und bei Bedarf abschaltbare AF-Hilfslicht der R1 ist allerdings ein Rückschritt im Vergleich zum Laser-System früherer Prosumerkameras von Sony (als Hologramm-AF seit der DSC-707 bSony DSC-R1  [Foto: MediaNord]ekannt), das technologisch fortgeschrittener war und irgendwie auch besser funktionierte. Verloren gegangen sind auch die ausgezeichneten Makro-Fähigkeiten der Vorgängermodelle. Vorbei sind die Zeiten, wo man noch bei 1 cm Motivabstand scharfe Bilder hinbekam. Bei der R1 gibt es zwar auch einen Makro-Modus, mit dem man aber nur bis auf 35 bis 40 cm (je nach eingestellter Brennweite) an das Motiv herankommt. Große Bildsensoren und entsprechend große Objektive haben eben nicht nur Vorteile.

Über den gleichen Schalter, mit dem man in den Makro-Modus gelangt, lässt sich auch die manuelle Scharfstellung einschalten. Dann darf man endlich am Fokussierring drehen und zusehen, wie sich diesesmal etwas tut. Das merkt man zuerst am Sucher- bzw. Monitorbild, das augenblicklich eine vergrößerte Ansicht des mittleren Bildausschnitts zeigt (diese Funktion lässt sich im Einstellungsmenü abschalten) und so die visuelle Scharfstellung wesentlich bequemer bzw. präziser gestaltet. Zur Kontrolle wird dann noch die eingestellte Entfernung mit angezeigt. Zur schnellen Voreinstellung bzw. für solche Fälle, wo man keine Zeit hat, den AF-Modus zu wechseln, braucht man nur den Knopf in der Mitte des AF-Schalters zu drücken, damit der Autofokus sofort wieder die Kontrolle über die Scharfstellung übernimmt.

Zum Abschluss dieses Kapitels noch ein Wort zum Objektivzubehör. Dank 67-mm-Gewinde an der Objektivfront kann die R1 mit Filtern bestückt werden. Die Frontlinse dreht sich beim Fokussieren und Zoomen nicht mit, so dass z. B. Pol- oder Verlauffilter nicht bei jeder Änderung des Schärfepunktes nachjustiert bzw. neu ausgerichtet werden müssen. Sony bietet extra für die R1 berechnete und besonders flache Filter (Polfilter, Neutraldichtefilter/Graufilter, mehrfach vergüteter Schutzfilter, Makrolinse) als optionales Zubehör an, lässt sich die aber mit 50 bis 130 EUR auch fürstlich bezahlen. Noch tiefer in die Tasche greifen muss man für den Weitwinkel-Konverter VCL-DEH08R (0,8-fache Brennweitenverkürzung) und/oder den Tele-Vorsatz VCL-DEH17R (1,7-fache Brennweitenverlängerung), zu deren Einzelpreis von je 400 EUR noch 85 EUR für den dazu passenden Vorsatzlinsenadapter VAR-RA hinzu kommen. Den Adapter braucht man aber nur einmal zu kaufen (da er für beide Konverter konzipiert ist), und er bietet den Vorteil, dass man die Konverter über ein Bajonettsystem schnell wechseln kann.

   Sony DSC-R1 Kameramenü 1   [Foto: MediaNord]
   Sony DSC-R1 – Kamera Menü 2   [Foto: MediaNord]
   Sony DSC-R1- Memory Stick Tool   [Foto: MediaNord]
   Sony DSC-R1 – Setup Menü 2   [Foto: MediaNord]

Blitz An einer etwas ungewöhnlichen Stelle sitzt der TTL-Systemblitzschuh der R1. Statt wie üblich in der Mitte (d. h. in einer Achse mit dem Objektiv) zu sein, findet man ihn am Handgriff gleich hinterm Auslöser. So etwas hat man zuletzt bei der Olympus C-2500L und bei einigen Kleinbild-Spiegelreflexkameramodellen von Pentax (SF7, SFXn, Z70, Z1 usw.) gesehen. Der Vorteil eines seitlich angebrachten Blitzgerätes besteht darin, dass die – bei externen Blitzen ohnehin schon sehr geringe – Anfälligkeit gegenüber roten Augen noch weiter reduziert wird. Diese Position hat aber auch einen Nachteil, nämlich den einer leicht ausgeprägteren Bildung von Schlagschatten beim frontalen Blitzen. Von allen 5 Kontakten am Blitzschuh (1 Mittenkontakt + 4 herstellerspezifische TTL-Kontakte) macht derzeit nur das Systemblitzgerät HVL-F32X und – womöglich auch – der Cullmann-Blitz 34 AF-S Digital Gebrauch, da allen anderen Lösungen (Ringleuchte HVL-RLA, Systemblitz HVL-F1000, u. U. SCA-kompatible Blitzgeräte der Firma Metz mit dem SCA-Adapter 3602, Cullmann 20-S Digital) der Blitzschuh nur als Sockel dient.

Doch auch im besten Fall geht die TTL-Kompatibilität nicht über die TTL-Grundfunktionen (vollautomatische Blitzsteuerung, Übertragung einer Blitzbelichtungskorrektur, Blitzbereitschaftsanzeige an der Kamera usw.) hinaus. Dem Sony-Blitzsystem fehlt eine motorische Anpassung des Zoomreflektors an die eingestellte Brennweite genauso sehr wie eine drahtlose TTL-Blitzsteuerung, eine Blitz-Belichtungsreihenfunktion oder andere Blitzspezialitäten (z. B. Blitzbelichtungsmesswertspeicherung, Farbtemperaturübertragung oder Pilotlicht-Funktion). Hier sind die digitalen Spiegelreflexkameras von Canon, Nikon, Konica Minolta, Pentax und z. T. auch Olympus der R1 in Sachen Blitzsystem um mindestens eine Generation voraus, und angesichts der Tatsache, dass es den auf verschiedenen Sony-Seiten aufgelisteten Systemblitz HVL-F36Z nach Angaben von Sony Deutschland nicht gibt (und wohl auch in unmittelbarer Zeit nicht geben wird), kann man nur hoffen, dass Sony da – eventuell mit Hilfe des neuen Kooperationspartners Konica Minolta – schnell aufholt.

Gut ausgestattet ist dagegen der Bordblitz der R1. Der eingebaute Miniaturblitz ist einigermaßen leistungsstark (siehe Messwerttabelle), poppt wunschweise automatisch oder auf Knopfdruck-Befehl aus, kann wahlweise am Anfang oder Ende der Belichtung gezündet werden (so genannte Synchronisation auf den 1. oder 2. Verschluss-"Vorhang"), lässt bei entsprechender Einstellung das Risiko roter Augen durch eine Blitzsalve vor der eigentlichen Belichtung sinken, erlaubt eine Korrektur der Blitzleistung und kann auch zusammen mit längeren Belichtungszeiten (= Langzeitsynchronisation) gebraucht werden. Schade nur, dass sich der kleine Lichtspender und ein externes Blitzgerät – auch wenn sie sich durch ihre versetzte Position nicht gegenseitig behindern – nicht zusammen benutzen lassen (im indirekten Blitzbetrieb könnte der interne Blitz dann als kleiner frontaler Aufheller dienen) und selbst mit einem externen Blitz im Serienbildmodus nicht geblitzt werden kann. Denn dies sind nur software- bzw. firmwareseitige Einschränkungen, die nicht sein müssten oder zumindest eleganter gelöst sein könnten.

Allgemein fällt die Belichtung im Blitzbetrieb sehr sauber aus. Das Blitzlicht wird präzise dosiert – auch im Zusammenspiel mit der Makro-Funktion im Nahbereich. Der Reflektorkopf des eingebauten Blitzes nimmt genügend Abstand von der optischen Achse, um rote Augen weitgehend auszuschließen, aber nicht weit genug, um bei montierter Sonnenblende oder angeschlossenen Konvertern schattenfreie Bilder zu produzieren. Steht dem Blitzlicht kein Hindernis im Weg, werden die Bilder ab einer Brennweite von umgerechnet ca. 40 mm gleichmäßig ausgeleuchtet (darunter kann es vorkommen, dass die Bildecken weniger Licht abbekommen als die Bildmitte). Wenn das Licht des Bordblitzes nicht hundertprozentig auf Tageslicht abgestimmt sein sollte, dann korrigiert die Weißabgleich-Automatik (die R1 weiß auch mit einer Weißabgleich-Voreinstellung für Blitzlicht zu dienen) etwaige Farbstiche sehr zuverlässig. Die Farbwiedergabe ist bei Blitzbildern neutral bis leicht warmtönig bzw. zu keiner Zeit dem Bildresultat abträglich.

Bildqualität Am meisten dürfte es die Leser dieses Tests interessieren, wie die R1 in Punkto Bildqualität abschneidet, weckt die Kamera doch mit ihrem – im Vergleich zu anderen Non-DSLR-Kameras – großzügig dimensionierten Bildwandler besonders hohe Erwartungen. Der 21,5 x 14,4 mm große CMOS-Sensor mit seinen rund 10,3 Millionen Pixelelementen ist eine Eigenentwicklung und kommt derzeit nur in der DSC-R1 zum Einsatz. Im Größenvergleich rangiert der Sony-Chip zwischen Canon, Nikon & Co. (z. B. Pentax oder Konica Minolta) und dem Four-Thirds-System von Olympus. Die einzelnen Pixel sind mit 5,49 µm wesentlich lichtempfindlicher als die vergleichsweise winzigen Fotodioden des 2/3"-CCD aus dem Vorgängermodell DSC-F828, und zu welcher Qualität die CMOS-Technik fähig ist, beweist Canon schon seit längerer Zeit erfolgreich mit diversen Kameras der digitalen EOS-Serie.

Sony DSC-R1   [Foto: MediaNord]Doch so gut bzw. groß ein Bildwandler auch sein mag: wenn die Elektronik und die Optik nicht optimal aufeinander abgestimmt sind, bringt der Größenvorteil des Sensors nicht viel. Das weiß man auch bei Sony und hat deshalb auch beim Objektiv aufgepasst, keine Fehler zu machen. Am einfachsten geht das, wenn man sich mit der Zoomstärke des Objektivs zurückhält. Olympus hat das schon vormals mit der C-8080 Wide Zoom bewiesen, und derselben Philosophie folgt das optische System der R1. Bereits die reinen Abbildungsleistungen des Objektivs wissen zu überzeugen. Zwar sind die Verzeichnung und die Vignettierung am Weitwinkel-Ende des Zooms messtechnisch etwas erhöht (0,8 Blenden Randabdunkelung und 2,1% tonnenförmige Verzeichnung), wenn man aber berücksichtigt, welche enormen Anforderungen die verhältnismäßig hohe Auflösung an die Optik stellt und wie stark das Objektiv in den Weitwinkel-Bereich hineindringt, dann sind das mehr als respektable Werte. Digitale Spiegelreflexkameras mit ähnlich hoher Auflösung und in etwa gleich weitwinkelstarker Wechseloptik schaffen bei Offenblende kaum bessere und z. T. sogar deutlich schlechtere Werte; zu den vergleichsweise guten optischen Leistungen trägt bei der R1 neben der Qualität der Optik sicherlich auch die extrem kurze Schnittweite (Neudeutsch: Backfocus) bei, d. h. der Abstand zwischen dem letzten Linsenelement des Objektivs und dem Bildsensor von nur 2,1 mm (das Fehlen eines Schwingspiegels macht's möglich). Mit zunehmender Brennweite werden die Resultate nur noch besser, und wenn man dann noch die Blende um auch nur 1 Stufe schließt, läuft das Vario-Sonnar-Zoom der R1 zu Höchstform auf.

Ähnlich verhält es sich bei der Auflösung, die – ebenfalls unter Berücksichtigung der Sensorauflösung, der Anfangsbrennweite des Objektivs und anderer Faktoren – trotz z. T. anders anmutender Messwerte zu keiner Zeit wirklich schlecht ausfällt. Ganz im Gegenteil: In der kurzen und mittleren Brennweite kann sie als "gut" (an den Bildrändern) bis "hervorragend" (Bildmitte, halbe Bildhöhe) und in der langen Brennweite als "sehr gut" (Bildränder, halbe Bildhöhe) bis "hervorragend" (Bildmitte) bezeichnet werden. Die Auflösung ist auch nicht von irgendeiner Richtung, in der gewisse Motivstrukturen verlaufen, abhängig; Auflösungsschwankungen gibt es nur bei kurzer und mittlerer Brennweite, abhängig vom Farbkanal. Der hohen Auflösung ist übrigens zu verdanken, dass sich die starke und deutlich richtungsabhängige Scharfzeichnung auf mittleren bis kleinen Ausdrucken nicht negativ auswirkt. Bei solch kleinen Formaten übersteigt nämlich die Auflösung der Bilder die eines normalen Druckers, so dass die Scharfzeichnung sozusagen erst gar nicht die Chance bekommt, aufzufallen. Bei größeren Ausdrucken sollte geprüft werden, ob die Scharfzeichnung im Kameramenü unter "Konturen" eine Stufe heruntergesetzt werden sollte. Ist die Scharfzeichnung in den dunkelsten Bildpartien noch niedrig, nimmt sie zu den angrenzenden – immer noch als dunkel geltenden Bildbereichen – rapide zu. Im mittleren Helligkeitsbereich ist sie etwas weniger hoch und bleibt weitgehend auf diesem Niveau; in den hellsten Bildpartien muss man mit Übersteuerungseffekten rechnen. Trotz des hohen Wertes ist die Scharfzeichnung sehr präzise und nur in Form von feinen Linien erkennbar, daher geben sich die Bilder der R1 auch hier (nach-)verarbeitungsfreundlich.

Etwas störender sind da die (durch den Farbinterpolationsprozess bedingten) auffälligeren Farbmoirés an allgemein schräg verlaufenden Strukturen sowie die Farbartefakte an horizontalen und vertikalen Feinstrukturen. Feine Bilddetails werden bei der R1 überhaupt schon etwas stärker (mittelstark bis offensiv) aufbereitet, was die Eignung der Bilder für die nachträgliche Bildbearbeitung am Computer etwas einschränkt. Komprimierungsbedingte Artefakte gibt es in der höchsten Auflösungsstufe je nach Bildqualitätseinstellung nur wenige ("Standard"-Einstellung) bis – mit bloßem Auge –keine ("Fine"-Einstellung) zu sehen. Die hohe Auflösung wird durch die unterschiedlichen Artefakte allerdings kaum beeinträchtigt, wie der gute Wirkungsgrad über den gesamten Brennweitenbereich hinweg belegt (weitere Details dazu im DCTau-Testprotokoll).

Die Frage aller Fragen bleibt jedoch, wie sich die R1 in Sachen Rauschverhalten schlägt. Schließlich ist der – für eine Prosumerkamera – überdimensionale Bildsensor mit seinen verhältnismäßig großen Fotodioden bzw. Pixelelementen eines der Haupt-Kaufargumente für diese Kamera. Erwartungsgemäß ist das Rauschverhalten insgesamt sehr gut und übertrifft alles, was man von Non-DSLRs her kennt. Mit den digitalen Spiegelreflexkameras der Einsteigerklasse liefert sich die Sony ein Kopf-an-Kopf-Rennen, ohne aber als klarer Sieger (aber auch nicht als Verlierer) hervorzugehen. Auf den Bildern ist das Rauschen an den beiden Enden des Helligkeitsspektrums sehr gering. Dazwischen ist es nur geringfügig höher und gleichmäßig verteilt. Das Farbrauschen mit seiner fließend ineinander gehenden Rauschstruktur ist deutlich geringer als das gut (d. h. mit nicht allzu destruktiver Wirkung auf die Bilddetails) geglättete Helligkeitsrauschen.

Farben werden von der R1 sehr realgetreu bzw. neutral wiedergegeben. Vorausgesetzt, der automatische Weißabgleich hat richtig funktioniert. Das tut er in der Regel auch; nur mit Glühlampenlicht kommt sie nicht so gut klar. Bei solchem Licht sollte man gleich einen manuellen Weißabgleich vornehmen, da dieser farblich noch besser abgestimmte Resultate liefert als die entsprechende Voreinstellung (bei welcher der starke Rotstich lediglich einem leichten Gelbstich weicht). Durch Drehen des joystickbesetzten Einstellrades an der Kamerahinterseite kann in Kombination mit der WB-Taste der Weißabgleich noch leicht korrigiert werden. Andere erweiterte Weißabgleichfunktionen wie z. B. automatische Weißabgleich-Reihen (AWB bzw. Weißabgleich-Bracketing) oder eine Einstellung der Farbtemperatur über den Kelvin-Wert bietet die R1 leider nicht. Sehr gut verträgt sich die R1 mit hohen Bildkontrasten. Die Kamera belichtet nicht nur vorbeugender Weise etwas knapp (an der Präzision der Belichtungsmessung ist nichts auszusetzen), sondern kann Helligkeits- bzw. Kontrastunterschiede von bis zu 8,6 Blendenstufen registrieren (das ist in Anbetracht der Grundempfindlichkeit von ISO 160 ein sehr guter Wert) und auf den Aufnahmen in 250 (von 256 möglichen) Helligkeitsstufen umsetzen. Die Tonwerte werden dabei von den hellsten Bildpartien bis in die dunkleren Bildbereiche sehr linear und präzise (d. h. den Kontrasten der Vorlage bzw. des Motivs entsprechend) wiedergegeben, während die dunkelsten Stellen im Bild etwas weicher (d. h. eher gräulich-dunkel als tiefschwarz) reproduziert werden.

Sony DSC-R1   [Foto: MediaNord]Sonstiges/besondere Funktionen Ein paar nützliche Sonderfunktionen bietet die R1 schon. Einige davon, wie z. B. die Gitternetz- und Histogrammanzeige, die Zebra-Funktion, die Belichtungsreihenautomatik, die Weißabgleich-Korrektur oder die Flimmerreduzierungsfunktion, haben wir in den vorherigen Testabschnitten schon erwähnt. Auffällig ist die Beschränkung auf Funktionen rein fototechnischer Natur. So kann man bei der Aufnahme u. a. auf Motivprogramme zurückgreifen, die von der Programmautomatik Belichtungsparameter "shiften", Belichtungsreihen schießen, die Belichtung korrigieren, Bilder im RAW/SR2-Rohdatenformat aufnehmen, diverse Bildparameter (Scharfzeichnung, Farbsättigung, Bildkontrast) ändern, die Art der Belichtungsmessung (Matrix/Mehrfeld, mittenbetont Integral, Spot) wählen, in Graustufen oder in Sepia fotografieren und auf die Farbwiedergabe-Einstellungen (AdobeRGB, Standard-sRGB, sRGB-Farbintensiv) zurückgreifen – muss aber auf einen Videomodus und "Gimmicks" früherer Prosumermodelle von Sony (NightShot- und NightFraming-Funktionen) verzichten.

Umstritten ist die Nützlichkeit der so genannten A.G.C.S.-Funktion. Hinter diesem Akronym verbirgt sich das "Advanced Gain Control System", das – laut Handbuch – helfen soll, "einen breiteren Farbtonbereich zu erhalten". In Wirklichkeit nimmt diese Funktion nur Einfluss auf die Tonwertkurve, ohne aber so weit in das Bildergebnis einzugreifen wie z. B. die Adaptive-Lighting-Technologie von HP oder die D-Lighting-Funktion von Nikon. Dafür haben wir aber einige Funktionen an der R1 vermisst, deren Nutzwert eindeutiger ist. So fehlt eine Möglichkeit, die Erstellung eines JPEG-Abbildes bei der Speicherung im RAW/SR2-Format zu unterbinden, die Spot-Messung an das aktive AF-Feld zu koppeln, die Farbbalance zu verändern (RGB-Parametereinstellung), automatische Schärfereihen zu schießen oder – wie bereits unter "Blitz" erwähnt – auf eine Belichtungsreihenautomatik für Blitzbilder zurückzugreifen. Und wenn es schon keinen Videomodus gibt, dann hätte man zumindest eine Sprachnotizfunktion vorsehen können.

Über die ACC-Zubehörbuchse kann man eine elektrische Kabelfernbedienung (RM-VD1) an die R1 anschließen. Deren Anschaffung ist umso empfehlenswerter, wie die Cyber-shot nur eine Vorlaufzeit für den Selbstauslöser kennt (10 s), keinen Intervallmodus anbietet und sich bei Langzeitbelichtungsaufnahmen die Belichtungszeit quasi verdoppelt. Es wird nämlich neben der eigentlichen Aufnahme noch eine "Referenzaufnahme" gemacht (so genannte Dark-Frame-Substraction-Methode), die zum Herausrechnen toter/defekter Pixel und z. T. auch des Rauschens gebraucht wird. Ab Verschlusszeiten von 1/6 s tritt übrigens die Langzeit-Rauschunterdrückung (Slow Shutter NR) ein; für das Fotografieren mit hohen Empfindlichkeiten gibt es noch das so genannte Clear-RAW-NR. Ergänzt werden die Bildschaltungsfunktionen durch eine besondere Form des BULB-Langzeitbelichtungsmodus. Statt des üblichen B-Modus, bei dem der Verschluss so lange offen bleibt, wie der Auslöser niedergedrückt bleibt, stellt die R1 einen Langzeitbelichtungsmodus zur Verfügung, bei dem man ein erstes Mal den Auslöser drückt, um die Belichtung zu starten und ein zweites Mal, um die Belichtung zu beenden. Ganz neu ist die Funktion nicht, da sie alten Fotohasen eventuell noch als T-Modus bekannt sein dürfte. Serienbilder kann das Sony-Teil zwar auch, aber ausschließlich im JPEG-Modus (keine RAWs) und selbst dann auch nur 3 Bilder lang. Das wird zum Teil durch eine Bildfrequenz kompensiert, die im Praxisbetrieb bis auf 5 Bilder pro Sekunde (siehe Messwerttabelle) hinauf gehen kann. Zwei "altbekannte" Funktionen findet man letztendlich auch bei der R1 wieder: das so genannte "Präzisions"-Digitalzoom und das so genannte "Smart"-Zoom. Beide stehen für unterschiedliche Variationen der Digitalzoom-Funktion. Der Präzisions-Digitalzoom kann unabhängig von der eingestellten Auflösungsstufe das Bild per Ausschnittsvergrößerung und nachträglicher Interpolation/Skalierung über den optischen Zoomfaktor hinaus bis auf das 10-fache vergrößern. Beim Smart-Zoom ist der Vergrößerungsfaktor abhängig von der eingestellten Auflösungsstufe (je kleiner die gewählte Auflösung, desto größer der Zoomfaktor); es findet keine nachträgliche Interpolation/Skalierung statt.

Sony DSC-R1   [Foto: MediaNord]Neben den Aufnahmefunktionen gibt es noch ein paar Wiedergabefunktionen. Bilder können nach der Aufnahme gedreht (während das Live-Bild auf dem Monitor- bzw. im Sucher immer seitenrichtig dargestellt wird, werden die Aufnahmen merkwürdigerweise nicht automatisch ausgerichtet), verkleinert oder beschnitten werden; eine Diaschau-Funktion und eine Erstellungsmöglichkeit für neue Ordner (in denen die Bilder "einklassiert" werden können) dürfen natürlich auch nicht fehlen. Bei den Grundeinstellungen (Setup-Menü) kann man schließlich u. a. festlegen, ob die Bilder mit der Zeit und/oder dem Datum der Aufnahme "gestempelt" werden, die automatische Bildausschnittvergrößerung bei der manuellen Fokussierung eintritt oder nicht und die Dateinummern wieder bei Null anfangen sollen oder weiter fortlaufend gezählt werden.

Bleibt nur noch zu erwähnen, dass die R1 zwar im Prinzip mit einer Highspeed-kompatiblen USB-2.0-Schnittstelle versehen ist und der Datentransfer tatsächlich schneller als mit USB-1.1-Standards erfolgt, aber diverse externe Lösungen deutlich weniger Zeit brauchen, die Bilder auf den Computer zu bekommen. Vorsicht ist aber bei manchen Kartenlaufwerken und Adaptern geboten: Ältere Geräte können oft nichts mit den MemorySticks der PRO- oder PRO-Highspeed-Serie anfangen, was u. U. einen Neukauf nötig macht. Übrigens fehlt der R1 trotz doppeltem Speicherkartensteckplatz (CompactFlash I/II/II+ und MemoryStick) die Möglichkeit, Bilder von einem Medium aufs andere zu kopieren. Selbstverständlich kann die USB-Schnittstelle auch zum direkten Anschluss eines Druckers zweckentfremdet werden; dem PictBridge-Standard sei dank. Bei der Stromversorgung müssen wir – wie bereits am Anfang dieses Tests erwähnt – nur kritisieren, dass der NP-FM50-Akku (7,2 V bei 1.180 mAh) innerhalb der Kamera geladen wird. Eine Akkuladung reicht dafür für über 400 Aufnahmen (siehe Messwerttabelle) aus, und es wird die Restlaufzeit auch minutengenau auf dem Monitor bzw. im Sucher angezeigt. Das ist zu einem nicht unerheblichen Teil dem Real-Imaging-Prozessor zu verdanken, der bei etlichen anderen Sony-Kameras für ordentliche Leistung bei geringem Stromverbrauch sorgt und auch der R1 wieder zu langen Akkulaufzeiten und schnellen Reaktionszeiten (siehe Messwerttabelle) verhilft.

Fazit Hiermit möchten wir der Sony DSC-R1 eine gute Gesundheit attestieren. Der größere Bildsensor bekommt der Kamera gut und lässt sie vor allem bildqualitätstechnisch mit den Muskeln spielen. Doch wie so manche, nicht allzu virulente Form eines "Erregers" einen eher noch stärker als schwächer machen kann, dürften die Sony-"Forscher" der R1 bzw. einem eventuellen Nachfolger gerne eine kleine Spritze mit einer leichten Dosis "Featuritis" verpassen. Jedenfalls würden ein kapazitätsstärkerer Pufferspeicher (für längere Bildserien), ein paar mehr Sonderfunktionen (bei normalen Aufnahmen und im Blitzbetrieb), ein effektiveres AF-Hilfslicht, ein eingebauter Bildstabilisator (was nicht nur bei Superzoomkameras Sinn macht) und ein paar andere Features sicherlich nicht schaden; Komplexe wegen des Zwitter-Status (halb Prosumerkamera, halb DSLR) und der bescheidenen Zoom-"Potenz" (sie ist eben mehr Expertenkamera als Zoom-Protz) braucht die DSC-R1 hingegen nicht zu haben. So oder so hat Sony eine starke Kamera gezeugt, die sich gegen die Konkurrentinnen aus dem DSLR-Lager behaupten kann, und wenn das alleine nicht schon reicht, um so manchen DSLR-Verweiger oder ambitionierten Fotografen von ihrer Attraktivität zu überzeugen, dann ist die DSC-R1 oder Sony sicherlich nicht daran Schuld.

Messwerte
Einschaltzeit ca. 1,0 s (Herstellerangabe: 0,8 s)
Brennweitenverstellung
  Anzahl Stufen
  Zeit Weitwinkel bis Tele
mechanisch über Drehring
stufenlos
benutzerabhängig
Autofokus-Geschwindigkeit min. 0,3 s / ca. 0,5 s / max. 0,8 s (abhängig von Motiv und Aufnahmebedingungen)
Auslöseverzögerung <0,1 s (Herstellerangabe: 0,008 s)
Blitz
  Leitzahl
 
16 bei ISO 160 (LZ12 bei ISO 100)
Batterielaufzeit ca. 480 Aufnahmen
Speicherzeiten
  RAW
  JPEG
  TIFF
 
ca. 7,3 s (20,0 MByte*)
ca. 1,1 s ( 3,4 MByte)
Serienbilder
   Verwendete Auflösung
   Geschwindigkeit
   Anzahl
   mit Blitz
 
3.888 x 2.592 (JPEG/Fine)
ca. 5 Bilder/s (Herstellerangabe: 3,12 Bilder/s)
3
* JPEG-Abbild nicht mit einberechnet

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Kamera-Tests Auswahl

Hersteller
Modell

Steckbrief

Steckbrief
Hersteller Sony
Modell Cyber-shot DSC-R1
Preis ca. 950 EUR
Auflösung CCD-Sensor 10,3 Mio. Pixel
Max. Bildgröße
(Seitenverhältnis)
3.888 x 2.592
3.264 x 2.176
2.784 x 1.856
2.160 x 1.440
1.296 x 864
Videoaufnahme
  Auflösungsstufen 
  mit Ton
  Videoformat
  Bildfrequenz
  Aufnahmedauer
– 




Tonaufnahmen
  bei Video
  Sprachnotiz
 

optischer Sucher
   Dioptrienausgleich
LC-Farbsucher
ja
Spiegelreflex
LCD-Monitor
  Auflösung
  drehbar
  schwenkbar  
  als Sucher
  verzögerungsfrei

134.400 Pixel
ja
ja
ja
ja
Lichtmessung
  Matrix/Mehrfeld
  mittenbetonte 
  Integralmessung
  Spot
  Multi-Spot
  Messwertspeicher
  (AE-Lock)
 
ja
ja
 
ja

ja
 
Anzeige der Belichtungswerte LC-Farbbildschirm,
LC-Sucher
Programmautomatik ja
Blendenautomatik 1/2.000 bis 8 s in 43 Stufen
Zeitautomatik F2,8 bis F16 in 16 Stufen (WW)

F4,8 bis F16 in 11 Stufen (Tele)
manuelle Belichtung
  Blende
  


 
  Verschlusszeit
  
 
  BULB-Langzeit-
  belichtung

F2,2 bis F8 in 12 Stufen (WW)
F4,6 bis F8 in 6 Stufen (Tele)

1/2.000 bis 8 s in 43 Stufen

ja
Motivprogramme
  Porträt
  Sport/Action
  Landschaft
  Nahaufnahmen
  Porträt bei Nacht
  sonstige
 
ja

ja

ja
Nachtaufnahmen
Automatische Belichtungsreihen 3 Aufnahmen mit Belichtungs-abständen
von 1/3, 2/3 oder 1 LW
Empfindlichkeit
  automatisch
  
  manuell
 
ISO 160 bis 400

ISO 160, 200,400, 800, 1.600, 3.200
Weißabgleich
  Automatik
  Voreinstellungen
 
 
 
  
 
 
  manuell   (Weißpunkt-
  speicherung)
  benutzerdefiniert
  sonstiges
 
ja
Tageslicht sonnig, Tageslicht bewölkt, Glühlampenlicht,  Leuchtstoff-lampenlicht, Blitzlicht

ja
 

Weißabgleich-Korrektur
Brennweite
  real
  Kleinbild-äquivalent
  Zoomfaktor

14,3 bis 71,5 mm
24 bis 120 mm
5-fach
Lichtstärke
(Weitwinkel bis Tele)
F2,8 - F4,8
Digitalzoom bis 10-fach
Autofokus
  Anzahl Messfelder
  
  Messfeld-Wahl
  
 
  Einzel-AF
  kontinuierlicher AF
  AF-Hilfslicht
ja
1, 5, 540

ja (540 Positionen manuell anwählbar)
ja
ja
ja
Naheinstellgrenze 50 cm, 
35 cm (WW/Makro), 40 cm (Tele/Makro)
Filtergewinde 67 mm
Weitwinkelkonverter* ja (0,8-fach)
Telekonverter* ja (1,7-fach)
Blitzmodi
  Automatik
  manuell an
  Rote-Augen-
  Korrektur
  Langzeitsynchron.
  1. oder 2. Ver-
  schlussvorhang
  Blitzbelichtungs-
  korrekturfunktion
 
ja
ja
ja
 
ja
ja
 
ja
Blitzanschluss
  Blitzschuh
 
 
  
  Synchronbuchse
  int. u. ext. Blitz
  gemeins. auslösbar

ja (TTL-Systemblitzschuh)




 
PC-Übertragung
  USB 2.0-Schnitt-
  stelle
  
  USB-Mass Storage   Class
  Kompatibilität
 
Mini-B-Buchse
(High Speed)

ja 
(inkl. USB-Gerätetreiber
für Windows 98/98SE)
Kompatibilität
  PTP-Bildüber-
  tragungsprotokoll
 
ja
Video-Ausgang
  
  
  PAL
  NTSC
AV-Klinkenbuchse
(2,5 mm)

ja
ja
Akku NP-FM50 Lithium-
ionenakku
(7,2 V, 1.180 mAh)

Ladezeit: ca. 3 h, Aufladung innerhalb
der Kamera
Standardbatterien
einsetzbar
Netzeingang 8,4 / 7,2 V
Speichertyp
  CompactFlash
  Microdrive-
  kompatibel
  MemoryStick
  Kopierfunktion
 
Typ I + II
ja

ja (auch MS PRO)
Selbstauslöser 10 s
Fernauslöser* ja
Intervall-Aufnahmen
Bildfeineinstellung
  Scharfzeichnung
  Bildkontrast
 
  Farbsättigung

3 Stufen
3 Stufen + A.G.C.S
3 Stufen
Menüsprachen de, en, fr, it, pt, es
Wiedergabe-
funktionen
Index, Diaschau, mehrstufiges Wiedergabe-
zoom, Bilder drehen und schützen/
löschen, nachträgliche Bildgrößen-veränderung (Auflösung/
Ausschnitt)
Bildeffekte
  Graustufen
  Sepia
  Schwarzweiß
  (2 Bit)
  sonstige
 
ja
ja


Druckfunktionen
  DPOF
  PictBridge
  EXIF 2.2/Print
  Epson Print Image   Matching II
 
ja
ja
ja
k. A.
Rückstellung auf Werkseinstellung ja
Firmware-Update
durch Benutzer
ja
Einschaltzeit ca. 1,0 s
Einhandbedienung
(Zoom + Auslöser)
Gewicht (betriebsbereit) 1.446 g
 
– = "entfällt" oder "nicht vorhanden"

* optionales Zubehör erforderlich, vom Kamerahersteller angeboten

Kurzbewertung

  • saubere und solide Verarbeitung
  • überzeugende DSLR-Alternative
  • vor allem für Reise- und Reportagefotografen interessanter Zoombereich
  • gute optische Leistungen
  • APS-C-großer CMOS-Bildsensor mit gutem Rauschverhalten
  • allgemein sehr gute Bildqualität (gute und hohe Auflösung, geringes Bildrauschen, kaum Farbsäume usw.)
  • originelles bzw. wagemutiges Design
  • dreh- und schwenkbarer LC-Bildschirm
  • automatische EVF/LCD-Umschaltung
  • Belichtungsvorschau an- und abschaltbar
  • TTL-Systemblitzschuh
  • Drehringe für Zoom und Fokus
  • schneller Autofokus
  • umfassende Belichtungskontrolle (erweiterte Histogrammanzeige, Belichtungsvorschau, Zebra-Funktion)
  • gute Akkulaufzeit, minutengenaue Restlaufzeitanzeige
  • CompactFlash/Microdrive-kompatibel (zusätzlich zu Memory Stick)
  • praktische Langzeitbelichtungsfunktion
  • ergonomisches, aber wenig intuitives Bedienkonzept
  • etwas überempfindlicher Augensensor
  • sehr gewöhnungsbedürftiger Auslöser-Druckpunkt
  • unzureichende Personalisierungsmöglichkeiten (keine Benutzerprogramme, umprogrammierbare Tasten
  • Rauschverhalten noch nicht ganz auf DSLR-Niveau
  • z. T. stark ausgeprägte Scharfzeichnung
  • rudimentäres TTL-Zubehörblitzsystem (wenig Sonderfunktionen, kein Profi-Blitz im Zubehörprogramm, eingeschränkte Fremdanbieter-Unterstützung usw.)
  • int. u. ext. Blitz nicht gemeinsam auslösbar, keine Serienbilder im Blitzbetrieb
  • wenig effektives AF-Hilfslicht (kein Vergleich mit dem Hologramm/Laser-AF anderer Sony-Kameras)
  • kein Videomodus, keine Sprachnotizen
  • keine Bildkopierfunktion
  • keine Brennweitenangabe im Sucher bzw. auf dem Monitor
  • Funktionsumfang bei Sonderfunktionen noch unvollständig (keine Kelvin-Eingabe, keine Farbbalance-Einstellung, kein Blitz-Bracketing, keine Intervallfunktion usw.)
  • RAW-Aufnahmen immer mit JPEG-Abbild (keine Trennungsmöglichkeit)
  • keine automatische Bildausrichtung (außer bei der Live-Vorschau)
  • z. T. schwacher Serienbildmodus (nur 3 Bilder in Folge, kein RAW)
  • bescheidener Datendurchsatz der USB-Schnittstelle
  • Akkuaufladung innerhalb der Kamera
  • verhältnismäßig teueres optisches Zubehör