Superzoom-Kamera, Kompaktkamera

Testbericht: Olympus SP-590 UZ

2009-07-06 Die Olympus SP-590 UZ protzt vor allem mit ihrem 26fach-Zoom mit entsprechender Telebrennweite, die Paparazzis Herzen höher schlagen lässt. Zudem bietet sie einen bridgekamera-typischen Ausstattungsumfang mit kreativen Belichtungsprogrammen und weitreichenden Einstellmöglichkeiten bis hin zu drahtlosem Blitzen. Ob die Kamera aber auch bei der Bildqualität, Verarbeitung und Handling überzeugen kann, zeigt der ausführliche digitalkamera.de-Test.  (Benjamin Kirchheim)

Olympus SP-590 UZ [Foto MediaNord] Ergonomie und Verarbeitung Die Olympus SP-590 UZ verfügt über ein Kunststoffgehäuse, das gegenüber den Vorgängermodellen einen etwas billigeren Eindruck hinterlässt. Es scheint trotzdem recht stabil zu sein, was nicht zuletzt durch den sehr ergonomisch geformten Handgriff unterstrichen wird. Der Objektivdeckel sitzt dagegen viel zu locker, er ist nur lose aufgesteckt und löst sich auch gerne mal schon in der Kameratasche. Will man ihn nicht verlieren, sollte man das beiliegende Sicherungsbändsel benutzen. Die Klappe zum Speicherkatenfach macht trotz Vollkunststoff einen recht soliden Eindruck. Leider setzt Olympus noch immer auf xD-Speicherkarten, bei denen sowohl Geschwindigkeit als auch Kapazität (max. 2 GBytes) sehr begrenzt sind.

Universeller ist dagegen die Stromversorgung mit vier handelsüblichen Rundzellen im AA-Format (Mignon), so dass der Anwender hier zwischen Einwegbatterien wie Alkaline und Lithium oder NiMH-Akkus wählen kann. Das Stativgewinde ist eines der wenigen Metallteile, das aber leider nicht in der optischen Achse angeordnet ist, obwohl es so scheint, als wäre hier Platz dafür gewesen. Auf dem Stativ ist der Zugang zum Akkufach dann auch verwehrt. Auf der linken Kameraseite fällt der Schnittstellenschacht positiv auf, der durch eine Kunststoffklappe geschützt wird. Neben einem handelsüblichen Netzanschluss gibt es hier auch eine HDMI-Mini-Buchse, die Fotospaß in hoher Qualität auf großen Flachbildfernsehern garantiert, sofern man sich das nötige Kabel separat kauft. Daneben gibt es noch einen kombinierten USB- und AV-Anschluss.

Der Monitor auf der Kamerarückseite ist mit 2,7" (6,9 cm) zwar nicht der allergrößte, er hat aber insgesamt eine gute Qualität. Er gibt Farben etwas warm, aber sehr brillant und kontrastreich Olympus SP-590 UZ [Foto MediaNord]wieder, die 230.000 Bildpunkte Auflösung sind bei dieser Displaygröße gerade noch akzeptabel. Per Knopfdruck kann auf einen elektronischen Sucher mit Dioptrienkorrektur umgeschaltet werden. Die Sucherqualität ist aber eher gruselig. Das pixelige Bild wirkt recht flau und zeigt einen deutlichen Blaustich. Die angenehme Suchergröße kann da wenig drüber hinweg trösten.

Das Objektiv der SP-590 bietet einen enormen 26fach-Zoomumfang von umgerechnet 26-676 mm Brennweite – das ist Rekord! Entsprechend weit fährt der "potente" zweifach verschachtelte Objektivtubus aus, wenn man die volle Brennweite ansteuert. Leider wirkt zumindest der äußere der beiden ausfahrenden Tuben etwas wackelig, der innere dagegen sitzt angenehm fest. Die Zoomverstellung gestaltet sich mit der ringförmigen Wippe um den Auslöser sehr angenehm und präzise. Der Auslöser selbst hat gute Druckpunkte. Auf der Kameraoberseite findet man ansonsten nur noch den Ein/Ausschalter sowie das große Programmwählrad, das neben Automatik und Motivprogrammen auch kreativere Möglichkeiten wie die Festlegung von Blende und/oder Verschlusszeit zulässt, sogar eine Bulb-Langzeitbelichtung ist im manuellen Modus möglich. Allerdings gestaltet sich die Einstellung der Parameter mangels Daumenrad etwas umständlich, da hier mehrfach belegte Tasten auf der Kamerarückseite dafür herhalten müssen. Das gesamte Bedienkonzept wirkt doch etwas verworren und kompliziert. An diese Olympus-Eigenheit kann man sich aber gewöhnen, Fans der Marke sind das schon seit Jahren gewohnt.

Ausstattung Was sich etwas verworren bedient, ist oft dafür im Gegenzug gut ausgestattet, das trifft jedenfalls auf die SP-590 UZ zu. Dem experimentierfreudigen Fotografen bieten sich hier zahlreiche Einstellmöglichkeiten, wobei Anfänger lieber auf die Automatikprogramme zurück greifen sollten, bei denen man nicht viel falsch machen kann. Viele Menüs und Einstellungen sind dann einfach gesperrt. Der Amateur hingegen findet auf dem Programmwählrad sogar eine Einstellung "My", der bis zu vier individuelle Kameravoreinstellungen abrufbar macht.

Olympus SP-590 UZ [Foto MediaNord]Die Autofokusgeschwindigkeit kann sich mit 0,3-0,4 s im Weitwinkel und 0,35-0,6 s im Tele durchaus sehen lassen, wobei die langsameren Geschwindigkeiten jeweils bei bewölktem Himmel zustande kommen, während die schnelleren bei strahlendem Sonnenschein gemessen wurden. Wird es ganz dunkel, steht dem Autofokus ein Hilfslicht zur Seite. Im Supermakromodus kann man dem Motiv im Weitwinkel sprichwörtlich auf die Pelle rücken, denn der minimale Aufnahmeabstand beträgt dann weniger als 1 cm – da bekommt man schon Probleme mit der Beleuchtung des Motivs. Wer lieber manuell fokussiert, kann auch das; die Verstellung ist im Menü "versteckt". Dank ungefährer Anzeige der Entfernung und zusätzlicher Bildschirmlupe lässt sich die Einstellung sehr präzise, wenn auch etwas langsam, vornehmen.

Gegenüber den Vorgängermodellen hat Olympus leider nicht nur bei der Verarbeitung gespart, sondern auch beim Blitzschuh, der nun fehlt. Darüber hinweg trösten kann höchstens, dass der interne Blitz in der Lage ist, die Systemblitzgeräte FL-36R und FL-50R von Olympus drahtlos zu zünden. Das eröffnet vielfältige Möglichkeiten der Motivbeleuchtung, und das Experimentieren mit dem Licht aus verschiedenen Richtungen kann viel Freude bereiten, insbesondere wenn man dazu noch Farbfilterfolien einsetzt. Der interne Blitz muss manuell bzw. mit einem mechanischen Knopf aufgeklappt werden. Er springt hoch genug auf, um Objektivabschattungen bei normalen Bildern zu verhindern, rote Augen treten jedoch bei Porträts gerne mal auf, was die interne Korrektur aber gut beseitigen kann. Das ist auch die bessere Wahl gegenüber dem eher störenden Vorblitz, der rote Augen sowieso nicht verhindern kann.

Der Videomodus erlaubt Aufnahmen mit Bildstabilisator maximal in VGA-Auflösung bei 30 Bildern pro Sekunde. Dabei ist das optische Zoom weiterhin aktiv, sofern man die Tonaufzeichnung vorher abgestellt hat. Der Fokus wird, sofern im Menü aktiviert, permanent nachgeführt, ist dabei allerdings wenig zielsicher. Nicht zuletzt auch das Speicherformat in AVI Motion-JPEG zeigt letztendlich, dass die SP-590 UZ weniger als Camcorderersatz taugt. Die Bildqualität der Videos ist aber ganz in Ordnung, so dass es für das eine oder andere Bewegtbild reicht. Der Fokus der Kamera liegt jedoch eindeutig auf Foto.

Bildqualität Um die Eigenschaften des enormen Objektivs und des doch recht kleinen, dafür aber sehr hochauflösenden Sensors genau zu untersuchen, wurde die SP-590 UZ ins DCTau-Testlabor geschickt. Dort musste sie ihre Bildqualität im Weitwinkel, Tele sowie bei mittlerer Brennweite sowohl bei Offenblende als auch abgeblendet unter Beweis stellen. Die folgenden Ausführungen basieren nicht nur auf den Messergebnissen, die im Detail gegen eine geringe Gebühr von 1,40 EUR eingesehen werden können, sondern auch auf praktischen Erfahrungen von zahlreichen Fotoaufnahmen.

Olympus SP-590 UZ [Foto MediaNord]Dass die Konstruktion eines 26fach-Zooms eine enorme Herausforderung darstellt, beweist der Labortest leider nur allzu eindrucksvoll. So fällt die Auflösung bei allen Brennweiten zum Bildrand hin gleichmäßig um rund 30 % ab, wogegen Abblenden nicht wirklich hilft. Statt die Randauflösung zu verbessern, verschlechtert es vor allem die Auflösung im Bildzentrum, da bereits Beugungseffekte auftreten, die bei der hohen Sensorauflösung bereits bei Blenden ab F5,6 auftritt. Vom Weitwinkel Richtung Tele nimmt die Auflösung zudem auch enorm ab, erreicht am Teleende nur etwa 60 % des Wertes bei Weitwinkel. Das ist schon recht traurig, zumal die Kamera gerade mit ihrer Telebrennweite lockt.

Bei der Verzeichnung ist es dann eher umgekehrt. Diese ist im Weitwinkel mit 3,1 % stark tonnenförmig, was die Kamera eher ungeeignet für Landschafts- und Architekturaufnahmen macht. Bei mittlerer und langer Brennweite ist die Verzeichnung mit 0,8-1 % zwar schwächer, dafür aber kissenförmig. Eine solche ist auffälliger als eine tonnenförmige, da sie nicht unserer natürlichen Sichtweise entspricht. Für die geringe Randabdunklung hingegen kann man die Kamera loben, wobei es hier im Dunkeln bleibt, ob das Objektiv in diesem Bereich so gut ist oder eher eine Kompensation nach der Aufnahme erfolgt.

Feine Details sind zwar nur mäßig geschärft, was eher bildbearbeitungsfreundlich ist, die trotzdem sichtbaren Artefakte an feinen Strukturen können aber dennoch störend wirken, sofern man feine Muster originalgetreu reproduzieren möchte. Dieser Effekt sollte aber bei normalen Vergrößerungen eher weniger stören. Viel ärgerlicher ist das recht hohe Bildrauschen, wobei vor allem der Blaukanal unangenehm auffällt. Es ist bei ISO 64 und 100 zwar noch vertretbar, bei ISO 200 jedoch nimmt es sichtbar zu. Die bei ISO 400 einsetzende Rauschunterdrückung macht diese Empfindlichkeit sogar rauschfreier als ISO 200, ab ISO 800 ist es aber endgültig vorbei. Hier tritt nicht nur aggressives Helligkeitsrauschen in Erscheinung, sondern es wird auch noch von "Farbwolken" überlagert. Ab ISO 3.200 gibt es durch die Auflösungsreduzierung einen enormen Detailverlust. Man kann froh sein, dass die SP-590 UZ einen recht gut funktionierenden mechanischen Bildstabilisator hat, so dass man im Freien bei gutem Licht und auch bewölktem Himmel mit voll ausgefahrenem Tele durchaus noch gute Fotos machen kann.

Olympus SP-590 UZ [Foto MediaNord]Die Eingangsdynamik ist eher mittelmäßig. Die Olympus verarbeitet Motivkontraste von bis zu 8,6 Blendenstufen, was für den Alltag reicht. Mit zunehmender Empfindlichkeit nimmt sie aber auf eher schlechte Werte von rund 6 Blendenstufen ab. Die Ausgangsdynamik hat Olympus auch ganz gut im Griff, nur die Schatten könnten etwas schwärzer sein. Die zwei Komprimierungsstufen je Auflösung sind gut verteilt, die Bessere bietet eine gute Qualität, bei der höheren Komprimierung passen gut doppelt so viele Fotos auf die Speicherkarte, wobei kaum störende Komprimierungsartefakte auftreten. Ebenfalls unauffällig ist das Belichtungsverhalten der Kamera. Das hat Olympus genauso gut im Griff wie den Weißabgleich, der lediglich bei Glühlampenlicht zu einem sichtbaren Orange-Farbstich neigt. Dieser lässt sich mit der entsprechenden Weißabgleichsvoreinstellung beseitigen.

Fazit Richtig überzeugen kann die Olympus SP-590 UZ nicht. Sie bietet zwar einen guten Ausstattungsumfang und einen enormen Zoombereich (26fach ist Rekord), das geht aber zulasten der optischen Leistung. Auch das Rauschverhalten ist eher schlecht. Vorgängermodelle boten mehr fürs Geld wie bspw. einen Blitzschuh, bessere Verarbeitung und ein Stativgewinde in der optischen Achse. Trotzdem kann die SP-590 UZ in einigen Bereichen punkten. Sie liegt sehr gut in der Hand, und die enorme Telebrennweite bietet echte Paparazzi-Qualitäten, auch die Autofokusgeschwindigkeit kann in Anbetracht des Zoomumfangs durchaus überzeugen

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Kamera-Tests Auswahl

Hersteller
Modell

Testnoten

Note Anteil  Punkte
Verarbeitung 12,5 % 82 %
Ausstattung 12,5 % 93 %
Handhabung 12,5 % 91 %
Geschwindigkeit 12,5 % 80 %
Bildqualität 50,0 % 70 %
Gesamtnote 78 %

Steckbrief

Steckbrief
Hersteller Olympus
Modell SP-590 UZ
Preis ca. 340 EUR
Sensor Auflösung 12 Megapixel
Max. Bildauflösung 3.968 x 2.976
(Seitenverhältnis) (4:3)
Objektiv F2,8-5/26-676mm
Filtergewinde optional
Sucher EVF
  Dioptrienausgleich ja
LCD-Monitor 2,7"
  Auflösung 230.000
  drehbar
  schwenkbar
  als Sucher ja
Videoausgang PAL/NTSC, HDMI
Programmautomatik ja
Blendenautomatik ja
Zeitautomatik ja
manuelle Belichtung ja
  BULB-Langzeit-
  belichtung
ja
Motivprogramme
  Porträt ja
  Kinder/Baby
  Landschaft ja
  Makro
  Sport/Action ja
  weitere 15
Belichtungsmessung   Mehrfeld, mittenbetont Integral, Spot
Blitz ja
  Blitzanschluss
Fernauslöser
Intervallaufnahme
Speichermedium xD
Videomodus
  Format AVI
  Codec Motion-JPEG
  Auflösung (max.) 640 x 480
  Bildfrequenz (max.) 30 Bilder/s
Empfindlichkeit
  automatisch ISO 64-400
  erweitert ISO 64-1.600
  manuell ISO 64-6.400
Weißabgleich
  Automatik ja
  Sonne ja
  Wolken ja
  Leuchtstofflampe ja (3)
  Glühlampe ja
  Sonstiges
  Manuell ja
Autofokus
  Anzahl
  Messfelder
9
  AF-Hilfslicht ja
  Geschwindigkeit ca. 0,3-0,6 s
Sprachen Deutsch
  weitere 38
Gewicht
(Betriebsbereit)
530 g
Zoom
  Zoomverstellung motorisch über Ringwippe
Einhandbedienung
(Zoom und Auslöser)
ja
Auslösung während d. Speicherns mögl. ja
Akkulaufzeit ca. 340 Bilder lt. CIPA

– = "entfällt" oder "nicht vorhanden"

Kurzbewertung

  • Enormer Zoomumfang mit Paparazziqualitäten
  • Für ein Superzoom recht schneller Autofokus
  • Drahtlosblitzsteuerung
  • Ausstattungsmängel: Fehlender Blitzschuh und Stativgewinde außerhalb der optischen Achse sowie Verwendung von langsamen, max. 2 GBytes großen xD-Speicherkarten
  • Pixeliger, flauer und blaustichiger elektronischer Sucher
  • Recht starkes Bildrauschen
  • Objektiv mit deutlichen optischen Schwächen (Auflösung und Randabfall, Verzeichnung)
  • Schwache Verarbeitung (Plastikgefühl, klappriger Objektivtubus)

Autor

Benjamin Kirchheim

Benjamin Kirchheim, 41, schloss 2007 sein Informatikstudium an der Uni Hamburg mit dem Baccalaureus Scientiae ab. Seit 1998 war er journalistisch für verschiedene Atari-Computermagazine tätig und beschäftigt sich seit 2000 mit der Digitalfotografie. Ab 2004 schrieb er zunächst als freier Autor und Tester für digitalkamera.de, bevor er 2007 als fest angestellter Redakteur in die Lübecker Redaktion kam. Seine Schwerpunkte sind die Kameratests, News zu Kameras und Fototipps.