Superzoom-Kamera, Kompaktkamera

Testbericht: Nikon Coolpix P80

2008-07-03 Nachdem Nikon bei den Coolpix-Kameras lange Zeit nichts Neues im Superzoom-Bereich zu bieten hatte (das letzte zoomstarke Modell in Form der Coolpix S10 geht auf die letzte Photokina vor knapp zwei Jahren zurück), schlug man im April dieses Jahres (2008) mit der Coolpix P80 zurück. Die weist gleich eine 18-fach-Zoomoptik auf und deckt damit einen Brennweitenbereich von umgerechnet 27 bis 486 mm ab; was sie noch zu bieten hat und ob das alles reicht, um anderen Kameras ihrer Klasse Paroli bieten zu können, soll im nachfolgenden digitalkamera.de-Test in voller Ausführlichkeit herausgestellt werden.  (Yvan Boeres)

Nikon Coolpix P80 [Foto: MediaNord] Ergonomie und Verarbeitung Bis auf ein paar kleine Details präsentiert sich die Coolpix P80 eher schmucklos; auf ein zu extravagantes bzw. futuristisches Design hat man einfacher und klarer Formen zuliebe verzichtet. Wie nicht anders in dieser Kameraklasse zu erwarten, ist die P80 fast ganz in Kunststoff "gegossen". Der macht aber sowohl optisch als auch haptisch einen eher hochwertigen Eindruck, und zusammen mit den anderen Materialien (Gummi für die Augenmuschel und die Griffflächen im Leder-Look sowie Metall für die Gurtösen, das Stativgewinde, den vordersten Teil des Objektivtubus und einige Zierelemente des Steuertastenfelds) verschmilzt das Ganze zu einer stimmig anmutenden Verarbeitung.

Bei der P80 sieht alles sehr aufgeräumt aus. Die Anzahl der Bedienelemente hält sich in überschaubaren Grenzen (eine ringförmige Zoomwippe mit eingefasstem Auslöser, ein Programmwahlrad, ein Hauptschalter, eine Blitzauswurftaste, ein Dioptrieneinstellrad, ein Steuertastenfeld/Multifunktionsschaltfläche, fünf Funktionstasten und ein Einstellrad), und das Akkufach beherbergt auch den Speicherkarten-Steckplatz (SD/SDHC). Leider liegt das Stativgewinde außerhalb der optischen Achse und etwas zu nahe am Akkufach, was nicht nur Panoramaaufnahmen erschwert (Stichwort: Nodalpunkt), sondern auch noch den Speicherkarten- bzw. Akkuwechsel bei Anschluss der Kamera auf einem Stativ sehr umständlich macht. So klein ist die P80 aber nun auch nicht, dass man das nicht besser hätte lösen können.

Nikon Coolpix P80 [Foto: MediaNord] Doch so richtig aufgeräumt wirkt es erst, wenn man ins Menüsystem der Kamera vordringt. Hier ist die P80 ein Musterbeispiel an Übersichtlichkeit bzw. Bedienungsfreundlichkeit. So weist das Kameramenü in der Vollautomatik genau zwei (!) Menüpunkte (für Auflösung und Bildqualität/Komprimierung) auf, wurden die Grundeinstellungen durch eine eigene Position auf dem Programmwahlrad aus dem Hauptmenü ausgegliedert, sind die Wiedergabeeinstellungen auch nur im Wiedergabemodus aufrufbar und ist die grafische Aufmachung der Menüs besonders gut gelungen. Zu fast jedem Menüpunkt lässt sich durch Betätigen der Zoomwippe ein kleiner Hilfetext auf dem Bildschirm anzeigen, und man kann sogar zwischen Textmenüs und rein grafischen Menüs (wo die einzelnen Menüpunkte nur mit dem entsprechenden Piktogramm aufgelistet sind) wählen. Bei Menüs, die sich über mehrere Bildschirmseiten erstrecken, zeigt ein kleiner Indikator (ähnlich einer Pegelanzeige mit drei Segmenten) in der oberen rechten Bildschirmecke an, wo man sich gerade im Menü befindet. Nichts davon ist jetzt wirklich bahnbrechend neu und Vieles kennt man auch von anderen Kameras, aber Nikon hat es am praktischsten umgesetzt.

Nikon Coolpix P80 [Foto: MediaNord] Der mittelgroße antireflex-beschichtete 6,8cm-Bildschirm (2,7"-TFT-LCD mit 230.000 Pixeln) zeigt ein brillantes, auch in der Sonne noch einigermaßen gut ablesbares Bild an, dem es aber ein ganz klein bisschen an Detailschärfe fehlt. Umgekehrt ist das Bild des elektronischen Videosuchers (0,24"-EVF) trotz des sichtbaren Pixelrasters (ebenfalls 230.000 Pixel) sehr detailreich, könnte aber etwas brillanter sein. Beide Bildschirme rauschen ganz leicht bei schwachem Licht; ansonsten sind die Abbildungsleistungen des LCD und des EVF (Bildfeldabdeckung von 97%, keine Nachzieh- bzw. Ruckeleffekte bei schnellen Kameraschwenks, nur geringe Streifenbildung bei Gegenlicht o. ä., gute Farbtreue usw.) ziemlich gut. Umgeschaltet zwischen den beiden Anzeigen wird auf Knopfdruck. Der Kamerabildschirm ist übrigens fest montiert, was aber z. T. durch die gute Blickwinkelunabhängigkeit kompensiert wird.

Laut Nikon ist die P80 mit Außenmaßen von 110 x 79 x 78 Millimeter bis auf Weiteres die kompakteste 18-fach-Zoom-Kamera auf der Welt. Tatsächlich schlägt sie die bisherige Rekordhalterin Fujifilm FinePix S8100fd um gerade mal einen Millimeter (111 x 78 x 79 mm). Vom Gewicht her brachte die P80 mit Objektivdeckel, mit Akku und ohne Speicherkarte ganz genau 400 Gramm auf unsere elektronische Waage. Dabei liegt die P80 relativ gut ausbalanciert und nicht allzu unbequem in der Hand; typisch für viele neuere Kameras ist die Zusammenführung von PictBridge-kompatibler USB-2.0-Highspeed-Schnittstelle und PAL/NTSC-AV-Ausgang (das verwendete Kabel bestimmt die Funktion des Kombi-Anschlusses). Warum aber Nikon statt auf einen handelsüblichen Netzeingang auf eine Akkuadapter-Lösung (als Teil des optional erhältlichen Netzteils EH-62A) setzt, ist umso unverständlicher, wie es auf der linken Kameraseite genügend Platz dafür gäbe.

Ausstattung Aufgrund der besonderen Menü-Struktur der P80 mit z. T. in andere Menüs ausgegliederten Einstellungen bzw. mit Funktionen und Einstellungen, die nur in bestimmten Betriebsmodi aufrufbar sind, erscheint dessen Ausstattung auf den ersten Blick recht karg. Doch je mehr man sich mit der P80 Nikon Coolpix P80 [Foto: MediaNord] beschäftigt, umso schneller kommt man zum Schluss, dass der Schein trügt und sie doch mehr zu bieten hat, als auf den ersten Blick vermutet. Das  Offensichtlichste sind noch die Vollautomatik, das Sport-Programm, die Scene-Modi d. h. die restlichen 15 Motivprogramme (worunter man auch den Panorama-Assistenten und die Sprachnotiz-Funktion findet), die erweiterten Belichtungseinstellungen (Programmautomatik mit Shift-Funktion, Zeit- und Blendenautomatik, manuelle Belichtungssteuerung) und der Videomodus. Letzterer ist mit einer Höchstauflösung von 640 x 480 Bildpunkten (bei einer Bildwiederholrate von wahlweise 30 oder 15 Bildern/s), ausschließlich elektronischer Bildstabilisierung und digitalem Zoomen sowie dem AVI-Format als Ausgabeformat bestenfalls eine Konkurrenz für Foto-Handys mit Videofunktion, aber man kann immerhin auch Schwarz/Weiß- oder Sepia-Filmchen "drehen", und eine Zeitrafferfunktion gibt es auch.

Nikon Coolpix P80: Weltzeituhr [Foto: Yvan Boeres]
Nikon Coolpix P80: Verzeichnungskorrektur [Foto: Yvan Boeres]
Nikon Coolpix P80: Nachtportrait Motivprogramm [Foto: Yvan Boeres]
Nikon Coolpix P80: Menü — Symbolansicht [Foto: Yvan Boeres]
Nikon Coolpix P80: Menü — Standardansicht [Foto: Yvan Boeres]
Nikon Coolpix P80: D-Lighting Funktion [Foto: Yvan Boeres]
Nikon Coolpix P80: Aufnahmemodus mit Gitternetz [Foto: Yvan Boeres]

Unter den Fotofunktionen findet man u. a. einen Selbstauslöser mit wählbarer Vorlaufzeit (2 oer 10 s), eine Belichtungskorrekturfunktion, ein einblendbares Gitternetz sowie eine Belichtungsreihenautomatik. Auch die Belichtungsmessart (Matrix/Mehrfeldmessung mit 256 Messfeldern, mittenbetonte Integralmessung, Spotmessung, AF-Punkt-gekoppelte Messung) ist einstellbar, was auf den Weißabgleich (Automatik, fünf Voreinstellungen, manueller Weißabgleich) ebenfalls zutrifft. Eine Bildparameter-Sammlung (sechs Voreinstellungen und eine Benutzereinstellung mit Regelung von Farbsättigung, Scharfzeichnung und Bildkontrast) und sogar eine Funktion zur kamerainternen Korrektur von Verzeichnungen sorgen dafür, dass man die Bilder weniger nachbearbeiten muss und sie z. B. direkt drucken kann. Fortgeschrittenen Benutzern werden allerdings ein paar Funktionen fehlen, wie z. B. ein RAW/NEF-Modus, eine Histogramm-Anzeige, ein Bulb-Langzeitbelichtungsmodus und eine Belichtungsvorschau. Während nämlich bei der Eingabe einer Belichtungskorrektur der Bildschirm sich entsprechend verdunkelt oder heller wird, kriegt man bei der manuellen Belichtungssteuerung keine Belichtungssimulation in Echtzeit. Auch die Active-D-Lighting-Funktion zur lichterschonenden Schattenaufhellung noch während der Aufnahme ist leider nicht mit an Bord und bleibt wohl den digitalen Spiegelreflexkameramodellen von Nikon vorbehalten.

Immerhin kann man das D-Lighting nachträglich ausführen, indem man im Wiedergabemodus den entsprechenden Menüpunkt aufruft. Bilder können auch schon in der Kamera zugeschnitten, in der Auflösung verkleinert, vom internen Speicher auf die Speicherkarte kopiert und sogar mit einem schwarzen Rand wählbarer Breite versehen werden; die Funktion zur elektronischen Erkennung und Retusche roter Augen ist nicht manuell abrufbar, sondern tritt automatisch in Kraft, wenn die Kamera glaubt, welche auf den Bildern entdeckt zu haben. Doch rote Augen provoziert der eingebaute Miniaturblitz der P80 eh recht selten. Mangels Auto-Popup-Funktion springt er zwar nicht mal in der Vollautomatik von selbst heraus, wenn es die Lichtverhältnisse erfordern und man muss ihn so per Knopfdruck "auswerfen", aber die Blitzleistung ist mit einer gemessenen Leitzahl 10,5 gut. Die Ausleuchtung ist homogen und farbneutral, auch im Nahbereich treten nur geringe Überblitzeffekte auf. Die Blitzladezeit ist nicht zu lang, die Balance zwischen Blitzlicht und Umgebungslicht ist recht gut, und die Blitzeinstellungen sind mit einer Blitzlangzeitsynchronisationsfunktion und einer Möglichkeit, den Blitz erst am Ende der Belichtung zu zünden (entspr. Synchronisation auf den 2. Verschlussvorhang bei DSLRs), ziemlich komplett. Blitzen ist übrigens im Serienbildmodus nicht möglich; neben dem normalen Serienbildmodus (siehe Steckbrief) gibt es noch einen BSS-Modus (aus einer Aufnahmereihe von bis zu zehn Bildern speichert er das schärfste bzw. detailreichste Bild ab), eine Intervall-Funktion und einen Multibild-Modus (16 Einzelaufnahmen auf einem Bild).

Objektiv Bei den Superzoom-, Megazoom- und Ultrazoom-Kameras (die Hersteller bedienen sich da gerne irgendwelcher Superlative) sind derzeit "Alleskönner-Optiken" voll im Trend. Es reicht nicht mehr, dass die Objektive immer stärkere Zoomfaktoren bzw. einen immer größeren Brennweitenumfang aufweisen, sie müssen neben viel Tele auch in den mittleren Weitwinkelbereich hinein dringen, bereits auf kürzesten Distanzen einsetzbar sein und auch bei wenig Licht noch einigermaßen verwacklungsfreie Bilder liefern. Das stand wohl auch im Lastenheft der P80, und so hat man bei Nikon so lange an der optischen Formel herum getüftelt, bis die Vorgaben der Marketing-Abteilung erfüllt waren. Herausgekommen ist eine optische Formel mit 14 Linsen in 11 Gruppen, die es dem Objektiv bei 18-fachem-Zoom erlaubt, einen Brennweitenbereich von umgerechnet 27 bis 486 mm (entspr. Kleinbild) bei einer variablen Lichtstärke von F2,8 (WW) bis F4,5 (T) sowie einer Naheinstellgrenze von nur 1 cm (in WW-Stellung und mit eingeschalteter Makro-Funktion) abzudecken. Die Bildstabilisierung erfolgt, anders als bei Nikon bisher üblich, nicht durch ein optisches System (bewegliche Linsengruppe im Objektiv), sondern die Zitterbewegungen der Fotografenhand werden diesmal durch gegenläufige Bewegungen des Bildsensors (CCD-Shift-System) ausgeglichen.

Der Objektivtubus setzt sich, wie bei vielen Kameras dieser Art, aus einem starren Teilstück (das bei der P80 etwa 5 cm aus dem Gehäuse herausragt) und einem teleskopisch ausfahrenden Teilstück zusammen. Im voll ausgefahrenen Zustand ragt das gesamte Objektiv zirka 11 cm aus dem "Body" heraus; das Zoomen erfolgt schnell (ca. 1,4 s von einem Brennweitenende zum anderen), präzise (+/- 20 Stufen bei leichtem Antippen der ringförmigen Zoomwippe) und vor allem fast geräuschlos. Bis auf das (abstellbare) Piepen des Schärfebestätigungssignals hört man das Objektiv auch kaum beim Autofokus, d. h. bei der automatischen Scharfstellung, arbeiten. Fokussiert wird wahlweise mit Unterstützung der schnellen Gesichtserkennungsfunktion (die aber selten mehr als eines von den maximal zwölf möglichen frontalen Gesichtern erkennt) oder mit der AF-Messfeldautomatik (die Kamera stellt einfach mit Priorität auf den Vordergrund auf eine von neun möglichen Stellen im Bild scharf). Alternativ kann man mit der manuellen Messfeldwahl eine von 99 möglichen Stellen im Bild anwählen, auf die scharf gestellt werden soll, mit der Spot-AF-Einstellung arbeiten (es wird pauschal auf die Bildmitte scharf gestellt) oder mit manueller Fokussierung d. h. tastengesteuerter Entfernungseinstellung (mit eingeblendeter Entfernungsskala und elektronischer Scharfstelllupe).

Interessant ist die Tatsache, dass die eingeblendeten AF-Nikon Coolpix P80 [Foto: MediaNord]Messfeldmarkierungen bei erfolgter Scharfstellung nicht – wie bei anderen Kameras üblich – grün "aufleuchten", sondern nunmehr blau-grün. Ob das nur Schmuck ist oder man bei Nikon an Menschen mit Rot/Grün-Schwäche gedacht hat, ist nicht klar, aber es wurde nun mal Personen mit einer solchen Sehschwäche gewollt oder ungewollt geholfen. Weitere "Farbwechsel" gibt es nicht: als (abschaltbares) AF-Hilfslicht dient der P80 die typisch rote Signal-LED des Selbstauslösers, und bei der Gesichtserkennung wird das erste erkannte Gesicht mit einem gelben Rahmen markiert. Bleibt noch zu erwähnen, dass das Objektiv der P80 keine Anschlussmöglichkeit für optisches Zubehör wie Filter, Nahlinsen oder Konverter bietet (auch nicht optional), dass der Autofokus wahlweise mit einmaliger Scharfstellung (Einzel-AF) oder mit Schärfenachführung (kontinuierlicher AF) arbeitet und dass aufgrund einer fehlenden Automakro-Funktion der Makro-Modus manuell zugeschaltet werden muss. Der Unendlichkeits-Modus bei den Fokus-Einstellungen eignet sich übrigens in der Praxis auch sehr gut für Aufnahmen auf kurze Distanzen (ab ca. 10 cm) und verkürzt die Fokussierzeiten z. T. radikal.

Nikon Coolpix P80 [Foto: MediaNord] Bildqualität Während der Nikon D3 mit ihrem "Vollformat"-Sensor eine absolut spektakuläre Rauscharmut selbst bei höchsten Empfindlichkeitseinstellungen nachgesagt wird, kann man sich fragen, wie gut Nikon das Rauschen bei der P80 und ihrem im Vergleich dazu fast schon mikroskopisch kleinen 1/2,33"-CCD im Griff hat. Doch das Rauschen ist eh nicht alles, und wir wollen hier mal sehen, wie es laut unserem DCTau-Testlabor (in aller Ausführlichkeit über die weiterführenden Links) sonst so um die Bildqualität der P80 bestellt ist. Aber fangen wir trotzdem einmal mit dem Bildrauschen an.

Bei über 10 Millionen Pixeln auf einem nicht mal fingernagelgroßen Bildsensor darf es einen nicht wundern, dass selbst bei einer Nikon das Rauschen nur bis ISO 400 unproblematisch ist. Bei ISO 64 und 100 ist es sehr gut, von ISO 200 bis 800 moderat, und die beiden darüber liegenden Empfindlichkeitsstufen (ISO 1.600 und 2.000) hätte man sich wegen der inakzeptablen Bildqualität gleich sparen können. Die ISO-3.200-Stufe ist wiederum aufgrund der Pixelbündelung (dadurch sinkt die Auflösung allerdings auch auf ca. 3 Megapixel) wegen des verhältnismäßig sehr geringen Rauschens wieder brauchbar; bei der – ebenfalls auflösungsreduzierten – ISO-6.400-Stufe sind die Rauschwerte nicht viel schlechter. Ab ISO 400 wird das Farbrauschen deutlich reduziert d. h. macht sich die Rauschunterdrückung deutlich bemerkbar, weshalb trotz der bei ISO 800 noch moderaten Rauschwerte unsere Aussage, dass das Rauschen nur bis ISO 400 unproblematisch ist, ihre Gültigkeit behält.

Nikon Coolpix P80 [Foto: MediaNord]Keine besonders guten bzw. schlichtweg schlechte Auflösungswerte, unterstrichen durch einen hohen Randabfall, lieferte die P80 mit vollem Tele im DCTau-Testlabor. Bescheidene Auflösungswerte im Tele-Bereich sind bei extrem zoomstarken Objektiven nichts Unübliches, aber schlechte Werte hatten wir von einer Nikon nicht erwartet. In der mittleren und kurzen Brennweite entspricht die Wiedergabe feiner Bilddetails messtechnisch schon eher dem, was man bei einer Auflösung von 10 Megapixeln erwarten könnte; jedenfalls attestiert unser Labor der P80 dort einen  moderaten bis guten Wirkungsgrad der Auflösung sowie einen moderaten Randabfall der Auflösung. Um eine Blende abgeblendet erreicht die Kamera mit ihrem Objektiv ihre höchste Auflösungsleistung. Einen Blendenwert weiter (d. h. insgesamt zwei Blenden) muss man die Blende des P80-Objektivs schließen, damit die Vignettierung von über einer Blende am Weitwinkel- und am Tele-Ende auf unter eine Blende fällt; in der mittleren Brennweite lässt sich auch mit offener Blende quasi vignettierungsfrei (mit gut 1/3 Blende ist die Randabdunkelung kaum sichtbar) arbeiten.

Stört einen die – zumindest messtechnisch – hohe, tonnenförmige Verzeichnung bei Weitwinkel-Aufnahmen, kann man die entsprechende Korrekturfunktion im Menü einschalten. Linien, die nicht krumm sein sollten (weil sie es eben von Natur aus bzw. in der Realität nicht sind), werden dann noch in der Kamera wieder "gerade gebogen". Das funktioniert natürlich auch mit der moderat kissenförmigen Verzeichnung in der mittleren und langen Brennweite – wenn die einem überhaupt auffällt. Was könnte einem sonst noch auffallen? Bei sehr genauer Betrachtung leichtes Aliasing, d. h. ein leichter Treppenstufeneffekt an diagonal verlaufenden feinen Bildstrukturen, leichte Farbartefakte an vertikalen feinen Strukturen (bedingt durch einen zu dünnen optischen Tiefpassfilter) sowie doppelte Umrisse dunkler Bildteile an den Übergängen zu hellen Bildteilen (= Schwarz-Clipping). Farbsäume an den Kanten heller bzw. überbelichteter Bildteile treten ebenfalls auf, außerdem gibt es etwas kontrastschwache dunkle Bildteile (z. B. kein richtig sattes Schwarz) und noch blockartige Bildstörungen  im Normal-Modus (sehr leicht) und Basic-Modus (deutlich). Während die meisten dieser Artefakte/Bildstörungen wegen der zurückhaltenden elektronischen Aufbereitung feiner Bilddetails in eher geringer Anzahl vertreten sind und kaum auffallen, ist das zu beobachtende Schwarz-Clipping umso befremdender, wie die Scharfzeichnung eigentlich auch zurückhaltend (aber sehr richtungsabhängig) ist.

Nikon Coolpix P80 [Foto: MediaNord]Dank guter bis sehr guter Eingangsdynamik im Bereich zwischen ISO 64 und 800 hat die P80 keine Probleme mit hohen Motivkontrasten. Wie auch beim Rauschen sind die ISO-1.600- und ISO-2.000-Stufe kaum zu gebrauchen (auch in Punkto Ausgangsdynamik), während in den auflösungsreduzierten Stufen darüber wieder eine leichte Besserung eintritt. Um auf Nummer Sicher zu gehen, belichtet die P80 auch etwas knapp, so dass ausfressende Lichter, d. h. überstrahlende Bildpartien bei grellem Licht, noch weniger Chancen haben zu entstehen; sollten dabei die Schatten "absaufen", gibt es ja noch die D-Lighting-Funktion, die nur die dunklen Bildpartien nachträglich aufhellt.

Farben gibt die P80 satt, aber sonst nicht weiter verfälscht wieder. Farbstiche gibt es nur, wenn der automatische Weißabgleich versagt. Und das tut er – wie bei so vielen Digitalkameras – gerne bei Glühlampenlicht. Bei zu starkem Rot-Organe-Stich sollte man entweder auf die Weißabgleich-Voreinstellung "Kunstlicht" wechseln oder wer die nötige Selbstdisziplin besitzt, erzielt natürlich mit einem manuellen Weißabgleich die besten Resultate.

Fazit Die Nikon Coolpix P80 sticht im Vergleich zu anderen Kameras ihrer Preis- und Ausstattungsklasse weder durch die Bildqualität noch durch die Ausstattung aus der Masse heraus. Ihre besondere Stärke liegt bei der Benutzerfreundlichkeit – ein Kriterium, das man nicht unterschätzen sollte. Wer jedenfalls zugunsten der Bedienbarkeit auf solche Fortgeschrittenen-Features wie einen RAW-Modus, eine Anschlussmöglichkeit für optisches Zubehör oder einen Blitzschuh verzichten kann und eine schnörkellose Kamera mit viel Zoom sucht, der findet u. U. in der Coolpix P80 die ideale Begleiterin.

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Kamera-Tests Auswahl

Hersteller
Modell

Testnoten

Note Anteil  Punkte
Verarbeitung 12,5 % 87 %
Ausstattung 12,5 % 94 %
Handhabung 12,5 % 93 %
Geschwindigkeit 12,5 % 86 %
Bildqualität 50,0 % 67 %
Gesamtnote 78 %

Steckbrief

Steckbrief
Hersteller Nikon
Modell Coolpix P80
Preis ca. 410 EUR
Sensor Auflösung 10,1 Megapixel
Max. Bildauflösung
(Seitenverhältnis)
3.648 x 2.736
(4:3)
Objektiv 2,8-4,5/27-486
Filtergewinde
Sucher

Sichtfeld
  Dioptrienausgleich
EVF mit 230.000 Bildpunkten
97 %
ja
LCD-Monitor
  Auflösung
  drehbar
  schwenkbar
  als Sucher
2,7"
230.000


ja
Videoausgang
 als Sucher
Composite
ja
Programmautomatik  ja
Blendenautomatik ja
Zeitautomatik ja
manuelle Belichtung
  BULB-Langzeit-
  belichtung
ja
Motivprogramme
  Porträt
  Kinder/Baby
  Landschaft
  Makro
  Sport/Action
  weitere

ja

ja
ja
ja
12
Belichtungs-
messung
Mehrfeld, mittenbetont Integral, Spot
Blitz
  Leitzahl
  Blitzanschluss
ja
10,5 (Messung)
Fernauslöser
Intervallaufnahme ja
Speichermedium SD/SDHC
Videomodus
  Format
  Codec
  Auflösung (max.)
  Bildfrequenz (max.)  
ja
AVI
Moition-JPEG
640 x 480
30 Bilder/s
Empfindlichkeit
  automatisch
  erweitert
  manuell

ISO 64-800
ISO 3.200 und 6.400
ISO 64-6.400
Weißabgleich
  Automatik
  Sonne
  Wolken
  Leuchtstofflampe
  Glühlampe
  Sonstiges
  Manuell

ja
ja
ja
ja
ja

ja
Autofokus
  Anzahl
  Messfelder
  AF-Hilfslicht
  Geschwindigkeit

max. 99
9 (Gesichtserkennung)
rot-orange (LED)
ca. 0,5-1,1 s
Sprachen Deutsch, 23 weitere
Einschaltzeit 2,1 s
Einhandbedienung
(Zoom und Auslöser)
 ja
Gewicht
(Betriebsbereit)
400 g
Serienbildfunktion
  Serienbildanzahl
  Frequenz
    (Bilder/s)
  Dauerlauf
    (Bilder/s)
  mit Blitz

18 (JPEG)
1,1 (JPEG)



Zoom
  Zoomverstellung

  Zoomstufen
  Zeit WW bis Tele

Motorisch über Ringschalter
stufenlos
1,4 s
Speicher-
geschwindigkeiten*
  JPEG
  RAW


1,2 s (1 MByte)
Auslösung während des Speicherns möglich
Akkulaufzeit ca. 250 Bilder lt. CIPA

– = "entfällt" oder "nicht vorhanden"
*  mit 2 GByte SanDisk Ultra II SD Speicherkarte

DXOMARK Logo

Die Bildqualität in unseren Tests ermitteln wir seit 2011 mit DXOMARK Analyzer.

Kurzbewertung

  • Derzeit kompakteste 18-fach-Zoom-Kamera
  • Zuschaltbare Verzeichnungskorrektur
  • Enormer Brennweitenbereich mit leicht weitwinkliger Anfangsbrennweite
  • Sehr benutzerfreundliche Menügestaltung
  • Netzanschluss über Akku-Dummy
  • Außer manuellen und semi-automatischen Belichtungseinstellungen keine Fortgeschrittenenfunktionen
  • Bescheidene Auflösungswerte
  • Biederes Design