Kompaktkamera

Testbericht: Nikon Coolpix 990

2000-08-18 Seit dem 900er-Modell fährt Nikon mit der Coolpix-9xx-Serie auf Erfolgskurs. Jede Ankündigung einer neuen Coolpix-Generation sorgt in der Branche für Aufruhr und für überstürzte Vorbestellungen. Nicht umsonst liegt die Coolpix-9xx-Serie weltweit mit an Spitze der Verkaufscharts bei den Kompakt-Digitalkameras. Dies wird auch bei der Coolpix 990 der Fall sein, die in der Praxis beweist, daß nicht nur der Name Nikon für die hohen Verkaufszahlen bürgt.  (Yvan Boeres)

Nikon Coolpix 990 [Foto: MediaNord]Die Nikon Coolpix 990 ist schon eine "eigenwillige" Digitalkamera: Nicht nur hält Nikon als einziger Hersteller an dem Konzept der drehbaren Gehäusehälften fest, sondern die Coolpix 990 ist auch eine der wenigen Digitalkameras, die entgegen dem Trend nicht kleiner geworden ist, sondern – im Vergleich zum Vorgängermodell Coolpix 950 – sogar um einige Millimeter größer geworden ist. Beides erweist sich in der Praxis als Vorteil. Die drehbaren Gehäusehälften ermöglichen ungeahnte Aufnahmeperspektiven (was besonders in Kombination mit der ausgezeichneten Makro-Fähigkeit der Coolpix-Kameras zur Geltung kommt) und die etwas üppigeren Gehäuse-Ausmaße verhelfen der Coolpix 990 zu einem festeren Halt in der Hand. Das schwarz-grau-anodisierte Magnesiumgehäuse macht einen sehr soliden Eindruck. Selbst das Gelenk, das beide Gehäusehälften miteinander verbindet, wirkt sehr stabil: Die einzelnen Hauptpositionen (jeweils 90 Grad) rasten deutlich ein und das Gelenk selbst ist frei von jeglichen Wackeleffekten.

Bei der Coolpix 990 wurden die wesentlichen Kritikpunkte, die man der Coolpix 950 in Sachen Ergonomie vorwerfen konnte, zur Kenntnis genommen und überarbeitet. Das Resultat ist ein Speicherkartenschacht, der sich nun seitlich an der Kamera befindet (endlich ist es möglich, die Speicherkarte zu wechseln, während die Kamera sich auf einem Stativ befindet) und durch eine Schutzklappe, die dieses Namens auch würdig ist, verschlossen wird. Das gleiche gilt für das Batteriefach am Kameraboden, dessen Deckel mit einem etwas solideren Riegel versehen wurde. Neben dem Batteriefach findet man das Nikon Coolpix 990 Unterseite [Foto: MediaNord] Stativgewinde, das neuerdings aus Metall gefertigt und von einer gummierten Auflagefläche umgeben ist, das eine bombensichere Stativmontage ermöglicht. Konstruktionsbedingt befindet sich das Stativgewinde noch etwas zu nahe am Batteriefach, so daß bei montierter Stativ-Schnellkupplung (je nach Fabrikat) ein Wechseln der Batterien oft unmöglich ist. Selbst die Anordnung der diversen Anschlüsse (Netzanschluß, Videoausgang, USB-Schnittstelle) wurde bei der Coolpix 990 so korrigiert, daß kaum noch Kabelsalat entstehen kann. Größer in der Handauflagefläche und besser haftend als bei der Coolpix 950 ist schließlich auch noch der griffige Gummivorsatz am Handgriff geworden; bei einigen Coolpix-950-Besitzern war dieser nämlich bei intensiver Benutzung der Kamera schnell verloren gegangen.

Bedienungsanleitung  Mit der beigefügten Bedienungsanleitung geht Nikon einen neuen Weg. War bei früheren Modellen nur eine gedruckte Kurzanleitung mit im Karton und das ausführliche Handbuch nur auf CD-ROM mitgeliefert, so gibt es nun endlich ein komplettes gedrucktes Handbuch, das man auch ohne Computer (z. B. im Urlaub) studieren kann. Genau denselben Informationsgehalt bietet die zusätzlich auf CD-ROM beiliegende Adobe Acrobat PDF-Datei, die, dank hervorragender Aufbereitung mit Hyperlinks und Farbabbildungen, das bevorzugte Medium für Notebook-Besitzer werden dürfte, die dann die gedruckte Fassung im Karton lassen können. Beiden Versionen – elektronisch oder gedruckt – sind sehr übersichtlich, nicht zuletzt, weil für jede Sprache ein separates Dokument existiert.

Menüführung, Kameraeinstellung  Die wichtigsten Funktionen der Coolpix 990 wie die Blitzeinstellung, die Qualitätseinstellung, die Programmwahl sowie der Aufnahmemodus (Makro, Landschaft, Selbstauslöser), die Empfindlichkeitseinstellung und die Belichtungskorrekturen werden über eigene Knöpfe (manchmal mit Doppelbelegung) betätigt. So sind praktisch alle Hauptfunktionen, unabhängig vom Betriebszustand der Kamera, bequem und schnell zugänglich. Die Kamera bietet drei Betriebszustände: Vom ausgeschalteten Zustand gelangt man zum sogenannten A-Modus, der nur wenige Eingriffe in die Kameraeinstellungen erlaubt. Das ist besonders nützlich, wenn man schnell einen Schnappschuß machen will oder die Kamera einer fotografisch weniger versierten Person in die Hand gibt. Erst im M-Modus entfaltet sich das gesamte Leistungsspektrum der Coolpix 990, das man nicht anders als "gewaltig" bezeichnen kann. Auf dem 1,8"-TFT-Farbbildschirm – der zwar ein bißchen kleiner und etwas geringer auflösend als auf den Vorgängermodellen ist, dafür aber bei Sonnenlicht besser lesbar ist – navigiert man mit Hilfe der Cursur-Wippe an der Kamerarückseite durch drei Menü-Seiten (zwei Aufnahmemenüs und ein Setup-Menü), die wiederum diverse Einstellungen und Untereinstellungen ermöglichen. Die Navigation durch diese "verschachtelten" Menüs ist zwar gut gelöst und mit ergänzenden Piktogrammen illustriert, jedoch muß man diese Menüs schon einige Tage intensiv erforschen, bis man das gesamte Leistungspotential der Coolpix ausschöpfen kann. Sehr nützlich ist in dieser Hinsicht die Möglichkeit, bis zu drei verschiedene Benutzerprofile anzulegen, die personalisierte Einstellungen für diverse Aufnahmesituationen oder wechselnde Kamerabenutzer erlaubt.

Objektiv  Eigens für das neue CCD-Element der Coolpix 990 haben die Nikon-Ingenieure ein neues Objektiv berechnet und entworfen. Die Qualität der Nikkor-Optiken, besonders in puncto Abbildungsschärfe, ist weltweit bekannt, da macht das resultierende 38-115 mm Zoomobjektiv (entsprechend Kleinbild) mit einer Lichtstärke von F2,5 bis F4 keine Ausnahme. In Weitwinkelposition ist zwar eine leichte tonnenförmige Verzeichnung und im Telebereich eine leichte kissenförmige Verzeichnung erkennbar, doch sind beide so gering, daß sie kaum als störend empfunden werden können. Jedenfalls sieht man einen deutlichen Fortschritt im Vergleich zu der Optik der Vorgängermodelle Coolpix 900(s) und Coolpix 950.

Die Coolpix 990, wie alle Coolpix 9xx-Modelle, verfügt über ein 28 mm-Objektivgewinde an das sich diverse optische Zusätze wie Filter und Konverter anbringen lassen. Nikon hat zur Zeit das größte Eigenangebot an optischen Zusätzen im Programm, das sind der FC-E8 Fisheye-Konverter, die WC-E24 und WC-E63 Weitwinkelkonverter, den 2-fach Telekonverter TC-E2 und den brandneuen 3-fach Telekonverter TC-E3 ED. Die neuen Konverter WC-E63 und TC-E3 ED wurden speziell für die Coolpix 990 entwickelt und darauf abgestimmt, so daß man bei der Kombination von der Coolpix 990 mit diesen Konvertern eine besonders hohe optische Qualität erwarten darf. Im Gegensatz zum WC-E24 (2 Linsengruppen aus 2 Linsenelementen), der ursprünglich für die Coolpix 900(s) entwickelt wurde, sind die neuen Konverter wesentlich komplexer aufgebaut – der TC-E3-Telekonverter besitzt sogar ED-Linsen (Extra-low Dispersion = sehr geringe Lichtstreuung).

Alle Konverter für Nikon Coolpix 990 [Foto: MediaNord]

Der Weitwinkel-Konverter WC-E63 besteht aus 4 Linsengruppen mit je 4 Linsenelemente, was besonders der Verzeichnung zugute kommt. Diese ist zwar immer noch sichtbar (leicht tonnenförmig), fällt allerdings geringer als beim WC-E24-Konverter aus. Dieser Konverter ist also erste Wahl, besonders in Kombination mit der Coolpix 990, für die er entwickelt wurde. An der Randschärfe und der Vignettierung ändert sich im Vergleich zum WC-E24 nichts – diese sind auch beim WC-E63 nach wie vor exzellent. Der Telekonverter TC-E3 ED hat im Vergleich zu seinem Pendent TC-E2 nicht nur einen stärkeren Brennweitenverlängerungsfaktor (3-fach gegenüber 2-fach), sondern ist wie bereits erwähnt mit speziellen ED-Gläsern bestückt und besitzt 3 Linsengruppen aus 6 Linsenelementen anstatt 3 Linsengruppen aus 4 Linsenelementen des TC-E2. Der TC-E3 ED ist ab mittlerer Zoomstellung vignettierungsfrei nutzbar und liefert eine sehr gute Bildqualität. Die Verzeichnung ist sehr gering kissenförmig und für ein ungeübtes Auge kaum wahrnehmbar. Die Schärfe des TC-E3 ED ist über das gesamte Bild hinweg gut und gehört in das Spitzenfeld der Telekonverter. Allerdings ist der TC-E3 ED auch fast doppelt so teuer (rund 570 DM statt 230 DM) und auch um einiges größer und schwerer als der TC-E2, wodurch die Kamera in der Hand leicht "kopflastig" wird.

Zusätzlich zu den Original-Konvertern bleibt übrigens die ganze optische Zubehörpalette von Fremdanbietern wie z. B. der EagleEye 5-fach-Konverter oder das Kenko 8 x 32 Monokular weiterhin mit der Coolpix 990 kompatibel.

Belichtungsmessung und -steuerung  Die Nikon Coolpix 990 steht in dieser Hinsicht einer ausgewachsenen Spiegelreflexkamera in nichts nach: Bei der Belichtungsmessung (Matrixmessung auf 256 Feldern, Integralmessung, Spot-Messung) und der Belichtungssteuerung (Programmautomatik mit Shift, Blendenautomatik, Zeitenautomatik, Manuell) hat der Benutzer für jede denkbare Aufnahmesituation das geeignete Werkzeug zur Hand. Besonders Studio- und Reportage-Fotografen, die die vom Handbelichtungsmesser ermittelten Belichtungswerte auf die Kamera übertragen wollen, werden sich über die manuelle Belichtungssteuerung freuen. Zur Auswahl stehen Verschlußzeiten von 1/1.000 bis 8 Sekunden (sowie Bulb-Langzeitbelichtung) und Blenden von F2,5 bis F11 (in 14 Stufen). Selbst Belichtungskorrekturen, automatische Belichtungsreihen und die Möglichkeit, die Spotmessung mit einem der fünf AF-Feldern zu koppeln, gehören bei der Coolpix 990 zur Selbstverständlichkeit – die Coolpix ist schon eine Kamera für gehobene fotografische Ansprüche.

Auch der Weißabgleich der Coolpix 990 läßt kaum Wünsche offen: Der automatische Weißabgleich funktioniert schon sehr akkurat; dennoch gibt es Voreinstellungen für Tages-, Glühbirnen- und Neonlicht sowie für bedecktes Wetter oder für Blitzlicht. Eine manuelle Einstellung des Weißabgleiches durch Messung des Weißpunktes ist natürlich auch vorhanden. Gleiches Prinzip bei der Empfindlichkeitseinstellung: Entweder paßt sich die Kamera automatisch den Lichtverhältnissen an oder man wählt eine der drei Empfindlichkeitsstufen (ISO 100, 200 und 400) selbst. Bereits die Bildwiedergabe der ersten Coolpix-Modelle wurde gerne bei Vergleichstests als Referenz genommen; hier macht die Coolpix dem Namen Nikon alle Ehre: Selbst in schwierigen Situationen (Gegenlicht, hohe Kontrastunterschiede) sind Farbwiedergabe und Belichtung auf Anhieb perfekt, so daß man recht selten manuell in die Kamerawerte eingreifen muß.

Nikon Coolpix 950 mit Blitzschiene SK-E900 und Nikon Blitzgerät SB-28DX [Foto: MediaNord]Blitz  Wer sich auf den eingebauten Blitz der Coolpix 990 verläßt, wird wohl kaum damit zufrieden sein: Das Blitzgerät hat zwar eine Menge Steuerungsmöglichkeiten (Automatikblitz, erzwungen, aus, Langzeitsynchronisation und sogar Blitzbelichtungskorrektur) zu bieten, ist jedoch (konstruktionsbedingt) zu nahe am Objektiv angesiedelt, so daß man praktisch immer mit roten Augen bei Personenaufnahmen "beglückt" wird – da hilft der Vorblitz gegen rote Augen kaum weiter. Ist ein Konverter aufgesetzt, schattet dieser auch einen beträchtlichen Teil des Blitzreflektors ab, so daß man entweder ohne Blitz fotografieren oder auf einen externen Blitz zurückgreifen muß. Zu diesem Zweck gibt es an der Coolpix seit dem 900(s)-Modell einen dreipoligen Blitzstecker, der über die optionale SK-E900-Blitzschiene sämtliche Blitzgeräte mit Nikon-TTL-Blitzschuh aufnimmt und somit den programmgesteuerten Blitzbetrieb ermöglicht. Man kann auch auf die Blitzschiene verzichten und ein Blitzgerät direkt per SC-18-Zubehörkabel an die Coolpix anschließen, jedoch ist diese Möglichkeit nur Blitzgeräten mit derselben dreipoligen Blitzbuchse vorbehalten; und das sind zur Zeit ausschließlich einige Blitzgeräte der Nikon-SB-Reihe.

Fremdblitzgeräte können ebenfalls an der SK-E900-Schiene angebracht werden. Diese müssen dann entweder Nikon TTL-kompatibel (u. a. von der Kontaktbelegung am Blitzschuh her) sein oder eine eigene Belichtungsautoautomatik besitzen; in letzterem Fall wird die Blitzbelichtung vom Blitzgerät selbst übernommen. Wer jedoch hofft, mit einem Nikon-Systemblitz der gehobenen Klasse (z. B. dem Nikon SB-28DX für über 1.000 DM) bessere Resultate, respektive mehr Komfort zu gewinnen, sieht sich getäuscht: Die TTL-Blitzbelichtungssteuerung ist eigentlich keine (die Blitzlichtmessung erfolgt zwar in der Kamera, jedoch nicht durch das Objektiv) und die erweiterten Blitzfunktionen (AF-Hilfslicht, Motorzoom, Belichtungsinformationen auf dem LCD-Display hochpreisiger Blitzgeräte) werden ebenfalls nicht unterstützt. Wer also nicht unbedingt auf zusätzliche Blitzpower angewiesen ist, sollte daher lieber zu einem kleineren Blitzgerät (z. B. dem Nikon SB-22s) greifen, das derartige Ausstattungsmerkmale gar nicht besitzt und entsprechend preisgünstiger ist.

Egal ob mit integrierten Blitz oder externem Systemblitz, die Blitzbelichtungssteuerung der Coolpix arbeitet sehr sauber und neigt kaum zu Über- oder Unterbelichtung. Die Ausleuchtung des internen Blitzes ist homogen und farbneutral; die Balance zwischen Blitzlicht und Hintergrundlicht ist – zumindest bei eingeschalteter Langzeitsynchronisation – sehr natürlich.

Nikon Coolpix 990 Detail AF-Meßfelder [Foto: MediaNord]   
Nikon Coolpix 990 Detail Menübedienung [Foto: MediaNord]

Scharfeinstellung  Die Coolpix 990 ist die erste Kompakt-Digitalkamera mit Mehrfeld-Autofokus. Fünf Sensoren kreuzförmig angelegt, erfassen auch Bildmotive, die sich nicht unbedingt in der Bildmitte befinden. Bei dezentral angeordneten Motiven ist also die Schärfespeicherung mit anschließender Bildausschnittkorrektur oft nicht mehr nötig. Der Autofokus der Coolpix 990 arbeitet zügig (dafür auch ziemlich laut) und stellt auch bei ungünstigen Lichtbedingungen schnell und präzise scharf (eine wesentliche Besserung im Vergleich zu den Vorgängermodellen). Einsame Spitze ist die Makro-Fähigkeit: Bis auf 2 cm kann man sich dem Motiv nähern, ohne daß man auf den Autofokus verzichten muß (Makro 2 cm bis 50 cm; Normal 50 cm bis Unendlich). Die Schärfe läßt sich auch manuell einstellen, dafür stehen dem Benutzer 50 Einzelschritte zur Verfügung. Die Fokussier-Geschwindigkeit bei Einzel-AF überschreitet selten eine Sekunde; in der Regel liegt sie zwischen 0,5 und 0,7 Sekunden. Auch bei eingeschalteter kontinuierlicher Fokussierung stellt die Kamera beim Halbdurchdrücken des Auslösers sicherheitshalber noch einmal scharf (vielleicht täuscht es, aber man hat den Eindruck, daß der Autofokus in diesem Modus etwas schneller anspricht).

Auflösung  Der 3,34-Megapixel-CCD-Sensor der Coolpix 990 liefert Bilder in einer Auflösung von 2.048 x 1.536 Bildpunkten, die auf XGA-Qualität (1.024 x 768 Pixel) oder weiter auf VGA-Qualität (640 x 480 Pixel) "heruntergeschraubt" werden kann. Zusätzlich gibt es noch ein sehr praktisches 3:2-Aufnahmeformat (Auflösung 2.048 x 1.360 Pixel), das dem Seitenverhältnis der analogen Kleinbild-Fotografie entspricht. So bekommt man z. B. bei Laborabzügen von Pixelbildern in den Standardformaten (9 x 13 cm, 10 x 15 cm, 13 x 18 cm, 18 x 24 cm, 20 x 30 cm usw.) immer formatfüllende Bilder ohne überschüssigen weißen Rand. Was bei der Farbwiedergabe und der Belichtung zutrifft, trifft bei der Coolpix auch bei der Bildgüte zu: die Bildberechnungsalgorithmen der Coolpix 990 sind direkt von der großen Schwester, der Profi-Digital-Spiegelreflexkamera D1 abgeleitet; das Resultat sind Bilder die vom Auflösungsvermögen, vom Rauschen und von den Überstrahleffekten (auch als Blooming-Effekte bekannt) seinesgleichen suchen.

   Nikon Coolpix 990 Detail CompactFlash-Steckplatz [Foto: MediaNord]
Nikon Coolpix 990 Detail Oberseite [Foto: MediaNord]

Speicherung  Soviel Lob der Coolpix 990 auch gebührt; perfekt ist auch diese Kamera noch nicht. So nimmt die Coolpix lediglich CompactFlash-Speicherkarten des Typ I auf. Besonders bei einer Kamera, die für höchste Ansprüche angelegt ist, ist man oft auf hochauflösende Bilder angewiesen, die dementsprechend viel Speicherplatz auf der Speicherkarte beanspruchen (zumal die Coolpix auch noch einen unkomprimierten TIFF-Modus bietet, der 9 MByte große Bilddateien liefert). Da wäre der Einsatz von CompactFlash-Karten des Typ II, wie die Microdrive-Miniaturfestplatten (340 und 540 MByte sowie 1 GByte) von IBM vielleicht eine Überlegung wert, die aber leider nicht in die Coolpix passen. Drei JPEG-Kompressionsstufen sind bei der Coolpix 990 wählbar: Fine, Normal und Basic. Man kann die Fine-Kompressionsstufe ruhigen Gewissens als Standardeinstellung belassen; der Qualitätsverlust ist so gering, daß mit bloßem Auge kaum Unterschiede zwischen derart gering komprimierten und unkomprimierten TIFF-Bildern zu erkennen sind – dafür spart man aber kostbaren Speicherplatz und der Speichervorgang dauert nicht so lange.

Stromversorgung  Vier handelsübliche AA-Zellen versorgen die Coolpix mit der nötigen Energie. Obwohl die Coolpix 990 merklich weniger Strom verbraucht als die Vorgängermodelle Coolpix 950 und Coolpix 900(s) (nicht zuletzt wegen der strikten Stromsparfunktionen); liegt sie im Vergleich zur Konkurrenz im Mittelfeld. Mit dem mitgelieferten Satz 1.600-mAh-NiMH-Akkus erzielten wir etwas mehr als 100 Aufnahmen (unmittelbar hintereinander mit eingeschaltetem LCD-Farbbildschirm), respektive maximal zwei Stunden Dauereinsatz. Je nachdem wie stark man den LCD-Farbbildschirm, den Zoom und den Kamerablitz in Anspruch nimmt, kann die Batterie aber auch früher in die Knie gehen. Die Batterieanzeige auf dem LCD-Schirm ist wie bei vielen Kameras, ob analog oder digital, ziemlich unzuverlässig; die Anzeige fängt erst an zu blinken, wenn der "Saft" praktisch schon zu Ende ist. Viel besser wäre da eine Batterie-Restkapazitätsangabe in Minuten, wie man sie z. B. von Sony-Digitalkameras her kennt.

Einschalt- und Auslösezeiten  Vom Einschalten bis zum betriebsbereiten Zustand braucht die Coolpix 990 rund 5 Sekunden. Die Auslöseverzögerung liegt unter 0,3 Sekunden (bei ausgeschaltetem Monitor und abgeschlossener Fokussierung); zusammen mit dem Fokussiervorgang von 0,5 bis 0,7 Sekunden (siehe Abschnitt "Scharfeinstellung") ergibt das eine gesamte Auslöseverzögerung von knapp unter einer Sekunde. Die anschließende Verarbeitung und Speicherung der Bilder beansprucht rund 7 bis 8 Sekunden (JPEG-Einzelbild in Qualitätsstufe "Fine"); während dieser Zeit kann lediglich ein weiteres Bild aufgenommen werden, das den Speichervorgang dann um weitere 7 Sekunden verlängert, bei durch höhere Kompression herabgesetzter Bildqualität können 2 oder 3 Bilder "nachgeschossen" werden und die Speicherung geht etwas schneller vonstatten. Im TIFF-Modus ist das Nachschießen weiterer Aufnahmen nicht möglich, der Speichervorgang muß erst vollständig abgewartet werden und dauert bis zu 50 Sekunden! In Sachen Speicherung ist die Coolpix also nicht gerade ein "Sprinter", besonders wenn man viel Wert auf Bildqualität legt.

Wer auf schnelle Bildfolgen angewiesen ist, hat verschiedene Serienbild-Modi, auf die er zurückgreifen kann. In der höchsten Auflösung sind dann (abhängig von der eingestellten Bildqualität, sprich Kompressionsrate) 3 bis 9 Bilder in Serie bei einer Bildfolgezeit von 1,5 Bildern pro Sekunde möglich; im XGA-Modus erhöht sich dies auf 40 aufeinanderfolgende Bilder bei 1,8 Bildern pro Sekunde. Der VGA-Modus bringt nur wenig mehr, während der Ultra-High-Speed-Modus (Auflösung 320 x 240 Pixel) bis zu 80 Bilder in Serie bei einer Geschwindigkeit von 30 Bildern pro Sekunde ermöglicht. Der anschließende Speichervorgang dauert gut 12 Sekunden.

Ausstattung  Wie bereits im Kapitel "Menüführung, Kameraeinstellung" erwähnt, birgt die Coolpix 990 ein gewaltiges Potential an Aufnahme- und Wiedergabefunktionen. Die wichtigsten sind der Best-Shot-Selector (die Kamera sucht sich aus einer Serienaufnahme das schärfste Bild heraus), die speicherbaren Benutzerprofile, die Kamera-Anpassung an die von Nikon erhältlichen Konverter, die Slide-Show und die Histogramm-Funktion bei der Bildwiedergabe sowie die Benutzer-Beeinflussung der kamerainternen Bildschärfung und der Movie-Modus (MOV-Videosequenzen ohne Ton; Auflösung 320 x 240 Pixel; maximal 40 Sekunden bei einer Bildfrequenz von 15 Bildern pro Sekunde). Eine sehr nützliche Neuerung ist die Möglichkeit, die Coolpix 990 über den Fernauslösekabel MC-EU1 aus einiger Distanz auszulösen, was besonders Nacht- und Tierfotografen interessieren dürfte. Die Kamera bietet noch vieles mehr; ein gründliches Studium des Handbuches und eine längere "Erkundungsfahrt" durch die Kameramenüs gibt Aufschluß über die vielseitigen Möglichkeiten der Coolpix 990.

Lieferumfang  In Deutschland kommt die Coolpix 990 mit vier 1600-mAh-NiMH-Akkus, dem passenden Ladegerät von pro-N von Friwo (etwas schwachbrüstig, aber wenigstens mit Erhaltungsladung), einem Schultergurt, Kabeln für USB und Video (serielle Kabel für PC und Mac sind optional erhältlich) sowie einem Objektivdeckel (mit Befestigungsschnur) und einer 16-MByte-CompactFlash-Speicherkarte. Auf den mitgelieferten CD-ROMs befindet sich noch die Transfer-Software NikonView 3.0 sowie das Bildverarbeitungsprogramm Adobe Photoshop 5.0 LE (mit eingeschränktem Funktionsumfang im Vergleich zur Photoshop-Vollversion) und die Bildverwaltungs- und Bildarchvierungssoftware FotoStation 4.0. Wurde bei früheren Coolpix-Modellen noch eine Tasche mitgeliefert (wenn auch keine besonders hochwertige), kommt die Coolpix 990 von Werk aus ohne jeglichen Schutz. Für eine Original-Bereitschaftstasche von Nikon "berappt" man rund 80 DM; für diesen Preis gibt es von Fremdherstellern besser ausgestattete Taschen.

In Europa tut Nikon sich mit weiterem Zubehör ein bißchen schwer: Während in den USA oder in Japan diverse Zubehörartikel wie verschiedene Tragegurte, diverse Filter und Taschen – sogar ein komplettes Zubehörpaket namens "Coolpack" – angeboten werden, geht das Angebot von Nikon Europa nicht wesentlich über das Standardzubehör (Konverter, Standardtasche, Blitzzubehör, Ersatzkabel, Netzteil und PC-Card-Adapter) hinaus. Einzig der genannte Fernauslöser und der neue Diakopiervorsatz ES-E28 stechen hier hervor. Überhaupt ist es schwer, auf der deutschsprachigen Nikon-Homepage Information zum Coolpix-Zubehör zu finden. Wer lange sucht, findet lediglich eine Preisliste (ohne Bilder), die außer den unverbindlichen Preisempfehlungen kaum Auskunft über das Zubehörangebot von Nikon gibt.

Fazit  Die Nikon Coolpix 990 ist eine Digitalkamera für den anspruchsvollen bzw. versierten Pixelfotografen. Die Kamera bietet den Funktionsumfang einer semi-professionellen Kleinbildkamera (z. B. Nikon F-80, Canon EOS 50) und verlangt demnach die entsprechenden fotografischen Kenntnisse von seinem Benutzer. Die Coolpix 990 läßt sich zwar im Automatik-Betrieb (A-Modus) auch von einem Anfänger bedienen, jedoch soll man schon den Ehrgeiz mitbringen, sich mit der Zeit zum engagierten Amateur zu entwickeln. Andernfalls macht sich die Investition von knapp 2.500 DM (wer ein bißchen in sinnvolles Sonderzubehör investiert, kommt schnell auf das doppelte!) nicht bezahlt.

Detaillierte Informationen über die Ausstattung der Nikon Coolpix 990 finden Sie im "Steckbrief" links und im ausführlichen digitalkamera.de-Datenblatt. Testbilder der Coolpix 990 enthält unsere Rubrik ComputerFoto-Testbilder.

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Kamera-Tests Auswahl

Hersteller
Modell

Steckbrief

Steckbrief
Hersteller Nikon
Modell Coolpix 990
Preis ca. 2.500 DM
Bildauflösung
physikalisch
2.048 x 1.536
Auflösung CCD-Sensor 3.340.000
Brennweite 38 – 115 mm
Filtergewinde 28 mm
Weitwinkelkonverter* 0,6-fach
Telekonverter* 2,0-fach
3,0-fach
optischer Sucher
   Dioptrienausgleich
ja
ja
Spiegelreflex
LCD-Monitor
   Auflösung
   schwenkbar
   als Sucher
   verzögerungsfrei
1,8"
110.000
ja
ja
ja
PAL-Videoausgang
   als Sucher
   verzögerungsfrei
ja
ja
ja
Serienbilder
   Auflösung
   Geschwindigkeit
   Anzahl
   mit Blitz
ja
2.048 x 1.536
1,5 Bilder/s
3 – 9
externer Blitz*
Programmautomatik ja
Zeitautomatik ja
Blendenautomatik ja
Manuelle Belichtung ja
TTL-Belichtungs-
messung
ja
Blitz eingebaut ja
Blitzanschluß Nikon
Systemstecker,
Blitzschuh*
(Nikon System)
Empfohlene Blitzgeräte Nikon SB-28, SB-26, SB-25, SB-24, SB-22s, SB-22
TTL-Blitzsteuerung
externer Blitz
ja
Multitasking
Einhandbedienung** ja
Fernauslöser ja*
Intervall-Aufnahmen
Steckplatz für
Speichermedium
CompactFlash
(Typ I)
unkomprimierte
Speicherung
ja
Tonaufzeichnung
 
– = "entfällt" oder "nicht vorhanden"

* optionales Zubehör erforderlich, vom Kamerahersteller angeboten
** mindestens Zoom und Auslöser mit einer Hand bedienbar

In unserem Test verwendetes Blitzgerät: Nikon Speedlight SB-28DX (ca. 1.100 DM)

DXOMARK Logo

Die Bildqualität in unseren Tests ermitteln wir seit 2011 mit DXOMARK Analyzer.

Kurzbewertung

  • schwenkbarer Monitor
  • Anzeige von Blende und Belichtungszeit
  • viele Möglichkeiten zur Bildbeeinflussung
  • sehr großer Funktionsumfang
  • recht langsames Speichern