Adobe Systems

Testbericht: Adobe Systems Photoshop Elements 5

2006-11-09 Mit einer beeindruckenden Liste an Neuerungen geht Photoshop Elements in die Version 5.0. Vor allem bei Korrekturen und Präsentation hat sich viel getan: Es gibt neue Befehle für Schwarzweißumsetzung, Kontrastverfeinerung und zum Entzerren von verkanteten Bildern. Dazu kommen neue Funktionen für Rahmen, Daumenkinos und Flashgalerien. Allerdings: Ein interessantes Feature, das in der Presse schon gelobt wurde, fehlt plötzlich in der deutschen Vollversion. Digitalkamera.de hat nachgesehen, was der kleine Photoshop tatsächlich draufhat.  (Heico Neumeyer)

Bild 1 Rahmen und Hintergründe bietet Photoshop Elements in der neuen "Grafik"-Palette an [Foto:Getty Images] Die Quietschfarben sind endlich weg – Photoshop Elements 5 kommt im schicken Anthrazit von Windows Vista. Und vor allem bei der Bildbearbeitung bietet Photoshop Elements in Version 5.0 mehr. Die "Farbkurven" feiern Premiere im "Überarbeiten"-Menü. Sie erinnern zunächst an die altbekannten "Farbvariationen", zeigen also ein buntes Tableau mit verschiedenen Korrekturvorschlägen. Nur wenn man die "erweiterten Optionen" öffnet, taucht die Gradationskurve auf – erstmals in Photoshop Elements. Dieses wichtige Instrument zur Kontraststeuerung haben die Programmierer bei Elements jedoch stark geschwächt: Die Kurve lässt sich nicht frei an Ankerpunkten bewegen. Stattdessen wird sie über vier Schieberegler gesteuert, und die erlauben nicht viel Spielraum. Man kann man die Endpunkte der Kurve nicht nach innen schieben und so den Tonwertumfang erweitern.

Erstmals bietet Elements eine genau steuerbare Umwandlung von Farbe nach Schwarzweiß. Hinter der Funktion verbirgt sich der aus Photoshop-Vollversionen bekannte Kanalmixer, doch mit weniger Flexibilität. Der Anwender klickt zunächst Vorgaben wie "Portraits", "Schöne Landschaft" oder "Infraroteffekt" an. Das Dialogfeld präsentiert dann ein Tableau von acht winzigen Ergebnisvarianten. Hier kann man noch auf Vorgaben wie "Mehr Blau" oder "Mehr Kontrast" klicken. Technisch befindet sich das Ergebnis weiterhin im RGB-Farbmodus. Wer das Bild in den Graustufenmodus konvertiert, spart eventuell etwas Speicherplatz und erhält bessere Ausdrucke. Schade jedoch: Weder bei den neuen "Farbkurven" noch in der Graustufenumwandlung kann man eigene Vorgaben speichern. Anders als "Tonwertkorrektur" oder "Farbton/Sättigung" stehen diese neuen Techniken auch nicht als abschaltbare Gradationskurve zur Verfügung.

Bild 2 Die Gradationskurve wird über Schieberegler gesteuert[Foto: Getty Images]Bei der Fehlerkorrektur können sich gerade die Besitzer von Kompaktkameras und Superweitwinkelobjektiven über den neuen Befehl "Kameraverzerrung korrigieren" freuen. Er behebt mehrere Objektivfehler in einem Durchgang: So stellt ein Regler durchgebogene Linien gerade. Im selben Dialog gleicht man auch stürzende Linien aus, etwa in Hochhausszenen. Auch ein schiefer Horizont lässt sich bearbeiten. Ideal, dass hier mehrere Verzerrungen in einem einzigen Durchgang korrigiert werden – das wahrt die Bildqualität weit besser als drei separate Funktionen; auch Randabschattung behebt die Funktion. Dieser Befehl enthält den größeren Teil der "Blendenkorrektur"-Funktionen aus dem teuren Hauptprogramm Photoshop CS2. Verzichten müssen Elements-Anwender dagegen unter anderem auf die Regler gegen chromatische Aberration (Farbsäume entlang harter Konturen).

Weniger auffällig wirken Umstellungen beim Scharfzeichnen. Diese Funktionen finden sich jetzt im "Überarbeiten"-Menü und nicht mehr unter "Filter, Scharfzeichnungsfilter". Die altbekannten schnellen Scharfzeichner ganz ohne Dialogfeld verschwanden ersatzlos. Dagegen gibt es nun eine "Automatische Scharfzeichnung". Interessanter jedoch: Neben "Unscharf maskieren" bietet Elements 5 nun auch den Befehl "Schärfe einstellen". Die Bezeichnungen verwirren Einsteiger, doch hinter der "Schärfe einstellen" verbirgt sich der "Selektive Scharfzeichner" aus Photoshop CS2. Diese exzellente Funktion schärft vor allem hoch auflösende Bilder störungsfreier als die altbekannte Unscharfmaskierung.

Bild 3 Erstmals gibt es eine differenzierte Umwandlung von Farbe in Graustufen[Foto: Getty Images]Wer die Testberichte zu Elements 5 gelesen hat, vermisst in der deutschen Version ein interessantes Feature: Die Möglichkeit, Bilder auf Landkarten abzulegen, wurde in der Presse breit vorgestellt – und fehlt jetzt in Deutschland, während sie in den USA zur Verfügung steht. Ein möglicher Grund für diese Streichaktion: Elements verwendet Landkarten und Satellitenfotos von Yahoo, doch die überzeugen nur für Nordamerika; in Europa oder Asien liefern die Karten und Fotos von Google weitaus mehr Details als Yahoo. Diesem Vergleich wollte man sich bei Photoshop-Hersteller Adobe wohl nicht aussetzen. Wer Bilder auf Landkarten anordnen will, kann jedoch andere Dienste verwenden, so etwa flickr.com (auf Englisch, und ebenfalls mit den schwächeren Yahoo-Daten). Google Earth selbst bietet eine wenig komfortable Möglichkeit, ebenfalls Fotos auf Landkarten abzulegen.

Die Bildverwaltung zeigt ansonsten nur kleinere Verbesserungen. Der "Organizer" beeindruckt Bildersammler schon immer mit guten Ideen. So kann man Fotoserien in Platz sparende "Stapel" packen. Der praktische Bildvergleich in der Diaschau hilft optimal bei der Suche nach den besten Aufnahmen innerhalb einer Fotoreihe. Allerdings fehlen Sortierkriterien wie Dateigröße, Dateiname oder Pixelzahl, und das manuelle Einlesen neuer Bilder ist umständlich.

Schon immer bot Photoshop Elements starke Präsentationsmöglichkeiten. Das Programm setzt Bildreihen sogar in Filmchen mit Zooms und Schwenks um. Stark ausgebaut wurde nun das Menü für Webgalerien: Nach der Macromedia-Übernahme durch Adobe Systems gibt es jetzt viele Galerien mit Flash-Effekten. Die Bilder wandern über stilisierte Wohnzimmerwände oder erscheinen in einer grafischen Winterlandschaft, in der leise der Schnee rieselt. Andere Vorlagen präsentieren die Fotos als Dias oder Briefmarken, die man frei durchs Browserfenster zieht.

Bild 4 Durchgebogene Kanten und stürzende Linien beseitigt der Befehl "Kameraverzerrung" [Foto: Getty Images]In der neuen "Grafik"-Palette bietet Photoshop Elements erstmals eine Reihe von passepartoutartigen, nüchternen Fotorahmen aus ein oder zwei Farben an. Sie wirken generell nicht fotorealistisch oder auffallend ästhetisch. Die Umrandungen liegen auf neuen, speziellen Rahmenebenen und lassen sich austauschen. Der Anwender steuert, wie groß das Bild innerhalb des Rahmens erscheint. Auch für Breite, Schatten und 3D-Kante des Rahmens gibt es noch Regler. Die eingerahmten Fotos lassen sich mit gleichfalls neuen Hintergründen unterlegen, die ebenfalls in der "Grafik"-Palette erscheinen. Viele Vorlagen wirken jedoch banal oder schlicht unpassend. In den neuen "Albumseiten" ordnet Elements automatisch zwei bis zehn Bilder in einer neuen Montage an und rechnet seine neuen Rahmen und Hintergründe dazu. Dazu erscheint der Text aus dem Feld "Bildtitel". Größere Bildreihen setzt das Programm in mehrere getrennte Montagen um.

Fazit: Was bringt das Update? Bildertüftler und "Pixel Peeper" quetschen mit Photoshop Elements 5 noch mehr Qualität aus ihren Vorlagen heraus. Für diese Gruppe lohnt sich ein Update: "Kameraverzerrung", "Schärfe einstellen", "Farbkurven" und die Schwarzweißkonvertierung erlauben gutes Feintuning der Bildqualität. Gerade Tüftler vermissen freilich weiterhin die Aufzeichnung von Befehlsfolgen – alle Konkurrenten bieten das längst. Bei der Montage schwächelt Elements auch. Das Ausschneiden von Lockenköpfen klappt hier lange nicht so gut wie etwa bei PhotoImpact oder in den Photoshop-Vollversionen. Außerdem fehlen Ebenenmasken, die Teile einer Montage-Ebene verstecken, ohne sie zu löschen (das "Gruppieren" von Ebenen ist hier ein allzu umständlicher Umweg). Im "Schnellkorrektur"-Modus bietet Photoshop Elements die einsteigerfreundlichste Benutzeroberfläche der gesamten Bilderbranche. Um so verblüffender, dass die Schaltflächen zum Widerrufen und Wiederherstellen verschwanden.

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Kurzbewertung

  • Vielseitige Korrektur von Verzerrungen
  • Bildverwaltung mit guten Ideen
  • Abschaltbare Korrekturebenen
  • Starker Einsteigermodus
  • Gradationskurven nicht frei formbar
  • Zu wenig Sortierkriterien in Bildverwaltung
  • Keine Ebenenmasken
  • Keine Befehleaufzeichnung
  • Keine Schaltflächen zum Widerrufen und Wiederherstellen

Autor

Heico Neumeyer

Heico Neumeyerschreibt Testberichte und Praxistipps für PC- und Fotozeitschriften und gibt Schulungen. Er ist auf digitale Bildbearbeitung und Fotografie spezialisiert. Sein Photoshop-Kompendium im Verlag Markt+Technik gilt seit vielen Jahren als Standardwerk. Neumeyer studierte Deutsch, Pädagogik und Politik in Berlin und Köln und war Redakteur bei einer Fotozeitschrift. Er ist bekannt für praxisnahe, gut lesbare Texte und maßgeschneiderte Schulungen. Er lebt in Oberbayern.