Multifunktionales Kamera-Flaggschiff-Smartphone

Sony Xperia 1 VI mit 170 mm Telezoom ist auch externer Alpha-Monitor

2024-05-15 Mit dem Xperia 1 VI stellt Sony turnusgemäß sein Flaggschiff-Smartphone für die nächsten zwölf Monate vor. Dabei macht der japanische Elektronikriese einiges anders als bisher, so schrumpft etwa die Displayauflösung zugunsten einer höheren Helligkeit und längeren Laufzeit. Während die 24mm-Hauptkamera und die 16mm-Ultraweitwinkelkamera zum Vorgängermodell identisch sind, kommt nun eine 75-170mm-Telezoomkamera mit immerhin F2,3-3,5 zum Einsatz – wenn auch mit winzigem 1/3,5"-Sensor. Ebenfalls spannend ist die Möglichkeit, das Smartphone als externes Display für seine Alpha-Systemkamera einsetzen zu können.  (Benjamin Kirchheim)

Das Sony Xperia 1 VI ist mit Abmessungen von 162 x 74 x 8,2 mm recht kompakt, zudem wiegt es lediglich 192 Gramm. Wie üblich, besitzt es einen IP65/IP68 Spritzwasser- und Staubschutz. Die Rückseite besteht aus strukturiertem Gorilla Glass Victus, beim Display kommt sogar die neueste Generation Gorilla Glass Victus II zum Einsatz.

Im Inneren werkelt der aktuelle Flaggschiff-Prozessor Snapdragon 8 Gen 3, der mithilfe einer Vapor Chamber gekühlt wird (Sony übersetzt das in der deutschen Pressemitteilung mit "Dampfkammer-Wärmeableitung"). Ihm stehen 12 GB RAM sowie 256 GB interner Speicher zur Seite, der sich mittels MicroSDXC-Karte um bis zu 1,5 GB erweitern lässt, was in dieser Klasse inzwischen unüblich geworden ist. 5G wird als aktuellster Funkstandard ebenso unterstützt wie Wi-Fi 6. Wi-Fi 7 soll später per Firmwareupdate unterstützt werden. Apropos Update: Ausgeliefert wird das Xperia 1 VI mit Android 14, Sony verspricht drei Versions-Updates sowie vier Jahre Sicherheitsupdates, was heutzutage nicht besonders viel ist, denn Google und Samsung beispielsweise versprechen sieben Jahre für ihre Flaggschiff-Smartphones.

Ein Highlight der Xperia-1-Serie war bisher das 4K-Display mit ungewöhnlich langem 21:9-Bildschirm. Davon weicht Sony bei der neuesten Generation ab: Die Auflösung des 6,5"-Displays (16,5 cm) beträgt mit 2.340 x 1.080 Pixel "nur" noch FullHD+, was mit knapp 400 PPI aber immer noch fein auflösend ist. Das Seitenverhältnis beträgt nun 19,5:9. Dafür verspricht Sony eine um 50 Prozent höhere Helligkeit und dank "Sunlight Vision" eine verbesserte Ablesbarkeit im direkten Sonnenlicht. Es handelt sich um ein OLED mit LTPO-Technik, das heißt die Bildrate wird dynamisch von 1 Hz bis 120 Hz angepasst, was Strom spart. Das Display bietet 10 Bit Farbtiefe und deckt 100 Prozent des DCI-P3-Farbraums ab, ITU-R BT.2020 (REC.2020) wird ebenfalls unterstützt.

Apropos Strom sparen: Sony verbaut einen 5.000 mAh großen Akku und verspricht eine Laufzeit von zwei vollen Tagen beziehungsweise 36 Stunden Video-Wiedergabe. Vergleichbare Smartphones sollen laut Sony lediglich 24 bis 28 Stunden erreichen, das eigene Vorgängermodell soll sogar nur halb so lange Video abspielen. Geladen wird der Akku wie üblich per USB-C, wobei das Xperia 1 VI keine besondere Schnellladetechnik unterstützt. Immerhin verspricht Sony ein Laden auf 50 Prozent innerhalb von 30 Minuten (das entspricht rechnerisch 18 W Ladeleistung). Drahtlosladen mit dem Qi-Standard ist ebenfalls möglich, auch "rückwärts", womit sich beispielsweise Ohrhörer drahtlos am Smartphone aufladen lassen. Sony verspricht dank "Adaptive Charging" und neuen Materialien zudem eine verlängerte Lebensdauer des Akkus. Laut Sony soll dieser vier Jahre lang in gutem Zustand bleiben.

Neben der USB-C-Buchse bietet das Xperia 1 VI zudem einen 3,5 mm Klinken-Kopfhöreranschluss, was in dieser Klasse höchst selten ist. Dabei sollen besonders hochwertige Audio-Schaltkreise zum Einsatz kommen. Ebenfalls hervorgehoben werden die lauten, nach vorne abstrahlenden Stereo-Lautsprecher.

Neben den Audio-Fähigkeiten ist auch die Kamera ein Highlight beim Xperia. So bietet Sony als einziger Hersteller einen echten Kamera-Auslöser an seinen Smartphones. Das Xperia 1 VI besitzt eine F1,9 lichtstarke Hauptkamera mit einer kleinbildäquivalenten Brennweite von 24 Millimeter. Der große 1/1,35"-Sensor löst 52 Megapixel auf, von denen 48 Megapixel effektiv genutzt werden. Standardmäßig findet ein Pixel-Binning auf 12 Megapixel statt, es kann aber wahlweise auch die volle Auflösung gespeichert werden. Zudem lässt sich die Kamera auf 48 Millimeter "umschalten", wobei es sich letztlich um ein Digitalzoom handelt, das die inneren 12 Megapixel des Sensors nutzt. Das Besondere am Exmor-T-Sensor ist sein Aufbau in mehreren Schichten, wobei Fotodiode und Fototransistor direkt übereinander statt nebeneinander liegen, was für eine verdoppelte Lichtausbeute und geringeres Rauschen sorgen soll. Technisch ist die Hauptkamera damit identisch zum Vorgängermodell.

Dasselbe gilt für die Ultraweitwinkelkamera: Mit einer Lichtstärke von F2,2 wird ein kleinbildäquivalenter Bildwinkel einer 16mm-Kamera aufgenommen, beim Sensor handelt es sich um einen rückwärtig belichteten 1/2,5" Exmor RS mit 12 Megapixeln Auflösung. Die Telekamera ist hingegen neu: Es handelt sich um eine Periskopoptik mit optischem 2,3-fach-Zoom von 75 bis 170 Millimeter Kleinbildäquivalent mit einer Lichtstärke von immerhin F2,3-3,5. Bezogen auf die 24mm-Hauptkamera ergibt sich sogar ein 7,1-fach-Zoom, im Vergleich zur Ultraweitwinkelkamera ist es ein 10,6-fach-Zoom.

Dank der Periskopbauweise liegt das Telezoom im Smartphone, was die flache Bauweise trotz der verhältnismäßig großen Telebrennweite erlaubt. Dass die Brennweite so lang sein kann, liegt aber auch am winzigen 1/3,5"-Sensor, ebenfalls ein Exmor RS mit 12 Megapixeln Auflösung. Zumindest bei Tage und Sonnenschein sollte er ganz passable Telefotos mit echtem Zoom ermöglichen. Ebenfalls nicht zu verachten sind die sehr guten Makrofähigkeiten des Telezooms mit vier Zentimeter Mindestfokusabstand.

Bei allen Linsen der Objektive kommt übrigens Zeiss-Technik zum Einsatz. Zudem sind alle Kameras mit einem optischen Bildstabilisator ausgestattet, der bei Videoaufnahmen von einem digitalen Bildstabilisator ergänzt wird. Zu den Videofähigkeiten gehört etwa eine 4K120-HDR-Videofunktion. Eine Frontkamera für Selfies oder Videoanrufe gibt es ebenfalls. Sie bietet ein 24mm-Kleinbildäquivalent bei einer Lichtstärke von F2,0. Beim 1/2,9"-Sensor handelt es sich ebenfalls um einen Exmor RS mit 12 Megapixeln Auflösung.

Bei allen Kameras kommt "Alpha"-Technik zum Einsatz, was insbesondere auf den Autofokus mit 399 Fokuspunkten samt Real-Time-Tracking zutrifft. Erkannt werden Menschen und Tiere sowie jeweils die Augen. Zudem sorgt eine künstliche Intelligenz für die Erkennung der Pose von Menschen sowie die Erkennung des Hauptmotivs. Auch bei der Belichtungs- und Weißabgleichs-Automatik kommt künstliche Intelligenz zum Einsatz.

Bei der Kamera-App räumt Sony radikal auf: Kommen bisher drei unterschiedliche Apps für normale Fotos, Profi-Fotos und Profi-Videoaufnahmen zum Einsatz, sollen die beiden Pro-Apps nun mit der Kamera-App verschmolzen werden. Die unterschiedlichen Modi lassen sich mit einem einfachen Wischen umschalten.

Interessant für Besitzer einer Alpha-Systemkamera dürfte die Möglichkeit sein, das Sony Xperia 1 VI als externen Monitor einsetzen zu können. Speziell dafür gibt es eine Halterung für den Blitzschuh und ein kurzes USB-C-Kabel mit Winkelsteckern. Auch als externer Speicher kann das Xperia eingesetzt werden.

Das Sony Xperia 1 VI vereint damit praktisch alle Stärken des Sony-Konzerns in einem Gerät, denn aus sämtlichen Sparten wird entsprechende Technik beigesteuert: Walkman/Hi-Resolution-Audio-Technik aus dem HiFi-Bereich, Displaytechnik aus den Bravia-Fernsehern und eben Kameratechnik aus den Alpha-Kameras.

Im Juni 2024 soll das Sony Xperia 1 VI in den Farben Schwarz, Khaki und Platin-Silber zu einem Preis von knapp 1.400 Euro auf den Markt kommen. Wer bis 31. Mai vorbestellt, soll den Noise-Cancelling-Kopfhörer Sony WH-1000XM5 (Straßenpreis rund 300 Euro) gratis dazubekommen.

Sony Xperia 1 VI Produktvorstellung

Artikel-Vorschläge der Redaktion