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Sitzung oder Schulung als Hybrid-Veranstaltung durchführen

Seite 2 von 2, vom 2021-12-14, aktualisiert 2022-11-30 (Autor: Jan-Markus Rupprecht)Zur Seite 1 wechseln

Als Mikrofon fürs Publikum hatte das Rode Wireless Go seine Premiere und funktionierte auch gut. Ich habe den "Puschel" draufgesteckt, damit die Leute überhaupt wussten, wo bei dem Ding oben und unten ist und wo sie reinsprechen sollten. In Verbindung mit Zoom fiel auf, dass man erstens relativ laut sprechen sollte (ist in dem Rahmen ja sowieso angemessen, die anderen Leute im Raum wollen den Sprecher ja auch verstehen) und zweitens das Mikrofon relativ dicht an den Mund halten sollte (80 Zentimeter entfernt vom Mund entfernt reicht nicht). Über den Kopfhörer am "Kontrollmonitor"-Tablet konnte ich die Unterschiede gut hören.

Manuell Scharfstellen über den Kontrollmonitor Beim Scharfstellen auf einzelne Teilnehmer in den vielen hintereinander gestaffelten Sitzreihen tat sich die Sony Alpha 7 III verständlicherweise recht schwer. Sicherlich hätte man der Kamera per Fingertipp an der richtigen Stelle auf dem Touch-Display auf die Sprünge helfen können. Ich habe mich dennoch fürs manuelle Scharfstellen entschieden, das mir hier einfacher und zuverlässiger erschien. Als "Scharfstell-Monitor" ist mir der relativ kleine Monitor der Kamera aber einfach zu klein, ich benutze da lieber den Sucher. Die Kontrolle und Feinjustage funktionierte dabei auch wunderbar über das als Kontrollmonitor mitlaufende 10-Zoll-Tablet. In der Sprecher-Ansicht von Zoom nimmt der gerade aktive Sprecher den ganzen Bildschirm ein und bei sehr guter Internet-Verbindung ist auch die Qualität so gut, dass man die Schärfelage gut sehen und sogar korrigieren kann.

Umgekehrt sehr gut zu hören waren die online zugeschalteten Teilnehmer über den per Bluetooth mit dem Laptop verbundenen Lautsprecher Harman Kardon Go Play. Je nach eingestellter Lautstärke übertönten die externen Teilnehmer spielend die vor Ort anwesenden und waren jederzeit klar und deutlich zu hören. Ich hatte ja gehofft, dass das gut klappen würde, aber dieses Ergebnis hat meine Erwartungen noch deutlich übertroffen. Zudem erscheinen die Online-Teilnehmer dabei auf der großen Leinwand – sogar formatfüllend in der Sprecheransicht, wenn nicht gerade eine Bildschirmfreigabe läuft. Auf diese Weise konnten die externen Teilnehmer nicht nur als Zaungäste an der Sitzung teilnehmen, sondern sich jederzeit mit Wortbeiträgen für alle gut verständlich in die Diskussion einklinken. Das hat wirklich extrem gut funktioniert!

Super-Zoom und Richtmikrofon

Im zweiten Jahr kam statt der Sony-Vollformatkamera eine Panasonic Lumix GX9 zum Einsatz. Für das Micro-Four-Thirds-System gibt es Reisezoom-Objektive mit extremem Zoomfaktor, die zudem bezahlbar sind und für diesen Einsatzzweck qualitativ völlig ausreichen. Ehrlicherweise muss man sagen, dass die edle Sony-Vollformat-Kamera für die Anwendung in einer Zoom-Konferenz eigentlich "viel zu schade" ist bzw. ihre Qualitäten überhaupt nicht ausspielen kann und die durch den großen Sensor bedingte geringe Schärfentiefe die Verwendung sogar schwierig macht, denn da muss die Schärfe schon ziemlich genau "sitzen".

Für den Zweck solcher Videokonferenzen hatte ich während des Jahres ein Olympus 24-200mm-Objektiv besorgt, das Objektiv mit dem größten Zoomfaktor, das ich finden konnte. Es ist nicht besonders teuer und qualitativ als Reisezoom natürlich mit Einschränkungen behaftet. Dennoch hatte es auch in freier Wildbahn zwischenzeitlich schon mehr Einsätze, als ich erwartet hätte. Für solche Videokonferenz-Anwendungen ist es qualitativ allemal mehr als ausreichend. Tatsächlich konnten nun auch die Leute in der letzten Reihe herangezoomt werden, wobei auch für die vorne sitzenden Teilnehmer ausreichend Weitwinkel vorhanden war. Auch die Panasonic GX9 bewährte sich gut. Zur Dauerstromversorgung war allerdings die Anschaffung eines Strom-Kupplers samt Netzgerät nötig, weil diese Kamera leider nicht über USB betrieben (sondern nur geladen) werden kann.

Auch beim Ton wollte ich etwas anderes ausprobieren. Zwar hätte mittlerweile ein weiteres Funk-Mikrofon-Set zur Verfügung gestanden, aber das Durch-die-Reihen-Gereiche der Mikrofone ist doch etwas anstrengend und kostet Zeit (fördert allerdings die Betrags-Disziplin). Versuchen wollte ich, ob das auch mit einem Richtmikrofon gut funktioniert und hatte aus dem Redaktionsbestand das Comica Traxshot Mikrofon mit eingepackt. Dieses wird im Blitzschuh auf der Kamera montiert und mit einem 3,5mm-Klinkenkabel mit dem Mikrofoneingang der Kamera verbunden. Einen solchen hat die kleine Panasonic GX9 allerdings gar nicht, was hier wiederum keine Rolle spielte, da ich das Mikrofon ersatzweise einfach mit einem 1,5 m langen Klinkensteckerkabel mit dem zweiten Mikrofoneingang des ATEM Mini Pro verbinden konnte.

Das Comika Traxshot Mikrofon bewährte sich in der Richtmikrofon-Stellung (beide Mikrofone parallel nach vorne ausgerichtet) bei der Raumgröße (bis 60 Personen) und der anwesenden Teilnehmerzahl (30 Personen) sehr gut. Natürlich ist die Sprachverständigung mit einem Funkmikrofon besser. Dies gilt aber auch nur für die Person, die das Funkmikrofon gerade in der Hand hält. Alle anderen Personen, die etwas sagen, können dann von den Fernteilnehmern überhaupt nicht verstanden werden. Das Mikrofon muss also ständig herumgereicht werden.

Mit dem Richtmikrofon ist es hingegen so, dass alle Leute einigermaßen zu verstehen sind. Wenn der Redner klar und deutlich spricht, war die Qualität völlig ausreichend. Leise nuscheln geht natürlich nicht. Durcheinanderreden ebenso wenig. Wenn aber zwei oder mehr Teilnehmer sich abwechselnd in eine Diskussion einbringen, ist dies für die Remote-Teilnehmer ausreichend verständlich und es müssen keine Mikrofone hin und her gereicht werden. In größeren Räumen und bei mehr Teilnehmern (= mehr Geräusche) funktioniert es mit einem Richtmikrofon aber sicherlich nicht. Bei noch weniger Teilnehmern dafür umso besser.

Ton über Bluetooth-Lautsprecher

Eventuell fragen Sie sich, wieso es kein Problem mit Rückkopplungen oder Echos gibt in Verbindung mit dem Funkmikrofon im Publikum. Davor muss man aber in der Tat keine Angst haben, das filtert Zoom automatisch heraus und gibt den eigenen Ton auf dem eigenen Laufsprecher gar nicht wieder. Das ist im Prinzip nichts anders, als wenn Sie zuhause mit Mikrofon und Lautsprecher an einem Zoom-Meeting teilnehmen. Gleichzeitig hören Sie alle anderen Teilnehmer gut und die Teilnehmer hören Sie – mit dem kleinen Unterschied, dass hier statt einer gleich 25 Personen vor dem Rechner respektive vor der Leinwand saßen.

Bei der Bildschirmfreigabe ergab sich am ersten Tag die Situation, dass der Redner lieber seinen eigenen Laptop benutzen und freigeben wollte, während wir es am zweiten Tag so gemacht haben, wie von mir geplant, d. h. die Präsentation lief auf meinem Rechner. Ehrlich gesagt erwies sich die erste Variante (die eigentlich von mir nicht geplante) als die Bessere. Der Teilnehmer wählt sich dazu einfach selbst mit seinem Rechner via Internet in die Zoom-Konferenz ein und gibt seinen Bildschirm frei, schaltet aber sein Mikrofon stumm (extrem wichtig, sonst gibt es sofort die befürchtete Rückkopplung) und seine Kamera aus (nicht wichtig).

Kamerabild und Ton kommen dann übers ATEM Mini in die Zoom-App auf dem "Regie-Laptop", die Präsentation aber über den Laptop des Sprechers, der seine Präsentation auch mit allen Zusatzfunktionen (z. B. Powerpoint Präsentationsnotizen) verwenden und bei Bedarf auf seinem Rechner direkt in der Präsentation oder in gemeinsam erarbeiteten Inhalten arbeiten kann. Das über den "Regie-PC" laufen zu lassen, ist hingegen nicht so schön, selbst mit einer zweiten Tastatur und Maus wäre das nicht ideal. Es ist dann auf dem Regie-PC neben der Zoom-Steuerung inkl. Chat, Teilnehmer stummschalten usw. einfach zu viel los. Für die Präsentation würde ich das nächste Mal auf jeden Fall einen zweiten Laptop verwenden und als Zoom-Teilnehmer in die Konferenz einbinden, wenn nicht der Sprecher selbst seinen eigenen Laptop oder seinen eigenen Tablet-PC mitbringt.

Optimierungsmöglichkeiten

Was würde ich noch nächstes Mal anders machen? Was sollten wir beim nächsten Hybrid-Meeting verbessern? Im ersten Jahr hatten wir uns ein weiteres Funkmikrofon gewünscht, dieses hatte ich dann aber erfolgreich durch ein Richtmikrofon ersetzt und gar kein Funkmikrofon im Publikum genutzt. Welcher Weg besser ist, wird von den individuellen Gegebenheiten und von der Disziplin der Teilnehmer abhängen. Auch eine Kombination aus beidem – zwei Funkmikrofone plus ein Richtmikrofon – kann Sinn ergeben. Im Zweifel nimmt man aber einfach das Equipment, das man gerade hat. Wenn man sich aber für Funkmikrofone entscheidet, sollte man im Publikum wenigstens zwei Stück haben, damit dort wenigstens zwei Leute miteinander Diskutieren können.

Der Versuch, den Redner mit dem freigewordenen Rode Funkmikrofon auszurüsten, brachte im Grunde keinerlei Vorteil, sondern nur eine weitere mögliche Fehlerquelle (den Akku im Funkmikrofon-Sender). Solange der Redner halbwegs in der Nähe des Rednerpultes war, nahm das einfache kabelgebundene Mikrofon dessen Stimme jederzeit ausrechend gut auf.

Auch ein Richtmikrofon auf der Publikums-Kamera würde ich nächstes Mal ausprobieren, ohne allzu viel Hoffnung zu haben, dass dadurch nicht zu viele Störgeräusche ("Gemurmel", Gespräche im Saal, deren Ton man eigentlich nicht übertragen will) mit aufgenommen werden. Wenigstens bei Beiträgen von Personen im näheren Umfeld könnte das ausreichen, diese bräuchten dann vielleicht kein Funkmikrofon gereicht bekommen.

Des Weiteren ist der Brennweitenbereich der Publikumskamera ein Problem. Wenn ich die Kamera nächstes Mal wieder selbst aus der ersten Reihe bedienen wollte, bräuchte ich eigentlich einen Zoombereich von 24 oder 28 mm bis mindestens 300 mm Kleinbildäquivalent, und zwar an einer Kamera mit Clean-HDMI und USB-Dauerstromversorgung. Da wird die Luft schon ganz schön dünn. Alternativ kann man die Kamera natürlich einfach etwas weiter weg aufstellen, dann wäre 70 bis 300 mm ein guter Zoombereich, dann ist aber eine separate Person für die Kamerabedienung nötig (was generell nicht schlecht wäre). Die dritte Möglichkeit wäre es, den "Regietisch" mitsamt Kamera etwas abseits aufzubauen. Sicherlich auch eine Möglichkeit, die dann allerdings diverse längere Kabel voraussetzt.

Lange Kabel besorgen

Lange Kabel sind bei der Aktion äußerst wichtig. Die vorhandenen Kabel reichen für solche Veranstaltungen wahrscheinlich nicht aus. Wer eine solche Anwendung wie die hier beschriebene auf sich zukommen sieht, bestellt am besten sofort mal einige passende HDMI-Kabel und USB-Kabel in fünf Meter und in sieben Meter oder länger. Bei den Micro-HDMI-Steckern sind übrigens solche ideal, die ein möglichst kleines Stecker-Griffstück haben, denn oft befindet sich direkt neben der HDMI-Buchse die USB-Buchse zur Stromversorgung und das kann ganz schön eng werden. Ein 5m-Micro-HDMI-Kabel und ein 5m-USB-C-Kabel zu besitzen heißt leider noch lange nicht, dass diese nebeneinander in die Kamera passen. Das sollte man unbedingt vorher ausprobieren!

Ich bin es mittlerweile übrigens leid, Micro-HDMI-Kabel in allen möglichen Längen zu kaufen und bin zwischenzeitlich dazu übergegangen, nur noch MicroHDMI-Stecker-auf-HDMI-Buchse-Adapterkabel zu kaufen und alle langen HDMI-Kabel haben einfach zwei normale, große HDMI-Typ-A-Stecker. Das ist in der Summe flexibler, weil man mit den langen Kabeln dann nicht nur Kameras verbinden kann, sondern auch entfernte Fernseher oder Videoprojektoren.

Auch bei der Stromversorgung empfehle ich: Unbedingt vorher ausprobieren, ob die gewählten Netzteile die Kameras betreiben können, ohne dass sich der Kameraakku langsam stetig entleert. Selbst die kleine GoPro Actioncam zieht im HDMI-Kamerabetrieb so viel Strom, dass ein leistungsschwaches 0,5A-USB-Netzteil nicht dafür ausreicht. Deshalb sollte man die gewählte Konfiguration unbedingt vorher einem Dauertest in der Länge der geplanten Veranstaltung unterziehen. Auch die Funkmikrofone können ein Nadelöhr sein. Obwohl Rode "bis zu 7 Stunden" Betriebsdauer verspricht, hat unser noch jungfräuliches Funkmikrofon am ersten Abend nach 5 Stunden schlapp gemacht (im zweiten Jahr hielt es 6 Stunden durch). Abhilfe schafft es, den Sender in der Pause zwischendurch mal abzuschalten und wenigstens einige Minuten nachzuladen. Der Empfänger sollte ohnehin dauernd an der Stromversorgung hängen, dann kann da schonmal nichts passieren.

Bei vielen Teilnehmern: Zweiter Projektor

Bei mehr als nur rund 10 bis 20 Online-Teilnehmern wäre auf jeden Fall ein zweiter sehr großer Monitor/Fernseher oder ein zweiter Videoprojektor sinnvoll. Dies ist vor allem dann sinnvoll, wenn mehr oder weniger die ganze Zeit ein Bildschirm geteilt wird und der Haupt-Projektor dann nur wenig Platz für die Kamerabilder der von außen zugeschalteten Teilnehmer bietet. Mehr als fünf bis sieben Zoom-Teilnehmer kann man zusätzlich zur Bildschirmfreigabe nicht anzeigen. Allerdings haben bei solchen Veranstaltungen erfahrungsgemäß die meisten Leute ihre Kamera meisten aus bzw. schalten sie nur ein, wenn sie selbst etwas sagen. Dennoch wäre es natürlich schön, wenn die Teilnehmer im Saal auch sehen, wer alles von außen zugeschaltet ist, was im Chat passiert, usw.

Bei mehr als zehn via Zoom zugeschalteten Teilnehmern kann es auch sinnvoll sein, wenn eine Person nur den Zoom-Arbeitsbereich im Auge behält, den Chat betreut und darauf achtet, wer dort Handzeichen gibt. Ideal wären insgesamt drei Personen im Saal, die die Veranstaltung technisch betreuen.

  • Eine Person am ATEM Mini, der, sofern räumlich möglich, auch die Publikums-Kamera bedient und den Kontrollmonitor im Blick und gelegentlich per Kopfhörer am Ohr hat.
  • Eine Person, die für die Mikrofone im Saal zuständig ist und diese an die Personen gibt, die etwas sagen wollen.
  • Und eine Person, die sich inhaltlich um die Zoom-Teilnehmer kümmert, inkl. Chat, Abstimmungen, Handzeichen usw.

Alle drei Personen sind dann auch nicht zu stark eingespannt und können parallel auch selbst noch gut an der Veranstaltung teilnehmen.

Ansprüche nicht zu hoch setzen

Meiner persönlichen Meinung nach sollte man übrigens bei einer solchen Veranstaltung im nicht-kommerziellen Bereich die eigenen Ansprüche nicht zu hoch schrauben. Eine perfekte Hybrid-Konferenz mit hunderten Teilnehmern erfordert sicherlich mehr Aufwand. Wenn es aber in erster Linie darum geht, maximal einigen Dutzend Personen eine Teilnahme aus der Ferne an einer solchen Veranstaltung zu ermöglichen, dann muss nicht alles perfekt sein. Wichtig ist, dass die Online-Teilnehmer alles gut verstehen können – auf einen guten Ton würde ich am meisten achten. Ob die Sprecher dann in ganzer Pracht für die Online-Teilnehmer zu sehen sind, ist hingegen weniger wichtig.

Das Feedback der Teilnehmer vor Ort und auch der Online-Teilnehmer per Zoom war übrigens durchweg positiv. "Ich hätte nicht gedacht, dass das so gut funktioniert" und "Das hat ja richtig gut geklappt." waren typische Kommentare. In diesem Sinne: Viel Erfolg bei Ihrer ersten Hybrid-Veranstaltung!

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Jan-Markus Rupprecht

Jan-Markus Rupprecht, 58, fotografiert mit Digitalkameras seit 1995, zunächst beruflich für die Technische Dokumentation. Aus Begeisterung für die damals neue Technik gründete er 1997 digitalkamera.de, das Online-Portal zur Digitalfotografie, von dem er bis heute Chefredakteur und Herausgeber ist. 2013 startete er digitalEyes.de als weiteres Online-Magazin, das den Bogen der digitalen Bildaufzeichnung noch weiter spannt.