Rubrik: Motive und Situationen

Porträt-Fotografie – Teil 2: Das Shooting

2009-06-01 Der Termin steht, der Modelvertrag ist unterschrieben, und das Konzept ist geklärt. Nun geht es an die Vorbereitungen für das Shooting. Ist ein(e) Visagist(in) mit von der Partie, muss bedacht werden, dass das Schminken und Frisieren des Modells Zeit in Anspruch nimmt – mehr oder weniger. Dies ist also in die Zeitplanung mit einzubeziehen. Nicht zu vergessen ist (wenn vorhanden) das Notizbuch mit den Skizzen, das Storyboard oder Notizen zum Shootingkonzept. Das benötigte Material sollte bereit liegen, und dann kann es auch schon losgehen. Bei aller Technikverliebtheit sollte man aber nie die Befindlichkeit des Modells vergessen. So sollten für das Shooting auch Getränke – aber keinesfalls alkoholische – bereitgestellt werden. Auch frisch geladene Akkus und freie Speicherkarten müssen mitgebracht werden und möglichst ein Laptop, um Fotos gleich betrachten zu können.  (Harm-Diercks Gronewold)

Harte Schatten durch direkte Sonneneinstrahlung [Foto: Harm-Diercks Gronewold] Oftmals verschwinden Fotografen – gerade bei den ersten Shootings – hinter der Kamera und versuchen stumm, ihr Konzept umzusetzen. Tatsächlich aber ist es ganz wichtig und dienlich, mit dem Modell zu reden und dabei Augenkontakt zu halten. Gerade Einsteigermodelle finden sich schwer zurecht und verkrampfen, weil sie Angst haben, etwas falsch zu machen; bei erfahrenen Modellen ist es meist so, dass sie sich in eine erklärte Situation hineinversetzen können und dann selbst "losposieren". Hilfreich für Modelle, egal ob Einsteiger oder Profi, ist das Verständnis für das Shootingkonzept. Denn dies hilft, sich in die Situation hineinzuversetzen und so die Posen aus dem Ärmel zu schütteln.

Damit das Shooting nicht zu verkrampft wird, empfiehlt es sich, nicht hektisch zu werden, wenn etwas mal nicht auf Anhieb klappt. So kann man ein aufgebautes Set ruhig umrunden, um zu schauen, aus welcher Perspektive man ansetzen möchte. Auch schadet es nicht, eine stabile Leiter zur Hand zu haben, damit man eine etwas erhöhte Position einnehmen kann. Dabei sollte man durchaus erklären, was man denn gerade vorhat.Leider gibt es immer wieder einige "Fotografen" die, wenn das Modell nicht so posiert, wie sie es gerne hätten, gerne mal selber "Hand" anlegen. Das ist natürlich ein großes No-Go. Wenn überhaupt, dann wird vorher gefragt, ob man das Modell in Pose "stellen" darf. Bevor man allerdings zu diesem letzten Mittel greift, kann man die Pose auch selber vormachen, das mag zwar merkwürdig aussehen, ist aber sehr anschaulich und trägt auch ungemein zur Auflockerung bei. Durch unerlaubtes Anfassen des Modells – selbst wenn es "harmlos" erscheint – kann man schnell sein Vertrauen verlieren, und dann ist das Shooting eigentlich geplatzt. Wenn man meint, es ginge nicht ohne "Anfassen", dann fragt man höflich vorher und ist nicht eingeschnappt, wenn die Antwort "nein" lautet. Das Fragen gilt auch bei profanen Dingen wie z. B. Haare aus dem Gesicht streichen etc.

Weiche Schatten durch durch Diffusoreinsatz [Foto: Harm-Diercks Gronewold] Die meisten Einsteiger werden ihre ersten Porträtaufnahmen draußen in "freier Wildbahn" machen, und das passt eigentlich zu jeder Jahreszeit. Tückisch ist hier strahlender Himmel, denn die Verlockung, direkt in die Sonne zu gehen, ist groß. Doch folgende Probleme sollten bedacht werden. Zum einen ist der Einsteiger versucht, seine Modelle so zu stellen, dass sie möglichst von der Sonne angestrahlt werden. Das führt dazu, dass sie schnell die Augen zukneifen und ein verkrampftes Gesicht machen. Auch führt Sonne schnell zu harten Schatten. Besser ist es, das Modell NICHT in die direkte Sonne zu stellen, sondern ein wenig in den Schatten. Das führt zu weicheren Schatten und zu kontrollierten Gesichtsausdrücken beim Modell. Dafür fehlt dann aber der Eindruck der Sonne. Hier könnte man blitzen, oder man greift auf einen Reflektor zurück. Setzt man einen Reflektor ein, sollte man allerdings einen Assistenten zur Verfügung haben, der vorher am besten schon geübt hat, das Sonnenlicht in die richtige Richtung zu lenken. Als Reflektoren kann man nicht nur professionelle Lösungen (etwa von Lastolite oder California Sunbounce, siehe weiterführende Links) in Betracht ziehen. Zum Anfang reicht oft eine zerknüllte und auf ein Stück Pappe aufgezogene Rettungsdecke (gold/silber). Das Zerknüllen ist wichtig, damit die Decke nicht wie ein Spiegel wirkt und erneut zu harte Schatten wirft. Auch gut geeignet sind weiße, etwa 5 cm dicke Styroporplatten aus dem Baumarkt. Diese sind zwar etwas sperriger, jedoch günstig und erledigen den Job einwandfrei – auch sind sie im Studio hervorragend einzusetzen. Und wenn man eine der beiden Seiten mit schwarzer Abtönfarbe streicht, dann hat man auch gleich etwas zum Abdunkeln. Übrigens sind Reflektoren zum Einsatz bei jedem Wetter bestens geeignet.

Nach dem Shooting kann man noch einmal eine Nachbesprechung machen und zusammen Bilder sichten und entscheiden, welche Fotos favorisiert werden. Besonders für Einsteigermodelle ist diese Situation oft ungewohnt. Hier helfen dann freundliche und aufbauende Kommentare, welche allerdings nicht in die Richtung "Honig ums Maul schmieren" tendieren sollten.

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Harm-Diercks Gronewold

Harm-Diercks Gronewold, 50, ist gelernter Fotokaufmann und hat etliche Jahre im Fotofachhandel gearbeitet, bevor er 2005 in die digitalkamera.de-Redaktion kam. Seine Schwerpunkte sind die Produktdatenbanken, Bildbearbeitung, Fototipps sowie die Berichterstattung über Software und Zubehör. Er ist es auch, der meistens vor der Kamera in unseren Videos zu sehen ist und die Produkte vorführt.