Rubrik: Motive und Situationen

Luftfahrtfotografie – Teil 1: Mit der richtigen Technik zum Ziel

2008-09-22 Das große, mehrere hundert Tonnen schwere Passagierflugzeug steht am Ende der Startbahn und wartet auf die Freigabe durch den Tower. Die Triebwerke heulen auf, die Maschine bewegt sich, immer schneller werdend, die Piste entlang, bis sie sich majestätisch und scheinbar schwerelos in den Himmel erhebt. Es gibt kaum jemanden, der sich bei solch einem Anblick der Faszination der Fliegerei entziehen kann. Immer mehr machen daraus ein eigenes Hobby und widmen sich der Luftfahrtfotografie. Wie aber setzt man Flugzeuge fotografisch in Szene? Dieser erste Teil des digitalkamera.de-Fototipps behandelt die technischen Aspekte, der zweite Teil wird gestalterische Anregungen geben.  (Sascha Stewen)

Die richtige Belichtung ist mit dem Himmel als Hintergrund häufig sehr schwierig [Foto: Sascha Stewen]Für die einfachste Art, Flugzeuge zu fotografieren, reicht ein Schritt vor die Haustür. Es gibt kaum eine Gegend in Mitteleuropa, in der man nicht wenigstens gelegentlich ein Flugzeug am Himmel sieht. Die Qualität solcher Aufnahmen lässt aufgrund der großen Distanz und der eingeschränkten Wahl der richtigen Perspektive eher zu wünschen übrig. Für gute Bilder bleibt also nur der Weg zum nächsten Flugplatz oder Flughafen, oder der Besuch einer Flugschau. In beiden Fällen kommt man den Luftfahrzeugen deutlich näher, trotzdem ist der Abstand noch so groß, dass für die meisten Aufnahmen große Brennweiten notwendig sind. Diese gibt es zwar auch in Kompaktkameras; bei größerem Interesse an diesem Bereich der Fotografie empfiehlt sich jedoch – aufgrund der höheren Bildqualität und der größeren Flexibilität – die Anschaffung einer digitalen Spiegelreflexkamera mit entsprechenden Objektiven.

Für den Einstieg in die Flugzeugfotografie ist ein Teleobjektiv mit 300 mm bis 400 mm (KB-äquivalenter) Brennweite eine gute Wahl. Damit lassen sich an den meisten Flughäfen und auch auf Flugtagen ansehnliche Ergebnisse erzielen. Nach oben sind kaum Grenzen gesetzt. Allerdings nimmt mit den größeren Distanzen zum Objekt auch der Einfluss der Umwelt auf das Bild zu, und die Qualität sinkt durch Dunst, Staub und Dreck in der Luft. In den meisten Situationen reichen 500 mm bis 600 mm (KB-Äquivalent) auch für Fotos über größere Distanzen.

Die teilweise großen Distanzen erfordern für detailreiche Fotos lange Brennweiten [Foto: Sascha Stewen]Die richtige Belichtung von Flugzeugen am Himmel ist ein Thema, das besonderer Aufmerksamkeit bedarf. Auch wenn die Sonne selbst nicht in Richtung des Motivs zu sehen ist, tritt besonders bei klarem Himmel eine Gegenlichtsituation auf. Der Himmel strahlt diffus und täuscht damit in den meisten Fällen die Belichtungsmessung der Kamera, sofern diese auf Mittenbetont oder Integral gestellt ist. Auf Grund dessen wird der Himmel korrekt, das Motiv aber zu dunkel belichtet. Um dieses Problem zu lösen, gibt es zwei praktische Möglichkeiten, die jeweils Vor- und Nachteile bieten. Die einfachste Variante ist die Spotbelichtung direkt auf das Motiv, also das Flugzeug, sofern die Kamera diese Belichtungsmessung anbietet. Somit wird sichergestellt, dass das mittig angeordnete Objekt, in diesem Fall das Flugzeug, genau belichtet wird und der helle Himmel keinen Einfluss hat. Der große Nachteil bei dieser Art der Messung ist aber die Grundbedingung, dass das Flugzeug sich mittig im Bild befinden muss. Sie lässt also wenig Spielraum für eine interessantere Bildkomposition. Ebenso problematisch ist diese Methode, wenn mehr als ein Flugzeug fotografiert werden soll. Dann liegt in der Bildmitte oftmals der freie Himmel, während sich die Flugzeuge um das Zentrum herum platzieren.

Die zweite Methode ist die automatische Belichtung mit manueller Korrektur. Der Vorteil dieser Variante ist die Flexibilität und die einfache Handhabung. Auch bei sich ständig änderndem Wetter und den damit verbundenen Lichtbedingungen ist kein Eingreifen notwendig. Nur wenn sich die Lichtsituation grundlegend ändert, muss die manuelle Korrektur geändert werden. Der Nachteil allerdings ist, dass eine gewisse Erfahrung bei der Korrektur notwendig ist. Außerdem muss bei einem Wechsel des Hintergrundes, zum Beispiel bei der Aufnahme eines Flugzeuges am Boden, die Korrektur deaktiviert werden. Feste Vorgaben für die Korrektur gibt es dementsprechend nicht, aber eine Überbelichtung des Bildes um eine Blende (+1 EV) ist ein Anfang für die jeweilige Feinabstimmung.

An jedem Flughafen finden sich alltägliche, und doch interessante Motive [Foto: Sascha Stewen]Eine einfache Faustregel in der Fotografie besagt, dass die Verschlusszeit dem Kehrwert der Brennweite, dividiert durch den Formatfaktor entsprechen sollte, um Verwacklungen zu vermeiden. Bei einer Brennweite von 300 mm und einem Formatfaktor von 1,5 sollte die Verschlusszeit also mindestens 1/450 Sekunde betragen. Diese Regel hat natürlich auch in der Luftfahrtfotografie ihre Gültigkeit, sollte jedoch aufgrund anderer Einflüsse nicht als absolut betrachtet werden. Denn bei propellergetriebenen Flugzeugen mindert eine kurze Verschlusszeit nicht nur die Verwacklungsgefahr und friert die Bewegung des Flugzeuges ein, sondern auch die der Propeller. Das eigentlich dynamische Flugzeug wirkt dadurch statisch und bewegungslos. Um dies zu vermeiden, muss die Verschlusszeit verlängert werden. Der Bereich zwischen 1/200 und 1/400 s eignet sich für die meisten Propeller; nur sehr langsam drehende Exemplare brauchen längere Verschlusszeiten. Zu diesen langsam drehenden Exemplaren gehören zum Beispiel die Rotoren eines Hubschraubers. Hier sind Verschlusszeiten zwischen 1/150 bis 1/300 s gefragt, um eine schöne Dynamik in das Bild zu bekommen. Bei düsengetriebenen Flugzeugen, wie zum Beispiel Kampf- oder größeren Passagierflugzeugen, spielt das hingegen keine Rolle.

Diese längeren Verschlusszeiten widersprechen aber bei den notwendigen längeren Brennweiten der oben genannten Faustregel und erhöhen die Gefahr von Verwacklungen. Letztere lassen sich – außer durch kurze Verschlusszeiten – auch durch die Verwendung eines Stativs reduzieren. Dieses hat jedoch bei der Luftfahrtfotografie mehrere Nachteile, sowohl am Flughafen als auch bei einer Flugschau. Oftmals fehlt der notwendige Platz und die entsprechende Bewegungsfreiheit, um das Stativ vernünftig nutzen zu können. So wird es in Situationen, bei denen aufgrund des Winkels zum Motiv kein Stativ Verwendung finden kann, schnell zur Stolperfalle. Praxistauglicher ist da ein Einbeinstativ, doch auch dieses verursacht bei großen Winkeln über dem Horizont, wie sie bei Überflügen an Flugtagen üblich sind, Probleme. Ohne materielle Hilfsmittel kommt eine andere Methode der Verringerung von Verwacklungen aus: Verfolgt man ein Flugzeug schon weit vor dem eigentlich gewünschten Auslösezeitpunkt, so sorgt die gleichmäßige, mitziehende Bewegung für eine Stabilisation der Kamera. Zudem erzeugt diese Bewegung, analog zu der Bewegung des Motivs, bei längeren Verschlusszeiten den typischen Mitzieheffekt. Der Hintergrund verwischt, während das Motiv selbst scharf abgebildet wird. Es gehört allerdings viel Übung dazu, um mit dieser Methode sehr gute Ergebnisse zu erzielen, gerade bei nochmals deutlich längeren Verschlusszeiten. Ebenfalls hilfreich, wenn auch nicht zwingend notwendig, ist der in der letzten Zeit immer häufiger anzutreffende Bildstabilisator. Er wirkt zwar nicht gegen Bewegungsunschärfen durch die hohen Geschwindigkeiten des Motivs (hier hilft weiterhin nur die Mitziehmethode), aber er bietet eine praxistaugliche Hilfe gegen das Verwackeln. Bei der Einstellung sollte jedoch gerade für Mitzieher darauf geachtet werden, dass die horizontale Stabilisation ausgeschaltet werden kann und nur die vertikale Stabilisation aktiviert ist, um so Unschärfe aufgrund des Versuchs, die Mitziehbewegung zu kompensieren, zu vermeiden.

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