Rubrik: Motive und Situationen

Luftfahrtfotografie Teil 2: Gestaltung im dreidimensionalen Raum

2008-10-06 Der erste Teil unseres Fototipps über das Fotografieren von Luftfahrzeugen beschäftigte sich mit den technischen Grundlagen der Luftfahrtfotografie (siehe weiterführenden Link). In diesem zweiten und abschließenden Teil stehen die gestalterischen Gesichtspunkte im Vordergrund. Flugzeuge in der Luft ansprechend zu präsentieren, erfordert Erfahrung im Umgang mit schnellen Objekten und räumliches Vorstellungsvermögen. Aber auch am Boden, etwa bei Flugtagen, ist die fotografische Darstellung der Geräte ein interessantes Sujet; hier sind eher Weitwinkel-Festbrennweiten oder -Zooms gefragt.  (Sascha Stewen)

Aufnahmen, die Heck und Unterseite zeigen, sind selten sehenswert – es gibt allerdings Ausnahmen, wie diese Mustang zeigt. [Foto: Sascha Stewen]Es gibt zwei Möglichkeiten, ein Flugzeug zu fotografieren. Die erste Variante ist eine strikt technische Fotografie. Das Flugzeug soll komplett zu sehen sein, alle Details gut wahrnehmbar und möglichst freigestellt von der Umwelt. Für Fotosammler ist noch eine erkennbare Registrierung wichtig. Bei dieser Art der Präsentation steht das Flugzeug im Mittelpunkt, und künstlerische Regeln wie außermittige Platzierung und Goldener Schnitt finden keine Anwendung. Was viele so genannte "Spotter" (von engl. to spot sth. = etwas erspähen, erkennen), so die Eigenbezeichnung dieser Gruppe von Luftfahrtenthusiasten, erfreut, ist für viele künstlerische Fotografen ein Graus. Letztere bevorzugen die zweite Variante, das Flugzeug als Wesen zu erfassen und im Zusammenhang mit der Umwelt ästhetisch darzustellen. Aus diesem Grund wird oft auch von Flugzeugportraits gesprochen, während die rein technische Variante abwertend als Passfoto bezeichnet wird. Da nicht nur die Gedanken, sondern auch die fotografischen Stile frei sind, haben beide Arten ihre Berechtigung.

Um ein Flugzeug ästhetisch in Szene zu setzen, gibt es einige Regeln, die bekannt sein sollten – um sich oft daran zu halten und sie gelegentlich zu brechen. Der wichtigste Unterschied zwischen einem Flugzeug und vielen anderen Motiven ist die Bewegung in drei Dimensionen, sofern es sich in der Luft befindet. Diese Bewegung kann man im Bild sichtbar machen. Da sich Flugzeuge in der Regel nur vorwärts bewegen, sollte dementsprechend bei einem Flugzeugportrait vor dem Flugzeug mehr Platz gelassen werden als hinter der Maschine. Dies suggeriert dem Betrachter, es sei Raum zum Fliegen vorhanden. Wie groß die Unterschiede vor und hinter der Maschine sein sollten, hängt von der Geschwindigkeit ab. Ein schnittiges Kampfflugzeug mit viel Raum in Flugrichtung wirkt auch auf dem Foto schnell. Der fliegende Oldtimer hingegen kann mit weniger Platz auch langsamer dargestellt werden. Dieser Effekt kann sich jedoch auch umkehren. Befindet sich die Front einer Maschine direkt am Bildrand, während hinter dem Flugzeug viel Raum ist, wird ebenfalls Geschwindigkeit suggeriert, da es den Anschein hat, als käme selbst die Kamera nicht mehr mit. Das Bild wirkt jedoch deutlich unruhiger. Da gerade bei hohen Geschwindigkeiten eine ausführliche Komposition nicht möglich ist, wird der nachträgliche Beschnitt zu einem gängigen Mittel, die Bilder in die Form zu bringen, die ursprünglich geplant war.

In einer leichten Linkskurve zeigt diese F-16 ihre Oberseite - eine ideale Fotoposition. [Foto: Sascha Stewen]Nicht nachträglich ändern lässt sich die Ausrichtung des Motivs. Interessant und spannend sind Aufnahmen, die das Flugzeug schräg von vorne mit Blick auf die Oberseite zeigen. Damit wird das "Gesicht", also die Frontansicht inklusive Cockpit, sichtbar. Außerdem entspricht es nicht dem typischen Anblick eines Flugzeuges vom Boden aus. Um solche Aufnahmen zu erstellen, ist ein größerer Seitenabstand von Vorteil. Zudem muss der Pilot mit dem Flugzeug eine Kurve fliegen oder zumindest das Flugzeug leicht auf die Seite legen. Aus diesem Grund sind derartige Aufnahmen von Passagierflugzeugen eher selten, und die Wenigen sind meist von überhöhten Standpunkten aus geschossen. Fotos von der Unterseite oder dem Heck von Flugzeugen erscheinen meistens deutlich uninteressanter. Doch gibt es zu jeder Regel natürlich auch Ausnahmen. Gerade bei militärischen Flugzeugen sind besondere Außenlasten (Zusatztanks, Raketen oder Aufklärungsbehälter) ein gutes Motiv. Das Licht- und Farbenspiel der Flammen eines Nachbrenners kann ebenso ein interessantes Bild abgeben, und ein Flugzeug von hinten kann – zusammen mit einem passenden Hintergrund – auch eine ganz besondere Stimmung transportieren.

Der Hintergrund spielt zwar auf den ersten Blick kaum eine Rolle, trotzdem gehört auch dieser zu den beachtenswerten Punkten der Bildkomposition. Am Himmel beeinflussen Wolkenstrukturen die Stimmung im Bild; Gewitterwolken bringen gerade militärische Flugzeuge in eine passende, düstere Stimmung, heiterer blauer Himmel mit wenigen Schäfchenwolken hingegen vermittelt Urlaubsstimmung und passt gut zu einem startenden Ferienflieger. Zudem müssen Fotos von Flugzeugen nicht immer in der Luft aufgenommen werden. Auch am Boden bieten sich reizvolle Motive an, bei denen der Hintergrund ebenso wie der Vordergrund nicht unbeachtet bleiben darf. Das weitläufige Gelände eines Flughafens suggeriert oftmals einen freien Vordergrund. Trotzdem gibt es genug kleine Details, die auf einem Bild störend wirken können, zum Beispiel Markierungen entlang von Rollwegen. Das Gleiche gilt für den Hintergrund, bei dem Masten, Türme oder Baumwipfel über das Flugzeug hinaus ragen und dadurch die typische Silhouette stören. Um bei schnellen Schwenkbewegungen und Mitziehern den Vorder- und Hintergrund im Auge zu behalten, ist es sinnvoll, sich schon im voraus eine passende Stelle entlang des erwarteten Flug- oder Rollweges der Maschine zu suchen und an dieser gezielt auszulösen.

Gerade am Boden lassen sich auch ungewöhnliche Perspektiven realisieren. [Foto: Sascha Stewen]Oft ist von Flugzeugfotografen der Ausspruch zu hören: "Flugzeuge gehören in die Luft." Gemeint ist, dass ab- oder ausgestellte Maschinen fotografisch uninteressante Motive darstellen. Das genaue Gegenteil kann aber der Fall sein. Gerade bei Flugtagen bieten diese Maschinen die Möglichkeit, interessante Detailfotos zu schießen. Für diese Situationen sollte ein Weitwinkel- bis Standardobjektiv die Ausrüstung ergänzen. Auch hier bietet sich die Flexibilität eines Zoomobjektives an, welches Vorteile aufgrund der unterschiedlichen Größe der Flugzeuge bietet, allerdings in der reinen Abbildungsleistung in der Regel den Festbrennweiten unterlegen ist. Da die Flugzeuge am Boden, sofern sie nicht bewegt werden, genug Zeit für eine passende Komposition bieten, lassen sich auch unterschiedliche Perspektiven und Brennweiten ausprobieren. Typische, deshalb aber nicht weniger wirksame Aufnahmen sind zum Beispiel Frontalaufnahmen aus der Froschperspektive, die einen Eindruck von der Größe des Flugzeuges geben. Ebenfalls interessant sind Cockpitaufnahmen, für die ein starkes Weitwinkelobjektiv benötigt wird. Je näher die Aufnahmen ins Detail gehen, desto mehr rückt das Bild von der Luftfahrtfotografie ab, bis der Gesamtzusammenhang schließlich aufgrund der fehlenden Verbindung zum Flugzeug oder der Fliegerei verloren geht. Eine Aufnahme mit dem Ziel, diesen Zusammenhang zu bewahren, darf also nicht zu detailorientiert sein. An Flughäfen sind die Abstände zum Flugzeug in der Regel deutlich höher, so dass hier schon aufgrund der Distanz meist keine extremen Detailaufnahmen möglich sind. Trotzdem bieten auch Flughäfen gute Möglichkeiten, den Alltag der Fliegerei interessant, stimmungsgeladen und abwechslungsreich darzustellen.

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