Rubrik: Zubehör

Kaufberatung: Welche Speicherkarte ist die richtige für meine Kamera?

2019-09-23 SD, SDHC, SDXC, Class 6, Class 10, U1, U3, UHS II & Co – viele Bezeichnungen sorgen für reichlich Verwirrung insbesondere bei SD-Speicherkarten. Mit Ausnahme weniger XQD-kompatibler Kameras kommen von der kleinen Kompaktkamera bis zur großen Vollformat-Systemkamera oder DSLR SD-Karten zum Einsatz. Doch was bedeuten diese Bezeichnungen und welche Speicherkarte ist die richtige für meine Kamera? Warum gibt es große maximale Schreibgeschwindigkeiten und warum garantierte Mindestgeschwindigkeiten? Unser Fototipp bringt Licht ins Dunkel und hilft bei der Kaufentscheidung, die richtige Speicherkarte für den jeweiligen Anwendungsfall zu finden.  (Benjamin Kirchheim)

Dieser Fototipp erschien erstmals am 29.12.2014 und wurde im September 2019 umfassend überarbeitet und ergänzt.

  • Bild Bei SD-Karten muss man auf das Kleingedruckte achten. Welche Geschwindigkeitsklasse und damit Mindestgeschwindigkeit wird unterstützt? Wie ist die maximale Geschwindigkeit? [Foto: MediaNord]

    Bei SD-Karten muss man auf das Kleingedruckte achten. Welche Geschwindigkeitsklasse und damit Mindestgeschwindigkeit wird unterstützt? Wie ist die maximale Geschwindigkeit? [Foto: MediaNord]

Die vielen Standards und Abkürzungen aufgeschlüsselt

Den SD-Kartenstandard für Flash-Speicherkarten gibt es bereits seit 2001, er wurde von SanDisk auf Basis der Multimedia-Card (MMC) entwickelt. SD-Speicherkarten haben sich inzwischen am Markt durchgesetzt und werden von der großen Mehrheit der Kameras verwendet. Der ursprüngliche SD-Standard sah Speicherkartenkapazitäten von maximal 2 Gigabyte (GB) vor. Fünf Jahre später war die Kapazitätsgrenze erreicht und immer höher auflösende Digitalkameras verlangten nach größeren Speicherkarten, die SDHC wurde geboren. Die SDHC-Karte erlaubt Speicherkapazitäten von 4 GB bis hin zu 32 GB. Die meisten älteren Digitalkameras sind nicht zu SDHC kompatibel, obwohl die Karten dieselben Anschlüsse und Abmessungen wie SD-Karten besitzen. Die Formatierung ist jedoch eine andere (FAT32 und nicht mehr FAT16), nur für wenige Kameras gab es Firmwareupdates zur Unterstützung des neuen SDHC-Standards. Während SD-Karten heutzutage so gut wie ausgestorben sind, findet man SDHC-Karten noch sehr häufig.

Mit dem SDHC-Standard wurden so genannte Geschwindigkeitsklassen definiert. Sie garantieren eine Mindestschreibgeschwindigkeit, die unter allen Umständen erreicht wird. Es gibt Class 2, Class 4, Class 6 und Class 10. Die Zahl steht jeweils für die garantierte Mindestschreibgeschwindigkeit in Megabyte pro Sekunde (MB/s). Wichtig ist das vor allem für Videoaufnahmen, da die Kameras einen ständigen Datenstrom flüssig wegschreiben müssen. Bricht die Schreibgeschwindigkeit ein, so wird die Videoaufnahme beendet. Für Kameras mit Full-HD-Videofunktion wird mindestens eine Class 6 Speicherkarte empfohlen. Das Class-Symbol ist als eingekreiste Zahl auf der Speicherkarte zu finden.

Im Gegensatz zur garantierten Mindestschreibgeschwindigkeit geben die Hersteller auch gerne maximale Übertragungsgeschwindigkeiten an, wobei die Lesegeschwindigkeit die Schreibgeschwindigkeit oft übertrifft. Hier schummeln manche Hersteller gerne und geben den höheren Lesegeschwindigkeitswert an, während die niedrigere Schreibgeschwindigkeit oft nur im Kleingedruckten auf der Verpackung oder auf der Website des Herstellers zu finden ist. Manche nennen die Geschwindigkeit auch gerne als Faktor der einfach CD-Lesegeschwindigkeit, die bei 150 Kilobyte pro Sekunde (KB/s) liegt. Eine Speicherkarte mit der Angabe 633x erreicht beispielsweise bis zu 95 MB/s. Im Gegensatz zur garantierten Mindestschreibgeschwindigkeit kann die maximale Lese- und Schreibgeschwindigkeit oft nicht konstant gehalten werden. Für Videoaufnahmen ist das kritisch, geht es aber um das schnelle Wegschreiben von Serienaufnahmen oder aber das schnelle Auslesen der Speicherkarten im Kartenlesegerät, kann die Maximalgeschwindigkeit durchaus von Bedeutung sein.

Der aktuelle SDXC-Standard, UHS I und II sowie die Video Speed Class

Schon drei Jahre später, also 2009, bemerkte man, dass der SDHC-Standard mit bis zu 32 GB nicht ausreichen würde. Auch die Übertragungsgeschwindigkeiten, die der SD-Standard bis dahin erlaubte, reichte nicht mehr aus. Der SDXC-Standard wurde aus der Taufe gehoben, er erlaubt Speicherkapazitäten von 64 GB bis hin zu 2 Terabyte (TB, 1 TB = 1024 GB). Als Dateisystem kommt exFAT zum Einsatz, denn FAT32 unterstützt nur maximal 32 GB große Speicher. Zudem sind mit exFAT Einzeldateigrößen von mehr als 4 GB kein Problem.

Hinzu kommt der Speicherbus UHS-I und UHS-II, die 2010 und 2011 im SD-Standard aufgenommen wurden. SDXC-Karten sind physikalisch kompatibel zu SD- und SDHC-Karten, der Speicherbus von UHS-I sieht aus wie bei normalen SD-Karten, UHS-II hat zusätzliche Kontakte für höhere Übertragungsgeschwindigkeiten, wobei die Abwärtskompatibilität dafür sorgt, dass eine UHS-II-Karte auch in Geräten mit UHS-I funktioniert, dabei aber ihre volle Geschwindigkeit nicht entfaltet. Andersrum können selbst in Geräte, die SDXC UHS-II unterstützen auch UHS-I-Karten und auch alte SD-Karten verwendet werden.

  • Bild Der UHS-II-Standard erweitert die SD-Karte um eine zusätzliche Kontaktreihe, die eine höhere Schreibgeschwindigkeit erlaubt. Unterstützt wird dies allerdings lediglich von wenigen mittel- bis hochpreisigen Kameras. [Foto: MediaNord]

    Der UHS-II-Standard erweitert die SD-Karte um eine zusätzliche Kontaktreihe, die eine höhere Schreibgeschwindigkeit erlaubt. Unterstützt wird dies allerdings lediglich von wenigen mittel- bis hochpreisigen Kameras. [Foto: MediaNord]

Während der normale SD-Kartenbus im Highspeed-Modus nur 25 MB/s übertragen kann, sind es bei UHS-I bis zu 104 MB/s und bei UHS-II sogar bis zu 312 MB/s. Wie bei der Einführung des SDHC-Standards müssen die Kameras (und auch die Kartenlesegeräte) kompatibel zu SDXC sein, womit diese Karten nur in neueren Geräten funktionieren.

Auch die Geschwindigkeitsklassen werden mit dem SDXC-Standard erweitert. Sie heißen nun nicht mehr Class 10, sondern UHS Speed Class 1 und 3, abgekürzt U1 und U3. U1 entspricht dabei der "alten" Class 10 und U3 garantiert 30 MB/s Mindestschreibgeschwindigkeit. Diese neuen Geschwindigkeitsklassen können also problemlos mit UHS-I abgedeckt werden, auch SDHC-Karten mit UHS-I sind inzwischen weit verbreitet. Benötigt werden die höheren Geschwindigkeitsklassen für 4K-Videoaufnahmen. Das Logo besteht aus einem großen U mit einer kleinen Zahl darin, es ist entweder anstatt oder zusätzlich zum alten Class-Symbol auf der Speicherkarte zu finden.

Seit 2016 gibt es weitere neue Geschwindigkeitsklassen, die eigentlich speziell für Videofilmer entwickelt werden. Sie nnen sich entsprechend Video Speed Class in den Bezeichnungen V6, V10, V30, V60 und V90. V6 entspricht der alten Class 6, V10 der Class 10 beziehungsweise UHS Speed Class 10 und V30 der UHS Speed Class 30. V60 und V90 garantieren sogar eine Mindestschreibgheschwindigkeit von 60 beziehungsweise 90 MB/s, womit auch 8K-UHD-Videos mit 60 oder 120 Bildern pro Sekunde gespeichert werden können. Zwar gibt es aktuell (2019) keine Foto-Digitalkameras mit solchen Videoauflösungen, aber bei Serienbildern werden problemlos Datenübertragungsraten sogar jenseits dieser Spezifikationen erreicht.

Anfang 2017 wurde mit UHS III der Nachfolgestandard von UHS II vorgestellt, der die theoretische Übertragungsgeschwindigkeit nochmals verdoppelt, und zwar auf 624 MB/s. Bereits Mitte 2018 folgte der SDUC-Standard als Nachfolgestandard von SDXC. Damit sind Speicherkapazitäten von bis zu 128 TB möglich. Das dabei in einer ebenfalls zweiten, aber zu UHS II und UHS III nicht kompatiblen Kontaktreihe definierte SD Express erlaubt sogar Datenraten von bis zu 985 MB/s. Weder UHS III noch SDUC haben bisher (Stand September 2019) ihren Weg in kaufbare Speicherkarten oder Digitalkameras gefunden.

Fortsetzung auf Seite 2

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Autor

Benjamin Kirchheim

Benjamin Kirchheim, 41, schloss 2007 sein Informatikstudium an der Uni Hamburg mit dem Baccalaureus Scientiae ab. Seit 1998 war er journalistisch für verschiedene Atari-Computermagazine tätig und beschäftigt sich seit 2000 mit der Digitalfotografie. Ab 2004 schrieb er zunächst als freier Autor und Tester für digitalkamera.de, bevor er 2007 als fest angestellter Redakteur in die Lübecker Redaktion kam. Seine Schwerpunkte sind die Kameratests, News zu Kameras und Fototipps.