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Fotos auf 4K-Fernsehern: Google Chromecast Ultra

2018-06-21 Die Google Chromecast-Geräte sind reine Streaming-Wiedergabegeräte ohne eigene Benutzeroberfläche. Die Einrichtung geschieht über die Smartphone-App Google Home. Die eigentliche Übertragung der Fotos oder Videos erfolgt entweder direkt von einem Gerät aus, das das unterstützt (z. B. ein Smartphone) oder aus dem Internet. Wir haben untersucht, ob sich die 4K-Version der Chromecast-Geräte, der Chromecast Ultra, für die Präsentation von Fotos in hoher 4K-Auflösung eignet.  (Jan-Markus Rupprecht)

  • Bild Der Google Chromecast Ultra misst nur etwa 5,5 cm im Durchmesser und ist 1,3 cm dick. Sein kurzes, fest angeschlossenes Kabel wird in eine HDMI-Buchse im Fernseher gesteckt. Eine Micro-USB-Buchse dient der Stromversorgung per mitgeliefertem Netzteil. [Foto: Google]

    Der Google Chromecast Ultra misst nur etwa 5,5 cm im Durchmesser und ist 1,3 cm dick. Sein kurzes, fest angeschlossenes Kabel wird in eine HDMI-Buchse im Fernseher gesteckt. Eine Micro-USB-Buchse dient der Stromversorgung per mitgeliefertem Netzteil. [Foto: Google]

Smart-TV nachrüsten  Wie kommen eigentlich die eigenen Inhalte, oder generell 4K-Inhalte, in hoher Qualität auf den 4K-Fernseher? Den Anschluss des eigenen Desktop- oder Notebook-PC haben wir schon in früheren Fototipps besprochen. Eine andere Möglichkeit besteht darin, statt eines Computers ein spezielles Wiedergabegerät an einen der HDMI-Anschlüsse anzustecken, falls der Fernseher nicht schon direkt eine Smart-TV-Funktion eingebaut hat (herstellerspezifisches Smart-TV oder Android-TV). Die bekanntesten Vertreter sind Google Chromecast, Amazon FireTV und Apple TV jeweils in den 4K/UHD-Versionen, die wir jeweils in einem eigenen Fototipp auf die Anwendung für Fotografen hin untersuchen.

Der Chromecast Ultra ist die neueste Version der Chromecast-Streaming-Geräte von Google. Das Gerät kam 2016 auf den Markt und kostet 79 Euro. Das Gerät selbst ist sehr klein: 5 Zentimeter im Durchmesser und nur etwa 1 Zentimeter dick. Es hat ein kurzes, fest montiertes HDMI-Kabel und wird daran einfach hinter den Fernseher gehängt. Mit dabei und zum Betrieb auch notwendig ist ein Steckernetzteil mit schön langem Kabel. Aufgrund der relativ hohen Stromaufnahme des Chromecast Ultra empfiehlt Google den Betrieb ausschließlich mit diesem mitgelieferten Netzteil, der "normale" Chromecast mit FullHD-Auflösung lässt sich wahlweise auch über einen USB-Anschluss des Fernsehgeräts mit Strom versorgen, sodass dann kein zusätzliches Kabel hinter den Fernseher geführt werden muss. Beim Chromecast Ultra ist dafür im Netzgerät gleich eine RJ45-Netzwerkbuchse mit eingebaut, an die man ein Netzwerkkabel anschließen und dann nicht über WLAN funken muss. Das ist eine wirklich schöne Lösung. So muss man für eine Netzwerkverbinung über Kabel nicht noch zusätzlich ein Netzwerkkabel hinter den Fernseher führen.

Eine Fernbedienung liegt dem Chromecast Ultra nicht bei. Das Gerät ist wirklich fast ein reiner Streaming-Adapter, scheinbar also ein reiner Funkempfänger für Smartphones oder Tablet-Computer. Inhalte, die man dort anschauen kann, können von dort auch auf den Chromecast Ultra Adapter und somit auf den Fernseher übertragen werden. Das ist allerdings nur die halbe Wahrheit. Tatsächlich erfordert es eine App, die Chromecast-fähig ist. Solche Apps gibt es unter Android einige, unter iOS haben sie Seltenheitswert. Und tatsächlich erfolgt die Übertragung auch nicht immer nur vom Smartphone (oder Tablet) zum Chromecast, sondern das Wiedergabegerät initiiert meist nur die Verbindung. Wenn die Inhalte im Internet liegen, stellt der Chromecast Ultra direkt die Verbindung zur Quelle her, so funktioniert es beispielsweise bei YouTube oder Netflix. Nach dem "Umschalten" vom Smartphone auf den Fernseher puffert der Chromecast einige Sekunden lang das Video und spielt es dann ab. Das Smartphone kann dann praktisch das lokale Netzwerk verlassen oder komplett ausgeschaltet werden – der Film, der via Chromecast auf dem Fernseher abgespielt wird, läuft weiter. Das Gerät, das die Übertragung initiiert, muss übrigens gar kein Smartphone oder Tablet sein und es muss auch nicht per WLAN mit dem Chromecast-Gerät kommunizieren. Prinzipiell lässt sich die Übertragung auch vom Windows-PC oder Mac aus starten, sofern die Applikation Chromecast unterstützt und das Chromecast-Gerät sich im gleichen lokalen Netzwerk befindet.

  • Bild Eine wirklich clevere Lösung: Das Netzteil der Google Chromecast Ultra hat eine RJ45-Buchse, an die man ein Netzwerkkabel anschließen kann. Zum Chromcast Ultra hinterm Fernseher geht auch dann nur ein dünnes Kabel vom Netzgerät. [Foto: MediaNord]

    Eine wirklich clevere Lösung: Das Netzteil der Google Chromecast Ultra hat eine RJ45-Buchse, an die man ein Netzwerkkabel anschließen kann. Zum Chromcast Ultra hinterm Fernseher geht auch dann nur ein dünnes Kabel vom Netzgerät. [Foto: MediaNord]

Anders funktioniert die ganze Sache natürlich, wenn die Inhalte nur lokal auf dem Smartphone vorliegen. Dann streamt das Smartphone (zumindest ein Android-Smartphone) direkt auf das Chromecast-Gerät. Das hat dann leider mit 4K und Ultra High Density gar nichts zu tun. Google bestätigte uns auf Nachfrage, dass die Inhalte beim Übertragen vom Smart-Gerät gerade mal mit 720p übertragen werden. Dabei erfolgt nicht einmal ein sinnvolles Downsampling und auch die Komprimierung scheint brutal hoch zu sein. Sowohl Fotos als auch Videos, die auf dem Smartphone-Display knackscharf und wunderschön aussehen, erscheinen auf dem Fernseher dann vollkommen zerstört in einer unterirdisch schlechter Qualität, die man nur schwer ertragen kann. Für das direkte Anzeigen von Fotos oder Videos aus dem Smartphone oder Tablet taugt der Chromecast Ultra also überhaupt nicht. Getestet übrigens mit einem Google Pixel 2 XL, also dem aktuellen Flaggschiff-Smartphone von Google. Zum Zeigen der eigenen Dia-Schau über den Chromecast bleibt damit wohl nur der Umweg über YouTube.

Notbehelf: Diaschau als 4K-Video über YouTube  Die einzige Möglichkeit für den gemütlichen Diaabend mit eigenen Fotos über den Chromecast Ultra scheint uns der Umweg über YouTube zu sein. Hierzu erstellt man mit einem geeigneten Programm (Videoschnitt-Programm, Photoshop oder ein spezielles Diaschau-Programm) ein 4K-Video und lädt dieses in seinen eigenen YouTube-Account hoch. Das Video muss dabei nicht öffentlich sein, im Grunde nicht einmal "nicht gelistet", sondern es kann "privat" eingestellt bleiben. Es reicht, dass Sie selbst es auf ihrem Smart-Device anschauen können und dass dieses den Chromecast Ultra "sieht". Dann können Sie einfach ihr eigenes Video (d. h. die Diaschau Ihrer Fotos) in guter Qualität auf dem 4K-Fernseher wiedergeben. Hinsichtlich der Qualität gelten dabei leider die Einschränkungen, die wir im letzten Absatz beschrieben haben: Durch die starke Komprimierung des Videos auf YouTube bleibt die Qualität deutlich hinter der zurück, die Sie erreichen, wenn Sie ihren PC oder Mac direkt an den Fernseher anschließen und das lokal vorliegende Video abspielen oder die Bilder direkt anzeigen. Dasselbe gilt für den Weg über einen USB-Stick: Auch bei der Wiedergabe der Fotos und Videos über den in vielen Fernsehgeräten eingebauten Mediaplayer erreichen Sie normalerweise die volle Qualität, was bei dem Umweg über YouTube nie der Fall ist.

Die Qualität der Wiedergabe von Quellen aus dem Internet hängt stark von dem individuellen Video ab. Grundsätzlich ist dabei eine Übertragung in 4K/UHD möglich. Leider sind solche Inhalte im Internet (z. B. über YouTube oder Netflix) meist sehr stark komprimiert, sodass der Eindruck am 4K-Fernseher oft nur "so lala" ist. Nicht schlecht, meist besser als FullHD, aber doch oft weit hinter dem, was bei 4K-UHD eigentlich möglich wäre. YouTube zeigt auf dem Chromecast Ultra immer nur "HD" an, auch wenn das Video ein Ultra-HD-Video ist. Mitunter zweifelt man aber, ob das da "echtes 4K" ist, was man da auf dem Bildschirm sieht. Das kann natürlich oft am nur mittelmäßig guten Ausgangsmaterial liegen. Immerhin bedeutet UHD ja zunächst nur, dass das Video in 3.840 x 2.160 Pixel vorliegt. Wie gut, wie scharf, wie sorgfältig komprimiert das Bild ist, das ist eine andere Frage und hängt vom Einzelfall ab. Es fällt auf, dass auch vermeintliche Referenzvideos (z. B. 4K-Beispielvideos der Fernsehgeräte-Hersteller) nicht immer wirklich bestens aussehen, während andere 4K-Videos wiederum wirklich beeindrucken können.

  • Bild Größenvergleich zwischen Google Chromecast Ultra, Amazon Fire TV und Apple TV. Das Apple TV 4K hat ein eingebautes Netzteil, einen Netzwerkanschluss sowie eine HDMI-Buchse und ist deshalb etwas größer. [Foto: MediaNord]

    Größenvergleich zwischen Google Chromecast Ultra, Amazon Fire TV und Apple TV. Das Apple TV 4K hat ein eingebautes Netzteil, einen Netzwerkanschluss sowie eine HDMI-Buchse und ist deshalb etwas größer. [Foto: MediaNord]

Streaming vom PC auf Chromecast-Geräte  Auch vom PC aus lassen sich Inhalte auf ein Chromecast-Gerät streamen. Am einfachsten geht das aus dem Chrome-Browser von Google, der den Inhalt jedes Tabs auf ein im selben Netzwerk befindliches Chromecast-Gerät übertragen kann. Das Symbol, mit dem man die Übertragung starten kann, erscheint aber standardmäßig nur, wenn man eine Website besucht, die das direkte Streaming unterstützt. Wenn Sie eine solche Seite aufgerufen haben, z. B. YouTube, können Sie mit der rechten Maustaste auf das Chromcast Symbol in der Adresszeile des Browsers klicken und dort "Symbol immer anzeigen" anhaken. Wechseln Sie danach in einen anderen Tab, können Sie auch dessen Inhalt streamen. Das können dann beispielsweise die Online-Versionen von Bildverwaltungs-Programmen wie Apple Lightroom oder Canon Irista sein. Eine 4K-Qualität bekamen wir so aber auch nicht auf den Bildschirm, im Gegenteil: man sieht wiederum Kompressionsartefakte in den Bildern und nach einem Motivwechsel baut sich das Bild mit deutlichen Störungen auf und erreicht erst nach einer Sekunde seine höchste Qualität. Die Qualität ist auf diesem Weg aber immerhin besser als direkt vom Smartphone. Und wenn die Website direkt streamen kann (wie z. B. YouTube), dann bekommen Sie auf diesem Wege auch "echte" 4K-Videos auf den Bildschirm.

Fazit

Für unser Vorhaben, Fotos in bestmöglicher Qualität auf dem Fernseher anzuzeigen, ist der Chromecast Ultra leider keine wirkliche Hilfe. Es bleibt lediglich der Umweg über eine gerendertes 4K-Video, dass man auf YouTube hochlädt. Für eine von langer Hand vorbereitete Diaschau mag das gehen. Eine Adhoc-Diaschau von einer App, die die direkte Übertragung vom Smartphone auf den Chromecast Ultra zulässt, ist aufgrund der geringen Auflösung der Übertragung qualitativ inakzeptabel.

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Jan-Markus Rupprecht

Jan-Markus Rupprecht, 53, fotografiert mit Digitalkameras seit 1995, zunächst beruflich für die Technische Dokumentation. Aus Begeisterung für die damals neue Technik gründete er 1997 digitalkamera.de, das Online-Portal zur Digitalfotografie, von dem er bis heute Chefredakteur und Herausgeber ist. 2013 startete er digitalEyes.de als weiteres Online-Magazin, das den Bogen der digitalen Bildaufzeichnung noch weiter spannt.