Rubriken: Bildbearbeitung, Bildpräsentation, Video

Filme drehen mal anders – Videos im Hochformat

2004-03-08 Wer Videos mit einer digitalen Fotokamera aufnimmt, ist manchmal versucht, genau wie bei Standbildern das Hochformat zu wählen. Dadurch bekommt man mitunter einen besser geeigneten Bildausschnitt und sieht (gerade bei niedriger Videoauflösung) mehr Details vom Motiv. Bei der Betrachtung am PC steht der Fotograf vor einem Problem: Ein Foto ist schnell mit jedem beliebigen Bildbearbeitungsprogramm gedreht, aber wie funktioniert das bei einem Video? Es besteht schließlich aus vielen Einzelbildern. Wir zeigen, wie Videos mit einfachen Mitteln gedreht werden.  (Benjamin Kirchheim)

   VirtualDub Rotationsauswahl [Screenshot: MediaNord]
  Kompressionsauswahl [Screenshot: MediaNord]
  VirtualDub - Konvertierung [Screenshot: MediaNord]
  
Das Problem bei hochkant aufgenommenen Videos besteht darin, dass diese aus hunderten oder tausenden von Bildern bestehen, die zusammen mit dem Ton in eine Datei komprimiert sind. Es müssen spezielle Programme ans Werk, um die Daten Bild für Bild zu dekomprimieren, anschließend zu drehen und dann wieder zu einem Video zusammen zu bauen. Teure Videobearbeitungs- und Schnittprogramme bieten zwar solche Optionen, aber die meisten Digitalkamera-Benutzer werden sich diese nicht leisten wollen. Zum Glück gibt es das einfache Freeware-Tool VirtualDub, das Videos in 90°-Schritten drehen kann (Download-Link siehe unten).

Falls die Digitalkamera das Video im Apple QuickTime-Format aufgenommen hat, muss das Video erst in ein AVI-Format konvertiert werden. Wie das geht, steht im Fototipp "Videokonvertierung – große Filme klein gemacht", dabei ist eine Konvertierung, z. B. ins Platz sparende DivX, zunächst nicht empfehlenswert. Am besten wird das Video mit Hilfe der RAD Video Tools und dem Komprimierer "volle Einzelbilder (unkomprimiert)" nach AVI konvertiert. Das empfiehlt sich jedoch nur, wenn viel Festplattenspeicherplatz frei ist: Aus einem 30 MByte MOV-Film wird beispielsweise ein 800 MByte großer AVI-Film. Ein guter Kompromiss aus Qualitätsverlust und Speicherplatz ist, DivX mit maximalen Qualitätseinstellungen zu verwenden. Ein 30 Sekunden langer Film belegt dann bei einer Auflösung von 640 x 480 Pixeln und 30 Bildern pro Sekunde ca. 15 MByte auf der Festplatte. Allerdings muss man sich darüber bewusst sein, dass das Video später zum Drehen dekomprimiert und anschließend wieder komprimiert werden muss, was zwangsläufig einen weiteren Qualitätsverlust mit sich bringt.

Liegt der Film im AVI Format vor, kann er direkt in VirtualDub geladen werden. Nach dem Start von VirtualDub wird über das Menü "File" der Punkt "Open video file..." aufgerufen (oder einfach Ctrl-O drücken). Anschließend muss der gesamte Film selektiert werden, das geht über das Menü "Edit" mit dem Punkt "Select all..." (Ctrl+A). Daraufhin wird im Menü "Video" der Punkt "Filters..." aufgerufen (Ctrl+F), ein neues Fenster öffnet sich. Nach dem Klick auf den Knopf "Add..." geht wieder ein neues Fenster auf, in dem aus vielen Filtern "rotate" ausgewählt werden muss. Danach folgt die Entscheidung, ob die Drehung 90° links- oder rechtsherum oder das Video einfach auf den Kopf (180°) gestellt werden soll (Bild 1). Die Dialoge jeweils mit OK bestätigen. Wenn man jetzt im Menü "File" den Punkt "Preview filtered..." auswählt (oder einfach die Enter-Taste drückt), sieht man rechts im Fenster die Videovorschau.

Bevor die eigentliche Konvertierung beginnt, sollte noch die richtige Kompression ausgewählt werden, sonst verbraucht das konvertierte Video sehr viel Speicherplatz. Die Einstellungen befinden sich im Menü "Video" unter dem Punkt "Compression..." (Ctrl+P). Hier stehen alle installierten Komprimierer zur Verfügung. Es kann beispielsweise der DivX-Codec mit entsprechenden Einstellungen verwendet werden (siehe Bild 2), dazu muss man, nachdem der Komprimierer ausgewählt wurde, auf den Knopf "Configure" klicken. Anschließend müssen alle Dialoge mit OK bestätigt werden.

Zum Abschluss muss das Video konvertiert und gespeichert werden. Hierzu dient der Menüpunkt "Save as AVI..." im Menü "File" (F7). In dem aufgehenden Fenster muss dann noch der Dateiname vergeben werden. Nach einem Klick auf OK ist VirtualDub je nach Videogröße und Rechenleistung einige Minuten beschäftigt und zeigt den Fortschritt der Konvertierung in einem Fenster an (Bild 3). Nach Beendigung der Konvertierung kann das Video z. B. mit dem Windows Mediaplayer betrachtet werden.

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Benjamin Kirchheim

Benjamin Kirchheim, 42, schloss 2007 sein Informatikstudium an der Uni Hamburg mit dem Baccalaureus Scientiae ab. Seit 1998 war er journalistisch für verschiedene Atari-Computermagazine tätig und beschäftigt sich seit 2000 mit der Digitalfotografie. Ab 2004 schrieb er zunächst als freier Autor und Tester für digitalkamera.de, bevor er 2007 als fest angestellter Redakteur in die Lübecker Redaktion kam. Seine Schwerpunkte sind die Kameratests, News zu Kameras und Fototipps.