Rubrik: Motive und Situationen

Das neue Fotojahr planen – Teil 2

2007-01-15 Im ersten Teil dieses Fototipps ging es zunächst um die Einrichtung eines Jahres-Fotoplans und um einige Sujet-Vorschläge dafür. In diesem zweiten und letzten Teil folgen weitere Ideen für jahreszeitlich geplante fotografische Projekte. Denn früher oder später kommt beim ambitionierten Hobbyfotografen der Wunsch auf, gezielt Motive zu suchen und Themen fotografisch zu bearbeiten. Dann muss zu Hause geplant werden: das Thema bestimmt, die Örtlichkeiten, an denen die Motive dazu zu finden sind, gesucht und sicher auch notwendige Termine für die Aufnahmen überlegt werden.  

Neben dem guten Vorsatz, immer die Kamera bei sich zu haben, damit auch kein Motiv "verloren" geht, ist auch die langfristige konkrete Planung bestimmter Vorhaben empfehlens- bzw. wünschenswert, etwa

  • Im kommenden Frühjahr suche ich Motive zu ...
  • Nächsten Herbst beginne ich eine Bilderserie über ...
  • Das nächste Stadtfest halte ich in Bildern fest.

Schneemuster auf einem Dach [Foto: Günter Hauschild]Vorschlag 1: Beim morgendlichen Blick aus dem Fenster stellt man fest, dass es geschneit hat. Der zweite Gedanke gilt dem Bürgersteig, den man ja nun vom Schnee räumen muss. Gleichzeitig fällt aber der Blick auf das Dach des gegenüber liegenden Hauses. Da ist ein Muster entstanden, wie es nur die Natur im Zusammenspiel mit den Bedingungen unter dem Dach hervorbringen kann. Die Ziegel um das Fenster sind von der Raumtemperatur im Haus so aufgeheizt, dass der Schnee sich nicht halten kann, er schmilzt. Je weiter die Dachziegel vom Fenster entfernt sind, umso stärker kühlen sie aus, umso mehr Schnee bleibt liegen.
Spiegelung eines Frachters im leicht bewegtem Wasser [Foto: Günter Hauschild]Muster gibt es doch auch an anderen Stellen: Ziegel einer Mauer, Steine auf der Straße, Schatten eines Gitters oder Zauns, angeschwemmter Sand nach einem Regen, fließendes Wasser während des Regens, Muster in Natursteinen, Schneewehen, Buchrücken des eigenen Bücherschranks, Holzmaserung in einem Möbelstück, Muster eines Teppichs oder Fußbodenbelags, Gardinenstores vor oder in einer Fensterscheibe usw. usf.  Aus diesen Überlegungen könnte sich der "Fotoplan: Linien – Muster – Flächen" ergeben.

Blüte eines Rispengrases  [Foto: Günter Hauschild]Vorschlag 2: Wer an der Küste, in einer Hafenstadt, an einem See bzw. einem Fluss wohnt oder solche Örtlichkeiten in der erreichbaren Nähe hat, der sollte sich einfach mal an das Gewässer setzen und beobachten, was sich im ruhigen oder leicht bewegten Wasser so spiegeln kann. Das Bild zu diesem Vorschlag lebt nicht nur von dem Gegensatz zwischen dem relativ ruhigen und dem bewegten Wasser, sondern auch oder gerade von dem sich spiegelnden Rumpf des vorbei fahrenden Frachtschiffes. In der Wasseroberfläche können sich aber nicht nur Schiffe spiegeln, auch die Vögel, die darauf schwimmen, oder die Pflanzen, die darin wachsen.
Herrliche Spiegelbilder ergeben die Pflanzen, besonders die Bäume und auch die Bauten am Ufer. Selbst die Wolken am Himmel wirken manchmal in der Spiegelung noch schöner als im "üblichen" Landschaftsfoto. So entsteht ein zweiter "Fotoplan: Spiegelungen".

Vorschlag 3: Die Makrofunktion der Digitalkameras ist eigentlich eine Herausforderung, die noch viel zu wenig genutzt wird: Ran an die Objekte und nachgeschaut, was da im Kleinen so fleucht und kreucht oder einfach da ist, auch wenn es von den Menschen kaum gesehen oder weniger beachtet wird. Grundidee für einen "Fotoplan: Kleine Dinge":

  • Gräser blühen, wie alle Samenpflanzen auch, nur ist ihre Blüte so klein und unscheinbar, dass kein Insekt danach sucht, vom Menschen ganz zu schweigen. Da die Grasblüten wegen ihrer Unscheinbarkeit und dem fehlenden Nektar nicht von den Insekten, sondern vom Wind bestäubt werden, sind der Stempel und die Staubgefäße nicht in der Blüte verborgen, sondern hängen aus ihr heraus – sie bieten sich bei ihrer Vielgestaltigkeit zur Ablichtung regelrecht an. Damit man in der Natur auch die Blüten erkennt, sollte man in Büchern oder im Internet zunächst einmal die eine oder andere Biologiestunde nachholen oder auch die eigenen Kinder nach den Themen im Biologieunterricht befragen. Umgekehrt geht es natürlich auch: Fotografieren, was man an den Gräsern gefunden hat und zu Hause eine Erklärung dafür suchen.
  • Auch die Blüten, die wir auf Fotografien immer wieder finden – die Rose, die Aster, die Lilie usw. – sollte man nicht unbeachtet lassen. Aber nicht die Blüte selbst wäre das Motiv, sondern die kleinen Dinge, die in ihr sind oder die Lebewesen, die in ihr nach Nahrung suchen. Keiner mag Disteln im Garten, der Fotograf sollte aber schon mal dafür sorgen, dass in seinem Garten eine Distel zum Blühen kommt, und dann mit der Makrofunktion an die Blüte ran gehen.
  • Klein und unscheinbar sind nicht nur die Gräserblüten und Nahrung suchende Insekten, auch der Sand besteht aus unzähligen kleinen Steinchen, die ganz unterschiedlich aussehen. Künstler, die immer wieder überlebensgroße Skulpturen aus Sand bauen, haben aus der Form der Sandkörnchen eine regelrechte Wissenschaft gemacht – warum also nicht auch der Fotograf?

Fazit: Die spontane Fotografie – die Nutzung sich ergebender Motive – macht für jeden Fotografen einen erheblichen Teil seines Spaßes an der Fotografie aus. Früher oder später kommt aber auch der Wunsch auf, gezielt Motive zu suchen und Themen fotografisch zu bearbeiten. Dann muss zu Hause geplant werden: das Thema bestimmt, die Örtlichkeiten, an denen die Motive dazu zu finden sind, gesucht und sicher auch notwendige Termine für die Aufnahmen überlegt werden. Selten wird ein solches Vorhaben in einem Zug abgearbeitet werden können, die Verwirklichung kann sich gut und gerne auch über einen längeren Zeitraum erstrecken.

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