Rubrik: Grundlagenwissen

Brennweite verstehen

2000-01-24 Das Auge der Kamera ist in erster Linie immer das Objektiv. Es besteht aus einem Linsensystem, das das Licht auf die Filmoberfläche bzw. den CCD-Sensor bündelt. Man unterscheidet bei Objektiven zwischen Festbrennweiten und Zoomobjektiven. Was bedeutet aber der Begriff Brennweite genau?  (Yvan Boeres)

   Aufnahme mit Brennweite 35 mm [Foto: MediaNord]
Aufnahme mit Brennweite 50 mm [Foto: MediaNord]
Aufnahme mit Brennweite 70 mm [Foto: MediaNord]
Aufnahme mit Brennweite 105 mm [Foto: MediaNord]
Die Brennweite wird in Millimetern angegeben und bedeutet, streng genommen, die Entfernung zwischen der Aufnahmeebene (CCD-Chip oder Film) und der Objektiv-Hauptebene. Das muß man allerdings nicht so eng sehen, da heutzutage bewegliche Linsengruppen in den Objektiven die Brennweite verändern können, ohne daß davon die Baulänge des Objektives betroffen ist.

Je größer die Brennweite, desto enger wird der Bildwinkel und somit der Bildausschnitt. In anderen Worten: mit zunehmender Brennweite nimmt auch der Vergrößerungsfaktor zu. Da bei digitalen Kameras der CCD-Aufnahmechip kleiner ist als der Kleinbildfilm bei analogen Kameras, ergeben sich andere, wesentlich kleinere Werte für die Brennweite. Da es auch noch verschiedene CCDs mit unterschiedlichen Größen gibt, geben Hersteller und digitalkamera.de-Datenblätter die Brennweite der Einfachheit halber immer umgerechnet auf Kleinbild-Format an. So hat man eine einheitliche, vergleichbare Angabe der Brennweite, die nicht in mühsame Rechnerei ausartet.

In der Praxis bezeichnet man ein 50-mm-Objektiv als Normalobjektiv, weil es in etwa dem Blickwinkel des menschlichen Auges (46°) entspricht. Objektive unterhalb von 50 mm bezeichnet man als Weitwinkelobjektive; der Name verrät schon, dass der Blickwinkel hier groß bis sehr groß ist. Unter 20 mm spricht man schon von Superweitwinkelobjektiven, es gibt sogar sogenannte Fisheye-Objektive, die einen Bildwinkel von 180 Grad besitzen und meistens ein kreisförmiges Bild produzieren. Brennweiten oberhalb von 50 mm gehören zur Familie der Teleobjektive, Objektive ab 300 mm Brennweite werden Super- oder Ultrateleobjektive genannt. Weitwinkel- und Teleobjektive haben, vom Bildwinkel mal abgesehen, spezielle Eigenschaften was die Perspektive und die Verzerrung betrifft, die nicht mehr der menschlichen Sehweise entsprechen. Diese Eigenschaften können dem Bild schaden, aber auch bewusst eingesetzt werden, um dem Bild einen gewissen Effekt zu verleihen. Auf diese Eigenschaften kommen wir in separaten Tipps zurück.

Ab bestimmten Winkeln – sei es im Weitwinkel- oder Telebereich – wird es zunehmend komplizierter, Qualitätslinsen mit guten optischen Eigenschaften (Auflösung, Lichtstärke, Verzerrung usw.) kostengünstig zu produzieren. Deshalb sind besonders bei Zoomobjektiven dem Zoomfaktor und der Lichtstärke einige Grenzen gesetzt. Obwohl Baugrößen der Objektive bei Digitalkameras (bedingt durch die kürzeren Brennweiten) kleiner sind als bei konventionellen Kameraobjektiven, begrenzen die Hersteller den Zoomfaktor meist auf 3 (z. B. 38-114 mm) bis 5 (z. B. 38-190 mm). Kameras mit Filtergewinde ermöglichen die Montage optischer Zusätze, die die Brennweite verkürzen (Weitwinkelkonverter) bzw. verlängern (Telekonverter).

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