Rubrik: Bildbearbeitung

Bildoptimierungen Teil 4: Automatische Bildkorrekturen

2004-11-01 In der Fototippserie "Bildoptimierungen" wird für Einsteiger in die digitale Bildbearbeitung erklärt, mit welchen einfachen Mitteln sie Bilder für die Online-Präsentation, den heimischen Druck und die Ausbelichtung optimieren können. Als Beispielprogramm wurde FixFoto ausgewählt – die Optimierungen lassen sich aber auch mit vielen anderen Programmen realisieren. Die ersten drei Teile beschäftigten sich mit Helligkeit, Kontrast, Weißabgleich, Farben und Gradationskurven. Wie wäre es nun einmal mit einem Werkzeug für die automatische Bildoptimierung?  (Benjamin Kirchheim)

  

Die automatische Bildkorrektur
Xe487 wirkt oft erstaunlich und
nimmt diesem Bild z. B. einen
"Grauschleier".
  

Das Bild ohne i²e-Korrektur.
  

 

Das Bild mit automatischer
i²e-Korrektur. Es sind deutliche
Verbesserungen der Zeichnung in
Schatten und Lichtern sowie
Farbverbesserungen sichtbar.
  

Wenn eine Software wüsste, wie der Fotograf Farben und Kontraste wahrnimmt, dann könnte sie Bilder theoretisch automatisch korrigieren. Diesen Ansatz verfolgen verschiedene Bildoptimierungsalgorithmen, zwei davon werden in diesem Fototipp näher vorgestellt.

Statt mühsam mit verschiedenen Farb- und Kontrastparametern per Hand das Bild zu optimieren, genügt theoretisch ein Klick – und das perfekte Bild ist fertig. Wenn es so einfach wäre, hätten die Hersteller es sicher schon in ihre Kameras implementiert. Jedoch ist keine Automatik intelligent genug, um jeden Benutzer zufrieden zu stellen; je nach Motiv leisten sie mehr oder weniger gute Ergebnisse. Xe847 nennt sich eine der beiden hier vorgestellten automatischen Bildkorrekturen. Dabei wird der Ansatz verfolgt, das Bild so zu optimieren, wie das menschliche Auge es wahrnimmt, und nicht so, wie die Kamera das Bild sieht. Die menschliche Bildwahrnehmung ist sehr subjektiv, die Kamera jedoch "objektiv". So erscheinen Farben und Kontraste manchmal auf den Fotos anders, als der Fotograf sie in Erinnerung hat. Xe847 versteht sich dabei nicht als Bildrettungsautomatik, um Bildfehler zu korrigieren. Subjektiv gesehen sorgt Xe847 jedoch bei vielen "langweiligen" Bildern für den "Aha-Effekt".

FixFoto hat diese Bildoptimierung eingebaut, und sie kann in kleinen Grenzen sogar beeinflusst werden. Zu finden über das Menü "Bild" und den Menüpunkt "Xe847 Bildoptimierung". Im sich öffnenden Fenster (siehe Bild 1) sind zwei Einstellungsbalken. Der vertikale gibt die Stärke des Effekts von 0 % (keine Optimierung) bis 100 % (volle Optimierung) an, der horizontale dient zum Bildvergleich und stellt die Grenze zwischen optimiertem und nicht optimiertem Bild dar – rechts ist das Original zu sehen, links der optimierte Bildteil. Der horizontale Einstellungsbalken dient lediglich der Kontrolle vor der Anwendung und wirkt sich nicht auf das Bildergebnis aus. Für die schnelle Bildoptimierung lohnt es sich, diese Funktion für ein Bild auszuprobieren – die Ergebnisse sind oft erstaunlich (siehe Beispiel in Bild 1: Hier scheint die Automatik einen Grauschleier aus dem Bild zu entfernen). Manchmal jedoch ist der Optimierungseffekt zu stark, manchmal ist er nicht sichtbar. Eine Automatik ist eben keine künstliche Intelligenz.

Eine weitere (auch in die Beta-Version 2.76 von FixFoto testweise eingebaute) automatische Bildkorrektur ist i²e (Intelligent Image Enhancement). Sie zeigt noch erstaunlichere Ergebnisse als Xe847. Vier verschiedene Bildparameter werden damit automatisch optimiert. Die Helligkeits- und Schattenkorrektur (Shadow & Highlight) betrifft vor allem die kritischen Bildbereiche, in beiden wird für mehr sichtbare Details gesorgt, der Dynamikumfang des Bildes scheint zu steigen. Die "Memory Colour"-Verbesserung soll die "Gedächtnisfarben" Haut, Himmel und Vegetation verbessern, ohne dabei andere Bildbereiche zu beeinflussen. Die adaptive Farbverbesserung (Colour Enhancement) beseitigt unterschiedliche Farbstiche – sogar, wenn diese in verschiedenen Bildbereichen (z. B. in Lichtern und Schatten) unterschiedlich ausfallen. Letztendlich sorgt eine Helligkeitskorrektur (Brightness Enhancement) mittels Regelung von Helligkeits- und Gammawert für "richtig" belichtete Bilder. Dabei können alle Parameter gezielt beeinflusst werden, um so dem Benutzer die Möglichkeit zu geben, die Automatik zu beeinflussen. In den Bildern 2 (ohne Korrektur) und 3 (mit Korrektur) ist deutlich zu sehen, was die automatische Bildkorrektur bewirken kann, zum Vergleich dient Bild 1, das die Xe847-Korrektur zeigt.

Automatische Bildkorrekturen sind auf jeden Fall einen Blick wert. Vor allem, wenn der Fotograf bei der Bildbearbeitung Zeit sparen will und es ihm nicht darauf ankommt, jeden Parameter per Hand zu beeinflussen. Im Allgemeinen fallen die Korrekturen sehr positiv aus, wobei i²e komplexer ist und mehr Eingriffsmöglichkeiten bietet.


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Autor

Benjamin Kirchheim

Benjamin Kirchheim, 39, schloss 2007 sein Informatikstudium an der Uni Hamburg mit dem Baccalaureus Scientiae ab. Seit 1998 war er journalistisch für verschiedene Atari-Computermagazine tätig und beschäftigt sich seit 2000 mit der Digitalfotografie. Ab 2004 schrieb er zunächst als freier Autor und Tester für digitalkamera.de, bevor er 2007 als fest angestellter Redakteur in die Lübecker Redaktion kam. Seine Schwerpunkte sind die Kameratests, News zu Kameras und Fototipps.

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Hier stellen wir für unsere Leser einige Hintergrund-Artikel mit Tipp-Charakter zusammen.

Zusammenfassung

Automatische Bildkorrekturen versprechen bessere Bilder auf Knopfdruck. Oft sind die Ergebnisse erstaunlich, und es lohnt sich, eine automatische Korrektur auszuprobieren, bevor man viel Zeit und Mühe in die individuelle Bildbearbeitung investiert. Zwei Ansätze sind Xe847 und i²e. Jedoch nicht immer verschönern die Automatiken die Bilder.