Rubrik: Zubehör

Alte Blitzgeräte entfesseln

2009-02-23 Es gibt viele Gründe, warum man ein Blitzgerät "entfesselt" – das heißt nicht auf der Kamera selbst, sondern frei beweglich – verwenden will oder sogar muss: Bei einem Blitz aus analogen Zeiten können inkompatible Kontakte oder auch eine zu hohe Zündspannung ein technisches Hindernis sein; dann hilft ein Servoblitzauslöser. Doch selbst wenn man das Blitzgerät problemlos als Aufsteckblitz verwenden kann, eröffnet ein Servoblitzauslöser, eine Art optischer Fernsteuerung, völlig neue Möglichkeiten der kreativen Lichtgestaltung.  (Sven Neidig)

Ein Servoblitzauslöser ist eine ebenso einfache wie geniale Erfindung, weshalb er auch als "Zauberwürfel" bezeichnet wird. Mittels eines lichtempfindlichen Sensors registriert er schnelle und starke Helligkeitsanstiege, sprich Blitzlicht. Auf der Oberseite befindet sich ein Blitzschuh mit Mittelkontakt, der fast genauso aussieht wie ein Blitzschuh an einer Kamera, an den beliebige Blitzgeräte mit entsprechendem Kontakt angeschlossen werden können.

Sobald der Sensor ein anderes Blitzlicht "sieht", das im einfachsten Fall von der gerade verwendeten Kamera kommt, wird der zweite Blitz zeitgleich gezündet. Der "Zauberwürfel" sollte an der Unterseite ein Stativgewinde oder vergleichbare Befestigungsmöglichkeiten haben, damit die gesamte Servoblitzanlage standfest und gut einstellbar ist.

Auch zauberhaft am Zauberwürfel ist sein Preis, denn die einfachsten Ausführungen sind schon für 10 bis 20 Euro zu haben. Wer auf Fotobörsen unterwegs ist, mag für einen noch geringeren Preis ein gebrauchtes Gerät erwerben, denn durch ihre einfache Bauweise sind sie ziemlich unverwüstlich.

Servo-Blitzauslöser mit Fotozelle [Foto:MediaNord] Eine Hürde bei der optischen Fernsteuerung gibt es allerdings noch zu überwinden: Wenn die Kamera vor dem Hauptblitz einen oder mehrere Vorblitze zündet, kann es sein, dass der externe Blitz zu früh aktiviert wird. Mit bloßem Auge ist dies kaum zu erkennen, da die Zeit zwischen Haupt- und Vorblitz extrem kurz ist, aber auf dem fertigen Foto ist kein Effekt des externen Blitzes zu sehen. Es gibt prinzipiell drei Möglichkeiten diese Hürde zu nehmen.

1. Man schaltet sämtliche Vor-, Mess- und Anti-Rote-Augen-Blitze der Kamera ab. Dies ist leider in den seltensten Fällen möglich, da der interne Blitz ohne einen Messblitz nicht zuverlässig funktionieren kann.

2. Durch die zeitliche Trennung von Vor- und Hauptblitz. Bei aktuellen DSLRs kann der Messblitz auch manuell und somit zeitlich getrennt vom Hauptblitz gezündet werden. Die Kamera speichert dann die passenden Belichtungswerte, bis das Foto gemacht ist.

3. Man verwendet einen Servo-Auslöser, der in der Lage ist, den Vorblitz zu ignorieren, so dass der Blitz synchron mit der Kamera ausgelöst wird. Dies ist sicherlich die technisch eleganteste Lösung.

Da ein Blitzlicht nur sehr kurz aufleuchtet (1/5.000 s und weniger), müssen die manuellen Einstellungen anders vorgenommen werden als bei Dauerlicht. Die Belichtungszeit spielt für das Endergebnis keine Rolle. Eine Ausnahme bildet die Langzeitsynchronisation, bei der so lange belichtet wird, dass auch der Hintergrund mit einbezogen wird. Die Helligkeit des Motivs im Vordergrund wird ausschließlich über die Blende und die Helligkeit des Blitzlichts geregelt. Diese ist wiederum stark von der Entfernung zwischen Motiv und Blitz abhängig, was jedes Blitzfoto illustriert, bei dem der Vordergrund viel zu hell und der Hintergrund fast schwarz ist. Ein frei beweglicher Zweitblitz mit Zauberwürfel setzt solchen laienhaften Bildern ein Ende.

Wenn nicht mehr nur mit einem Blitz frontal ausgeleuchtet wird, sondern zwei voneinander unabhängig einstellbare Lichter verfügbar sind, dann ist der Weg frei für überzeugende Porträts, Stillleben und Makroaufnahmen. Die Frage nach der richtigen Beleuchtung ist ein weites Feld, dem hunderte von Büchern und Internetseiten gewidmet wurden, die folgenden Hinweise sind also nicht mehr als ein sehr kurzer Vorgeschmack.

Unschöne Belichtung mit frontalem Blitz [Foto:Sven Neidig]
Ein zweiter Blitz von schräg vorne sorgt für ein natürlicheres Ergebnis [Foto:Sven Neidig]


Die beiden Fotobeispiele zeigen, welchen Unterschied die "richtige" Beleuchtung selbst bei einem völlig banalen Motiv macht. Im rechten Bild hatte der kamerainterne Blitz zwei Funktionen: Er löste den auf einen "Zauberwürfel" montierten Hauptblitz aus, und er sorgte dafür, dass die Schatten an der Seite nicht zu dunkel wurden. Die eigentliche Beleuchtung erledigte der schräg vorne aufgestellte, also entfesselte Kompaktblitz. Da dieser dank optischer Fernsteuerung frei im Raum aufgestellt werden kann, kann die gerade beschriebene Lichtführung leicht variiert werden – dem experimentierfreudigen Digitalfotografen tun sich hier zahllose Möglichkeiten auf.

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