Makro für das E-Mount-Vollfomat

Testbericht: Sony FE 90 mm 2.8 Macro G OSS (SEL-90M28G)

2015-05-07, aktualisiert 2016-01-04 Mit dem FE 90 mm 2.8 Macro G OSS bietet Sony endlich ein Makroobjektiv für seine spiegellosen Vollformatkameras mit E-Mount an. Zwar prangt kein "Zeiss" auf dem Objektiv, doch auch das G-Label steht für hohe optische Qualität. Zudem kommt erstmals ein verschiebbarer AF-/MF-Fokusring mitsamt Entfernungs- und Abbildungsmaßstabanzeige zum Einsatz – trotz rein elektronisch gesteuerter Entfernungseinstellung. Ob das gut 1.150 Euro teure Objektiv die Erwartungen tatsächlich erfüllt, haben wir ausgiebig im digitalkamera.de-Labor und in der Praxis getestet.  (Benjamin Kirchheim)

Als Testkamera diente die Sony Alpha 7R als höchstauflösende Variante der inzwischen auf vier Modelle angewachsenen gleichen Geschwister. Mit ihren 36 Megapixeln Auflösung fordert sie ein entsprechend hoch aufgelöstes Objektiv und zeigt auf der anderen Seite jede noch so kleine Schwäche gnadenlos auf. Mit knapp 13 Zentimeter Länge, acht Zentimeter Durchmesser und 600 Gramm "Lebendgewicht" fällt das Sony FE 90 mm 2.8 Macro G OSS ziemlich wuchtig aus und ist an der zierlichen Alpha 7R reichlich frontlastig. Durch die zahlreichen Bedienelemente stützt die linke Hand aber ohnehin das Objektiv. Das Metall als Gehäusematerial lässt an der Verarbeitung aber keine Zweifel aufkommen, das Bajonett sowie das 62mm-Filtergewinde bestehen ebenfalls aus Metall. Obwohl das Makro laut Sony eine gegen Staub und Spritzwasser resistente Konstruktion besitzt, fehlt der Dichtungsring am Bajonett.

  • Bild Das Sony FE 90 mm 2.8 Macro G OSS (SEL-90M28G) ist mit zahlreichen Bedienelementen ausgestattet: Fokusbegrenzer, Bildstabilisator, Funktionsknopf und dem cleveren Fokusring, der sich zur manuellen Bedienung nach hinten schieben lässt. [Foto: MediaNord]

    Das Sony FE 90 mm 2.8 Macro G OSS (SEL-90M28G) ist mit zahlreichen Bedienelementen ausgestattet: Fokusbegrenzer, Bildstabilisator, Funktionsknopf und dem cleveren Fokusring, der sich zur manuellen Bedienung nach hinten schieben lässt. [Foto: MediaNord]

Dank des internen Fokusmechanismus dreht weder die Frontlinse mit noch fährt ein Tubus aus – perfekte Voraussetzungen zur Verwendung optischer Filter. Der Autofokus arbeitet bei normalen Motiven leise und schnell, jedenfalls solange der Fokusbegrenzer auf unendlich bis 0,5 Meter steht. In der Stellung "Full" oder 0,5 bis 0,28 Meter sind die Stellwege so lang, dass die Kamera mitunter lange die Fokusgruppen verschieben muss, bis sie einen scharfen Punkt gefunden hat. Bei 28 Zentimeter Naheinstellgrenze wird, wie für ein Makroobjektiv nicht anders zu erwarten, ein Abbildungsmaßstab von 1:1 erreicht. 36 mal 24 Millimeter kleine Motive lassen sich damit in 13 Zentimeter Abstand von der Frontlinse ablichten. Selbstverständlich funktioniert das Objektiv auch mit APS-C-Kameras wie der Alpha 6000. Zwar bleibt der Abbildungsmaßstab bei 1:1, aufgrund des kleineren Sensors lassen sich aber auch entsprechend kleinere Motive formatfüllend ablichten.

Ein echter Clou ist der Fokusring: Bei spiegellosen Systemkameras gibt es keinen "echten" manuellen Fokusring mehr, weil dieser elektronisch statt mechanisch arbeitet. Das erlaubt schnellere Autofokussysteme mit Motoren, die die Fokusgruppen nicht mehr mit Drehbewegungen verschieben, sondern mit Direktantrieb nach vorne und hinten. Bei elektronischen Fokusringen entfällt damit auch die Entfernungsanzeige. Sony hat sich nun die Lösungen anderer Hersteller abgeschaut, die einen elektronischen mit einem mechanischen Fokusring koppeln. Und das funktioniert so: Sobald man den griffigen und breiten Fokusring des 90 mm Macro nach hinten schiebt, hakt der mechanische Anzeigering ein und der Fokusmotor fährt automatisch auf die entsprechende Position. Nun kann mit fast einer halben Umdrehung und manueller Entfernungsanzeige und elektronischer Fokusverstellung scharf gestellt werden. Statt einer Schärfentiefeskala bietet das Makro eine nützliche Anzeige des Abbildungsmaßstabs. Einziger Nachteil dieser Konstruktion: Sie funktioniert nicht bei automatischer Fokussierung, da hier die mechanische Entfernungsanzeige ausgekoppelt ist. Der Fokusring kann aber auch nach vorne geschoben ohne festen Anschlag verwendet werden, wenn die manuelle Fokussierung über die Kamera aktiviert wird. Die mechanische Entfernungsanzeige arbeitet dann selbstverständlich nicht. Egal für welche Methode man sich entscheidet: Die elektronische Entfernungsskala, die Fokuslupe sowie das Fokuspeaking stehen auf dem Kameradisplay beziehungsweise im Sucher auf jeden Fall zur Verfügung.

  • Bild Mit dem FE 90 mm 2.8 Macro (SEL-90M28G) bietet Sony erstmals ein Makro-Objektiv für das E-Mount-Vollformat an. Es lässt sich selbstverständlich auch an APS-C-Kameras verwenden, die kleinbildäquivalente Brennweite beträgt dann 135 Millimeter. [Foto: Sony]

    Mit dem FE 90 mm 2.8 Macro (SEL-90M28G) bietet Sony erstmals ein Makro-Objektiv für das E-Mount-Vollformat an. Es lässt sich selbstverständlich auch an APS-C-Kameras verwenden, die kleinbildäquivalente Brennweite beträgt dann 135 Millimeter. [Foto: Sony]

  • Bild Im Verhältnis zur Sony Alpha 7R fällt das 13 Zentimeter lange und 600 Gramm schwere FE 90 mm 2.8 Macro G OSS (SEL-90M28G) schon recht wuchtig aus, die Kombination ist deutlich frontlastig. [Foto: Sony]

    Im Verhältnis zur Sony Alpha 7R fällt das 13 Zentimeter lange und 600 Gramm schwere FE 90 mm 2.8 Macro G OSS (SEL-90M28G) schon recht wuchtig aus, die Kombination ist deutlich frontlastig. [Foto: Sony]

Des Weiteren hat das Sony FE 90 mm 2.8 Macro G OSS einen nahezu lautlos arbeitenden optischen Bildstabilisator zu bieten, der sich direkt am Objektiv aktivieren und deaktivieren lässt. Außerdem gibt es einen Funktionsknopf. Im Lieferumfang befindet sich neben einer Tasche auch eine Kunststoff-Streulichtblende. Aber auch ohne diese zeigt sich das G-Objektiv erstaunlich resistent gegen abnehmenden Kontrast bei Gegenlicht, selbst bei direkter Sonneneinstrahlung treten keine Lensflares auf. Die Fotos wirken kontrastreich und sehr hoch aufgelöst, selbst bei Offenblende F2,8 und sogar am Bildrand. Weiter als F22 lässt sich das Makro indes nicht abblenden. Auch das Bokeh weiß zu überzeugen: Die dank neun Blendenlamellen nahezu kreisrunden Unschärfekreise besitzen einen weichen statt einen hart abgegrenzten Rand wie manch anderes auf Auflösung und Kontrast optimiertes Objektiv. Somit werden selbst hellste Lichtpunkte im Unschärfebereich angenehm weichgezeichnet.

Auch im Labortest zeigt das Objektiv eine hervorragende Leistung. Chromatische Aberrationen (Farbsäume) sind minimal. Die Randabdunklung liegt maximal bei einer halben Blendenstufe und ist damit ebenfalls vernachlässigbar, wobei diese beiden Bildfehler jeweils von der Software der Kamera korrigiert werden. Aber selbst die Verzeichnung, deren Korrektur standardmäßig abgestellt ist, weiß mit lediglich 0,5 Prozent Tonnenform zu überzeugen und fällt höchstens etwa bei der Verwendung als Reproobjektiv auf. Die Schärfe bezogen auf einen 20 mal 30 Zentimeter großen Ausdruck ist ohnehin über jeden Zweifel erhaben, aber auch die reine Auflösungsleistung bei 50 Prozent Kantenkontrast überzeugt vollends (siehe Diagramm aus dem Labortest unten). Schon bei Offenblende wird eine mit über 72 Linienpaare pro Millimeter (lp/mm) hervorragende Auflösung erreicht. Das Maximum stellt sich bereits um eine Stufe abgeblendet mit rund 78 lp/mm bei F4 ein. Bis F11 bleibt die Auflösung souverän bei über 70 lp/mm, selbst bei F16 liegt sie nur ganz knapp darunter. Erst bei F22 setzt eine deutliche Beugung ein, aber selbst dann ist das Objektiv mit über 50 lp/mm noch gut brauchbar. Am Bildrand erreicht die Auflösung bei F2,8 und F4 etwa 62 lp/mm, ein ebenfalls sehr guter Wert, wenn auch nicht ganz auf dem Niveau des Bildzentrums. Bei F8 und F11 wird mit gut 69 lp/mm die höchste Randauflösung erreicht, diese beiden Blenden empfehlen sich also, wenn höchstmögliche Auflösung über das gesamte Bildfeld gefragt ist. Ist dagegen vor allem eine gleichmäßige Auflösung von Bildmitte bis Bildrand gefragt, so empfehlen sich F11 bis F16, da es hier eine hohe Auflösung mit kaum noch einen Auflösungsabfall zum Bildrand gibt.

Fazit Das Sony FE 90 mm 2.8 Macro G OSS weiß auf ganzer Linie zu überzeugen. Verarbeitung und Bildqualität sind hervorragend. Selbst bei Offenblende wird eine sehr hohe Auflösung in Kombination mit einem cremigen Bokeh erreicht. Der pfiffige Fokusring ist sehr praxistauglich, auch wenn die mechanische Entfernungsskala nur bei für manuelle Fokussierung zurückgezogenem Ring funktioniert. Als Kritikpunkt kann man das hohe Gewicht sowie die Größe anbringen, aber das ist der Preis für die hervorragende optische Qualität und das Vollformat, auch bei einer spiegellosen Systemkamera. Der Kaufpreis ist zwar kein Schnäppchen, aber das Makro ist angesichts der optischen Leistung und Verarbeitung jeden Cent der 1.149 Euro wert.

Sony FE 90 mm 2.8 Macro G OSS (SEL-90M28G) mit Sony Alpha 7R

Auflösung MTF


Alpha 7R

F2,8F4,0F5,6F8,0F11,0F16,0F22,0
90 mm Bildmitte72,678,176,975,771,468,454,7
90 mm Bildrand61,359,962,369,068,967,054,6

Im digitalkamera.de-Testlabor werden mit Hilfe der Software DxO Analyzer verschiedene Bildqualitätsparameter gemessen. Der Labortest mit klar gestalteten und leicht verständlichen Diagrammen, Erklärungstexten sowie einer ausführlichen PDF-Datei zum Archivieren und Ausdrucken kostet 1,40 EUR im Einzelabruf für eine Kamera und 0,50 EUR für ein Objektiv. Flatrates, die den Zugriff auf das gesamte Labortest-Archiv erlauben, sind ab 2,08 EUR pro Monat buchbar. Eine Flatrate hat keine automatische Verlängerung und wird im Voraus für einen festen Zeitraum gebucht und bezahlt.

Hersteller Sony
Modell FE 90 mm 2.8 Macro G OSS (SEL-90M28G)
Preis (UVP) 1.149,00 EUR
Bajonettanschluss
Sony E
Brennweite 90,0 mm
Lichtstärke (größte Blende) F2,8
Kleinste Blendenöffnung F22
KB-Vollformat ja
Linsensystem 15 Linsen in 11 Gruppen
inkl. ED und asphärische Linsen
Anzahl Blendenlamellen 9
Naheinstellgrenze 280 mm
Bildstabilisator vorhanden ja
Autofokus vorhanden ja
Wasser-/Staubschutz ja
Filtergewinde 62 mm
Abmessungen (Durchmesser x Länge) 78 x 129 mm
Objektivgewicht 600 g

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Autor

Benjamin Kirchheim

Benjamin Kirchheim schloss 2007 sein Informatikstudium an der Uni Hamburg mit dem Baccalaureus Scientiae ab. Seit 1998 war er journalistisch für verschiedene Atari-Computermagazine tätig und beschäftigt sich seit 2000 mit der Digitalfotografie. Ab 2004 schrieb er zunächst als freier Autor und Tester für digitalkamera.de, bevor er 2007 als fest angestellter Redakteur in die Lübecker Redaktion kam. Seine Schwerpunkte sind die Kameratests, News zu Kameras und Fototipps.

Kurzbewertung

  • Schneller, leiser, interner Fokus
  • Praktische AF-MF-Umschaltung mit Entfernungsskala
  • Sehr hohe Auflösung und gute optische Leistung
  • Hochwertige Verarbeitung (Metall) mit gelungenem Design
  • Trotz Staub- und Spritzwasserschutz kein Dichtungsring am Bajonett
  • Anzeige des Abbildungsmaßstabs nur bei manueller Fokussierung
  • Im Verhältnis zur Kamera recht groß und schwer