Testbericht

Sony Alpha 7 II (ILCE-7M2)

2014-12-22, aktualisiert 2015-02-19 Ziemlich genau ein Jahr nachdem Sony mit der Alpha 7 die erste spiegellose Vollformatkamera überhaupt vorgestellt hat, kommt nun die Alpha 7 II. Herausragende Neuerung ist ihr in fünf Achsen stabilisierter Bildsensor, der bis zu 4,5fache längere Belichtungszeiten ermöglichen soll. Mechanik und Elektronik des Bildstabilisators machen das Gehäuse der Alpha 7 II etwas pummelig, was aber kein Nachteil für die Ergonomie sein muss. digitalkamera.de hatte bereits Gelegenheit, mit einem der ersten in Europa verfügbaren Modelle zu filmen und zu fotografieren. Nach unserem Vorabtest folgt nun der ausführliche Testbericht.  (Martin Vieten)

Ergonomie und Verarbeitung Die enge Verwandtschaft mit der bisherigen A7-Familie zeigt sich bei der neuen Alpha 7 II erst auf dem zweiten Blick. Der jüngste Spross ist etwas pummeliger geworden – bleibt aber weiterhin deutlich schlanker als eine ausgewachsene DSLR. Mit dem Umfang wächst auch das Gewicht der Alpha 7 II, die rund 130 Gramm mehr als ihre Urahnin auf die Waage drückt und jetzt auf 617 Gramm kommt. Sony brauchte einfach etwas zusätzlichen Platz, um die Bildstabilisierung per Sensorshift im Gehäuse unterzubringen (mehr zum neuen Bildstabilisator im Abschnitt „Objektiv“). Die Gewichtszunahme ist indes sicherlich auch dem Handgriff geschuldet, der bei der Alpha 7 II deutlich kräftiger ausgeprägt ist.

  • Bild Sony Alpha 7 II mit dem durchaus empfehlenswerten Objektiv SEL 28-70/4.5-5.6 OSS. [Foto: MediaNord]

    Sony Alpha 7 II mit dem durchaus empfehlenswerten Objektiv SEL 28-70/4.5-5.6 OSS. [Foto: MediaNord]

  • Bild Das Display der Alpha 7 II besteht nun aus einer RGBW-Matrix und soll daher in heller Umgebung besser ablesbar sein. [Foto: MediaNord]

    Das Display der Alpha 7 II besteht nun aus einer RGBW-Matrix und soll daher in heller Umgebung besser ablesbar sein. [Foto: MediaNord]

  • Bild Bedingt durch den Bildstabilisator wächst das Gehäuse der Alpha 7 II in der Tiefe, wodurch die Kamera nicht mehr ganz so elegant wirkt. [Foto: MediaNord]

    Bedingt durch den Bildstabilisator wächst das Gehäuse der Alpha 7 II in der Tiefe, wodurch die Kamera nicht mehr ganz so elegant wirkt. [Foto: MediaNord]

  • Bild Den Bildwandler mit 24 Megapixel Auflösung und Phasen-AF-Sensoren übernimmt die Alpha 7 II von der Alpha 7, die weiterhin im Programm bleibt. [Foto: MediaNord]

    Den Bildwandler mit 24 Megapixel Auflösung und Phasen-AF-Sensoren übernimmt die Alpha 7 II von der Alpha 7, die weiterhin im Programm bleibt. [Foto: MediaNord]

  • Bild Der Bildstabilisator der Alpha 7 II kompensiert nicht nur Schwenkbewegungen, sondern auch ein Verschieben der Kamera. [Foto: Sony]

    Der Bildstabilisator der Alpha 7 II kompensiert nicht nur Schwenkbewegungen, sondern auch ein Verschieben der Kamera. [Foto: Sony]

Anders als es die Typenbezeichnung vielleicht suggerieren mag, löst die Alpha 7 II die Alpha 7 nicht ab, sie ergänzt die A7-Familie vielmehr um das nunmehr vierte Modell. Das Gehäuse der Alpha 7 II besteht weitgehend aus einer leichten, aber widerstandsfähigen Magnesiumlegierung, zudem hat ihr Sony das verstärkte Bajonett der Alpha 7S spendiert. Andere Neuerungen sind nicht derart offensichtlich. Etwa die, dass Sony die Alpha 7 II mit einer sehr weichen Augenmuschel versehen hat. Vor allem Brillenträger werden es begrüßen, minimiert das Gummi doch die Gefahr, die wertvollen Gläser zu zerkratzen. Für die bisherigen Alpha- und SLT-Kameras gibt es diese Augenmuschel übrigens als optionales Zubehör.

Das etwas dickere Gehäuse und der stärker ausprägte Handgriff lassen die Alpha 7 II vielleicht nicht mehr ganz so elegant aussehen wie die bisherigen A7-Schwestern – der Ergonomie kommen die üppigeren Maße zweifelsfrei zugute. Vor allem wandert der Auslöser nun dorthin, wo er hin gehört: auf den Vorsprung des Handgriffs. Bislang fand sich hier das Frontrad, es hat nun weiter vorne am Griff seine Position gefunden. Schön auch: Front- und Daumenrad drehen nun strammer, die Gefahr, die Kamera versehentlich zu verstellen, sinkt so. Aber auch die Alpha 7 II ist so niedrig, dass nicht alle Finger der rechten Hand den Griff umschließen können – der kleine Finger schwebt im Nichts und kann keinen Halt finden. Abhilfe schafft hier der neue Vertikalgriff VG-C2EM, der zudem zwei Akkus aufnimmt und so die Kapazität verdoppelt.

Auf der rechten Schulter der Kamera ist durch die Umgestaltung Platz frei geworden, Sony nutzt ihn für einen weiteren Custom-Knopf. Ansonsten hat sich bei der Bedienung nicht viel geändert. Geblieben ist es beim praktischen Einstellrad für die Belichtungskorrektur, ebenso bei der Möglichkeit, elf Bedienelementen eine von jetzt 56 Individualfunktionen zuweisen zu können. Leider ist das Programmwählrad weiterhin nicht verriegelbar, das zentrale Einstellrad dreht sich immer noch viel zu leicht.

Das Display ist wie eh und je klappbar, schwenken oder drehen lässt es sich nicht. Es klappt nun um über 100 Grad nach oben, bislang waren es knapp 90 Grad. Die Monitordiagonale ist mit drei Zoll (ca. 7,5 Zentimeter) klassenüblich groß, die Auflösung wächst von 921.600 auf 1.228.800 Subpixel. Nominell bleibt es bei einer Matrix von 640 x 480 Pixel, neu hinzugekommen sind allerdings weiße Subpixel. Sie sorgen für eine größere Leuchtkraft, was gerade in heller Umgebung sehr willkommen ist. Beim elektronischen Sucher bleibt alles beim Alten: Er löst mit ca. 2,36 Millionen Bildpunkten sehr hoch auf, die Farbdarstellung ist vorbildlich, die einblendbare Informationsfülle inklusive Live-Histogramm oder elektronischer Wasserwage der eines DSLR-Suchers weit überlegen.

An der Unterseite der Kamera befindet sich ein Stativgewinde ordentlich in der optischen Achse. Auch der Akku wird von unten eingeschoben, seine Kapazität bleibt mit maximal 350 Aufnahmen jedoch sehr dürftig. Ärgerlich ist zudem, dass Sony einer Kamera dieser Preisklasse keine Ladeschale beilegt, standardmäßig muss der Akku zum Aufladen per USB in der Kamera verbleiben.

Ausstattung Sieht man einmal von den erweiterten Videofunktionen ab (dazu gleich mehr), ändert sich der Ausstattungsumfang der Alpha 7 II im Vergleich zur Alpha 7 kaum (siehe weiterführende Links am Ende dieses Beitrags). Bei den Aufnahmefunktionen ist das kein Nachteil, hier schöpft Sony ja bereits bei den älteren A7-Modellen aus dem Vollen. So gibt es eine Reihe von sinnvollen Vollautomatiken, die dem weniger versierten Fotografen auf Knopfdruck zu ansprechenden Bildergebnissen verhelfen. Das gilt vor allem auch für die Panorama- und HDR-Funktion, die einfach zu bedienen sind und sehr gute Ergebnisse liefern. Hinzu kommen viele Gimmicks wie Bildeffekte oder ein Lächelauslöser.

Ambitionierte Fotografen werden bei der Alpha 7 II ebenfalls kaum etwas vermissen. Am ehesten vielleicht noch einen Bordblitz, denn dafür war kein Platz mehr in der sehr kompakten Kamera. Dass Belichtungsreihen bei einer Spreizung von 1 EV und mehr nur mit drei Aufnahmen möglich waren, damit ist jetzt aber Schluss – die Alpha 7 II nimmt bis zu fünf unterschiedlich belichtete Fotos in einem Rutsch auf. Insbesondere in Verbindung mit adaptierten Fremdobjektiven ist es zudem praktisch, dass die Alpha 7 II zur manuellen vorgegebenen Blende und Verschlusszeit (Modus M) die Belichtung via ISO-Automatik steuern kann. Überzeugend ist in der Praxis ferner die Multi-Shot-Rauschminderung; sie schießt in rascher Folge mehrere Aufnahmen, die dann zu einem Bild mit deutlich reduziertem Rauschen verrechnet werden. Die kürzest mögliche Belichtungszeit beträgt 1/8.000 s, das Verschlussgeräusch ist für eine spiegellose Systemkamera weiterhin recht kernig.

Von der Alpha 7S erbt die neue Alpha 7 II eine neue Form der Blitzbelichtung, die FEL-Funktion. Sie ermittelt und speichert die für ein korrekt belichtetes Bild nötige Blitzenergie und sendet dazu bereits vor der Aufnahme eine kurze Salve an Messblitzen aus. Voteil bietet das Verfahren vor allem dann, wenn ein stark reflektierender Bildhintergrund das Foto unterbelichten würde. In der Praxis hat sich ferner als Vorteil erwiesen, dass die Alpha 7 II nach dem Einschalten deutlich schneller startklar ist als die übrigen Modelle der A7-Familie.

Wie schon die erste Generation der Alpha 7 zeigt sich auch die Alpha 7 II bei Serienbildern eher von der gemütlichen Seite. Ganz gleich, ob in JPEG oder Raw aufgezeichnet wird, mehr als 5 fps (Fotos pro Sekunde) sind nicht drin. Immerhin hielt sie im Test das Tempo für 67 JPEG- beziehungsweise 28 Raw-Aufnahmen durch, bevor die Alpha 7 II in den Dauerlauf fiel. Dann geht es allerdings sehr gemächlich weiter mit nur noch 1,9 fps bei JPEG- und gar nur 1,5 fps bei Raw-Aufnahmen.

  • Bild Von vorne betrachtet wirkt die Sony Alpha 7 II wie eine kleine DSLR. [Foto: MediaNord]

    Von vorne betrachtet wirkt die Sony Alpha 7 II wie eine kleine DSLR. [Foto: MediaNord]

  • Bild Der ausgeprägte Handgriff der Alpha 7 II lässt die Kamera gut in der Hand liegen. [Foto: MediaNord]

    Der ausgeprägte Handgriff der Alpha 7 II lässt die Kamera gut in der Hand liegen. [Foto: MediaNord]

  • Bild Die Alpha 7 II wird mit dem Objektiv SEL 28-70/4.5-5.6 OSS auch im Set angeboten. [Foto: MediaNord]

    Die Alpha 7 II wird mit dem Objektiv SEL 28-70/4.5-5.6 OSS auch im Set angeboten. [Foto: MediaNord]

  • Bild Das Stativgewinde sitzt bei der Sony Alpha 7 II korrekt in der optischen Achse. [Foto: MediaNord]

    Das Stativgewinde sitzt bei der Sony Alpha 7 II korrekt in der optischen Achse. [Foto: MediaNord]

  • Bild Sony Alpha 7 II Speicherkartenfach und Akkufach. [Foto: MediaNord]

    Sony Alpha 7 II Speicherkartenfach und Akkufach. [Foto: MediaNord]

Auch bei den neuen Videofunktionen stand die Alpha 7S Pate. Von der Videospezialistin übernimmt die Alpha 7 II einige Spezialitäten, über die sich Film-Enthusiasten sicherlich freuen werden. So zeichnet sie wahlweise auch im neuen Format XAVC-S auf, das Datenraten von bis zu 50 Megabit pro Sekunde ermöglicht. Hinzugekommen sind ferner die aus dem Profibereich stammenden Bildprofile für Videoaufnahmen der Alpha 7S, die individuelle Filmlooks oder besonders nachbearbeitungsfreundliche Daten ermöglichen. Dazu zählt etwa das Profil sLog 2, das eine sehr weiche Gradation aufweist und so beim Post-Processing einen Dynamikumfang ganz nach Wahl liefert. In UHD beziehungsweise 4K kann die Alpha 7 II jedoch nicht filmen, das bleibt weiterhin der Alpha 7S vorbehalten. Dafür profitiert die Alpha 7 II von einer weiteren Neuerung, die Sony erstmals mit der Alpha 7S eingeführt hat: bei Videoaufnahmen lassen sich eine Vielzahl an Markierungen ins Sucherbild einblenden, etwa ein 15:9-Rahmen, ein zentrales Fadenkreuz oder ein Gitternetz.

Leider spart Sony auch bei der Alpha 7 II an Bearbeitungsmöglichkeiten im Wiedergabemodus. Insbesondere eine Funktion, um Raw-Dateien direkt in der Kamera zu entwickeln, hat die Kamera nicht zu bieten. Dafür entschädigt Sony mit der einzigartigen Möglichkeit, den Funktionsumfang der Alpha 7 II mit Camera Apps erweitern zu können, darunter eine sehr empfehlenswerte App für Intervallaufnahmen. WiFi hat die Alpha 7 II ebenfalls an Bord, dank NFC gestaltet sich die Kontaktaufnahme mit einem Android-Gerät ausgesprochen einfach.

Objektiv Die Alpha 7 II wird auch als Set mit dem Objektiv FE 28-70 mm F3.5-5.6 OSS angeboten; genau diese Kombination musste sich im Praxiseinsatz und Labortest bewähren. Obwohl das Standardzoom mit einem optischen Bildstabilisator versehen ist, profitiert es ebenfalls vom neuen Verwacklungsschutz, den Sony mit der Alpha 7 II erstmals in der Vollformatklasse einführt.

Traditionell setzt Sony auf einen „In-Body-Bildstabilisator“, bei dem ein beweglich gelagerter Bildsensor Zittern und leichtes Verwackeln ausgleichen soll. Bei den E-Mount-Kameras mit ihrem sehr schlanken Gehäuse schien dies jedoch technisch nicht möglich zu sein – Sony hat es nun dennoch irgendwie geschafft. Und noch mehr: Der In-Body-Stabilisator der Alpha 7 II gleicht nicht nur Verschwenkungen um die X-Achse (Pitch) und Y-Achse (Yaw) aus, vielmehr kann er auch Kippbewegungen um die Z-Achse (Roll) kompensieren, und sogar noch Verschiebungen entlang der X- und Y-Achse. Ganz neu ist diese „5-Achsen-Bildstabilisierung“ nicht, Olympus hat sie bereits mit der OM-D EM-5 eingeführt (siehe weiterführende Links am Ende dieses Beitrags). Bei der Alpha 7 II arbeitet der Bildstabilisator in verschiedenen Modi: Wird ein optisch stabilisiertes E-Mount-Objektiv angesetzt (zu erkennen am Kürzel OSS in der Typbezeichnung), übernimmt dieses die Pitch- und Yaw-Korrektur, der Stabi in der Alpha 7 II kümmert sich nur noch um die übrigen drei Achsen. Bei einem nicht-stabilisierten Objektiv kompensiert der Bildstabilisator in der Kamera hingegen Bewegungen in allen fünf Achsen. Das funktioniert sogar bei adaptierten Objektiven und zwar völlig automatisch bei A-Mount-Linsen, die via Adapter LA-EA3 oder LA-EA4 angesetzt werden und die aktuelle Brennweite an die Kamera übermitteln. Wird hingegen ein „Fremdobjektiv“ adaptiert (was dank des geringen Auflagemaßes der Alpha 7 II meist problemlos möglich ist), benötigt die Kamera Angaben über dessen Brennweite – sie lässt sich von Hand zwischen 8 mm und 1.000 mm angeben.

Sony verspricht, dass der neue „SteadyShot“ bis zu 4,5fach längere Verschlusszeiten erlaubt. In der Praxis mag das nur im Ausnahmefall gelingen, aber mit einem rund 30 Jahre alten 135-Millimeter-Tele gelangen mit der Alpha 7 II unverwackelte Aufnahmen sicher bei 1/60 Sekunde; bei 1/20 Sekunde war immerhin noch knapp die Hälfte frei von Verwacklungsunschärfe. Damit avanciert die Alpha 7 II zu einem ganz heißen Tipp für Altglas-Liebhaber und Fremdobjektiv-Adaptierer, auch weil das Sucherbild stabilisiert ist, seit dem jüngsten Firmware-Update sogar in der Fokuslupe.

Beim Autofokus der Alpha 7 II hat sich auf den ersten Blick nichts getan. Es bleibt bei einem Hybrid-System, bei dem 117 Pasen-AF-Sensoren auf dem Bildwandler, die den Kontrast-AF mit 25 frei wählbaren AF-Bereichen unterstützen. Laut Sony soll allerdings ein verbesserter Algorithmus den Autofokus um bis zu 30 Prozent beschleunigen. Von dieser Leistungssteuerung soll auch die Bewegungserkennung profitieren, sodass die Alpha 7 II den Fokus bei Action-Fotos schneller nachführt. Im ersten Praxiseinsatz reagierte der Autofokus zügig und genau, die anschließenden Labormessung bescheinigt der Alpha 7 II mit einer Auslöseverzögerung von 0,3 Sekunden inklusive AF eine durchschnittliche Leistung.

Bildqualität Den Bildsensor übernimmt die Alpha 7 II im Prinzip unverändert von der ersten Generation der Kamera. Es bleibt also bei einem Bildwandler im Kleinbildformat, der mit 24 Megapixel moderat hoch auflöst. Ist die Bildqualität der Alpha 7 damit noch auf der Höhe der Zeit oder verkauft Sony mit der Kamera eher alten Wein in neuen Schläuchen? Dieser Frage ist digitalkamera.de in einem ausführlichen Labortest sowie im mehrwöchigen Praxiseinsatz der Kamera nachgegangen. Wie stets gibt es das detaillierte und ausführlich kommentierte Laborprotokoll gegen ein kleines Entgelt zur Einsicht sowie als PDF-Download (siehe weiterführende Links am Ende dieses Testberichts).

Zum Test antreten musste die Alpha 7 II mit dem Objektiv Sony FE 28-70 mm 3.5-5.6 OSS (SEL 2870), mit dem die Kamera auch im Set angeboten wird. Für ein preisoptimiertes Set-Objektiv macht das Standardzoom eine überaus gute Figur: Verzeichnungen sind praktisch nicht messbar (sie werden bereits in der Kamera auskorrigiert), chromatische Aberrationen treten nur in homöopathischen Dosen auf und spielen in der Praxis keine Rolle. Da kann man leicht darüber hinwegsehen, dass das Zoom im gesamten Brennweitenbereich etwa vignettiert; der Randabfall ist mit rund -0,5 EV nicht sonderlich hoch und verläuft zudem angenehm weich. Im Vergleich zur Alpha 7, die wir ebenfalls mit dem SEL 2870 getestet haben, liefert das Objektiv allerdings nicht ganz so hohe Auflösungswerte. Das mag unter anderem dem etwas weniger forschen Nachschärfen bei der Alpha 7 II geschuldet sein. Dennoch ist das SEL 2870 alles andere als ein Weichzeichner: Etwas abblenden reicht, und schon überspringt es die sehr hohe Auflösungshürde von 50 Linienpaaren pro Millimeter (lp/mm) bei 50 Prozent Kantenkontrast (MTF50), dabei gefällt es mit einem für die Preisklasse ungewöhnlich niedrigen Randverlust der Auflösung.

Den Bildsensor mag die Alpha 7 II unverändert von ihrer älteren Schwester übernehmen, bei der Aufbereitung der Bilddaten geht sie indes ihren eigenen Weg. Vor allem die Rauschunterdrückung hat Sony bei der Alpha 7 II etwas anders abgestimmt, sie unterdrückt bei geringen ISO-Werten Luminanzrauschen nochmals wirkungsvoller. Da wundert es nicht, dass die Alpha 7 II im Testlabor bis ISO 800 einen exzellenten Signal-Rauschabstand von 45 dB liefert. Bei sehr hohen Empfindlichkeitswerten über ISO 6.400 packt die Rauschunterdrückung zudem nicht mehr ganz so forsch zu wie noch bei der Alpha 7 und wahrt so feinste Details besser. Etwas mehr Zurückhaltung legt sich die Alpha 7 II ferner beim Nachschärfen auf, dennoch liegt die Texturschärfe bis ISO 800 bei einen Wert von 1,1 über dem Optimum von 1,0. Unterm Strich hat es Sony geschafft, Rauschunterdrückung und Nachschärfen der Alpha 7 II derart abzustimmen, dass ein Texturverlust erst jenseits der ISO 6.400 sichtbar wird. ISO 6.400 ist auch der Wert, bis zu dem Helligkeitsrauschen unauffällig bleibt, um dann jedoch rasch anzusteigen.

  • Bild Damit der Bildstabilisator auch bei adaptierten Fremdobjektiven korrekt arbeitet, lässt sich deren Brennweite angeben. [Foto: Martin Vieten]

    Damit der Bildstabilisator auch bei adaptierten Fremdobjektiven korrekt arbeitet, lässt sich deren Brennweite angeben. [Foto: Martin Vieten]

  • Bild Die Sony Alpha 7 II zeichnet Filme auch im Format XAVC-S mit bis zu 50 Mb/s auf. [Foto: Martin Vieten]

    Die Sony Alpha 7 II zeichnet Filme auch im Format XAVC-S mit bis zu 50 Mb/s auf. [Foto: Martin Vieten]

  • Bild Neu bei der Alpha 7 II ist die Funktion FEL (Flash Exposure Lock), die sich auf eine der Funktionstasten legen lässt. [Foto: Martin Vieten]

    Neu bei der Alpha 7 II ist die Funktion FEL (Flash Exposure Lock), die sich auf eine der Funktionstasten legen lässt. [Foto: Martin Vieten]

  • Bild Wird die FEL-Taste gedrückt, sendet die Alpha 7 II eine Reihe von Messblitzen aus, um die Belichtung auf dem Hauptmotiv zu messen. Vorteile bringt dies vor allem bei stark reflektierenden Hintergründen …. [Foto: Martin Vieten]

    Wird die FEL-Taste gedrückt, sendet die Alpha 7 II eine Reihe von Messblitzen aus, um die Belichtung auf dem Hauptmotiv zu messen. Vorteile bringt dies vor allem bei stark reflektierenden Hintergründen …. [Foto: Martin Vieten]

  • Bild … bei denen die herkömmliche TTL-Blitzbelichtungsmessung das Blitzlicht zu sehr abregelt, um einen überbelichteten Hintergrund zu vermeiden, dadurch aber das Hauptmotiv zu knapp belichtet. [Foto: Martin Vieten]

    … bei denen die herkömmliche TTL-Blitzbelichtungsmessung das Blitzlicht zu sehr abregelt, um einen überbelichteten Hintergrund zu vermeiden, dadurch aber das Hauptmotiv zu knapp belichtet. [Foto: Martin Vieten]

Die Eingagsdynamik der Alpha 7 II ist zwischen der Basisempfindlichkeit von ISO 100 bis hin zu ISO 6.400 mit knapp 11 EV sehr hoch, nimmt dann aber mit jeder zusätzlichen ISO-Stufe um 1 EV ab. In Sachen Detailtreue und Rauschen kann die Alpha 7 II bis ISO 800 höchste Ansprüche erfüllen, Prints im DIN-A4-Format sind auch bis ISO 6.400 bei kaum sichtbaren Qualitätseinbußen möglich. Nicht ganz so wacker schlägt sich die Kamera bei der Tonwertübertragung. In der Standardeinstellung verläuft die Kurve recht steil, die Alpha 7 II reproduziert Kontraste eher knackig als feingeistig. Das gilt ähnlich auch für die Farbwiedergabe, die für eine Kamera mit professionellem Anspruch schon fast eine Spur zu stark gesättigt ausfällt. Aber das wie auch das Nachschärfen lassen sich in der Alpha 7 II auf den Punkt genau einstellen – oder man zeichnet gleich im Raw-Format auf.

Fazit Mit der Alpha 7 II bringt Sony bereits die vierte Inkarnation der ersten spiegellosen Systemkamera mit Kleinbildsensor auf den Markt – und auch die kann sich sehen lassen. Herausragendes Merkmal der Alpha 7 II ist ihr integrierter Bildstabilisator, der ausdrücklich auch nahezu jedes adaptierte Objektiv stabilisiert. Die dazu notwendige Mechanik lässt zwar das Gehäuse der Alpha 7 II im Vergleich zu den früheren Modellen etwas anwachsen, dennoch bleibt die Kamera spürbar kleiner und handlicher als eine vergleichbare DSLR. Der nun deutlich kräftiger ausgeformte Griff lässt die Kamera zudem noch sicherer in der Hand liegen. Die Bildqualität der Alpha 7 II ist ohne Fehl und Tadel und lässt problemlos eine Empfindlichkeit von ISO 6.400 zu, wenn eine Ausgabegröße von etwa DIN A4 reicht. Das mit der Kamera im Set erhältliche Objekt FE 28-70 mm 3.5-5.6 OSS wirkt zwar äußerlich etwas klapprig, weiß aber mit seinen inneren Werten voll und ganz zu überzeugen. Wer gerne Fremdobjektive oder Altglas an eine Kleinbildkamera adaptiert, findet zur Alpha 7 II derzeit keine Alternative. Das gilt auch für Videofilmer, die allenfalls mit der Alpha 7S ein noch höherwertiges Werkzeug in die Hand bekommen. Doch abgesehen von Videos in 4K-Auflösung steht ihr die Alpha 7 II beim Filmdreh kaum nach. Aber die Alpha 7 II hat auch ihre Schattenseiten: Die Serienbildrate ist nach wie vor recht niedrig, der Autofokus dürfte gerne noch schneller zupacken – für Sport- und Actionfotografen ist die Alpha 7 II daher weniger geeignet.


Weiterführende Links


Meldungen die auf diese Meldung verweisen

Kamera-Tests Auswahl

Hersteller
Kameras


Steckbrief
Hersteller Sony
Modell Alpha 7 II
Preis ca. 2.000 EUR*
Sensor Auflösung 24,7 Megapixel
Max. Bildauflösung 6.000 x 4.000
(Seitenverhältnis) (3:2)
Objektiv Sony FE 28-70 mm 3.5-5.6 OSS
Filtergewinde 55 mm
Sucher elektronisch
  Sichtfeld 100 %
  Auflösung 2,36 Mio
  Dioptrienausgleich ja
LCD-Monitor 3"
  Auflösung 1.228.800
  drehbar
  schwenkbar ja
  als Sucher ja
Videoausgang HDMI
  als Sucher ja
Programmautomatik ja
Blendenautomatik ja
Zeitautomatik ja
manuelle Belichtung ja
  BULB-Langzeit-
  belichtung
ja
Motivprogramme  
  Porträt ja
  Kinder/Baby
  Landschaft ja
  Makro ja
  Sport/Action ja
  weitere 4
Belichtungsmessung    Mehrfeld, mittenbetont Integral, Spot
Blitz
  Leitzahl
  Blitzanschluss Systemblitzschuh
Fernauslöser ja
Intervallaufnahme über kostenpflichtige Kamera-App
Speichermedium SD/SDHC/SDXC, MemoryStick Pro Duo
Videomodus  
  Format XAVC S, AVCHD oder MP4
  Codec H.264/AVC
  Auflösung (max.) 1.920 x 1.080
  bei Bildfrequenz 60p
Empfindlichkeit  
  automatisch ISO 100-25.600 (Ober- und Untergrenze einstellbar)
  manuell ISO 50-25.600
Weißabgleich  
  Automatik ja
  Sonne ja
  Wolken ja
  Leuchtstofflampe ja
  Glühlampe ja
  Sonstiges Schatten, Blitz, manuelle Farbtemperaturwahl, WB-Feinkorrektur
  Manuell ja
Autofokus  
  Anzahl
  Messfelder
323 (Kontrast-AF)
102 (Phasen-AF auf dem Sensor)
  AF-Hilfslicht rot-orange
  Geschwindigkeit ca. 0,3 s
Sprachen Deutsch
  weitere 16
Einschaltzeit ca. 0,9 s
Einhandbedienung
(Zoom und Auslöser)
Gewicht
(Betriebsbereit)
ca. 604 g (nur Gehäuse)
ca. 926 g (mit Objektiv*)
Serienbildfunktion**  
  Serienbildanzahl 67 (JPEG)
28 (RAW)
  Frequenz
    (Bilder/s)
4,9 (JPEG)
5,0 (RAW)
  Dauerlauf
    (Bilder/s)
1,9 (JPEG)
1,5 (RAW)
  mit Blitz
Zoom  
  Zoomverstellung am Objektiv
  Zoomstufen stufenlos
  Zeit WW bis Tele
Speicher-
geschwindigkeiten**
 
  JPEG 1,5 s (6,3 MByte)
  RAW 3,7 s (23,8 MByte)
Auslösung während
d. Speicherns mögl.
ja
Akkulaufzeit
ca. 270 Bilder (EVF)
ca. 340 Bilder (TFT)
(jeweils lt. CIPA)

– = "entfällt" oder "nicht vorhanden"
* mit Objektiv Sony FE 28-70 mm F3.5-5.6 OSS
** mit Speicherkarte SanDisk SDHC 16 GB Class 10

Kurzbewertung

  • Bildqualität bis ISO 400 exzellent, bei ISO 6.400 noch gut
  • Hervorragender In-Body-Bildstabilisator
  • Deutlich verbesserte Ergonomie (aber etwas größer und schwerer als A7)
  • Professionelle Videofunktionen (jedoch kein 4K)
  • FEL verbessert Blitzbelichtung bei reflektierenden Hintergründen
  • Keine Akku-Ladeschale mitgeliefert
  • Kein Bordblitz
  • Etwas geringe Serienbildrate

Testnoten

Note Anteil  Punkte
Verarbeitung 12,5 % 98 %
Ausstattung 12,5 % 98 %
Handhabung 12,5 % 95 %
Geschwindigkeit 12,5 % 89 %
Bildqualität 50,0 % 96 %
Gesamtnote 96 %