Testbericht

Canon EOS 7D Mark II

2014-12-10 Fünf Jahre Zeit hat sich Canon gelassen, um mit der Canon EOS 7D Mark II eine Nachfolgerin der APS-C-DSLR Canon EOS 7D auf den Markt zu bringen. Anders als es die Modellbezeichnung vielleicht vermuten lässt, handelt es bei der neuen Mark II um mehr als ein schnödes Facelift. Die EOS 7D Mark II beeindruckt auf dem Papier mit einer sehr hohen Serienbildrate, was sie gepaart mit ihrem hochentwickelten AF-System zum idealen Werkzeug für Sport- und Actionfotografen macht. Ob die Kamera dieses Versprechen einhalten kann und wie sie sich bei anderen fotografischen Aufgaben schlägt, hat digitalkamera.de im Labor und in der Praxis getestet.  (Martin Vieten)

Ergonomie und Verarbeitung Dass die EOS 7D Mark II sich vor allem an professionelle Fotografen und engagierte Amateure wendet, macht die Kamera bereits beim Auspacken klar: Rund 900 Gramm drückt sie betriebsbereit (aber ohne Objektiv) auf die Waage, damit ist sie alles andere als ein Leichtgewicht und rund 50 Gramm schwerer als die Vorgängerin. Etwas pummeliger als diese ist die neue 7D Mark II zudem, vor allem in der Tiefe wächst sie um knapp einen halben Zentimeter. In der Hand macht dieser Bolide dann aber einen überraschend leichtfüßigen Eindruck. Verantwortlich dafür sind ein hervorragend ausgeformter Handgriff sowie das superb verarbeitete Gehäuse, das auch härtestes Zupacken mit stoischer Ruhe über sich ergehen lässt.

  • Bild Nach rund fünf Jahren löst die Canon EOS 7D Mark II das Vorgängermodell EOS 7D ab. [Foto: MediaNord]

    Nach rund fünf Jahren löst die Canon EOS 7D Mark II das Vorgängermodell EOS 7D ab. [Foto: MediaNord]

  • Bild Bedienung und Ergonomie der EOS 7D Mark II sind gut, auf ein Touch-Display verzichtet die Kamera allerdings. [Foto: MediaNord]

    Bedienung und Ergonomie der EOS 7D Mark II sind gut, auf ein Touch-Display verzichtet die Kamera allerdings. [Foto: MediaNord]

  • Bild Ein üppiges Status-Display auf der rechten Schulter der Kamera informiert über eine Vielzahl an Parametern. [Foto: MediaNord]

    Ein üppiges Status-Display auf der rechten Schulter der Kamera informiert über eine Vielzahl an Parametern. [Foto: MediaNord]

  • Bild Die Canon EOS 7D Mark II ist mit je einem Steckplatz für CF- und SD/SDHC/SDXC-Karten ausgestattet. Eine Akkuladung reicht für ca. 670 Fotos. [Foto: MediaNord]

    Die Canon EOS 7D Mark II ist mit je einem Steckplatz für CF- und SD/SDHC/SDXC-Karten ausgestattet. Eine Akkuladung reicht für ca. 670 Fotos. [Foto: MediaNord]

  • Bild Herzstück der EOS 7D Mark II ist ein Bildwandler im APS-C-Format mit rund 20,9 Megapixel Auflösung. [Foto: MediaNord]

    Herzstück der EOS 7D Mark II ist ein Bildwandler im APS-C-Format mit rund 20,9 Megapixel Auflösung. [Foto: MediaNord]

Beim Blick durch den Sucher unterstreicht die 7D Mark II ebenfalls ihren professionellen Anspruch. Das Sucherbild deckt bei 1facher Vergrößerung (0,63fach bezogen auf Kleinbild) 100 Prozent des Sichtfelds ab, dank der aufwändigen Pentaprismakonstruktion ist es zudem sehr hell und klar. Semitransparente LCD-Anzeigen überlagern auf Wunsch das Sucherbild mit einer Vielzahl an Anzeigen – das ist fast schon EVF-Komfort bei einem klassischen Spiegelreflexsucher. Im Vergleich zum eindrucksvollen Suchersystem wirkt das Display etwas altbacken, wenngleich es bei einer 3-Zoll-Diagonalen mit 1.040.000 Bildpunkten standesgemäß hoch auflöst. Leider ist das Display fest verbaut (was seine Einsatzmöglichkeiten im Live-View-Modus beschränkt) und auch nicht berührungsempfindlich wie etwa bei der EOS 70D. So muss man etwas umständlich mit einem kleinen Joystick durch den gelungen „Quick Control“-Monitor navigieren, anstelle die gewünschte Option einfach mit einem Fingertipper aufrufen zu können.

Ansonsten wird die EOS 7D Mark II vor allem über Schalter, Regler und Knöpfe bedient – wie eine klassische DSLR eben. Auf der linken Schulter thront ein verriegelbares Moduswählrad, die rechte Schulter wird wie gehabt von einem üppigem Statusdisplay eingenommen. Auf ein übliches Daumenrad verzichtet die EOS 7D Mark II, stattdessen weist sie ein großes, Canon-typisches Schnellwahlrad auf. Die Auswahl der vielfältigen Autofokusoptionen (mehr dazu im Abschnitt Objektiv) erleichtert ein neuer Hebel auf dem Rücken der Kamera, der auch beim Blick durch den Sucher gut erreichbar ist. Die wichtigsten Bedienelemente lassen sich mit dem Lock-Schalter sperren; welche, kann man festlegen. Die Abblendtaste ist übrigens bei der EOS 7D Mark II in die Kuhle zwischen Handgriff und Objektiv gewandert, wie es bei vielen anderen Kameraherstellern Standard ist. Dank der mehr als großzügigen Ausstattung mit Bedienelementen wird bei der EOS 7D Mark II nur selten ein Gang ins Hauptmenü nötig. Falls doch einmal, findet man sich gut darin zurecht. Canon hat die Menübefehle übersichtlich in verschiedene Register sortiert, die ihrerseits nochmals in Unterregister aufgeteilt sind – verwirrend lange Listen vermeidet die Kamera so geschickt.

Praktisch die gesamte linke Seite der Kamera wird von einem üppigen Anschlussterminal eingenommen, das sich unter zwei dicht schließenden Gummiklappen verbirgt. Überhaupt ist die EOS 7D Mark II laut Canon nochmals besser gegen Staub und Witterungseinflüsse abgedichtet als ihre Vorgängerin. Das unterstreicht auch die massive Klappe auf der rechten Kameraseite, unter der sich je ein SD-/SDHC-/SDXC- und ein CF-Kartenfach verbergen. Gegen diese Vielfalt wirkt die Unterseite geradezu spartanisch, hier befinden sich lediglich ein Akkuschacht sowie ein Stativgewinde, das korrekt in der optischen Achse angeordnet ist.

Ausstattung Man muss in der Ausstattungsliste der EOS 7D Mark II schon lange suchen, um vielleicht auf die eine oder andere Lücke zu stoßen. Am ehesten werden noch weniger versierte Fotografen Grund zur Klage haben – die EOS 7D Mark II bietet keine frei wählbare Motivprogramme. Ganz im Regen stehen lässt sie aber auch Novizen nicht, denn eine Vollautomatik hat sie immerhin an Bord. Diese nimmt einem wirklich jede Entscheidung ab, sogar ob der Blitz ausgelöst wird oder nicht; bei Actionmotiven schaltet die Vollautomatik selbständig auf den Verfolgungs-AF (AI Servo AF) um. Nicht nur der Gelegenheitsfotograf wird sich darüber freuen, dass die EOS 7D Mark II mit einer HDR-Automatik ausgestattet ist und ferner mit einer der Möglichkeit zur Mehrfachbelichtung einer Aufnahme aufwartet. Anderseits verzichtet die Kamera auf eine Panorama-Automatik, ebenso auf reißerische Bildeffekte.

Für ambitionierte Fotografen schüttet die EOS 7D Mark II geradezu ein Füllhorn an Funktionen aus. So erlaubt sie etwa den Modus M in Verbindung mit der ISO-Automatik, sodass bei fest vorgegebener Zeit-/Blendenkombination weiterhin eine automatische Belichtungssteuerung möglich ist. Ferner blendet die EOS 7D Mark II rechts im Sucher eine Belichtungswaage im Stile der 1D-Serie ein. Für die ISO-Automatik lässt sich die Ober- und Untergrenze definieren, wahlweise kann man auch eine maximale Verschlusszeit vorgeben, ab der die Kamera die ISO-Empfindlichkeit erhöht.

Canon verspricht für die EOS 7D Mark II eine Serienbildrate von bis zu 10 Fotos pro Sekunde (fps), bei Aufnahmen im JPEG-Format soll sie das Tempo sogar durchhalten, bis die Speicherkarte voll ist. Im Test löste die Kamera das Versprechen zwar nicht ganz ein, zeigte aber dennoch eine beeindruckende Leistung: Die EOS 7D Mark II rattert los wie eine Nähmaschine und schießt anfangs 9,5 fps in JPEG beziehungsweise 9,6 fps in Raw. Trotz einer schnellen UDMA-7-CF-Karte brach die Serienbildrate nach 111 Aufnahmen (oder knapp zwölf Sekunden) auf immer noch eindrucksvolle 6,0 fps im Dauerlauf ein. Bei Aufzeichnung im Raw-Format war allerdings der interne Puffer bereits nach 23 Fotos voll und es ging deutlich gemächlicher mit 2,6 fps weiter. In der Praxis überzeugen konnte bei Actionaufnahmen auch der schnelle Schwingspiegel, der das Sucherbild nur für die Dauer eines Wimpernschlags verdunkelt. Für Aufnahmen unter Kunstlicht hat Canon die EOS 7D Mark II mit einer speziellen Flacker-Reduzierung (abschaltbar) versehen. Sie sorgt dafür, dass alle Fotos einer Serie gleichmäßig belichtet werden und dieselbe Farbanmutung erhalten – auch diese Neuerung konnte in der Praxis voll überzeugen. Auf dem Weg zur echten Sport- und Actionkamera muss jetzt nur noch der Autofokus bei den hohen Bildraten mithalten – wie es darum bestellt ist, steht im Abschnitt Objektiv.

Für den Fall, dass das Umgebungslicht nicht ausreicht, hat die EOS 7D Mark II einen Blitz an Bord. Er ist mit Leitzahl 12 für ein integriertes Blitzgerät recht potent und macht in vielen Situationen ein externes Blitzgerät entbehrlich. Sollte die Umgebungshelligkeit für den Autofokus zu gering sein, assistiert der Bordblitz mit einer Blitzsalve. Natürlich weist die EOS 7D Mark II auch einen Systemblitzschuh auf, falls einmal mehr Leistung gefordert ist. Das Blitzsystem von Canon bietet alle nur erdenklichen Funktionen, etwa Vorblitze zur Reduzierung roter Augen, Blitzbelichtungskorrektur oder Langzeitzeitsynchronisation, auch auf den zweiten Vorhang. Die kürzestmögliche Blitzsynchronzeit beträgt 1/250 Sekunde.

Sehr professionell gibt sich die EOS 7D Mark II, wenn es um Videoaufnahmen geht. Sie zeichnet wahlweise in AVCHD oder MP4 jeweils in Full-HD-Auflösung (1.920 x 1.080 Pixel) auf, die maximale Bildrate beträgt 50 (PAL) oder 60 (NTSC) Vollbilder je Sekunde. Wie bei einer ausgewachsenen Videokamera versieht die EOS 7D Mark II Filmaufnahmen optional mit einem SMPTE-Time-Code, über ihren Kopfhörerausgang lässt sich der Filmton jederzeit mithören. Die Kamera selber verfügt lediglich über ein Mono-Mikrofon, zur Aufzeichnung von Stereoton lässt sich jedoch ein externes Stereo-Mikrofon anschließen, der Tonpegel kann manuell ausgesteuert werden. Eine Achillesferse ist bei klassischen DSLRs meist der Autofokus bei Filmaufnahmen – Prinzip bedingt kann die Schärfe gar nicht oder nur sehr langsam und unsicher nachgeführt werden. Canon umgeht dieses Problem mit speziellen Phasenvergleichssensoren auf dem Bildsensor, die ihren Job gut meistern: Die EOS 7D Mark II führt den Fokus zwar etwas gemächlich aber sicher nach, lästiges Schärfepumpen ist ihr fremd. Wer bei Videoaufnahmen eine schnellere Reaktionszeit des Autofokus wünscht, kann das AF-System entsprechend konfigurieren – diese Möglichkeit bieten derzeit nicht viele Kameras!

  • Bild Die Abblendtaste wandert bei der EOS 7D Mark II in die Furche zischen Handgriff und Objektiv. [Foto: MediaNord]

    Die Abblendtaste wandert bei der EOS 7D Mark II in die Furche zischen Handgriff und Objektiv. [Foto: MediaNord]

  • Bild Canon platziert bei der EOS 7D Mark II das Stativgewinde korrekt in der optischen Achse. [Foto: MediaNord]

    Canon platziert bei der EOS 7D Mark II das Stativgewinde korrekt in der optischen Achse. [Foto: MediaNord]

  • Bild Das reichhaltig bestückte Anschlussterminal an der linken Seite der Kamera wird von zwei dicht schließenden Gummiklappen geschützt. [Foto: MediaNord]

    Das reichhaltig bestückte Anschlussterminal an der linken Seite der Kamera wird von zwei dicht schließenden Gummiklappen geschützt. [Foto: MediaNord]

  • Bild Im Test überzeugte die Canon EOS 7D Mark II mit einer reichhaltigen Ausstattung, hoher Serienbildrate und einem ausgereiften AF-System. Die Bildqualität ruft bei höheren ISO-Werten jedoch  wenig Begeisterung hervor. [Foto: MediaNord]

    Im Test überzeugte die Canon EOS 7D Mark II mit einer reichhaltigen Ausstattung, hoher Serienbildrate und einem ausgereiften AF-System. Die Bildqualität ruft bei höheren ISO-Werten jedoch wenig Begeisterung hervor. [Foto: MediaNord]

Im Wiedergabemodus punktet die EOS 7D Mark II ebenfalls mit einem großen Funktionsumfang. Als Spezialität erlaubt es die Kamera, zwei verschiedene Aufnahmen zum Vergleich gleichzeitig anzuzeigen. Zudem es ist möglich, ausgewählte Fotos direkt in der Kamera mit einer Bewertung zwischen 1 und 5 zu versehen. Raw-Dateien lassen sich direkt in der Kamera entwickeln, wobei eine Vielzahl an Parametern eingestellt werden kann. Bei JPEG-Dateien sind die Bearbeitungsmöglichkeiten dagegen begrenzt. Die EOS 7D Mark II ist übrigens eine der wenigen Kameras ihrer Klasse, die noch mit einem GPS-Modul versehen ist.

Objektiv Zum Test bei digitalkamera.de lief die EOS 7D Mark II mit dem Objektiv Canon EF-S 15-85mm 3.5-5.6 IS USM auf, das bezogen auf Kleinbild einen Brennweitenbereich von 24 bis 136 Millimeter abdeckt. Der optische Aufbau besteht aus 17 Linsen in 12 Gruppen inklusive ED- und Asphärische-Linsen. Nicht ganz so aufwändig wirkt die äußere Hülle; der Objektivtubus besteht aus Kunststoff, immerhin aus einem, der einen hochwertigen Eindruck hinterlässt.

Besonders interessant sind allerdings die Möglichkeiten, die das AF-System der EOS 7D Mark II (nicht nur) mit dem Objektiv zu bieten hat. Canon hat seinem jüngsten APS-C-Spross im Prinzip die AF-Technologie der Spitzenmodelle 1D X und 5D Mark III eingepflanzt und es dabei in einigen Punkten nochmals verfeinert. Zunächst einmal decken seine 65 Kreuzsensoren einen größeren Bereich des Sucherbilds ab als die 61 AF-Sensoren bei den Vollformatkameras. Zudem arbeitet der zentrale Doppelkreuzsensor bis hinab zu einer Mindestbeleuchtung entsprechend LW -3. Und so hatte die EOS 7D Mark II keine Probleme, im Dämmerlicht einer Weihnachtsfeier sicher und rasch zu fokussieren. Auch unter Laborbedingungen machte die Kamera eine durchaus passable Figur, hatte sie doch innerhalb von rund 0,3 Sekunden von unendlich auf zwei Meter Abstand scharf gestellt und ausgelöst. Deutlich höher ist die Auslöseverzögerung indes, wenn die EOS 7D Mark II im Live-View-Modus betrieben wird, dann beträgt sie rund eine Sekunde. Das ist zwar für eine klassische DSLR ein ordentlicher Wert und für den traditionell gemächlichen Live-View-AF bei Canon sogar eine deutliche Steigerung – spiegellose Systemkameras sind trotzdem heute mindestens dreimal schneller.

So richtig in seinem Element ist das AF-Modul, wenn es darum geht, bei schnellen Reihenaufnahmen den Fokus nachzuführen, denn Canon hat den Autofokus fast mit derselben Funktionsvielfalt ausgestattet, wie die 1D X. Zunächst einmal lässt sich der AF-Bereich in sieben verschiedenen Modi von Spot-AF über „Große Zone AF“ bis hin zur automatischen Wahl der AF-Felder durch die Kamera festlegen. Zusätzlich erlaubt es die EOS 7D Mark II anzugeben, wie empfindlich der AF-C reagieren soll, wenn sich ein neues Objekt in den Sucher bewegt; wie lange er dabei auf dem ursprünglichen Ziel verweilen soll und vieles mehr. Damit die Vielzahl der Einstellmöglichkeiten nicht verwirrt, sind bereits sechs Szenarien gespeichert, die sich indes jeweils individuell anpassen lassen. Diese Vorgaben haben sich in der Praxis als sehr nützlich erwiesen; egal ob eine Tänzerin oder ein auf die Kamera zustürmender Hund im Fokus zu halten war – die EOS 7D Mark II hat das stets mit Bravour gemeistert. Möglich wird diese in der APS-C-Klasse wohl einzigartige AF-Leistung unter anderen durch einen speziellen AF-Sensor, der 150.000 Pixel hoch auflöst und zudem für Infrarot empfindlich ist. Das System ist etwa in der Lage, Gesichter zu erkennen oder Objekte anhand ihrer Farbe im Fokus zu halten.

Bildqualität Canon stattet die EOS 7D Mark II mit einem CMOS-Sensor aus, der bei 1,6fachem Cropfaktor rund 21 Megapixel auflöst. Die einzelnen Sensorzellen sind damit für eine DSLR relativ klein, der Pixelpitch beträgt lediglich 4,0 µm. Um bei einem derart hoch integrierten Bildwandler auch bei hohen ISO-Werten noch eine akzeptable Bildqualität zu erzielen, hat der Bildprozessor der Kamera einiges zu leisten. Ob das dem „Dual DiCIG 6 Prozessor“ der EOS 7D Mark II gelingt und wie sich die Kamera insgesamt schlägt, hat digitalkamera.de intensiv im Testlabor geprüft. Wie stets gibt es das detaillierte und ausführlich erklärte Laborprotokoll gegen ein kleines Entgelt zur Einsichtnahme und als PDF-Download (siehe weiterführende Links am Ende dieses Beitrags).

Richtig gut in Sachen Bildrauschen und Detailwiedergabe schlägt sich die EOS 7D Mark II nur bei niedrigen ISO-Stufen. Schon jenseits der ISO 200 sinkt der Signal-Rauschabstand ab und unterschreitet ungewöhnlich früh bei ISO 1.600 die kritische Marke von 35 dB. Korrespondierend dazu nimmt das Helligkeitsrauschen zu, ab ISO 3.200 wird es in den Raw-Dateien sichtbar aggressiv. Die Rauschunterdrückung hat also einiges zu tun und stößt dabei spätestens ab ISO 6.400 an die Grenzen ihrer Fähigkeiten: Ab dieser Empfindlichkeitsstufe wirken die Aufnahmen sichtbar weich und leicht verwaschen, ab ISO 12.800 ist die Texturschärfe bedenklich gering. Ebenso geht die anfangs sehr hohe Ausgangsdynamik jenseits der ISO 200 kontinuierlich zurück, bei ISO 6.400 differenziert die EOS 7D Mark II nicht einmal mehr 128 von 256 möglichen Abstufungen je Farb- beziehungsweise Helligkeitskanal. ISO 6.400 ist auch die Marke, bis zu der die Eingangsdynamik mit rund 10 Blendenstufen hoch bleibt, darüber sinkt sie mit der jeder ISO-Stufe um einen ganzen EV-Wert ab.

Wer das volle Auflösungspotential der EOS 7D Mark II nutzen möchte, kann die Kamera eigentlich nur bis ISO 1.600 reinen Gewissens einsetzen. Die beiden nächsthöheren ISO-Stufen sind noch OK, wenn die Aufnahmen zur Printausgabe entsprechend verkleinert werden. Gerade für Sport- und Actionfotografen, die ja oft auf sehr kurze Verschlusszeiten angewiesen sind, ist das weniger erfreulich. Da hilft es kaum, dass der Weißabgleich der EOS 7D Mark II sehr genau arbeitet, zumal die interne Bildaufbereitung der Kamera Farben etwas eigenwillig wiedergibt, vor allem Orangetöne sättigt sie sehr kräftig.

  • Bild Das Hauptmenü der Canon EOS 7D Mark II ist sehr übersichtlich in Registern und Unterregistern organisiert. [Foto: Martin Vieten]

    Das Hauptmenü der Canon EOS 7D Mark II ist sehr übersichtlich in Registern und Unterregistern organisiert. [Foto: Martin Vieten]

  • Bild Um die umfangreichen Konfigurationsmöglichkeiten des AF-Systems zu erleichtern, hat Canon die EOS 7D Mark II mit sechs vordefinierten Presets versehen, die sich an die eigenen Bedürfnisse anpassen lassen. [Foto: Martin Vieten]

    Um die umfangreichen Konfigurationsmöglichkeiten des AF-Systems zu erleichtern, hat Canon die EOS 7D Mark II mit sechs vordefinierten Presets versehen, die sich an die eigenen Bedürfnisse anpassen lassen. [Foto: Martin Vieten]

  • Bild Dank der hohen Serienbildrate von 10 fps gelingt es mit der EOS 7D Mark II fast immer, den entscheidenden Moment einzufangen. [Foto: Martin Vieten]

    Dank der hohen Serienbildrate von 10 fps gelingt es mit der EOS 7D Mark II fast immer, den entscheidenden Moment einzufangen. [Foto: Martin Vieten]

  • Bild Im Live-View-Modus zeigt die EOS 7D Mark II auf Wunsch eine Vielzahl an Informationen, etwa ein Histogramm (im Bild) oder eine elektronische Wasserwaage. [Foto: Martin Vieten]

    Im Live-View-Modus zeigt die EOS 7D Mark II auf Wunsch eine Vielzahl an Informationen, etwa ein Histogramm (im Bild) oder eine elektronische Wasserwaage. [Foto: Martin Vieten]

  • Bild Auch bei der Wiedergabe ist die Informationsfülle beachtlich. Die Liste ragt über den Bildschirm hinaus und lässt sich durchscrollen. [Foto: Martin Vieten]

    Auch bei der Wiedergabe ist die Informationsfülle beachtlich. Die Liste ragt über den Bildschirm hinaus und lässt sich durchscrollen. [Foto: Martin Vieten]

Das Objektiv EF-S 15-85mm 3.5-5.6 IS USM hinterlässt im Testlabor einen ordentlichen Eindruck. Zwar verzeichnet es am kurzen Ende sichtbar tonnenförmig, für ein 5,7faches Zoom geht das aber in Ordnung. Unkritisch ist auch die Randabdunklung, die sich erst weit zu den Bildrändern hin bemerkbar macht und insgesamt gering bleibt. Gut im Griff hat Canon zudem chromatische Aberrationen, sichtbare Farbsäume an Kontrastkanten treten nicht auf. Wenig Begeisterung weckt dagegen das Auflösungsvermögen des EF-S 15-85mm: Im mittleren Brennweitenbereich löst es nicht einmal 40 Linienpaare pro Millimeter auf – da schafft so manche Kompaktkamera mehr. Am Anfang wie am Ende des Zoombereichs ist das Auflösungsvermögen zwar deutlich höher – jedoch nur im Bildzentrum. Zu den Bildrändern hin verzeichnet das Laborprotokoll einen deutlichen Auflösungsverlust, insbesondere am langen Teleende.

Fazit Die Canon EOS 7D Mark II hat einiges zu bieten, was in ihrer Klasse einzigartig ist. Dazu zählt ihre sehr hohe Serienbildrate gepaart mit einem famosen AF-System, das dem des Sportboliden 1D X kaum nachsteht. Auch die Verarbeitungsqualität und Robustheit der Kamera liegen über Klassenniveau. Der Ausstattungsumfang ist sehr hoch, aber eher auf Profis und ambitionierte Fotografen zugeschnitten, Gelegenheitsknipser werden frei wählbare Motivprogramme vermissen. Die Bedienung der EOS 7D Mark II hat Canon gut gelöst, ein Touchdisplay könnte sie indes noch weiter vereinfachen. Wenn es um Videoaufnahmen geht, begeistert die Kamera mit Funktionen, die bis vor kurzen noch professionellen Camcordern vorbehalten waren. Bei allen diesen sehr positiven Aspekten ist es bedauerlich, dass die Bildqualität der EOS 7D Mark II bei höheren ISO-Stufen nicht mehr ganz auf der Höhe der Zeit ist. Bedenkenlos empfehlen kann man sie nur bis ISO 1.600, bis ISO 6.400 ist sie so gerade noch brauchbar. Wer damit leben kann, findet jedoch derzeit keine Halbformatkamera, die besser für Sport- und Actionfotografie geeignet ist als die EOS 7D Mark II.


Weiterführende Links


Meldung die auf diese Meldung verweist

Kamera-Tests Auswahl

Hersteller
Kameras


Steckbrief
Hersteller Canon
Modell EOS 7D Mark II
Preis ca. 2.350 EUR**
Sensor Auflösung 20,9 Megapixel
Max. Bildauflösung 5.472 x 3.648
(Seitenverhältnis) (3:2)
Objektiv Canon EF-S 15-85 mm 3.5-5.6 IS USM
Filtergewinde 72 mm
Sucher Pentaprisma
  Sichtfeld 100%
  Vergrößerung 1,0-fach
  Dioptrienausgleich ja
LCD-Monitor 3"
  Auflösung 1.040.000
  drehbar
  schwenkbar
  als Sucher ja
Videoausgang HDMI
  als Sucher ja
Programmautomatik ja
Blendenautomatik ja
Zeitautomatik ja
manuelle Belichtung ja
  BULB-Langzeit-
  belichtung
ja
Motivprogramme  
  Porträt
  Kinder/Baby
  Landschaft
  Makro
  Sport/Action
  weitere
Belichtungsmessung    Mehrfeld, mittenbetont Integral, Selektiv, Spot
Blitz ja
  Leitzahl 12,5 (Messung)
  Blitzanschluss Systemblitzschuh, Synchronbuchse
Fernauslöser Kabel, Infrarot
Intervallaufnahme ja
Speichermedium CompactFlash Typ I
und SD/SDHC/SDXC
Videomodus ja
  Format MOV oder MP4
  Codec H.264
  Auflösung (max.) 1.920 x 1.080
  bei Bildfrequenz 60p
Empfindlichkeit  
  automatisch 100-16.000
  manuell ISO 100-51.200
Weißabgleich  
  Automatik ja
  Sonne ja
  Wolken ja
  Leuchtstofflampe ja
  Glühlampe ja
  Sonstiges Schatten, Blitz, manuelle Farbtemperaturwahl, WB-Feinkorrektur
  Manuell ja
Autofokus  
  Anzahl
  Messfelder
65
  AF-Hilfslicht Blitzsalve
  Geschwindigkeit ca. 0,3 s
Sprachen Deutsch
  weitere 24
Einschaltzeit < 0,2 s
Einhandbedienung
(Zoom und Auslöser)
Gewicht
(Betriebsbereit)
910 g (nur Gehäuse)
1.485 g (mit Objektiv**)
Serienbildfunktion*  
  Serienbildanzahl 111 (JPEG)
23 (RAW)
  Frequenz
    (Bilder/s)
9,5 (JPEG)
9,6 (RAW)
  Dauerlauf
    (Bilder/s)
6,0 (JPEG)
2,6 (RAW)
  mit Blitz ja (bei verringerter Bildfrequenz)
Zoom  
  Zoomverstellung am Objektiv
  Zoomstufen stufenlos
  Zeit WW bis Tele
Speicher-
geschwindigkeiten*
 
  JPEG 0,2 s (7,5 MByte)
  RAW 0,7 s (25 MByte)
Auslösung während
d. Speicherns mögl.
ja
Akkulaufzeit ca. 670 Bilder (lt. CIPA)

– = "entfällt" oder "nicht vorhanden"
* mit Toshiba Exceria Pro UDMA 7 CompactFlash-Speicherkarte
** mit Objektiv Canon EF-S 15-85 mm 3.5-5.6 IS USM

Kurzbewertung

  • Robustes, hochwertiges Gehäuse
  • Klassenbestes AF-System
  • Hohe Serienbildrate und großer Pufferspeicher
  • Sehr großer Funktionsumfang
  • Bildrauschen und Detailverlust ab ISO 3.200 zu hoch
  • Display fest verbaut, keine Touch-Bedienung
  • Objektiv mit teilweise hohem Verlust der Randauflösung

Testnoten

Note Anteil  Punkte
Verarbeitung 12,5 % 98 %
Ausstattung 12,5 % 100 %
Handhabung 12,5 % 94 %
Geschwindigkeit 12,5 % 93 %
Bildqualität 50,0 % 89 %
Gesamtnote 93 %