Aluminium Videostativ mit Fluid- und Gegengewichtssystem

Testbericht: Vanguard Abeo Plus 323AV Videostativ

2013-05-14 Auf der vergangenen Photokina 2012 hat Vaguard auch die Stativ-/Stativkopf-Kombination Abeo Plus 323AV vorgestellt, die seit diesem Frühjahr lieferbar ist. Vanguard möchte mit der Kombination aus Abeo Plus Aluminiumstativ und PH-123V-Fluid-Neigekopf ambitionierte Amateurfilmer (die heutzutage oft mit einer DSLR-Kamera filmen) begeistern. Schaut man sich die Ausstattungsmerkmale an, so sollte dies auch gelingen.  (Harm-Diercks Gronewold, Jan-Markus Rupprecht)

  • Bild Der Silikonring des Vanguard Abeo Plus 323AV wirkt als Dämpfer zwischen dem Stativkopf und dem Stativ. [Foto: Vanguard]

    Der Silikonring des Vanguard Abeo Plus 323AV wirkt als Dämpfer zwischen dem Stativkopf und dem Stativ. [Foto: Vanguard]

  • Bild Auch bei sehr geringen Arbeitshöhen macht das Vanguard Abeo Plus 323AV eine gute Figur. [Foto: Vanguard]

    Auch bei sehr geringen Arbeitshöhen macht das Vanguard Abeo Plus 323AV eine gute Figur. [Foto: Vanguard]

  • Bild Die drei Anstellwinkel der Stativbeine erlauben den Einsatz in jedem Terrain. [Foto: Vanguard]

    Die drei Anstellwinkel der Stativbeine erlauben den Einsatz in jedem Terrain. [Foto: Vanguard]

  • Bild Die kurze Mittelsäule des Vanguard Abeo Plus 323AV besitzt einen Stabilisierungshaken. [Foto: Vanguard]

    Die kurze Mittelsäule des Vanguard Abeo Plus 323AV besitzt einen Stabilisierungshaken. [Foto: Vanguard]

  • Bild Der Vanguard PH-123V Video-Neiger ist Teil des Stativsets und aus einer robusten Magnesium-Legierung gefertigt. [Foto: Vanguard]

    Der Vanguard PH-123V Video-Neiger ist Teil des Stativsets und aus einer robusten Magnesium-Legierung gefertigt. [Foto: Vanguard]

  • Bild Die Wasserwaage erlaubt es das Stativ exakt auszurichten. [Foto: Vanguard]

    Die Wasserwaage erlaubt es das Stativ exakt auszurichten. [Foto: Vanguard]

Der Stativkopf des Abeo Plus 323AV Set nennt sich PH-123V, besteht aus pulverbeschichteten Magnesium-Gussteilen und ist der zweitgrößte Video-Kopf im Vanguard-Sortiment. Vereinzelte orange Kunststoffteile setzten nicht nur einen farblichen Akzent, sondern haben auch jeweils auch eine Funktion. So löst der orange Knopf auf der Stativkopfoberseite die Arretierung der Schnellwechselplatte, die beiden auf der Neigungsachse verbauten Abstandshalter sorgen dafür, dass Metall nicht auf Metall reibt und der Silikonring dämpft den Stativkopf, sollte dieser bei gelöster Mittelsäule herunterrutschen.

Die Schnellwechselplatte kann unter 1/4 oder 1/8 Zoll große Gewinde montiert werden und besitzt einen federnden Sicherungsstift, auch "Videopin" genannt, der das Verdrehen von Videokameras (die eine entsprechende Aussparung haben, in die der Stift greift) verhindert. Die Montagerichtung und die Einschubrichtung für die Kamera sind auf der Schnellwechselplatte angegeben. Wird die Kamera mit Wechselplatte auf den PH-123 Stativkopf geschoben, schnappt die Sicherung ein und die Wechselplatte kann nicht mehr vom Stativkopf rutschen. Fixiert wird die Wechselplatte mit einer kleinen Flügelschraube. Mit der variabel fixierbare Wechselplatte mit rund 5,6 cm Verstellweg lässt sich die Kamera-Objektiv-Kombination genau im Schwerpunkt über dem Stativkopf justieren, um eine angenehme Bedienung zu ermöglichen und Schwenks zu erleichtern.

Wie es sich für einen Video-Stativkopf gehört, ist der Vanguard PH-123V in beiden Achsen flüssigkeitsgedämpft. Flüssigkeitsdämpfung bedeutet, dass die Achsen des Stativkopfes keine aufeinander liegenden Kork- oder Kunststoffscheiben sind, sondern richtige Lager, welche mit einer leicht dickflüssigen Substanz getränkt sind. Diese hat den Effekt, dass ein Schwenk sehr sanft startet und ausläuft und auch zwischendurch nicht „ruckelt“. Während die horizontale Drehachse nur eine Feststellschraube besitzt, so kann die vertikale Achse zusätzlich in der sogenannten Friktion angepasst werden. Die Friktion bestimmt, wie viel Kraft vom Benutzer aufgebracht werden muss, um eine Bewegung des Kopfes zu erreichen. Wird die Friktionseinstellung auf den Maximalwert eingestellt, dann wirkt sie wie eine Feststellschraube und der Kopf lässt sich nur noch mit brutaler Gewalt bewegen. Ein weiteres Merkmal des Kopfes ist das Gegengewichtssystem (Gewichtsausgleich, Konterbalance). Dies verhindert zum einen ein versehentliches Abkippen der Kamera auf 90 Grad in der vertikalen Achse und zum anderen wird das Neigen der Kamera mit zunehmendem Winkel schwergängiger, da eine Feder dem Kippen entgegenwirkt. Dies erleichtert die Bedienung insgesamt und fördert gleichmäßige Schwenkbewegungen. Betreibt man sehr leichte Kameras auf dem Kopf, kann der Gewichtsausgleich auch abgeschaltet weriden. Wird die Gegengewichtsfunktion wieder aktiviert, muss der Kopf einmalig vor und zurück geschwenkt werden, bis die Mechanik hörbar einrastet. Den Gewichtsausgleich merkt man kaum, aber ist er nicht da, merkt man, dass etwas fehlt. Seine Federwirkung ist einstufig (nicht einstell- bzw. mehrstufig schaltbar, wie bei noch größeren Köpfen) und auf Kamera-Objektiv-Kombinationen von bis zu 8 Kilogramm ausgelegt.

Der mitgelieferte knapp 34 Zentimeter lange Schwenk-Arm lässt sich mit ein paar Handgriffen von einer Seite des Stativkopfes auf die andere bringen, so dass Rechts- und auch Linkshänder bequem damit arbeiten können. Zusätzliche Gewinde an dem Stativkopf erlauben die Montage weiteren Zubehörs.

Das stabile Aluminium-Dreibeinstativ Abeo Plus 323AT wiegt ohne Kopf rund 2,8 kg und besitzt eine herausziehbare und auch um 180 Grad umkehrbare Mittelsäule. Die Mittelsäule wird per Schnellspannhebel gesichert und nicht wie üblich mit einer Feststellschraube. Dadurch gelingt die Höhenverstellung der Mittelsäule sehr schnell, allerdings neigen Schnellverschlüsse oftmals dazu Spannung zu verlieren. Dies ist für das Abeo Plus 323AT allerdings kein Problem, da die Schnellspannverschlüsse alle nachgezogen werden können, das nötige Werkzeug dazu wird auch mitgeliefert. Die Mittelsäule des Stativs ist um 180 Grad drehbar und besitzt eine abnehmbare kurze, mit Druckknöpfen gesicherte Mittelsäule, die sich auch direkt auf das Stativ montieren lässt. Dies ist allerdings eine recht fummelige Angelegenheit. Am unteren Ende der kurzen Mittelsäule befindet sich ein abnehmbarer Haken, an dem sich das Stativ beispielsweise mit einer Kameratasche oder einem Rucksack für noch sicheren Stand beschweren lässt.

Die Stativbeine bestehen aus drei Aluminium-Segmenten, die über zwei Schnellspannhebel fixiert werden. Die Beine haben jeweils einen Anschlag bei einen Anstellwinkel von 25, 50 und 80 Grad. Die Druckknöpfe an jedem Bein, mit denen man diese Positionen überwindet, sind leider ziemlich schwergängig und haben kein schönes "Druckgefühl". Die maximale Arbeitshöhe des Abeo Plus 323AV Sets beträgt 190 Zentimeter, für den Transport kann die Kombination auf 80 Zentimeter zusammen geschoben werden. 

Die Stativfüße können dreifach genutzt werden. Der große Fuß eignet sich für weichen Untergrund (Schnee, Sand, Matsch) und vermindert die Gefahr des Einsinkens, zudem hat er auf der Unterseite ein recht griffiges Profil. Indem man unter den Gummifuß greift und diesen mit einem kräftigen Händedruck aufspreizt, kann der große Fuß leicht abgenommen werden (und genauso auch wieder leicht angebracht werden). Darunter kommen normal große, profilierte Gummifüße zum Vorschein, die sich für die meisten normalen Anwendungen eignen. Auch diese Füße sind abnehmbar, allerdings fällt uns dafür keine elegante Handhabung ein: hier hilft nur sehr beherztes Ziehen und Ruckeln. Darunter befinden sich die Spike-Füße, die sich in mittelharte Untergründe bohren können, wo sie den sichersten Stand bieten.

Mit einem Gewicht von knapp 3,75 Kilogramm und einer maximalen Belastung von 6 Kilogramm besitzt die Kombination ein gutes Verhältnis zwischen Eigengewicht und Belastbarkeit. Im Lieferumfang ist eine Stativtasche mit Trageriemen enthalten. Die Stativ-/Stativkopf-Kombination hat eine unverbindliche Preisempfehlung von knapp 440 Euro. Beide Komponenten sind auch separat erhältlich und natürlich auch mit anderen Köpfen bzw. Stativen kombinierbar. Einzeln kostet das Alu-Stativ Abeo Plus 323AT 290 €, der Kopf PH-123V rund 150 € unverbindliche Preisempfehlung.


Stativ-Tests Auswahl

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Harm-Diercks Gronewold

Harm-Diercks Gronewold, 46, ist gelernter Fotokaufmann und hat etliche Jahre im Fotofachhandel gearbeitet, bevor er 2005 in die digitalkamera.de-Redaktion kam. Seine Schwerpunkte sind die Produktdatenbanken, Bildbearbeitung, Fototipps sowie die Berichterstattung über Software und Zubehör. Er ist es auch, der meistens vor der Kamera in unseren Videos zu sehen ist und die Produkte vorführt.

 

Jan-Markus Rupprecht

Jan-Markus Rupprecht, 52, fotografiert mit Digitalkameras seit 1995, zunächst beruflich für die Technische Dokumentation. Aus Begeisterung für die damals neue Technik gründete er 1997 digitalkamera.de, das Online-Portal zur Digitalfotografie, von dem er bis heute Chefredakteur und Herausgeber ist. 2013 startete er digitalEyes.de als weiteres Online-Magazin, das den Bogen der digitalen Bildaufzeichnung noch weiter spannt.

Kurzbewertung

  • Schwenkbare Mittelsäule
  • Justierbare Schnellverschlüsse
  • Gelungenes Gegengewichtssystem
  • Schwergängige Anstellwinkelsperren
  • Schwerfälliger Stativfußwechsel