Vlogging-Kit für Smartphones und normale Kameras

Testbericht: Joby GorillaPod mit Wavo Mobile und Beamo Mini

2020-05-22 Schön an dem Joby Vlogging Kit ist seine universelle Verwendbarkeit. Das hochwertige Mikrofon und die LED-Leuchte lassen sich nicht nur mit einem Smartphone, sondern gut auch mit einer normalen Digitalkamera verwenden, sofern diese einen Blitzschuh hat, in dem man die LED-Leuchte und das Mikrofon befestigen kann.  (Jan-Markus Rupprecht)

Hinweis  Kürzlich haben wir das Joby Vlogging-Kit auf digitalEyes.de schon in Verbindung mit einem Smartphone getestet, wofür das Set in erster Linie gedacht ist. Wie gut sich das universell verwendbare Set mit Fotokameras verwenden lässt, haben wir für diesen Test auf digitalkamera.de untersucht.

Joby, ursprünglich bekannt durch seine GorillaPod-Stative, hat sich in den letzten Jahren zu einem recht vielseitigen Zubehör-Hersteller gemausert. Im Vordergrund standen dabei bislang kleine Stative und Halterungen im weitesten Sinne. Neu sind jetzt "richtige Geräte" in Form von zwei Mikrofonen und zwei Video-LED-Leuchten. Von denen ist jeweils die kleinere/günstigere Version in das hier getestete Vlogging-Kit eingeflossen. Das gesamte Kit besteht aus folgenden Komponenten:

  • GorillaPod Mobile Rig bestehend aus GorillaPod-Stativ (ohne Kopf) als Basis, Smartphone-Halterung, zwei biegsamen Armen, Blitzschschuh-Halterung und Actioncam-Halterung. Dieses Set gibt es auch separat, es kostet knapp 100 Euro.
  • Wavo Mobile Mikrofon samt Zubehör, separat für knapp 40 Euro zu haben.
  • Beamo Mini LED-Leuchte samt Zubehör, separat für knapp 70 Euro zu haben. 

Das komplette Set kostet knapp 200 Euro. Man spart also gerade mal 10 Euro, wenn man alles im Vlogging-Kit kauft. Wer also nur scharf auf bestimmte Komponenten aus dem Vlogging-Kit ist, macht nichts falsch, wenn er sich diese gezielt einzeln kauft. Dann kann er ggf. sogar noch anders und passender einkaufen, je nachdem, wie man die Sachen sonst noch verwenden will. Dazu haben wir unten im Text einige Empfehlungen.

  • Bild Der komplette Lieferumfang des Joby GorillaPod Mobile Vlogging-Kits. [Foto: Joby]

    Der komplette Lieferumfang des Joby GorillaPod Mobile Vlogging-Kits. [Foto: Joby]

GorillaPod Mobile Rig

Basis des ganzen Systems ist das GorillaPod Mobile Rig. Von dem braucht man in Verbindung mit Fotokameras die Smartphone-Halterung nicht, sondern nur das eigentliche Gorilla-Pod-Stativ, den Unterbau sozusagen. Lässt man die Smartphone-Klemme weg, entfällt auch die Möglichkeit, die beiden Zusatzarme anzuschrauben (auf eine Alternative kommen wir gleich zu sprechen). Ob das schlimm ist, hängt von der Kamera ab, an der man das weitere Zubehör – das Mikrofon und die LED-Leuchte – betreiben will. Hat die Kamera einen Blitzschuh, ist alles gut, dann steckt man dort mit einem kleinen Adapter die LED-Leuchte hinein und an die Leuchte einfach das Mikrofon mit seiner elastischen Halterung. Die Smartphone-Halterung samt Zusatzarmen legt man sich fürs Filmen mit dem Smartphone beiseite.

Will man aber mit einer Kamera Vloggen, die keinen Blitzschuh hat, wie beispielsweise die ausdrücklich als Vlogger-Kamera auf den Markt gebrachte Canon PowerShot G 7X Mark III, dann hat man ein Problem: Wohin mit der LED-Leuchte und dem Mikrofon? Dann sind Zusatzkomponenten gefragt. Entweder man nutzt eine übliche "Blitzschiene", die unter die Kamera geschraubt wird und einen "Cold Shoe", einen Zubehör-Schuh ohne Kontakte, hat. Dort hinein kommt dann die LED-Leuchte, und daran wiederum das Mikrofon.

Oder man greift zu einem Zubehör von Joby für seine Gorillapods. Das Ding nennt sich "Abnehmbare Unterlegscheibe mit zwei 1/4''-20 Gewinden" und ist praktisch ein flacher Teller, der zwischen Gorillapod und Stativkopf montiert wird. Stativkopf? Ja, ohne geht es nicht, weil man irgendwie einen Abstand zwischen der "Abnehmbaren Unterlegscheibe" und der Kamera herstellen muss, denn die Zusatzarme gehen von der Platte aus nur ganz leicht abgewinkelt nach oben. Ehrlicherweise muss man sagen, dass hier das umfangreiche Joby-Sortiment noch eine Lücke hat, denn natürlich kann man einen kleinen Kugelkopf auf das Gorillapod-Stativ montieren, aber fürs Vloggen braucht man das eigentlich nicht – dadurch wird die ganze Sache eigentlich unnötig kopflastig.

Einzeln gibt es "Abnehmbare Unterlegscheibe mit zwei 1/4''-20 Gewinden" übrigens gar nicht, sondern nur in einem Kit bei dem wiederum zwei Arme dabei sind. Dann macht das GorillaPod Mobile Rig keinen Sinn und man kann lieber zum "GorillaPod Rig" genannten Set greifen. Das kostet zwar stolze 135 Euro (reduziert von 219,90 Euro!) und da kommen dann noch LED-Leuchte und Mikrofon dazu. Dafür bekommt man aber auch einen durchaus hochwertigen "richtigen" Kugelkopf aus Metall inklusive Arca-Swiss-kompatibler Schnellwechselplatte. Aber eben auch nicht ganz billig.

Zwischenfazit: Wenn man eine Kamera mit Blitzschuh hat, lässt sich das Joby Vlogger Mobile Kit auch dafür gut verwenden, Leuchte und Mikro werden einfach oben auf die Kamera in den Blitzschuh gesteckt. Der Gorillapod dient unten als Griff oder Tisch-Stativ. Alles super. Hat die Kamera aber keinen Blitzschuh/Zubehör-Schuh, hilft das Vlogger Mobile Kit erstmal nicht weiter. Man müsste schauen, wie man Mikrofon und LED-Leuchte befestigt, die wir uns nachfolgend noch angeschaut haben.

  • Bild Das Joby GorillaPod Vlogging-Kit eignet sich nicht nur für Smartphones, sondern auch für normale Kamears. [Foto: Joby]

    Das Joby GorillaPod Vlogging-Kit eignet sich nicht nur für Smartphones, sondern auch für normale Kamears. [Foto: Joby]

  • Bild Bei uns im Test mit der Sony Alpha 7 III: Gorillapod,  Beamo Mini (mit Silikon-Diffusor) und Weavo Mobile Mikrofon. Das Mikrofon kann seitlich oder oben an der Leuchte angesteckt werden. [Foto: MediaNord]

    Bei uns im Test mit der Sony Alpha 7 III: Gorillapod,  Beamo Mini (mit Silikon-Diffusor) und Weavo Mobile Mikrofon. Das Mikrofon kann seitlich oder oben an der Leuchte angesteckt werden. [Foto: MediaNord]

  • Bild Eine Alternative aus dem Joby-Sortiment, wenn man die Smartphone-Halterung sowieso nicht braucht: Das GorillaPod Rig bietet die Möglichkeit, die Arme an einer Adapterplatte zwischen Stativ und Kopf zu montieren. Mikro und Licht kommen dann noch hinzu. [Foto: Joby]

    Eine Alternative aus dem Joby-Sortiment, wenn man die Smartphone-Halterung sowieso nicht braucht: Das GorillaPod Rig bietet die Möglichkeit, die Arme an einer Adapterplatte zwischen Stativ und Kopf zu montieren. Mikro und Licht kommen dann noch hinzu. [Foto: Joby]

Wavo Mobile Mikrofon

Anders als die Joby-Stative ist das Mikrofon massiv aus Metall (aus schwarz eloxiertem Aluminium) gefertigt. Es sitzt in einer schwingungsdämpfenden Halterung, wodurch sich Handhabungsgeräusche vom Stativ und vom Smartphone nicht auf das Mikrofon übertragen sollen, was auch bestens funktioniert. Die Halterung wurde übrigens von der Firma Rycote entwickelt, die (wie auch Joby seit einiger Zeit) zur Vitec Group gehört und nichts anderes macht, als Wind- und Körperschall-Dämpfungssysteme für Mikrofone zu entwickeln und herzustellen. 

Das Mikrofon wird mit zwei Kabeln geliefert. Mikrofonseitig haben die Kabel beide einen abgewinkelten, dreipoligen Klinkenstecker, obwohl es sich bei dem Mikrofon nicht etwa um ein Stereo-Mikrofon handelt, sondern um ein Mono-Mikrofon. Auf der anderen Seite sitzt bei einem der Kabel ebenfalls ein dreipoliger 3,5-mm-Klinkenstecker, beim anderen Kabel ein 4-poliger. Letzteres braucht man für die Verwendung am Smartphone. Für Kameras mit Mikrofonbuchse verwendet man das Kabel mit dem 3-poligen Stecker. Dieses ist so beschaltet, das das Mono-Signal auf beiden Stereokanälen landet.

Das Mikrofon in Elektret-Kondensator-Bauweise hat eine Nieren-Charakteristik, d. h. von hinten nimmt es praktisch keine Geräusche auf, sondern nur ein wenig von der Seite und hauptsächlich von vorn. Die Richtwirkung ist sehr ausgeprägt, das kann man leicht ausprobieren, indem man das Mikrofon von der Seite bespricht: Dann ist der Ton höchstens halb so laut, wie wenn er direkt von vorn einfällt. Wir haben das Joby Wavo Mobile an der Sony Alpha 7 III ausprobiert und waren ziemlich begeistert. Der Klang gewinnt gegenüber dem eingebauten Mikrofon drastisch an Qualität. Statt viele "Raumgeräusche" wird das Geschehen vor der Kamera sehr fokussiert aufgenommen, Stimmen klingen natürlicher und voluminöser, haben mehr Bass. Schade ist allein, dass der Ton nur Mono ist, aber fürs Vlogging, wo es auf den Ton direkt vor der Kamera ankommt, kann man das verschmerzen. 

Bei Außenaufnahmen kann man zudem den "Puschel" als Windschutz aufsetzen, der Windgeräusche wirksam reduziert. Erst der Windschutz macht das Mikrofon recht groß (und auffällig). Alleine ist es sehr zierlich und kann auch sehr gut in die "Cold Shoe"-Halterung direkt an der Smartphone-Klemme eingesetzt werden. Einzeln kostet das Mikrofon übrigens nur knapp 40 Euro, was für die Qualität günstig ist. Und da ist schon das zweite Kabel mit dabei, das man fürs Smartphone braucht – und als nette Dreingabe sogar ein Adapter Klinke auf Lightning-Stecker für iPhones, falls man das braucht.

  • Bild Für Apple iPhones wird beim Wavo Mobile Mikrofon sogar ein Lightning-Adapter mitgeliefert. [Foto: Joby]

    Für Apple iPhones wird beim Wavo Mobile Mikrofon sogar ein Lightning-Adapter mitgeliefert. [Foto: Joby]

  • Bild Das Joby Wavo Mobile Mikrofon besitzt eine Halterung für Blitzschuhe (mit und ohne Kontakte), die auch ein 1/4-Zoll Gewinde (weiblich) hat, sodass das Mikrofon auch an Stativen befestigt werden kann. [Foto: Joby]

    Das Joby Wavo Mobile Mikrofon besitzt eine Halterung für Blitzschuhe (mit und ohne Kontakte), die auch ein 1/4-Zoll Gewinde (weiblich) hat, sodass das Mikrofon auch an Stativen befestigt werden kann. [Foto: Joby]

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Autor

Jan-Markus Rupprecht

Jan-Markus Rupprecht, 55, fotografiert mit Digitalkameras seit 1995, zunächst beruflich für die Technische Dokumentation. Aus Begeisterung für die damals neue Technik gründete er 1997 digitalkamera.de, das Online-Portal zur Digitalfotografie, von dem er bis heute Chefredakteur und Herausgeber ist. 2013 startete er digitalEyes.de als weiteres Online-Magazin, das den Bogen der digitalen Bildaufzeichnung noch weiter spannt.