Video-Zubehör

Rollei Teleprompter MT12 im Test

2024-06-27 In den 1950er Jahren revolutionierten die US-Amerikaner Hubert Schlafly und Irwin B. Kahn mit ihrer Erfindung des Teleprompters die Welt der Live-Übertragungen. Die Grundprinzipien dieser Technik haben sich seitdem kaum verändert, abgesehen davon, dass Teleprompter heute kompakter und erschwinglicher geworden sind. Im heutigen Test nehmen wir den preisgünstigen und robusten Rollei MT12 Teleprompter unter die Lupe.  (Harm-Diercks Gronewold)

Funktionsweise

Der Rollei MT12 bleibt dem klassischen Funktionsprinzip treu: Ein teilverspiegeltes Glas, ein Balgen und eine Textquelle bilden das Herzstück des Geräts. Das Glas ist so ausgerichtet, dass die stark reflektierende Seite dem Sprecher zugewandt ist, während die weniger reflektierende Seite nach hinten zur Kamera zeigt. Diese Anordnung ermöglicht es der Kamera, durch das Glas den Sprecher zu filmen, wobei der Lichtverlust durch das Glas gering ist. Rollei gibt eine Lichtdurchlässigkeit von 70 Prozent und eine Reflexion von 30 Prozent an.

Die Textquelle – ein Tablet-Computer oder Smartphone – projiziert den Text auf die Glasscheibe, sodass der Sprecher diesen lesen kann, während er direkt in die Kamera schaut. Ein Balgen verhindert störende Lichtreflexionen und umschließt das Objektiv der Kamera, um eine ungestörte Sicht zu gewährleisten.

Lieferumfang

Der Rollei Teleprompter MT12 wird in einer gepolsterten Kunststofftasche geliefert, um das Glas zu schützen. Zum Lieferumfang gehören eine Smartphone-Halterung, zwei Inbusschlüssel, eine 1/4-Zoll-Stativschraube sowie vormontierte Komponenten wie der Stativkopf, eine Schnellwechselplatte und eine lichtdichte Kunststofftülle. Eine Bluetooth-Fernbedienung zur Steuerung der Texte ist ebenfalls enthalten und auch ein kleines Reinigungstuch hat Rollei beigelegt.

Verarbeitung und Ausstattung

Der MT12 besteht größtenteils aus stabilem Metall und wiegt knapp 1,8 Kilogramm. Mit Abmessungen von 27 cm Länge, 26 cm Höhe und 32 cm Tiefe ist er relativ groß und erfordert ein solides Stativ, das auch noch eine Kamera und ein Tablet tragen kann. Der Prompter bietet verschiedene 1/4-Zoll-Gewinde zur Montage von verschiedenem Zubehör, wie LED-Leuchten oder Mikrofonen, und macht aufgrund seiner robusten Bauweise auch den Eindruck, dass er der derlei Zubehör problemlos tragen kann. Drei der Gewinde sind auf dem Rahmen und jeweils vier Befestigungsgewinde sind links und rechts im massiven U-förmigen Halter untergebracht. Man hat also jede Menge Möglichkeiten Zubehör anzuschrauben

Die Vorderseite des MT12 enthält die Tablet-Halterung und einen variablen "Stopper" für den Anstellwinkel des Spiegels. Die Rückseite bietet unter anderem massive Fixierschrauben für die Tablet-Halterung und einen stabilen Stativkopf. Dieser ist immer parallel zur Bodenplatte ausgerichtet und verfügt über eine knapp 12 Zentimeter lange Kameraplatte mit 1/4- und 3/8-Zoll-Schraube sowie einem Videopin. Die Platte wird mit einer Knebelschraube auf dem Kopf fixiert und ist durch eine Federsicherung vor dem Herausrutschen geschützt.

Die Tablet-Halterung kann Tablets bis zu einer Größe von 13 Zoll (ca. 33 Zentimeter) beziehungsweise 28 x 24 Zentimeter aufnehmen. Wird der eher billig wirkende Smartphone-Halter montiert, so lassen sich Smartphone bis maximal 6,8 Zoll (ca. 17 Zentimeter) Diagonale befestigen. Ehrlicherweise muss man sagen, dass es wenig Sinn macht, so einen großen Teleprompter zu kaufen, um ihn dann mit einem kleinen Smartphone zu betreiben. Die Smartphone-Halterung ist also eher als Notlösung oder Backup für alle Fälle zu sehen.

Um den MT12 optimal auszurichten, können zwei Nivellierlibellen am Kopf verwendet werden. Falls die Kamera mit Objektiv zu lang ist und Gefahr läuft, an den Spiegel zu stoßen, kann der Stativkopf um bis zu fünf Zentimeter nach hinten versetzt werden. Dazu müssen jedoch Inbusschrauben auf der Unterseite des MT12 gelöst werden. Es ist wichtig zu beachten, dass der Abstandshalter ein zweiteiliges Aluminiumprofil in U-Form ist und die Höhenfixierung des Stativkopfes nur einseitig erfolgt.

Die Einrichtung des MT12 erfordert etwas Zeit, da die Kamera montiert, ausgerichtet und der Spiegel in die optimale Position gebracht werden muss. In der Regel wird man die aufnehmende Kamera nicht häufig wechseln, sodass diese Arbeiten nur selten anfallen.

Tipp Wir empfehlen, die Kamera mit Objektiv grob neben den MT12 zu halten und zu prüfen, ob die Objektivfront zu dicht an der Spiegelscheibe ist. Besonders bei Zoom-Objektiven sollte die maximale Tubuslänge getestet werden. Falls das Objektiv die Baulänge beim Fokussieren verändert, muss dies ebenfalls berücksichtigt werden. Alternativ kann der Autofokus deaktiviert und der Fokus einmalig manuell eingestellt werden.

Die App

Um Texte mit dem Teleprompter anzuzeigen, muss eine App auf dem Tablet oder Smartphone installiert werden. Grundsätzlich funktionieren alle Teleprompter-Apps mit dem MT12. Rollei bietet dazu die hauseigene, kostenlose "PromptMaster"-App. Diese ist für Android zurzeit (Stand 06/2024) nur im Amazon App Store erhältlich, spricht also hauptsächlich Nutzer von Amazon Kindle Tablets an. Anwender von Android Tablets müssen entweder den Amazon App Store installieren oder eine andere Teleprompter-App installieren. Nutzer von Apple iPhones oder iPads finden die App hingegen im Apple App Store. Mit weniger als vier Megabyte ist die Rollei-App angenehm klein und benötigt lediglich Zugriff auf die Bluetooth-Funktion. Ohne diese ist die Verwendung der mitgelieferten Präsentations-Fernbedienung nicht möglich.

Die PromptMaster App bietet die Möglichkeit, verschiedene Dokumente anzulegen, Schriftgrößen in der Teleprompter-Ansicht zu verändern, den Bildschirminhalt zu spiegeln und die Anzeigegeschwindigkeit anzupassen. Mit einem Fingertipp lässt sich der Bildschirminhalt um 90° drehen, sodass es nahezu egal ist, wie das Tablet im MT12 montiert wird.

Mit der Fernbedienung lässt sich der Textlauf starten und stoppen. Auch ein mittig sichtbarer und anpassbarer Countdown von null bis zehn Sekunden lässt sich einblenden. Natürlich kann der Textlauf auch pausiert und zur Anfangsposition zurückgesetzt werden. Einige Funktionen wie das Ändern der Textgröße oder Farbe müssen jedoch direkt am Tablet vorgenommen werden, da diese Einstellungen nicht über die Fernbedienung zugänglich sind.

Ein Kritikpunkt ist das Fehlen eines Markup-Modus für die Texte in der App. Es wird also nur reiner Text angezeigt ohne Hervorhebungen wie fett oder kursiv. Dadurch lassen sich keine visuellen Hervorhebungen machen, um beispielsweise Betonungen oder Geschwindigkeitsänderungen kenntlich zu machen. Auch die Navigation im Hauptmenü und der Dokumentenauswahl über die Fernbedienung ist nicht möglich. Weitere leichte Kritik muss sich die Fernbedienung gefallen lassen, denn der große "OK"-Taster auf der Vorderseite erzeugt bei Betätigung ein deutlich hörbares Klicken, das leicht auf der Tonspur der Aufnahme zu hören ist. Am besten nutzt man während der laufenden Aufnahme also nur die Geschwindigkeitsregulierung.

Fazit

Der Rollei MT12 Teleprompter ist solide gebaut und lässt sich sehr individuell auf die verwendete Kamera und das Objektiv einrichten. Zahlreiche Gewinde ermöglichen die Montage von Mikrofonen oder Leuchten. Die App ist sehr einfach gehalten und bietet wenig Funktionen. Android-Anwender müssten allerdings erst den Amazon App Store installieren und von dort aus die App. Da lohnt es sich eher nach einer alternativen Teleprompter-App Ausschau zu halten. Bei der Fernbedienung stört das laute Klicken der Start-Stopp-Taste. Angesichts des sehr günstigen Preises von zum Testzeitpunkt 100 Euro statt 250 Euro lässt sich das problemlos verschmerzen, denn die für den Preis gelieferte Hardware ist ihr Geld mehr als wert.

Kurzbewertung

  • Robuste Bauweise
  • Viele Zubehör Anschlussmöglichkeiten
  • Fernbedienung im Lieferumfang
  • Lange Stativschnellwechselplatte
  • "OK" Knopf an der Fernbedienung laut
  • App lässt einige Funktionen vermissen
  • Android App nur über Amazon App Store

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