Corel Corporation

Testbericht: Corel Corporation Corel Draw 9 (Photo Paint 9)

2000-03-15 Corel Draw ist schon fast ein Veteran bei den Grafikprogrammen: Zusammen mit seinem ewigen Rivalen Picture Publisher aus dem Hause Micrografx hat sich das Bildverarbeitungsprogramm Photo-Paint im Laufe der Jahre zum Klassiker und zur echten Alternative zum Profi-Werkzeug Adobe Photoshop weiterentwickelt. Heutzutage ist Photo-Paint ein fester Bestandteil von Corel Draw, das es mittlerweile in Version 9 gibt.  (Jan-Markus Rupprecht)

   Corel Draw 9 [Foto: MediaNord]
Die Corel Draw 9 Grafiksuite besteht aus mehreren Einzelprogrammen; die zwei Hauptbestandteile sind das Vektorgrafik- und Layoutprogramm Corel Draw 9 und eben das Bildverarbeitungsprogramm Photo-Paint 9. Auf den drei vollgepackten Installations-CDs findet man auch nützliche Zusatzprogramme wie CorelTrace, CorelCapture und CorelScript sowie nicht weniger als 25.000 Cliparts, 1.000 Schriften und 1.000 Fotos in hoher Auflösung. Mit knapp 1.400 DM ist man vom Preis und von der Funktionsvielfalt her nicht mehr weit von Adobe Photoshop entfernt, bekommt aber dafür eine geballte Ladung an Software. Photo-Paint 9 läßt sich zwar auch einzeln installieren, um Festplattenplatz zu sparen, wer sich allerdings sowieso auf die Bildverarbeitung beschränken will, der kann Photo-Paint 9 auch als Einzelprodukt für rund 600 DM erwerben. In diesem Bericht werden wir nur auf Photo-Paint 9 eingehen.

Beim Starten von Photo-Paint wird man gleich mit der Wahl konfrontiert, ein vorhandenes Bild aus der Rechnerumgebung zu öffnen bzw. ein neues Bild zu editieren oder das zuletzt bearbeitete Bild wieder aufzurufen. Eine TWAIN-Schnittstelle zu einem angeschlossenen Scanner ist ebenfalls vorhanden. Photo-Paint-Neulinge bekommen mit CorelTutor ein paar Nachhilfestunden. Ein bißchen versteckt sind die zusätzlichen Datei-Funktionen: Wer auf das Standard-Begrüßungsfenster verzichtet und den Menüpunkt "Datei" aus der oberen Bildschirmleiste aufruft, bekommt auch die Möglichkeit, eine Digitalkamera (120 verschiedene Modelle werden unterstützt) direkt anzusprechen, Bilder in niedriger Auflösung einzulesen oder im Stapel zu verarbeiten. Ist das Bild geöffnet, präsentiert sich Photo-Paint in seiner gesamten Funktionsvielfalt.

Corel Draw 9 Arbeitsoberfläche [Foto: MediaNord]
 
  

Photo-Paint ist eindeutig ein Bildverarbeitungsprogramm für professionelle Ansprüche: Auf der linken Fensterleiste findet man alle gängigen Bildverarbeitungswerkzeuge wie Pinsel, Lupe oder Schneidewerkzeug in der gewohnten Form wieder, am rechten Bildschirmrand werden sämtliche Farbkanäle bzw. Ebenen, X/Y-Koordinaten sowie RGB/CMYK-Werte angegeben. Die Farbpalette ist selbstverständlich auch präsent; über spezielle Schaltflächen erhält man den Schnellzugang zu den Pinseleinstellungen oder der gesamten History-Liste, um nur einige Beispiele zu nennen. Kaum eine Bildverarbeitungsfunktion fehlt in Photo-Paint, selbst die Fähigkeit, Skript oder Visual-Basic-Makros zu verarbeiten, ist vorhanden. Eine detaillierte Beschreibung aller möglichen Auswahl- oder Korrekturfunktionen würde Bücherbände füllen – das bekommt man spätestens beim Blick auf das dicke Handbuch zu spüren. Auch mit Filtern und Bildeffekten wird bei Corel nicht gespart: neben den gängigen Filtern findet man solch ungewöhnliche Effekte wie "Blasen"- oder "Elefantenhaut"-Filter. Wem das nicht genügt, der kann Photoshop-kompatible PlugIn-Filter einbinden, zwei Filtersammlungen sind schon in Photo-Paint integriert. Wer Beleuchtungs- und Reflexionseffekte, digitale Wasserzeichen oder Web-basierte Funktionen sucht, wird bei Photo-Paint ebenfalls fündig.

Um seinen Ruf als professionelles Bildverarbeitungswerkzeug gerecht zu werden, integriert Photo-Paint ein komplettes Farbmanagment-System, so daß über den gesamten Verarbeitungsprozess die Farben so ausgegeben werden, wie sie auf dem Bildschirm bzw. auf dem Originaldokument erscheinen. Photo-Paint arbeitet zügig genug und verlangt keine astronomischen Systemvoraussetzungen. Photo-Paint verlangt dafür mehr von seinem Benutzer; ein solides Grundwissen in der Bildverarbeitung sollte man schon mitbringen, will man nicht ständig im Benutzerhandbuch oder im Hilfe-Menü nachschlagen. Corel Photo-Paint ist ein professionelles Produkt, das von den Möglichkeiten her mit dem Tenor Photoshop mithalten kann – vorausgesetzt es wird von einem ebenso professionellen Benutzer bedient, der alle Funktionen des Programmes ausreizen kann.

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Kurzbewertung

  • professionelles Bildverarbeitungsprogramm
  • große Funktionsvielfalt
  • nützliche Zusatzprogramme inklusive
  • Cliparts und Vorlagen inklusive
  •  lange Einarbeitungszeit

Autor

Jan-Markus Rupprecht

Jan-Markus Rupprecht, 56, fotografiert mit Digitalkameras seit 1995, zunächst beruflich für die Technische Dokumentation. Aus Begeisterung für die damals neue Technik gründete er 1997 digitalkamera.de, das Online-Portal zur Digitalfotografie, von dem er bis heute Chefredakteur und Herausgeber ist. 2013 startete er digitalEyes.de als weiteres Online-Magazin, das den Bogen der digitalen Bildaufzeichnung noch weiter spannt.