KI-gestützte Bildersuche als Lightroom-Plugin

Excire Search 2024 im Test

2024-01-16 Das Lightroom-Plugin Excire Search ist heute in seiner 2024er-Version erschienen und besitzt nun eine KI-basierte Suche mit frei formuliertem Text, eine Ästhetik-Analyse und eine verbesserte Fotoanalyse-KI. Damit wird die Suche noch leistungsfähiger und vielseitiger. Wir hatten die Gelegenheit, die Vorab-Version zu testen und stellen Excire Search 2024 heute gleich in Form eines Tests vor.  (Jan-Markus Rupprecht)

Excire Search als Plugin für Lightroom Classic ist schon einige Jahre auf dem Markt. Ursprünglich waren es mehrere einzelne Module, die später zu einem Gesamt-Plugin zusammengefasst wurden. Seit der Version 3.0 wird das Plugin nicht mehr mit seiner Versionsnummer vermarktet, sondern mit der Jahreszahl im Namen (damals 2022). Das jetzt ganz neu veröffentlichte Excire Search 2024 ist die Version 4.0.0 und hat folgende wesentliche Neuerungen:

  • Verbesserte Foto-Analyse KI.
  • KI-basierte Freitextsuche.
  • KI-basierte Foto Ästhetikbewertung und Suche nach ästhetischsten Fotos.
  • Die Excire Stichwort-Hierarchie wurde verbessert.
  • Die Duplikatensuche wurde verbessert, um die Benutzbarkeit zu erhöhen.

Excire Search vs. Excire Foto Neben Excire Search gibt es übrigens noch Excire Foto, ebenfalls aktuell in der seit Ende 2023 erhältlichen Version 2024. Excire Foto basiert auf der gleichen Such-Technologie, ist aber ein Stand-Alone-Programm zur Bildverwaltung, während Excire Search ein reines Lightroom-Plugin ist, also gar keine eigene Programmoberfläche besitzt, sondern sich so gut es geht in Lightroom integriert und dessen Fähigkeiten erweitert.

Die Auswahl, welches der beiden Excire-Programme man kaufen sollte, ist im Grunde ganz einfach. Wer mit Lightroom als Bildverwaltungsprogramm und Bildoptimierungsprogramm arbeitet, der wird natürlich kein Bildverwaltungsprogramm nebenbei haben wollen. Für den ist Excire Search gemacht. Wer aber nicht Lightroom nutzt, der kann auch mit Excire Search nichts anfangen. Für den gibt es Excire Foto mit eigener Programmoberfläche zum Finden und Verwalten von Fotos. Excire Foto hat keinerlei Bildbearbeitungsfunktionen. Zur Bildoptimierung übergibt man die Fotos aus Excire Foto immer an ein externes Programm, zum Beispiel Radiant Photo oder ein beliebiges Rohdatenverarbeitungsprogramm, bearbeitet sie dort und exportiert ein Duplikat und exportiert dieses wieder in Excire Foto.

Zuerst einmal verspricht Excire Search 2024 eine deutlich verbesserte Fotoanalyse mit bis zu zehnfach präziseren Ergebnissen bei allen Suchfunktionen. Das bedeutet, dass das Fotoarchiv auf jeden Fall neu indexiert und analysiert werden muss, selbst wenn man schon mit der Vorgängerversion gearbeitet hat. Wer schon eine noch frühere Version genutzt hat, kennt das von dem damaligen Umstieg. Die Analyse lässt man am besten über Nacht laufen, denn bei einigen 10.000 Fotos dauert das schon eine Weile und ist abhängig davon, wie performant der Rechner ist und vor allem, wie schnell auf die Fotos zugegriffen werden kann.

Sind die Fotos analysiert und die Ergebnisse der Analyse im Hintergrund in der Excire-Datenbank gespeichert, kann man die Suche nutzen. Da Excire Search ein Lightroom-Plugin (Zusatzmodul) ist, muss es sich Lightroom unterwerfen und kann sich nur soweit dort einnisten, wie Adobe das zulässt und versteckt sich entsprechend in Lightroom im Menü "Bibliothek" und im Menü "Hilfe" jeweils im Menüpunkt "Zusatzmoduloptionen". Wer viel damit arbeitet, wird vielleicht die Tastaturbefehle auswendig lernen, die im Menü genannt sind (siehe Screenhot). Wer das nicht macht, muss mit der Maus ins Menü navigieren oder mit Alt-I, Z und dann zum Beispiel einfach mit den Pfeiltasten navigieren.

Die Menüpunkte öffnen dann jeweils umfangreiche Dialogfenster, die durchweg gut verständlich sind. Im Zweifel hilft Ausprobieren. Kaputtmachen kann man nichts, denn es ist nur eine Suche; außer vielleicht, dass sich Stichwörter oder Ästhetikbewertungen in die Lightroom-Datenbank schreiben können, ohne dass man das vielleicht will. Die reine Suche ist aber natürlich völlig "ungefährlich" zu benutzen.

Man kann immer wählen, ob man im ganzen Katalog oder im Filmstreifen suchen möchte. Der Filmstreifen ist das, was in Lightroom am unteren Programmrand angezeigt wird, beziehungsweise auch im großen Fenster, wenn man dort die Kachelansicht hat. Excire sucht also entweder im gesamten Bilderbestand oder in der Auswahl, die man zuvor ausgewählt hat, beispielsweise ein Ordner auf der Festplatte oder eine Sammlung. Führt man zum Beispiel die erste Suche im gesamten Katalog durch und die zweite Suche im Filmstreifen, der dann die Sammlung "Excire Search" ist, kann man die Suche weiter verfeinern. Und immer weiter verfeinern, mit immer anderen Parametern, wenn man möchte.

Möchte man jedoch immer wieder neu suchen, aber nicht im ganzen Katalog, muss man immer wieder den gewünschten Suchort auswählen, zum Beispiel eine Veranstaltung oder ein Ordner mit dem Kalenderjahr, in dem die Fotos, in denen man suchen will, gespeichert sind. Das kann mitunter etwas lästig sein, wenn man dauernd zwischen der Sammlung Excire Search und einem Ordner hin und her navigieren muss. Eine Erleichterung kann es sein, einen Ordner auch als Sammlung anzulegen, dann ist die Suchquelle in der Lightroom-Oberfläche in der Nähe der Excire-Ergebnis-Sammlung zu finden und man muss nicht so viel hin und her scrollen.

Eine spannende neue Funktion ist die Freitextsuche, auch Prompt-AI genannt. Damit kann man auch Suchabfragen konstruieren, die mit einer normalen Stichwortsuche unmöglich wären. Man sucht also quasi mit einer Beschreibung von dem, was man auf dem Foto haben möchte. Die Ergebnisse enthalten oft auch viele Bilder, die nicht dem entsprechen, was man sich vorgestellt hat. In unseren Test-Suchen waren aber immer sehr, sehr viele Ergebnisse dabei, mit denen wir zufrieden waren. Besonders gut funktionierte beispielsweise "Segeln bei schlechtem Wetter". Bei dem Ergebnis war kein einziges Sonnenschein-Foto dabei. Stattdessen gab es viele Segler in dicker Segelkleidung und auch Fotos im richtigen Regen, wo man statistisch gesehen gar nicht so viele Fotos macht.

Klasse war auch das Ergebnis bei "Segelboot auf offener See". Das Ergebnis enthielt tatsächlich kein einziges Boot im Hafen oder an Land als Suchergebnis, sondern nur Boote auf dem Wasser. Vielleicht nicht unbedingt "auf offener See". Da waren schon ein paar Berge im Hintergrund (also ein Boot auf dem See und nicht auf der See), aber im Großen und Ganzen ein sehr schönes Ergebnis. Auf jeden Fall ist die Chance extrem groß, dass ein passendes Foto dabei ist, wenn man nur genug Auswahl im Fundus hat.

Präzise kann man alternativ natürlich mit der bewährten Stichwort-Suche suchen, zum Beispiel nach "Leuchtturm". Sowas kennt Excire Foto und fand bei mir gleich 440 Leuchtturm-Fotos und da waren nicht einmal Falsch-Positive Ergebnisse dabei. Erstaunlich: Teilweise lugte von einem Leuchtturm nur die Spitze über Bäume und der Leuchtturm war gar nicht das Hauptmotiv, wurde aber trotzdem fürs Stichwort erkannt.

Sehr einfach funktioniert die Suche nach ähnlichen Fotos. Man markiert ein Foto und Excire Search sucht dann ähnliche Fotos. In dem Dialogfeld kann man diverse Einstellungen vornehmen, zum Beispiel auch nach Farben suchen. "Mit Beispielfoto wie vorher suchen" umgeht man das Dialogfenster und sucht jederzeit sofort mit den zuletzt vorgenommenen Einstellungen. Das ist praktisch, wenn man die Suche beispielsweise an einem anderen Suchort wiederholen möchte.

"Mit externem Beispielfoto suchen" liefert einen Eingabedialog, in dem man entweder eine URL (Link) einkopieren kann oder eine lokale Datei als Beispiel auswählen kann. Die Vorlage muss dabei mindestens 224x224 Pixel groß sein, damit Excire Search darauf etwas erkennt. Nimmt man dabei beispielsweise ein Foto einer Kamera aus einer Website als Vorlage, bekommt man als Ergebnis diverse eigene Fotos von Kameras, die man im Laufe der Zeit gemacht hat, und zwar solche, auf denen die Kamera das Bild dominiert (wenn es ein solches Foto war, das man als Vorlage ausgewählt hat). Im Gegensatz dazu liefert eine Stichwortsuche nach "Kamera" auch solche Fotos, in denen keine Kamera das Hauptmotiv ist, sondern zum Beispiel eine Person, die eine Kamera in der Hand hält oder um den Hals hängen hat.

Weniger überzeugend fand ich persönlich die Ästhetiksuche. Diese wurde unter anderem mit abertausenden Fotos trainiert, die zuvor gut oder eben weniger gut bewertet wurden. Grundsätzlich kann man schon sagen, dass die Suche ansatzweise funktioniert. Das Ergebnis wird als "ästhetisch beste Fotos oben" ausgegeben und man mag schon zustimmen, dass die oberen Fotos im Mittel besser sein mögen als die viel weiter hinten im Ergebnis gelisteten Fotos. Bei Versuchen mit meinen Fotos waren aber viele Fotos auf den ersten Plätzen, denen ich selbst nur drei von fünf Sternen gegeben hatte.

Sehr spannend hingegen ist "Nach Gesichtern suchen ...". Das ist keine Personensuche (die gibt es extra), das heißt man findet zum Beispiel nicht ähnliche Gesichter oder bestimmte Personen. Bei der Gesichter-Suche geht es darum, beispielsweise bestimmte Anzahlen, etwa zwei Personen, auf einem Foto zu finden, die lächeln (oder eben nicht lächeln), die eher männlich sind oder weiblich und gegebenenfalls einer von fünf definierten Altersstufen angehören; also generelle Merkmale, keine konkreten Personen. Damit kann man zum Beispiel gezielt Gruppenfotos finden oder Fotos mit Kindern oder mit Senioren.

Eine richtige Personensuche hat Excire Search aber auch. Hierzu wählt man ein Foto als Vorlage und wählt "Nach Personen suchen ...". Dann kommt ein Dialog, in dem man aus allen auf dem Foto gut erkennbaren Gesichtern diejenigen auswählen kann, nach denen man sucht, also zum Beispiel Person drei und vier sollen in den gefundenen Fotos beide enthalten sein. Ferner sollen Sie zum Beispiel dort die Augen offen haben sollen vielleicht lächeln (alles optional). Unter den Suchergebnissen sind bei uns viele insofern falsche Fotos, die andere Personen zeigen als die in der Vorlage ausgewählten. Fazinierend ist aber, dass eben doch auch viele Fotos mit eben diesen beiden Personen gefunden werden, in diesem Fall zwei befreundete Kinder, und zwar in einem durchaus längeren Lebenszeitraum, indem sich das Aussehen der Kinder nicht unerheblich verändert hat. Wer also beispielsweise Fotos von der Oma zusammen mit einem Enkelkind sucht, wird im Suchergebnis neben anderen nicht korrekt passenden Fotos voraussichtlich auch etliche Fotos mit genau diesen beiden Personen finden; und das ganz ohne dass jemals eine Personenerkennung trainiert wurde oder die Personen individuell benannt wurden, wie es bei der Personensuche in Lightroom nötig ist.

Die Suche nach Duplikaten ist, wie alle anderen Suchen, fein justierbar. Sie findet also wahlweise ähnliche, oder auch nur genau identische Fotos. Der Suchvorgang dauert im Gegensatz zu allen anderen Suchen, die stets in wenigen Sekunden Ergebnisse zeigen, sehr, sehr lange und muss auch über Nacht durchgeführt werden, weil man während diese Suche die Excire Search Suche nicht für eine andere Suchabfrage suchen kann.

Excire Foto 2024 gibt es nur im Online-Shop des Herstellers. Mit der neuen 2024er Version erhöht sich der Preis gegenüber der Vorgängerversion, so wie es bei Excire Foto auch der Fall war. Die unverbindliche Preisempfehlung beträgt 189 Euro. Zunächst gilt aber ein Einführungspreis von 149 Euro. Auf diese Preise (auch auf den Einführungspreis) erhalten digitalkamera.de-Leser 15 % Rabatt, wenn sie beim Bezahlvorgang den Code DIGITALKAMERA angeben. Besitzer der Vorgängerversionen zahlen entweder 59 Euro (Excire Search 2022) oder 99 Euro (Excire Search 2). Für die Upgrade-Preise gilt der Rabatt nicht. Die Vorgängerversion ist zum alten Preis vorläufig weiterhin erhältlich. Der Kauf erfolgt in jedem Fall ausschließlich direkt beim Hersteller (siehe weiterführender Link). Eine 14 Tage nutzbare Testversion steht kostenlos zum Download bereit.

Fazit

Die neue Indexierung dauert zwar lange, scheint aber tatsächlich präziser zu sein. Die Ergebnisse im Test waren bei der Personensuche und auch bei der Stichwortsuche beeindruckend. Interessant ist auch die neue Suche mit selbst formulierten Bildbeschreibungen, die Ergebnisse liefert, die man mit der Stichwortsuche häufig nicht erreichen kann. Für Lightroom-Anwender mit sehr vielen Fotos kann Excire Search 2024 eine leistungsfähige Hilfe beim Finden der gesuchten Fotos sein und jede Menge Arbeit beim Indexieren von Fotos sparen. Der Kaufpreis ist nach der neuesten Preiserhöhung allerdings mittlerweile so hoch, dass sich der Nutzerkreis auf berufliche Anwender und Hobbyfotografen mit extrem vielen Fotos beschränken dürfte.

Kurzbewertung

  • Mächtige Suchfunktionen
  • Fein einstellbare Suchparameter
  • Viele verschiedene Möglichkeiten Bilder zu finden
  • Sehr viele Stichwörter, die gefunden werden
  • Bedienung durch die Integration als Plugin naturgemäß umständlich
  • Indexierung und Duplikatsuche in großen Bildbeständen dauert lange
  • Ziemlich teuer

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Autor

Jan-Markus Rupprecht

Jan-Markus Rupprecht, 58, fotografiert mit Digitalkameras seit 1995, zunächst beruflich für die Technische Dokumentation. Aus Begeisterung für die damals neue Technik gründete er 1997 digitalkamera.de, das Online-Portal zur Digitalfotografie, von dem er bis heute Chefredakteur und Herausgeber ist. 2013 startete er digitalEyes.de als weiteres Online-Magazin, das den Bogen der digitalen Bildaufzeichnung noch weiter spannt.