Rubriken: Studio, Zubehör

Stille Helfer im Studio

2003-01-27 Ein Studio können Sie sich nicht leisten? Sagen Sie das nicht. Eine nicht zu billige Kamera mit mindestens zwei Megapixel Auflösung und optischem 3-fach-Zoom sowie ein zusätzliches externes Blitzgerät mit Fernauslösung genügt für den Anfang. Eine große Aufhellwand, die eine weitere Lichtquelle ersetzt, können Sie selber bauen.  (Jürgen Rautenberg)

Bild 1: Bauschema einer Reflexwand [Foto: MediaNord]Das Optimieren von Porträts, Stillleben, Sach- oder Produktaufnahmen erleichtert ein Stativ, das zu ausbalanciertem, wiederholbarem Bildausschnitt verhilft. Das muss man kaufen. Vieles andere lässt sich mit ein bisschen handwerklichem Geschick selbst herstellen. Hier erhalten Sie die Anleitung zum Bau einer Reflektions-, Reflex- oder Aufhellwand – nennen Sie es, wie Sie mögen. Sie wird bald Ihr Allround-Helfer sein. Wenn Sie Ihr Licht seitlich anordnen, bleibt die gegenüber liegende Motivseite dunkel. Das kann im Einzelfall vorteilhaft sein, zumeist verlangt ein Motiv jedoch differenzierte Lichtführung. Eine zweite Lichtquelle zu deren Erzeugung können Sie sich sparen. Eine Reflexwand bringt das gleiche, ja oft ein besseres Ergebnis. Denn jede direkte Lichtquelle bringt durch eigene Schatten Unruhe ins Bild und kann dieses je nach Motiv und Intention verbessern, aber auch verschlechtern. Durch das weich gestreute Licht der Reflexwand wird der Schatten minimiert.

Leider hat man nicht immer einen Helfer dabei, der eine Reflexfläche halten kann. Wir zeigen Ihnen deshalb auf Bild eins eine frei stehende Konstruktion, an der – je nach individueller Aufgabenstellung – ein, zwei oder drei Styroporplatten beweglich befestigt werden können. Dieses Hilfsmittel kostet Sie kaum mehr als 20 EUR und ist sehr einfach herzustellen. Sie benötigen Säge, Bohrer, Holzschrauben und Schraubendreher, einen Maßstab und ein bisschen Sandpapier zum Glätten. An Material fällt an:

  • eine Leiste als Schaft für drei Styroporplatten (ca. 50 x 30 mm; Länge 1.900 mm, für weniger Platten entsprechend kürzer)
  • ein Fuß von 600 mm und eine Stützstrebe von ca. 750 mm aus der gleichen Leistenstärke
  • für den Querfuß ein 12 bis 20 mm starkes Brett von 500 x 150 mm, dessen Oberkanten wie auf Bild 2 abgeschrägt werden können (das spart Gewicht)
  • Hinzu kommen drei Leisten 20 x 40 x 500 mm als Verstärkung für die Styroporplatten sowie drei Schraubbolzen mit 5 mm Durchmesser und 90 mm Länge; dazu passend drei Unterlegscheiben und drei Flügelmuttern.
  Bild 2: Detail 1 der Styroporplatten-Befestigung [Foto: MediaNord]
  Bild 2: Detail 2 der Styroporplatten-Befestigung [Foto: MediaNord]
  Bild 4: Flash direkt links, Aufhellung rechts, Hintergrund teilweise abgedeckt [Foto: Jürgen Rautenberg]
  Bild 5: Tageslicht durch Fenster von links mit Aufhellung von rechts [Foto: Jürgen Rautenberg]

Verbinden Sie Schaft und Fuß rechtwinklig mit einem breiten Winkeleisen oder einem Scharnier [A]. Für bessere Stabilität sorgt zusätzlich eine diagonale Stützstrebe [B]. Sägen Sie in Fuß und Schaft je eine Kerbe und schrauben Sie die Stützstrebe an diesen Stellen fest [C]. Achten Sie dabei auf Einhaltung des rechten Winkels zwischen Schaft und Fuß, damit die fertige Wand später auch wirklich senkrecht steht! Den Querfuß schrauben Sie gegen das untere Ende des Schaftes [D].

Die Styroporplatten verstärken Sie an einer der Schmalseiten mit je einer Leiste ca. 20 x 40 x 500 mm. Bohren Sie zuvor durch die Mitte der schmalen Seite jeder Leiste ein Loch von 6 mm Durchmesser. Die gleichen Löcher bohren Sie, beginnend ca. 150 mm vom oberen Schaftende, im Abstand von je 510 mm durch die breite Seite des Schaftes; für jede geplante Styroporplatte eines [E]. Befestigen Sie dann die Leisten mit starkem doppeltem Klebeband (z. B. für Spiegelbefestigung) auf je einer Schmalseite der Styroporplatten [F]. Führen Sie je einen Bolzen durch die Bohrung der Verstärkung der Styroporplatten, dann durch die entsprechende Bohrung im Schaft, legen Sie die Zwischenlegscheibe ein und setzen Sie die Flügelmutter auf (Bild 2) – fertig ist Ihre Aufhellwand.

Bild vier zeigt einen eindeutig dunkleren Hintergrund als das gleiche Tulpenmotiv im Tipp "Aufhellen für Kenner". Hier wurde die Reflexwand zwischen Leuchte und Hintergrund platziert. Sie übernahm die Aufgabe, das Licht vom Hintergrund abzuhalten und so dessen Helligkeit – ganz oder teilweise – zu variieren; man benötigt durchaus nicht für jede Helligkeitsnuance einen gesonderten Hintergrund! Und noch eine Einsatzmöglichkeit: Bild fünf entstand mit Tageslicht direkt hinter einem Fenster. Es steht als Beispiel dafür, dass Sie die Aufhellwand auch bei der Ausleuchtung mit Sonnen- oder Glühlampenlicht (Weißabgleich!) verwenden können.


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Artikel mit Tipp-Charakter

Hier stellen wir für unsere Leser einige Hintergrund-Artikel mit Tipp-Charakter zusammen.

Zusammenfassung

Selbstgebaute Aufheller sind nützliche und preisgünstige Helfer für jedes Fotostudio. In der ausführlichen Fassung unseres Tipps der Woche zeigen wir Ihnen, wie man aus Styroporplatten und einigen Holzleisten recht einfach sehr funktionelle Reflexwände baut. Das Material kostet nur rund 20 EUR und die handwerklichen Arbeiten beschränken sich auf sägen, bohren und kleben. Das Resultat ist eine frei stehende Reflexwand, die manch aktive Lichtquelle ersetzt und oft noch bessere Ergebnisse liefert.