Rubrik: Zubehör

Stative – Teil 2: Kluge Köpfe für alle Aufgaben

2008-11-03 Würde die Kamera unmittelbar auf das Stativ geschraubt, so ergäbe sich eine sehr starre Verbindung zwischen Stativ und Kamera. Bei der Motivwahl müssten Stativ und Kamera stets gemeinsam bewegt werden, was recht umständlich wäre und selten zum gewünschten Ausschnitt führte. Makroaufnahmen sind mit derart starrer Verbindung gar nicht zu verwirklichen, Personenaufnahmen verlangen unter solchen Umständen vom Modell schier Unmögliches, hochformatige Aufnahmen sind nicht möglich. Ändern lässt sich das, indem zwischen Kamera und Stativ ein bewegliches Element eingefügt wird. Dafür stehen Kugelköpfe, Neiger bzw. Panoramaköpfe zur Wahl. In der Praxis besteht das Stativ aus einem, drei oder sogar vier Beinen mit dem angeschraubten Stativkopf. An der Kamera befindet sich die entsprechende Schnellwechselplatte, deren Name ihre Funktion ausreichend beschreibt.  (Günter Hauschild)

Kugelgelenkkopf von Manfrotto [Foto: MediaNord] Der Kugelkopf ist technisch gesehen ein Kugelgelenk. Die Gelenkpfanne wird mit dem Stativ verbunden, der Gelenkkopf an die Kamera angeschraubt. Durch einen Hebel wird der Gelenkkopf (die Kugel) in der Gelenkpfanne arretiert. Die Kugelform des Gelenkkopfes ermöglicht die Beweglichkeit – zusammen mit der Kamera – in alle drei Richtungen des Raumes. Zwei Einschnitte in der Gelenkpfanne gestatten die hochformatige Stellung der Kamera.

Ein etwas anderer Kugelkopf – MagicBall von Novoflex [Foto: Novoflex] Sein Vorteil ist die uneingeschränkte Beweglichkeit in alle Richtungen, sobald die Arretierung aufgehoben ist, und damit verbunden die Arretierung des gesamten Kugelkopfes – im Unterschied zu den Zweiwege- und Dreiwegeneigern – mit einem Handgriff. Das ist aber gleichzeitig auch sein Nachteil: Ist die eine Ebene ausgerichtet und soll das nun mit der Zweiten und Dritten auch erfolgen, ist nicht garantiert, dass die Erste in der ausgewählten Ausrichtung verbleibt – mit einem Griff können sich in aller Regel alle Einstellungsebenen ändern. Viel Fingerspitzengefühl und Erfahrung sind für den Umgang mit Kugelköpfen hilfreich. Wer das alles kann, hat mit dem Kugelkopf ein Gerät, mit dem es sich schnell arbeiten lässt. Kugelköpfe können eine Friktionseinstellung haben. Damit kann eingestellt werden, wie schwer sich der Kopf verstellen lässt. Das Gewicht von Kamera und Objektiv lässt sich dadurch ausgleichen.

Zweiwegeneiger [Foto: MediaNord] Der Zweiwegeneiger wird auch als Kinoneigekopf bezeichnet, womit sein Haupteinsatzgebiet bezeichnet ist. Die Festlegung der horizontalen Linie wird hier durch das Stativ, besser gesagt durch den Auszug der Stativbeine, erreicht. Die beiden anderen Ebenen sind über einen Hebel oder eine Schraube einzurichten und auch getrennt zu arretieren. Das Ausrichten des Stativs macht reichlich Mühe und legt die eine Ebene für die weitere Arbeit fest, was ein Vor-, aber auch ein Nachteil sein kann. Vorteilhaft ist auf jeden Fall, dass zwei Ebenen getrennt ausgerichtet und Dreiwegeneiger [Foto: MediaNord] arretiert werden können. Bei Objekten, die sich immer in einer Ebene bewegen, z. B. Fahrzeugen oder sich bewegenden Personen, lässt sich die Kamera mit einem Zweiwegeneiger sehr leicht nachführen. Wird bei der Aufnahme gern mit dem Sucher gearbeitet, sollte der Hebelgriff nur so lang sein, dass er zwischen Kamera und Körper des Fotografen Platz hat.

Getriebeneiger [Foto: MediaNord] Mit einem Dreiwegeneiger können alle Ebenen einzeln ausgerichtet und auch arretiert werden. Es ist damit das Gerät, an dem man die meisten Einstellungen vornehmen kann bzw. muss. Das sollte man nicht als Nachteil, sondern vielmehr als Vorteil ansehen. Wie sagte doch Fritz Pölking, der große deutsche Naturfotograf: Das Stativ "... erhöht die Freude an der Gestaltung ungemein. Aus der Hand drücke ich nur ab. Mit Stativ lasse ich mir mehr Zeit, befasse mich mit dem Motiv und entdecke immer neue Möglichkeiten." Jede Ebene kann gesondert eingestellt werden, sie verändert sich auch nicht, wenn in der anderen gearbeitet wird. Besonders komfortabel lässt sich mit den Neigeköpfen arbeiten, bei denen zunächst mit einer Schnellverstellung grob justiert und danach über einen Einstellknopf die Feineinstellung erfolgen kann. Eine zusätzliche Arretierung ist nicht notwendig, da alle Bewegungen selbsthemmend ausgeführt werden. Dreiwegeneiger mit kurzen Griffen sind bei der Arbeit sehr vorteilhaft. Manche Dreiwegeneiger haben für jede Ebene eine Skala, die für den Amateur eher seltener nutzbar sein werden.

Panoramadrehteller [Foto: MediaNord] Der Getriebeneiger ist eine Sonderform des eben beschriebenen Dreiwegeneigers. Für ihn gelten alle Angaben, die vom Dreiwegeneiger genannt worden sind. Sein Unterschied zu diesem besteht darin, dass alle Panoramakopf mit Panoramadrehteller [Foto: MediaNord] Bewegungen über Stellschrauben erfolgen, die auf einem Feingetriebe arbeiten. Dadurch wird der Getriebeneiger relativ langsam, aber – und das ist sein großer Vorteil – sehr genau. In der Makrofotografie ist er ein wertvoller Helfer, wenn nicht sogar unentbehrlich.

Der Panoramakopf schließlich ist ein ganz spezieller Stativkopf, der für die technischen Anforderungen der Panoramafotografie konstruiert ist. Je nach Art der Panoramafotografie sind unterschiedlich ausgestattete Modelle im Angebot. Basis dafür ist meist ein Drehteller mit Gradeinteilung und/oder verstellbaren Rastpunkten. Panoramaköpfe für Hoch- und Querformat-Panoramaaufnahmen um eine einzige Achse (so genannte zylindrische Panoramen) sind die einfachsten Ausführungen. Die Palette der Konstruktionen geht weiter mit Panoramaköpfen für mehrzeilige, kubische bzw. Kugelpanoramen mit pfiffigen Einstellmöglichkeiten, etwa für Nodalpunkt (den parallaxenfreien Drehpunkt) und Schwenkwinkel.

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