Rubrik: Bildbearbeitung

Software für einen analogen Film-Look

2013-12-30 Als noch auf analogem Film aufgenommen wurde, hatten Gradationskurve, Farbempfindlichkeit, Korn und vieles mehr des Filmmaterials einen erheblichen Einfluss auf die Wirkung einer Fotografie. Heutige Digitalkameras produzieren hingegen in der Regel technisch nahezu perfekte Bilder, was auf Dauer indes steril und langweilig wirken kann. Wer seinen Digitalaufnahmen eine ganz individuelle Note verleihen möchte, findet glücklicherweise diverse Software, die analoge Filmlooks simuliert. digitalkamera.de hat sich drei Filmsimulatoren näher angesehen: Alien Skin Exposure 5, DxO Filmpack 4 Expert und die entsprechende Module der Nik Collection.  (Martin Vieten)

In diesem Beitrag erfahren Sie, welche Möglichkeiten Sie mit dieser Software haben und welche Filmsimulatoren sich für wen besonders eignen. Wer seinen Fotos einen analogen Look aus längst vergangen Tagen verleihen möchte, kommt heute kaum noch um entsprechende Software herum. Zu viele Filmtypen werden heute nicht mehr produziert – gar nicht davon zu reden, dass auch die Anzahl fachkundiger Labore immer geringer wird. Glücklicherweise gibt es eine Reihe guter und bezahlbarer Software, die ein Digitalfoto gewissermaßen in die Vergangenheit schickt und ihm den Look einer analogen Aufnahme auf Dia- oder Negativfilm verleiht – wahlweise in Farbe oder Schwarzweiß. Dazu zählen Exposure 5 von Alien Skin für 149 Dollar (rund 108 Euro), Filmpack 4 Expert von DxO (129 Euro) sowie die komplette Nik Collection von Google mit den hier wichtigen Modulen „Silver Efex Pro“ und „Analog Efex Pro“ ebenfalls für 149 Dollar (Download-Links am Ende dieses Beitrags).

Während Exposure 5 und Filmpack 4 als eigenständige Programme laufen, aber auch als Plugin in Photoshop, Photoshop Elementes, Lightroom oder Aperture funktionieren, setzt die Nik Collection zwingend eines dieser Programme als Host-Anwendung voraus. Das ist indes kein allzu großer Beinbruch, denn ihr ganzes Potential entfalten die Filmsimulatoren ohnehin erst, wenn sie mit möglichst unbearbeiteten Raw-Dateien gefüttert werden. In der Praxis glänzen alle drei Kandidaten mit der Möglichkeit, in Photoshop als Smartfilter aufzutreten – so haben Sie die Möglichkeit, die Einstellungen im jeweiligen Plugin jederzeit ändern zu können. Kaum Unterschiede gibt es zudem bei der Bedienoberfläche: Alien Skin, DxO und die Nik Collection bedienen sich im Wesentlichen eines Bildschirmlayouts, wie es von Lightroom oder Aperture bekannt ist. Die Software von Nik (Google) und DxO melden sich auf Wunsch in Deutsch, Exposure 5 von Alien Skin gibt es hingegen nur in Englisch.

Vom Konzept her sehr ähnlich sind sich Alien Skin Exposure 5 und DxO Filmpack 4 Expert (DxO bietet auch eine deutlich abgespeckte „Essential“-Ausgabe, die wir uns nicht näher angesehen haben). In beiden Programmen gibt es eine Vielzahl an Vorgaben, die mit nur einem Mausklick Ihrem Foto den Look eines bestimmten Schwarzweiß- oder Farbfilms verleihen. So simulieren Sie im Handumdrehen eine Aufnahme auf dem nuancierten Schwarzweißfilm Kodak T-Max 100 oder dem für seine kräftige Farbwiedergabe bekannten Fuji Velvia 50. Beide Programme bieten zudem vielfältige Anpassungsmöglichkeiten, etwa der Gradationskurve, für Schärfe oder zur Simulation von Farbfiltern. Hierbei erweist sich Filmpack 4 als noch funktionsreicher, während Exposure 5 mit besonders vielen Optionen zur Steuerung des Filmkorns aufwartet. Wer möglichst viel innerhalb des Filmsimulators und nicht in Photoshop erledigen möchte, ist mit dem DxO Filmpack oder auch den beiden Plugins von Nik Software besser beraten – dafür überzeugt Alien Skin Exposure 5 mit einer besonders feinen Kontrastwiedergabe, die kaum noch Eingriffe erfordert.

In der umfangreichen Nik Collection dienen gleich zwei Filter der Simulation von analogen Filmen: Silver Efex Pro verwandelt Ihre Aufnahmen in stilechte Schwarzweißaufnahmen, das neue Plugin Analog Efex Pro beherrscht zudem die Simulation von Farbfilmen. Wobei „Simulation“ hier etwas zu viel versprochen ist: Analog Efex Pro kennt keine klassischen Filme als Vorgaben, die Palette „Filmtyp“ listet sie ebenfalls nicht. Wenn Sie auf Knopfdruck einen klassischen Farbfilm für den legendären Kodak Portra 160 oder eine Polaroid-Aufnahme auf Fuji FP 100C simulieren möchten, sind Sie mit Alien Skin Exposure 5 besser beraten. Seinen Vorteil gegenüber den anderen Plugins spielt Analog Efex Pro dann aus, wenn es darum geht, historische Looks zu nachzubilden. Auf Wunsch simuliert es den Lichteinfall in ein nicht gänzlich geschlossenes Kameragehäuse, bildet Abbildungsschwächen eines historischen Objektivs inklusive ausgefeilter Bokeh-Steuerung nach oder erzeugt den typischen Look abgegriffener Papierbilder. Fast das alles können Alien Skin Exposure 5 und DxO Filmpack 4 zwar auch, jedoch insbesondere letzteres nicht mit derart vielen Optionen wie das Plugin von Nik Software. 

Fazit Wem es vor allem auf eine möglichst akkurate Simulation einer analogen Bildwiedergabe ankommt, wird am besten von Alien Skin Exposure 5 mit Vorgaben und Einstellmöglichkeiten versorgt. Zudem arbeitet diese Software besonders flott, einen Fortschrittsbalken muss Photoshop bei diesem Plugin nur sehr selten einblenden. DxO Filmpack in der Expert-Variante fällt in Sachen Vorgaben und Einstellmöglichkeiten etwas zurück, bietet aber eine deutsche Benutzeroberfläche und liefert ähnlich überzeugende Ergebnisse wie die Software von Alien Skin. Da muss sich Nik Software mit seinen beiden Plugins Silver Efex Pro und Analog Efex Pro geschlagen geben. Die von Haus aus ein wenig harten Kontraste erfordern hier etwas Nacharbeit, die Simulation realer analoger Farbfilme gelingt mit Analog Efex Pro kaum. Dafür bietet die Nik Collection mit gleich sieben Plugins wie Dfine, Viveza oder Color Efex Pro ein unschlagbares Preis-/Leistungsverhältnis. Und die Simulation analoger Schwarzweiß-Filme mit Silver Efex Pro weiß ebenso zu überzeugen wie die mit den entsprechenden Plugins von Alien Skin und DxO. Grund genug für digitalkamera.de, in einem zukünftigen Fototipp die Simulation analoger Filme mit den Plugins aus der Nik Collection näher unter die Lupe zu nehmen. 

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