Rubrik: Bildbearbeitung

SmartCurve – Die Gradationskurve zum Nachrüsten

2008-01-28 Das kostenlose Plug-In SmartCurve bietet eine wichtige Ergänzung für Photoshop Elements und andere Programme. Denn SmartCurve bereichert viele Programme um eine vollwertige Gradationskurve. digitalkamera.de erklärt, wie man die kostenlose SmartCurve ins Programm integrieren und anwenden kann. Neben der reinen Gradationskurve bietet sie noch verschiedene Automatiken und interessante Anzeige-Optionen – Grund genug, die nützliche Kurve zum Nachrüsten genauer vorzustellen.  (Heico Neumeyer)

Die in Photoshop Elements eingebaute Gradationskurve lässt sich nur über Schieberegler verändern [Foto:Getty Images] Wir hatten es schon in unserem Testbericht zu Photoshop Elements 6 moniert (siehe weiterführende Links): Auch die neueste Version des Einsteiger-Bildprogramms von Adobe bietet keine vernünftige Gradationskurve. Der Befehl "Überarbeiten, Farbe anpassen, Farbkurven anpassen" in Elements 5 und 6 zeigt zwar eine Gradationskurve (1. Bild). Die jedoch lässt sich nur über Voreinstellungen oder Schieberegler steuern, nicht direkt durch das sonst übliche Ziehen am Graphen – so ist keine punktgenaue Kontrastkorrektur möglich. Andere Bildprogramme um 100 EUR bieten hier mehr, so etwa Paint Shop Pro, PhotoImpact oder PhotoLine.

Abhilfe schafft zum Glück ein kostenloses Plug-in, das sich mit allen Windows-Versionen von Photoshop Elements nutzen lässt. Es wird direkt ins Programm eingebunden und erscheint dort als neuer Menübefehl. Das Plug-in läuft auch in anderen Bildprogrammen, die eine so genannte Photoshop-Plug-in-Schnittstelle bieten – und das sind die meisten gängigen Pixelprogramme. Die SmartCurve lässt sich flott herunterladen, problemlos installieren und vielseitig nutzen. Neben der reinen Gradationskurve bietet sie noch verschiedene Automatiken und interessante Anzeige-Optionen.

Speichern Sie die SmartCurve-Dateien innerhalb des Plug-in-Ordners von Photoshop Elements [Foto:Heico Neumeyer] Die Installation bereitet keine Mühe: Man lädt zunächst die Datei "smartcurve.zip" herunter (siehe weiterführenden Link). Nach Doppelklick auf den Dateinamen auf der Festplatte erkennt man, dass die Zip-Datei vier einzelne Dateien enthält. Die zieht man in das Verzeichnis, das Photoshop Elements automatisch nach Plug-ins absucht, zum Beispiel C:/Programme/Adobe/Adobe Photoshop Elements 6.0/Plug-ins. Am besten legt man unterhalb von "Plug-ins" noch ein weiteres Unterverzeichnis an, zum Beispiel "SmartCurve" (2. Bild).

Man kann die vier Dateien aus "smartcurve.zip" jedoch auch in ein anderes Verzeichnis außerhalb der Elements-Installation entpacken, zum Beispiel in D:/Plug-Ins. Dann ist jedoch noch ein Schritt in Elements selbst erforderlich: nämlich "Bearbeiten, Voreinstellungen, Zusatzmodule" wählen und die Option "Zusätzlicher Zusatzmodulordner" einschalten. Spätestens wenn man ein zweites Mal auf diese Option klickt, sieht man auch den kleinen Dialog "Ordner suchen"; dort gibt man den Ordner an, in dem das Drittanbieter-Plug-in verstaut ist.

Startet man Elements neu, steht nun der neue Befehl "Filter, easy.Filter, SmartCurve" zur Verfügung. Die Gradationskurve verläuft zunächst exakt diagonal durchs Diagramm (3. Bild). Daran erkennt man, dass noch nichts geändert wurde. Nun das Dialogfeld auf die gewünschte Größe aufziehen. Interessant ist jetzt auch ein Blick auf das In der Neutralstellung läuft die Gradationskurve exakt diagonal durchs Diagramm [Foto:Getty Images] sehr informative, eingebaute Histogramm: Das Beispielbild erzeugt links im Histogramm kaum Ausschläge, also fehlen sehr helle Pixel. Bei den vorhandenen helleren Pixeln dominiert zudem die Grundfarbe Rot, das Bild hat also eventuell einen Rotstich in den Lichtern. Zur Korrektur klicken wir hier zunächst auf das rechte obere Ende der Gradationskurve und ziehen es oben am Diagramm entlang nach innen, bis es über den letzten Ausschlägen des Histogramms steht.

Das Dialogfeld meldet nun den "Eingabe"-Wert 207 und als "Ausgabe" 255. Das heißt, hellere Pixel mit dem Wert 207 steigen durch die Korrektur bis auf reines Weiß, auf 255, an. Die Linie verläuft nun durchgehend oberhalb der ursprünglichen Linie; daran erkennt man, dass auch andere Tonwerte mit ansteigen, wenn auch nicht so deutlich wie ganz helle Pixel. Das Histogramm erstreckt sich nun außerdem vom ganz linken bis zum ganz rechten Rand, der mögliche Tonwertumfang von 0 bis 255 wird also jetzt voll ausgenutzt – eine wichtige Voraussetzung für kontrastreiche, voll durchgezeichnete Bilder. Das Bild wirkt auch bereits brillanter, doch die Mitteltöne – zum Beispiel die Gesichter – erscheinen noch etwas dunkel. Klicken wir also einmal in ein Gesicht, so dass ein Anfasspunkt auf der Kurve entsteht. Diese Kurve ziehen wir behutsam nach oben. Dann ziehen wir anschließend den unteren Teil der Kurve wieder auf den ursprünglichen Verlauf, so dass tatsächlich nur mittlere und helle Pixel weiter ansteigen. Nach dem Klick auf OK hat man ein perfekt korrigiertes Bild vor sich. Nur für sehr starke Unter- und Überbelichtungen – etwa bei Gegenlichtaufnahmen – nimmt man statt der SmartCurve den Befehl "Überarbeiten, Beleuchtung anpassen, Tiefen/Lichter".

Verändern Sie die Gradationskurve so, dass Ihr Bild den möglichen Tonwertumfang ausnutzt und wichtige Bildteile in der gewünschten Helligkeit zeigt [Foto: Getty Images] Freilich hat die SmartCurve einen Nachteil: Im Gegensatz zu den Standardbefehlen "Helligkeit/Kontrast" und "Farbton/Sättigung" kann man sie in Elements nicht als abschaltbare Einstellungsebene übers Bild legen. Einstellungsebenen zeigen das Foto verändert, die Wirkung kann aber jederzeit abgeschaltet, gedämpft oder umgestellt werden. Einstellungsebenen lassen sich per Ebenenmaske sogar in einzelnen Bildteilen passgenau dämpfen. Diese flexiblere Bildbearbeitung ist aber auch mit dem SmartCurve-Plug-in machbar. Zunächst dupliziert man die aktuelle Bildebene per Strg+J, die Duplikatebene korrigieren man nun mit der smarten Kurve. Um die Wirkung abzuschwächen, senken wir die Deckkraft der korrigierten Ebene in der Ebenenpalette. Soll die SmartCurve nur aufhellen, aber nicht abdunkeln, setzt man den Überblendmodus von "Normal" auf "Aufhellen"; das Klappmenü findet sich ebenfalls oben in der Ebenenpalette. Brauchen einzelne Bildteile gar keine oder weniger Korrektur – zum Beispiel die Landschaft hinter den Portraits – dann radiert man dort Pixel mit dem Radiergummi weg. Für sanfte Korrekturen beginnt man mit einer niedrigen Radiergummi-Deckkraft wie 30 Prozent und weicher Werkzeugspitze.

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Heico Neumeyer

Heico Neumeyerschreibt Testberichte und Praxistipps für PC- und Fotozeitschriften und gibt Schulungen. Er ist auf digitale Bildbearbeitung und Fotografie spezialisiert. Sein Photoshop-Kompendium im Verlag Markt+Technik gilt seit vielen Jahren als Standardwerk. Neumeyer studierte Deutsch, Pädagogik und Politik in Berlin und Köln und war Redakteur bei einer Fotozeitschrift. Er ist bekannt für praxisnahe, gut lesbare Texte und maßgeschneiderte Schulungen. Er lebt in Oberbayern.