Rubrik: Sonstige Tipps

Reisefotografie mit kleinem Gepäck – Teil 1

2006-05-08 Ein wesentliches Problem der zweibeinigen oder zweirädrigen Reisefotografie ist die Tatsache, dass das gesamte wünschenswerte Fotoequipment viel zu viel Platz im Gepäck beansprucht. Für Kleidung, Waschzeug und sonstige notwendige Utensilien bleibt da nur wenig Platz. In diesem ersten Teil des Fototipps über Reisefotografie mit kleinem Gepäck geht es zunächst um die geeignete Kameraausrüstung und das fotografische Zubehör.  (Helmut Scheuer)

 

Bikerkollege Ernst auf einer hochprozentigen Schiebepassage mit irrem Ausblick, Lichtensteiner Alpen (2003) [Foto: Helmut Scheuer]Besonders während Mountainbike-Reisen auf historischen Säumer- und Karrenwegen durch die Alpen, die der Autor gerne unternimmt, ist "Small-Baggage" Pflicht. Maximal zehn Kilo auf dem Rücken, besser weniger, und eine kleine Lenkertasche – mehr geht nicht. Um trotz dieser Einschränkungen zu eindrucksvollen Bildern zu kommen, ist Beschränkung und eine sinnvolle Auswahl des Fotoequipments notwendig. Kamera, Ladegerät, Weitwinkel- und Teleobjektive oder -konverter, Mini- oder standfestes Großstativ, einige Vorsatzlinsen, Nodalpunktadapter für Panoramafotografie – all dies und noch einiges mehr würden wir auf Reisen gerne mitnehmen.

Wunderschöner und fahrbarer Säumerweg Richtung Berninapass, Schweiz 2002  [Foto: Helmut Scheuer]Schon über die Wahl des richtigen Kameramodells lässt sich trefflich diskutieren – bei den "Small-Baggage-Extremfotografen" zuweilen sogar noch über das Thema analog oder digital. Kleine Kompaktkamera mit Dreifach-Zoom-Objektiv oder eine größere Superzoom mit achtfachem oder höherem optischem Zoom oder gar eine digitale Spiegelreflexkamera. In Europa oder Nordamerika ist die Benutzung einer Digitalkamera heute ohne Probleme – ob Speicherkarten, Akkuladegerät oder Batterien, fast überall kann man diese wichtigen Teile kaufen oder ersetzen. Lediglich in Ländern der dritten Welt ist eine analoge Kleinbild-Kamera heute noch von Vorteil.

Fototipp Rucksackfotografie – Vogesennebel [Foto: Helmut Scheuer]Die Bildauflösungen von Digitalkameras reichen inzwischen bereits an die von Dia-Filmen heran. Damit ist ihr größtes Manko beseitigt, das in den 90er Jahren noch ein schlagkräftiges Argument gegen die Digitalfotografie war. Die unschlagbaren Vorteile von digitalen Kompakt- oder Spiegelreflexkameras gerade in der Reisefotografie mit kleinem Gepäck liegen auf der Hand: Egal wie viele Fotos geschossen werden, ob ein oder 1.000 Bilder, man gibt keinen weiteren Cent aus, und fehlbelichtete Bilder werden einfach gelöscht. Wer auf Reisen Fotos schießt, kann sie im Internetcafe auf CD brennen oder auf einer Homepage speichern, Diashows kreieren oder sie hinterher einfach auf Papier belichten.

 

Fototipp Reisefotografie Vogesentrail [Foto: Helmut Scheuer]Der Autor bevorzugt digitale Super-Zoom-Kameras, die vom leichten Weitwinkel bis hin zum Supertelebereich fast alle fotografischen Aufgaben bewältigen. Damit lassen sich sowohl eindrucksvoll weite Landschaftsaufnahmen als auch telestarke Portrait- und Tiermotive fotografieren. Wichtige Voraussetzung: Diese Kameras sollten sich sowohl automatisch als auch mit Motivprogrammen oder komplett manuell bedienen lassen. Der Autor bevorzugt derzeit die Panasonic Lumix FZ10 mit lichtstarkem Objektiv und Bildstabilisator. Eine preiswerte Super-Zoom-Kamera, die leider nicht mehr weiter gebaute Konica Minolta Dimage Z5, verfügt gar über eine optische Bildstabilisierung bei einem 12-fachen Objektiv – mit diesem Modell lassen sich bei einiger Übung sogar Freihandaufnahmen im Dämmerlicht mit einer Achtel- oder Viertelsekunde ohne Verwacklung realisieren. Nachteil: Solche Kameras sind jedoch nur wenig kleiner als eine Spiegelreflexkamera und daher für die Hosen- oder Jackentasche nicht zu gebrauchen.

 

Panoramaaufnahme mit Ministativ - Yosemite-Valley in Nord-Californien mit dem Granit-Monoliten "The Half-Dome" (2005) [Foto: Helmut Scheuer]Klar ist, dass neben der Kamera das Akkuladegerät, ein Zweitakku und mindestens zwei Speicherkarten Grundvoraussetzung für sorgenfreie Reisefotografie sind. Dazu kommen ein Ministativ, ein Weitwinkelkonverter für Landschaftsaufnahmen, mindestens zwei Speicherkarten in einem Miniplastikcase sowie ein multifunktionaler Steckdosenadapter. Statt des Ministativs kann der Reisefotograf sich auch für "THE pod" entscheiden, einen kleinen runden Stoffsack mit stabiler, aber leichter Füllung, der sich auf vielen Untergründen als Kameraunterlage für Selbstauslöserfotos und daneben als halbkomfortables Minikissen eignet; dieses aus Kanada stammende Ersatzstativ kann auch leer und raumsparend mitgeführt und mit Sand oder sonstigem verfügbarem Füllmaterial befüllt werden. Für Panoramafotografen ist jedoch ein Ministativ mit Zweiwege-Panoramakopf die bessere Lösung.

 

Mit dieser Ausrüstung lassen sich die meisten fotografischen Aufgaben auf Reisen mit Erfolg lösen. In der zweiten Folge geht es um die geeigneten Behältnisse für Ausrüstung und Reisegepäck.

 

 

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