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Papierhintergrund-Anlage einfach gebaut

2022-03-13 In der digitalkamera.de-Redaktion kam der Wunsch nach einem möglichst großen und doch noch praktisch handhabbaren Hintergrund auf. In unserem Fall sollte es ein Greenscreen-Hintergrund sein für freigestellte Videoproduktionen oder Videokonferenzen. Natürlich gilt diese Anleitung aber auch für Papierhintergründe in anderen Farben. Die Zutaten: Zwei einfache Leuchtenstative, zwei Rundhölzer, vier Ösenschrauben, etwas Tesafilm und einige Tackernadeln – plus natürlich der Hintergrund von der 11-Meter-Rolle.  (Jan-Markus Rupprecht)

  • Bild Die Hintergrundrolle als Selbstbau-Lösung in der Praxis. Ganz abgerollt hat man einen Hintergrund für die volle Raumhöhe. [Foto: MediaNord]

    Die Hintergrundrolle als Selbstbau-Lösung in der Praxis. Ganz abgerollt hat man einen Hintergrund für die volle Raumhöhe. [Foto: MediaNord]

Papierhintergrundrollen sind typischerweise 2,72 Meter lang. Gelegentlich gibt es schmalere Ausführungen, z. B. 2 Meter oder 1,36 Meter. Das Standardmaß sind aber 2,72 Meter. Das ist zwar einerseits "schön breit", wenn man daraus ein stationäres Hintergrund-System baut, andererseits wirklich kein sehr handliches Maß. In unser Redaktion sind beispielsweise alle Räume 2,50 Meter hoch. Es ist bei uns also nicht möglich, einen nicht benötigten Hintergrund mit 2,72 Meter Länge platzsparend irgendwo aufrecht in die Ecke zu stellen. Auch ein schneller flexibler Einsatz in einem anderen Raum ist mit einer Papierrolle kaum möglich.

  • Bild Von einer 2,72 m breiten Hintergrundrolle (mit 11 m Papierlänge) schneiden wir schön rechtwinklig ein knapp 2,40 m breites Stück ab (ca. 2,35 m, damit man später nicht so ganz genau gerade aufwickeln muss). [Foto: MediaNord]

    Von einer 2,72 m breiten Hintergrundrolle (mit 11 m Papierlänge) schneiden wir schön rechtwinklig ein knapp 2,40 m breites Stück ab (ca. 2,35 m, damit man später nicht so ganz genau gerade aufwickeln muss). [Foto: MediaNord]

Unsere Anforderungen waren im Grunde schnell definiert: Möglichst breit, aber noch gut verstaubar (maximale Gesamtlänge also etwas unter 2,50 Meter). Dann sollte die Konstruktion so sein, dass man das Hintergrundpapier direkt darauf aufrollen kann, damit das Papier möglichst lange möglichst wenig Knicke bekommt. Gut wäre es, wenn man "gegenrollen" könnte, um die durch dass Aufrollen entstehende Biegung wieder in die andere Richtung zu biegen. Sinnvoll wäre auch direkt ein Gegengewicht und Knickschutz am anderen Ende, der das Papier nach unten zieht, wenn man es nicht ganz abwickelt. Und zu guter Letzt sollte das Ganze einfach und stabil an normalen, preisgünstigen Leuchtenstativen befestigt werden können. Alternativ wäre es toll, wenn man den Hintergrund einfach an die Wand hängen könnte, z. B. mit einfachen Haken. Wenn das Ganze dann kein Vermögen kostet, wäre das auch gut.

  • Bild Auf dem Holzrundstab zunächst das Hintergrundpapier mit Klebeband fixieren und anschließend noch mit Tackerklammern für zusätzlichen Halt sorgen. [Foto: MediaNord]

    Auf dem Holzrundstab zunächst das Hintergrundpapier mit Klebeband fixieren und anschließend noch mit Tackerklammern für zusätzlichen Halt sorgen. [Foto: MediaNord]

Ein erstes Sondieren nach fertigen Lösungen verlief erfolglos. Zwar gibt es von Manfrotto eine schöne Teleskopstange, die sich auf jede beliebige Länge ausziehen lässt. Eine solche hatten wir auch vorübergehend als Träger für die lange Hintergrundrolle auf Leuchtenstativen verwendet. Eine zweite davon als Gegengewicht oder ein normales Hintergrundrollen-Gegengewicht, eingekürzt auf die benötigte Länge wäre sicherlich machbar, ein Gegenrollen dann aber nur mit einer zweiten Teleskopstange auf der anderen Seite möglich. Preislich ist sowas für den Zweck aber einfach viel zu teuer.

  • Bild Für die Ösenschrauben passend in voller Länge vorbohren, in unserem Fall mit einem 4mm-Holzbohrer. [Foto: MediaNord]

    Für die Ösenschrauben passend in voller Länge vorbohren, in unserem Fall mit einem 4mm-Holzbohrer. [Foto: MediaNord]

So kam die Überlegung auf, das mit Holzleisten zu realisieren. Die gibt es im Baumarkt üblicherweise in einer Länge von 2,40 Meter, also genau unsere Ideal-Länge. Aber rund sollte die sinnvollerweise sein, also ein Rundholz. Und stabil, d. h. nicht zu dünn und am besten steifer als Kiefer und keinesfalls stabverleimt, denn das bricht dann gern genau an den Leim-Stellen. Buche Massivholz wäre gut, und ca. mindestens 2,5 Zentimeter dick. Das sollte nicht zu sehr durchbiegen und auch schwer genug sein, um auf der anderen Seite als Gegengewicht zu dienen. Zudem kann man in Holz (im Gegensatz zum Alurohr) das Hintergrundpapier einfach festtackern.

  • Bild Fertiger Zustand: Hintergrundpapier aufgewickelt auf einem Rundholz, das andere dient als Gewicht und zum Gegenrollen. In alle vier Enden wurden Ösenschrauben eingeschraubt (Innendurchmesser der Öse: 16 mm). [Foto: MediaNord]

    Fertiger Zustand: Hintergrundpapier aufgewickelt auf einem Rundholz, das andere dient als Gewicht und zum Gegenrollen. In alle vier Enden wurden Ösenschrauben eingeschraubt (Innendurchmesser der Öse: 16 mm). [Foto: MediaNord]

Fündig wurden wir bei Bauhaus (siehe weiterführenden Link). Allerdings zunächst nur theoretisch. Rundholz Buche massiv, 2,8 cm Durchmesser, fast 1 kg schwer. Das hörte sich nach einer guten Basis an. Leider ist genau dieser Artikel nicht in allen Städten im Sortiment und dann dort nicht einmal bestellbar, so beispielsweise bei uns in Lübeck. In Hamburg hingegen gehören diese Rundhölzer zum vorrätigen Standardsortiment. Kosten: Stattliche 13,82 € pro Stück. Das ist aber auch immerhin jeweils fast 1 Kilogramm bestes Buchenholz. Für unseren Zweck ideal und sehr stabil.

  • Bild Anschließend kann man die Rundhölzer einfach über das obere Ende eines handelsüblichen Leuchtenstativs hängen. Vorher einfach nur so viel Papier abrollen, wie man gerade braucht. Das andere Rundholz dient als Gegengewicht. [Foto: MediaNord]

    Anschließend kann man die Rundhölzer einfach über das obere Ende eines handelsüblichen Leuchtenstativs hängen. Vorher einfach nur so viel Papier abrollen, wie man gerade braucht. Das andere Rundholz dient als Gegengewicht. [Foto: MediaNord]

Dort drauf haben wir einfach einen 2,40 Meter langen Abschnitt der 11-Meter-Hintergrundrolle zunächst mit normalem Klebestreiben ("Tesafilm") aufgeklebt und dann zusätzlich noch ca. alle 15 bis 20 Zentimeter eine Tackerklammer gesetzt, und zwar durch das Klebeband hindurch. Dasselbe auf der anderen Seite nur genau Gegenläufig. So ist es möglich eine mit der Zeit durch die aufgewickelte Lagerung entstehende Wölbung des Papiers durch kurzzeitiges Gegenrollen auf der anderen Seiten wieder zurückzubiegen.

  • Bild Die Hintergrundrolle als Selbstbau-Lösung in der Praxis. Wenn man nicht die volle Höhe braucht, z. B. bei Videokonferenzen im Sitzen, lässt man einfach einen Teil des Papiers aufgerollt, Das andere Rundholz dient als Gegengewicht. [Foto: MediaNord]

    Die Hintergrundrolle als Selbstbau-Lösung in der Praxis. Wenn man nicht die volle Höhe braucht, z. B. bei Videokonferenzen im Sitzen, lässt man einfach einen Teil des Papiers aufgerollt, Das andere Rundholz dient als Gegengewicht. [Foto: MediaNord]

In die Stirnseiten kommt dann jeweils eine Ringschraube (andere Bezeichnung: Ösenschraube) aus verzinktem Stahl. Wichtig: Der Ring-Innendurchmesser sollte 16 Millimeter betragen. Das passt dann genau auf das standardisierte obere Ende eines Leuchtenstativs, also dort, wo normalerweise der Blitzkopf oder die LED-Leuchte aufgesetzt wird. Bezeichnung bei Bauhaus als lose Ware (oder abgepackt 4 Stück): Ringschraube verzinkt Holzgewinde 40 x 16 x 4,4 mm (siehe auch weiterführenden Link).

  • Bild Auch als Hohlkehle lässt sich die Konstruktion leicht verwenden. [Foto: MediaNord]

    Auch als Hohlkehle lässt sich die Konstruktion leicht verwenden. [Foto: MediaNord]

Damit man die Schraube in das Buchen-Rundholz hineinbekommt, muss man passend vorbohren, und zwar die volle Materialstärke der Schraube, In unserem Fall sind es 4 mm. Daraus steht dann noch das Gewinde hervor (4,4 mm Gewindedurchmesser). Unbedingt auch in voller Schraubenlänge vorbohren, sonst wird es nahezu unmöglich die Schraube in das harte Buchenholz zu drehen (selbst in mit 4 mm vorgebohrt geht es noch schwer).

Hat man das erledigt, ist man schon fertig. Der Hintergrund kann nun in der gewünschten Länge abgerollt werden und die Ösen einfach oben auf einem Leuchtenstativ eingehängt werden. Das müssen nicht einmal sehr stabile Stative sein, da die ganze Konstruktion kaum mehr als 2 Kilogramm wiegt inklusive zweitem Buchenrundholz. Bei Deckenhöhen bis ca. 2,70 Meter kann man die volle Höhe nutzen, andernfalls rollt man immer nur so viel ab, wie man braucht. Sehr einfach kann man auch eine bis zu 1,5 m hohe Hohlkehle herstellen.

Statt die Ösen auf einem Leuchtenstativ aufzulegen, kann man auch einfach an passender Stelle zwei halbwegs stabile Haken in eine Zimmerwand dübeln oder oben auf einem Regal oder Schrank einen Nagel einschlagen, und hängt den Hintergrund dann dort ein. Auch ein Mischbetrieb ist problemlos möglich (eine Seite Wandhaken, eine Seite Leuchtenstativ).

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Jan-Markus Rupprecht

Jan-Markus Rupprecht, 57, fotografiert mit Digitalkameras seit 1995, zunächst beruflich für die Technische Dokumentation. Aus Begeisterung für die damals neue Technik gründete er 1997 digitalkamera.de, das Online-Portal zur Digitalfotografie, von dem er bis heute Chefredakteur und Herausgeber ist. 2013 startete er digitalEyes.de als weiteres Online-Magazin, das den Bogen der digitalen Bildaufzeichnung noch weiter spannt.