Rubrik: Motive und Situationen

Natürliche Formen und Strukturen

2008-02-11 In der Natur finden sich die mannigfaltigsten Formen und Strukturen. Sie bilden geometrische Muster, scheinbar immergleiche Wiederholungen oder verwirren durch undurchschaubares Chaos. Oftmals sind sie reizvolle Motive, die mit bestimmten gestalterischen Mitteln im Bild festgehalten werden können. Diese Detailaufnahmen sind entweder Teil einer Naturreportage oder sie stehen für sich als oftmals abstrahierte Einzelaufnahme. In diesem Fototipp geht es um das Herausarbeiten dieser besonderen Motive.  (Heiko Berner)

Bild 1 Schneekristalle auf einem zugefrorenen See, Königsee/Berchtesgadener Land [Foto: Heiko Berner] Den Sehgewohnheiten am ehesten entsprechen hierbei fotografische Abbildungen ohnehin beinahe zweidimensionaler Objekte, wie welkende Blätter am Waldboden, die Frontansicht eines Holzstapels oder eine Blüte in der Draufsicht (Bild 1). Wichtigstes gestalterisches Mittel ist die Isolation eines Objekts aus seinem natürlichen Zusammenhang. Dieses Mittel lenkt den Blick des Betrachters auf einzelne Details, was einen sehr überraschenden Effekt hervorrufen kann. Normalerweise kaum beachtete Einzelheiten werden plötzlich zum Mittelpunkt. In der Fotopraxis hilft die Suche nach diesen Detailausschnitten Bild 2 Birken, Ainringer Moor/Berchtesgadener Land  [Foto: Heiko Berner] dem Fotografen, oftmals entscheidende Charakteristika einer Landschaft wahrzunehmen. Letztlich werden sich diese Erfahrungen – bewusst oder unbewusst – auch auf Totalen niederschlagen. Der Fotograf hat sich mit Hilfe der Details die Landschaft in ihrer Gänze erworben.

Ein Spiel mit den Sehgewohnheiten dagegen ist die durchgängig scharfe Darstellung von Strukturen, die in Wirklichkeit eine gewisse räumliche Tiefe einnehmen. Dunkle Äste und Baumstämme vor weißem Schneehintergrund, Sandflächen, denen der Wind wellenförmige Formen verliehen hat oder Wolkenfetzen sind Beispiele hierfür (Bild 2). Die enorme Schärfentiefe, die digitalen Kompaktkameras eigen ist, kommt diesem gestalterischen Mittel sehr zugute. Oft ist es gar nicht nötig, den Fokussierpunkt manuell auf eine Stelle in der Mitte des Raumes zu legen, denn bei einer kleinen Blende wird ohnehin der ganze Raum von geringem Abstand bis Unendlich scharf abgebildet. Auch bei diesem gestalterischen Mittel liegt der Schwerpunkt in der Isolation aus einem größeren landschaftlichen Zusammenhang. Allerdings besteht die Gefahr, dass das Auge keinen Halt im Bild findet oder die Struktur für sich allein genommen zu wenig inhaltliche Aussage beinhaltet. Um den Bruch mit den Sehgewohnheiten nicht allzu sehr zu übersteigern, bietet es sich deshalb an, einen Sinnzusammenhang, beispielsweise durch ein Detail herzustellen. Ein Mensch, ein Tier oder ein Gegenstand wären solche Möglichkeiten. Besonders wenn Hauptmotiv und Hintergrund eine gestalterische Einheit darstellen, bietet sich diese Variante an (Bild 3).

Bild 3 Gebirgslandschaft mit Hund, Wimbachgries/Berchtesgadener Land [Foto: Heiko Berner] Bild 4 Graue Felswand, Hochkalter-Massiv/Berchtesgadener Land [Foto: Heiko Berner]

Eine weitere Spielart bilden ganze Landschaftsteile. Bei Schnee, der einen fast reinen Hell-Dunkel-Kontrast erzeugt, ergeben sich oft besonders reizvolle Strukturen, aber auch andere einfarbige Motive, wie eine graue Felswand, sind geeignet. Ein Reiz dieses Stilmittels liegt in der Flächigkeit und der Zweidimensionalität der Darstellungsweise, was einen gewissen Grad an Abstraktion erzeugt. Bei Gebirgslandschaften demonstrieren so ins Bild gesetzte Felswände die Größe und Mächtigkeit der Natur (Bild 4). Der Horizont sollte hoch ins Bild gesetzt werden, so dass der Himmel als Hintergrund zwar den notwendigen Sinnzusammenhang herstellt, das Hauptmotiv "Landschaftsstruktur" aber den Großteil der Bildfläche dominiert.

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