Rubrik: Video

Kleiner Wegweiser durch den Video-Format-Dschungel

2009-05-04 Digitalkameras zeichnen Videos in den verschiedensten Formaten auf. Zwar ist die Dateiendung in der Regel .MOV oder .AVI, aber da hören die Gemeinsamkeiten oft schon auf. Das Ärgerliche ist, dass der Computer bzw. einige Programme nicht alle Formate verstehen und man so ggf. gezwungen ist, unbekannte oder ungeliebte Programme zu verwenden. Doch es gibt recht einfach Abhilfe, denn Videos lassen sich konvertieren, teilweise sogar verlustfrei.  (Benjamin Kirchheim)

Neben MOV und AVI speichern einige Digitalkameras ihre Videos auch als MPG oder MP4. AVI und MOV stellen dabei so genannte Containerformate dar, d. h. es ist nicht festgelegt, wie genau die Videos komprimiert wurden. So kann sich ein per Motion-JPEG komprimiertes Video sowohl als AVI als auch als MOV "tarnen", wobei die Dateien durch Umbenennen trotzdem nicht kompatibel werden. Aber auch MPEG4, MPEG, DivX oder viele andere können sich in einer MOV- oder AVI-Datei verstecken. Welches Format die eigene Kamera speichert, steht meist in den technischen Daten der Bedienungsanleitung, auf der Hersteller-Website oder in unseren Datenblättern.

MP4Cam2AVI Programmfenster [Foto: MediaNord]Wer einen Macintosh besitzt, wird sicher MOV kennen (auch als Quicktime bekannt), ein von Apple erfundenes Containerformat. In der Windowswelt hingegen ist eher AVI verbreitet, der mit Windows mitgelieferte MediaPlayer kann beispielsweise mit MOV-Dateien normalerweise nichts anfangen, verweigert aber auch bei AVI-Dateien – je nach verwendeter Komprimierung – den Dienst bzw. das Abspielen des Videos. Die meisten Anwender verwenden Windows, bei dem MOV ein "Fremdformat" darstellt. Speichert aber die eigene Kamera in eben diesem Format, hat man "den Salat". Zwar kann man den kostenlosen Quicktime-Player installieren, dieser funktioniert aber etwas anders als der gewohnte MediaPlayer. Ärgerlicher wird es, wenn man ein bestimmtes Programm z. B. für Videoschnitt einsetzen möchte, das MOV-Dateien nicht öffnen mag.

Da aber in der Regel ein im MOV-Format verwendeter Codec auch für AVI existiert, ist eine Konvertierung prinzipiell verlustfrei, d. h. ohne Neukomprimierung möglich. Der russische Programmierer Mikheev Oleg war fleißig und hat ein Open-Source-Programm (d. h. ein kostenloses) namens "MP4Cam2AVI" geschrieben, das eben genau diese Konvertierung vornimmt. Und es konvertiert nicht nur MOV- in AVI-Dateien, sondern auch MP4-Dateien in AVI. Es ist im Internet frei herunterladbar (siehe weiterführende Links) und denkbar einfach zu bedienen. Das Wichtigste ist, dass es keine zusätzlichen Codecs oder Quicktime benötigt, da alles "an Bord" ist. Es konvertiert auf Wunsch auch bestimmte Formate, da es dafür ausgelegt wurde, alle möglichen Videos von Camcordern und Digitalkameras für DivX-DVD-Player zu konvertieren. Das Programm braucht nicht installiert werden, sondern ist direkt nach dem Entpacken der ZIP-Datei lauffähig. Viel braucht man nicht einstellen, links wählt man das Verzeichnis, in dem sich die zu konvertierenden Dateien befinden, rechts unter "action" wählt man "batch convert", das Zielverzeichnis und die Audiokompression. Mit der Option "Source audio" wird auch die Audiospur unkonvertiert gespeichert. Nach einem Klick auf "Start" werden die Videos konvertiert, anschließend sollten sie im Mediaplayer laufen, sofern der die Kompression der AVI-Datei versteht (dies sollte bei Motion-JPEG der Fall sein).

Programmfenster von Super [Foto: MediaNord]Ein anderes, sehr mächtiges Konvertierungstool heißt schlicht "Super" (Programmierer können ja furchtbar kreativ sein …). Es konvertiert praktisch alle mehr oder weniger gängigen Videoformate untereinander und braucht auch dafür keine weiteren speziellen Codecs, die man vorher installieren müsste. Auch Super ist in der Lage, Videos ohne Neukomprimierung zu speichern, was aber nur bei einigen Formaten wirklich funktioniert, es kann aber auch eine defekte Datei dabei herauskommen, weshalb für einen solchen Zweck MP4Cam2AVI geeigneter ist. Der Downloadlink ist auf der Website von Erightsoft, dem Hersteller von Super, etwas versteckt, weshalb er in den weiterführenden Links unten etwas einfacher auffindbar angegeben ist. Nach dem Download und der Installation wird man beim ersten Programmstart von der Fülle an Einstellungen etwas erschlagen, das Programm ist aber recht klar strukturiert, wenn man es sich etwas genauer ansieht.

Links oben wählt man das gewünschte Containerformat, in der Mitte den Videocodec und rechts den Audiocodec jeweils für die zu speichernde Datei. Darunter wählt man Videooptionen und hat die Möglichkeit, Videoauflösung, Seitenverhältnis, Bildwiederholrate und Bitrate einzustellen. Die Bitrate gibt die Qualität an; je größer sie ist, desto besser die Qualität, aber auch desto größer der Speicherplatzverbrauch des Videos. Etwas weniger Einstellungen gibt es für die Audiospur. Die Option "Stream Copy" bedeutet, dass die Audiospur unkonvertiert gespeichert wird. Um nun Videos zu konvertieren, braucht man sie nur im Dateiexplorer von Windows auszuwählen und mit der Maus auf das Programmfenster zu ziehen. Nach der Konvertierung findet man die konvertierte Datei in dem Verzeichnis, wo auch die Quelldatei war.

Hat man die Arbeitsweise und Einstellungsvielfalt von Super einmal verstanden (etwas Herumspielen kann nicht schaden, so lernt man das Programm und die Auswirkungen der Einstellungen kennen), kann man mit seiner Hilfe auch Videos zwecks Archivierung komprimieren, beispielsweise von Motion-JPEG in das mehr Platz sparende DivX.

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Benjamin Kirchheim

Benjamin Kirchheim, 42, schloss 2007 sein Informatikstudium an der Uni Hamburg mit dem Baccalaureus Scientiae ab. Seit 1998 war er journalistisch für verschiedene Atari-Computermagazine tätig und beschäftigt sich seit 2000 mit der Digitalfotografie. Ab 2004 schrieb er zunächst als freier Autor und Tester für digitalkamera.de, bevor er 2007 als fest angestellter Redakteur in die Lübecker Redaktion kam. Seine Schwerpunkte sind die Kameratests, News zu Kameras und Fototipps.