Rubrik: Bildbearbeitung

Helligkeitsgesteuerte Weichzeichnung mit der Luminanzmaske

2011-04-11 Der Fotograf David Hamilton sorgte mit seinen weichgezeichneten, oft erotischen Fotos für einiges Aufsehen und bis heute für viele kontroverse Diskussionen. Oft als kitschig abgetan haben Hamiltons Bilder ohne Zweifel einen ganz eigenen Stil. Es gibt viele Techniken, um diese Art von Bildern zu erhalten. Diese reichen von dem Einsatz spezieller Filteraufsätze über Vaseline auf Filtern bis hin zu Softfokus-Objektiven. Auch per Bildbearbeitung sind diese Effekte mit verschiedenen Weichzeichnern möglich. Doch was ist, wenn man helle Bereiche stärker weichzeichnen möchte als dunkle? Dann benötigt man eine Luminanzmaske - wie diese erstellt wird, zeigt unser Fototipp.  (Harm-Diercks Gronewold)

Fototipp: Kanalpalette differenzierte Weichzeichnung [Foto: HDG]Einsetzbar sind Bildbearbeitungsprogramme, welche mit Ebenen und Kanälen umgehen können, zum Beispiel Photoshop ab Version 3 oder Gimp.

Die Arbeitsschritte in diesem Fototipp beziehen sich auf Photoshop CS5. Andere Bildbearbeitungsprogramme können möglicherweise andere Bezeichnungen für ähnliche Funktionen haben. Der erste Arbeitsschritt ist die Auswahl eines passenden Fotos. Dieses sollte deutliche Spitzlichter aufweisen und nicht unbedingt eine Low-Key-Aufnahme sein. Ist die Aufnahme gewählt, so ist es wie immer wichtig die Hintergrundebene zu kopieren, damit man nicht-destruktiv arbeiten kann. Danach wechselt man in die Kanalpalette und klickt auf den RGB-Bereich an erster Stelle mit gedrückter Steuerungs-Taste. Nun erscheinen die "Ameisen" der Auswahl, diese wandelt man in einen neuen Kanal um. Dazu klickt man einfach auf das "Auswahl in Kanal umwandeln"-Icon unten in der Kanal-Palette. Es erscheint ein neuer Kanal, dieser trägt die Bezeichnung "Alpha 1", danach verwirft man die Auswahl mit "Auswahl aufheben" (strg+D). Der Schritt einen Alphakanal zu erstellen mag überflüssig erscheinen, da man aus der Auswahl ja gleich eine Maske in der Ebenenpalette erstellen kann. Doch es ist für den Arbeitsfluss bei komplexeren Bearbeitungen die Basis der Maskierung "aufzuheben", falls diese nochmals benötigt wird.

Fototipp: Maskenmanipulation differenzierte Weichzeichnung [Foto: HDG]Jetzt wechselt man wieder in die Ebenen-Palette, wählt die zuvor kopierte Ebene und wendet einen Weichzeichnungsfilter auf diese an. Hier können verschiedene Weichzeichner ausprobiert werden, besonders eignen sich der "Gaußsche Weichzeichner" und "Matter machen" für diese Technik. Benutzer von Photoshop CS4 und CS5 können diese Ebene zuerst in ein Smart-Objekt umwandeln und dann den Filter drauf anwenden. Vorteil ist hier, dass sich die Filtereinstellungen nachträglich ändern lassen. Nun ist das gesamte Bild weichgezeichnet, doch im nächsten Schritt schützt man die Tiefen und wendet den Filter proportional auf die Helligkeitsverteilung im Bild an. Schwarze Bildteile werden somit gar nicht weichgezeichnet und helle Bildteile stark. Um das zu erreichen wird der Alphakanal nun als Auswahl geladen, das kann entweder über das kleine Kreisicon in der Kanalpalette erledigt werden oder ganz elegant per Tastenkürzel (Strg+Alt+4 beziehungsweise Strg+Alt+6 ab Photoshop CS5), ohne dabei in die Kanalpalette wechseln zu müssen. Die nun aufgetauchte Auswahl lässt sich ganz in eine Maske umwandeln, dazu muss nur das kleine "Ebenenmasken"-Icon angeklickt werden, um die aus dem Alphakanal aktivierte Auswahl in eine Maske umzuwandeln. Da die so erstellte Fototipp: Weichzeichnen differenzierte Weichzeichnung [Foto: HDG]Maske auf den Helligkeitsinformationen aller Kanäle basiert, nennt man diese auch Luminanzmaske. Ist nun der entstandene Effekt noch nicht passend, kann die Maske mit einem Klick aktiviert und mit Hilfe der Tonwertkorrektur oder der Gradationskurve bearbeitet werden. Hier liegt eine der größeren Schwächen der Technik, da die Manipulationen an der Kurve die Maske direkt verändern und nach dem Klick auf den "OK"-Button steht diese Manipulation fest. Danach kann man die Verrechnungsmethode noch verändern, damit das Ergebnis noch mehr dem entspricht, was man sich vorstellt. Im Fall unseres Beispiels hat sich "Aufhellen" als besonders passend erwiesen.

Diese Technik bietet ideale Voraussetzungen für Experimente. So kann beispielsweise auch die Maske umgekehrt werden oder eine Maske aus einem einzelnen Kanal benutzt werden. Auch muss nicht immer ein Weichzeichner eingesetzt werden. Die Grenzen sind hier offen und erlaubt ist, was gefällt.

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Autor

Harm-Diercks Gronewold

Harm-Diercks Gronewold, 46, ist gelernter Fotokaufmann und hat etliche Jahre im Fotofachhandel gearbeitet, bevor er 2005 in die digitalkamera.de-Redaktion kam. Seine Schwerpunkte sind die Produktdatenbanken, Bildbearbeitung, Fototipps sowie die Berichterstattung über Software und Zubehör. Er ist es auch, der meistens vor der Kamera in unseren Videos zu sehen ist und die Produkte vorführt.

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Hier stellen wir für unsere Leser einige Hintergrund-Artikel mit Tipp-Charakter zusammen.

Zusammenfassung

Durch den Einsatz von Bildbearbeitungsprogrammen auf dem Computer können fotografische Techniken wie das Weichzeichnen auch nachträglich vorgenommen werden, ohne eine Bilddatei zu zerstören. Um ein Foto nicht global weichzeichnen zu müssen, sondern helle Bildteile stärker und dunkle weniger oder umgekehrt, lässt sich am Besten eine sogenannte Luminanzmaske einsetzen. Darüber hinaus ist diese Technik noch so flexibel einsetzbar, dass das Einsatzgebiet nahezu unbegrenzt ist.