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Gelöschte oder beschädigte Fotos von der Speicherkarte retten

2003-08-11 Ein Auswerfen der Speicherkarte während des Schreibvorgangs, eine Unterbrechung der Stromversorgung beim Speichern oder ein versehentliches Formatieren der Speicherkarte kann dazu führen, dass scheinbar alle Bilder auf der Speicherkarte verloren sind. Datenrettungsprogramme könnten dann aber meist helfen.  (Jan-Markus Rupprecht)

   Convar PC Inspector Smart Recovery - normale Suche [Screenshot: MediaNord]
 

Dateiensuche mit Convar PC
Inspector Smart Recovery
  

Convar PC Inspector Smart Recovery - erfolglose Suche [Screenshot: MediaNord]
 

Erfolglose Suche; Hinweis auf
intensiven Such-Modus
  

Convar PC Inspector Smart Recovery -erfolgreiche intensive Suche [Screenshot: MediaNord]
 

Gefundene Dateien durch
intensivem Such-Modus
  

Ein zu frühes Auswerfen der Speicherkarte oder eine vorzeitige Unterbrechung der Stromversorgung, beispielsweise durch einen nicht mehr einwandfreies Akku, sorgen für eine defekte Dateizuordnungstabelle. Die Bilder sind dann zwar noch vorhanden, werden aber vom Betriebssystem nicht mehr gefunden. Selbst beim Formatieren machen die meisten Kameras keine gründliche Formatierung mit Überprüfung jedes logischen Sektors durch schreiben und lesen, sondern lediglich eine Schnellformatierung, d. h. ein Löschen der Dateizuordnung.

Ist dieser Fall eingetreten und die Kamera zeigt keine Bilder mehr an, heißt es Ruhe bewahren. Eine Garantie für eine erfolgreiche Rettung gibt es nicht, aber die Chancen stehen nicht schlecht. Sollen die Bilder gerettet werden, dürfen auf keinen Fall weitere Schreibzugriffe der Kamera auf die Speicherkarte erfolgen. Bereits ein Testfoto zur Überprüfung, ob die Kamera noch funktioniert, kann den Verlust eines oder mehrerer Bilder zur Folge haben.

Zuhause am heimischen Windows-PC schlägt die Stunde der Datenrettungsprogramme. Diese gibt es reichlich am Markt, zum einen als kommerzielle Programme, aber auch als Shareware oder sogar Freeware. Wer eine Speicherkarte von Lexar oder ein Kartenlesegerät von Pixo Media besitzt, hat sogar vielleicht schon ein solches Datenrettungsprogramm auf der Festplatte oder im Schrank liegen, ohne davon zu wissen. Besitzer älterer Pixo Media-Lesegeräte (ohne Pixo Rescue-Software im Lieferumfang) können die 500 KByte kleine Software auch aus dem Internet herunterladen. Das kommerzielle Programm Photorecovery von MicroBasic kostet knapp 40 EUR und verspricht die Datenrettung von nahezu jeder Kamera und jedes Mediums über jede Schnittstelle (wir haben diese Werbeaussage nicht überprüft).

Es geht aber auch kostenlos, beispielsweise mit der 545 KByte kleinen Software Digital Image Recovery (Foto Erhardt Spezial Edition) oder zwei Produkten des etablierten Datenrettungsspezialisten Convar. Dieser bietet neben dem universellen (vorrangig für Festplatten vorgesehene Programm) PC Inspector File Recovery das auf Speicherkarten bzw. Digitalkamera-Bilddaten spezialisierte Programm PC Inspector Smart Recovery. Letzteres forscht neben den üblichen Formaten JPEG und TIFF auch nach Hersteller-spezifischen Rohdaten-Dateien. Der Download des 5,5 MByte großen Windows-Programms kann bei langsamen Internet-Verbindungen allerdings schon etwas dauern. Macintosh-Besitzer (ab Mac OS X) können zur 80 KByte winzigen Freeware Exif Untrasher von Carsten Blüm greifen.

Vorraussetzung für die Datenrettungsprogramme ist der Zugriff auf die Speicherkarte per Laufwerksbuchstaben. Dies ist seit einigen Jahren bei Digitalkameras üblich (Stichwort: Mass Storage Kompatibilität), ältere Kameras lassen sich dagegen häufig nur über einen speziellen Treiber des Herstellers und dessen eigener Software ansprechen. In diesem Fall hilft nur ein Kartenlesegerät, mit dem man auf die Speicherkarte zugreift (ab etwa 25 EUR im Fachhandel erhältlich). Der eigentliche Rettungsvorgang läuft dann bei allen Programmen recht unspektakulär und komfortabel ab. Das Programm fragt nach Quell- und Ziel-Laufwerk, einige stellen die Daten auch direkt auf der Speicherkarte wieder her. In der Regel werden die Daten neu fortlaufend nummeriert, d. h. sie bekommen nicht den Dateinamen (und auch nicht die Ordnerstruktur), unter der sie ursprünglich gespeichert waren. Mit etwas Glück hat man aber nach einigen Sekunden oder Minuten wieder Zugriff auf seine wertvollen Fotos.

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Autor

Jan-Markus Rupprecht

Jan-Markus Rupprecht, 56, fotografiert mit Digitalkameras seit 1995, zunächst beruflich für die Technische Dokumentation. Aus Begeisterung für die damals neue Technik gründete er 1997 digitalkamera.de, das Online-Portal zur Digitalfotografie, von dem er bis heute Chefredakteur und Herausgeber ist. 2013 startete er digitalEyes.de als weiteres Online-Magazin, das den Bogen der digitalen Bildaufzeichnung noch weiter spannt.