Rubrik: Bildgestaltung

Froschperspektive

2007-01-29 Ein Frosch sieht die Welt aus einer besonderen Perspektive. Alles wirkt riesig und damit auch bedrohlich. Für den Menschen ist diese Perspektive meist unbekannt, lernt er doch schon in frühem Alter das Laufen und den aufrechten Gang. Doch man kann sich in Bodennähe begeben – hat man die Kamera dabei, ergeben sich ganz neue Perspektiven.  (Benjamin Kirchheim)

Verzierte Strassenlaterne [Foto:Benjamin Kirchheim]Dabei ist so eine bodennahe Aufnahme gar nicht so einfach. Muss man sich schon auf die Knie begeben oder gar auf den Boden legen, was nicht immer einfach ist, kommt – je nach Kamera – das Problem hinzu, dass oft nur schwer bis gar nicht durch den Sucher bzw. auf den Monitor schauen kann. Besonders schwer haben es die Besitzer einer digitalen Spiegelreflexkamera – auch ein aufgesteckter Winkelsucher bietet nur selten größeren Komfort, da man sich mit dem Auge sehr weit hinab begeben muss. Oft bleiben nur der blinde Schuss und die Hoffnung, das gewünschte Motiv eingefangen zu haben. Kompaktkamerabesitzer haben es da schon einfacher – sofern sie das Glück haben, dass die Kamera mit einem schwenkbaren Monitor ausgestattet ist. Je nach Modell kommt man so bis auf den Boden runter und kann trotzdem relativ bequem auf den Monitor schauen, ohne sich flach auf den – oft dreckigen – Boden legen zu müssen.

Von so weit unten sieht die Welt schon interessant aus. Besonders bei Verwendung eines Weitwinkelobjektivs bzw. der Weitwinkelstellung eines Zooms wirkt diese Perspektive noch bedrohlicher und realistischer – aus den Augen eines Frosches sozusagen. Der Weitwinkel sorgt dafür, dass nahe liegende Objekte im Verhältnis zum Hintergrund besonders groß dargestellt werden – entfernte Objekte hingegen sind kaum erkennbar. In Froschperspektive in der Peoplefotografie [Foto:Benjamin Kirchheim]Kombination mit der Makroeinstellung wachsen so kleine Gegenstände wie z. B. Blumen zu ungeahnter Größe, während Bäume oder Häuser im Hintergrund verschwindend klein wirken und in Unschärfe versinken. Auch Menschen wirken aus dieser Perspektive ungewöhnlich, ja sogar bedrohlich. Die Füße riesengroß, die Beine meterlang – der Kopf oben am Himmel und verhältnismäßig klein. Aber auch ohne in die Knie zu gehen, bekommen sogar normal große Gegenstände wie Laternen monumentale Ausmaße – man muss nur nahe genug an sie heran gehen. Auch ein Tunnel oder ein Gang wirkt – aus der Froschperspektive mit einem Weitwinkel aufgenommen – fast irreal.

Besonders schwierig ist meist die Beleuchtung bei Aufnahmen aus der Froschperspektive. Das Licht kommt in der Regel von oben, so dass die fotografierten Gegenstände von unten relativ schwach beleuchtet und dunkel erscheinen. So sollte man in der Regel vermeiden, direkt gegen die Sonne und vor allem gegen einen bewölkten oder diesigen Himmel zu fotografieren, da dieser dann strukturlos und trist wirkt. Ausnahmen bestätigen natürlich diese Regel, so kann das Gegenlicht auch gezielt eingesetzt werden. Um dagegen etwas Licht von unten auf die Motive zu bekommen, kann etwas Experimentieren mit dem Blitz – auch bei Tage zur Aufhellung – nicht schaden. Aber auch ohne Blitz kann man sich mit einem weißen Blatt Papier oder etwas Alufolie als Lichtreflektor helfen – hier sind Ideenreichtum und Experimentierfreude gefragt. Eine Ausnahme stellen hierbei Gegenstände dar, die vom Licht durchleuchtet werden – sie geben den Fotos  gerade im Gegenlicht den besonderen Kick.

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Autor

Benjamin Kirchheim

Benjamin Kirchheim, 40, schloss 2007 sein Informatikstudium an der Uni Hamburg mit dem Baccalaureus Scientiae ab. Seit 1998 war er journalistisch für verschiedene Atari-Computermagazine tätig und beschäftigt sich seit 2000 mit der Digitalfotografie. Ab 2004 schrieb er zunächst als freier Autor und Tester für digitalkamera.de, bevor er 2007 als fest angestellter Redakteur in die Lübecker Redaktion kam. Seine Schwerpunkte sind die Kameratests, News zu Kameras und Fototipps.