Rubriken: Bildbearbeitung, Bildgestaltung

Dramatik und Action mit dem Zoomeffekt

2007-11-05 Fotos aufpeppen mit einem dramatischen Zoomeffekt. Action und Spannung in Bilder bringen, die sonst zu statisch wirken. Ein spezieller Wischeffekt sorgt dafür, dass das Hauptmotiv scheinbar auf den Betrachter zurast – ein Auto, ein Sportler oder einfach ein Freund auf dem Rennrad. digitalkamera.de zeigt in diesem Fototipp, wie man den Effekt im Bildbearbeitungsprogramm erzeugen und dabei Schärfe und Wischeffekt passgenau verteilen kann.  (Heico Neumeyer)

Bild 1. Wenden Sie den Zoomeffekt auf eine duplizierte Bildebene an. [Foto: Getty Images] Sportfotografen nutzen den Effekt seit langem: Sie ändern die Brennweite eines Zoomobjektivs direkt bei der Belichtung, während sich ein Sportler oder Auto auf die Kamera zubewegt. Dabei entstehen strahlenförmige Verwischer, die so aussehen, als rase das Hauptmotiv auf den Betrachter zu. Wir haben das Verfahren bereits auf digitalkamera.de vorgestellt (siehe weiterführende Links). Früher konnte man den Zoomeffekt nur direkt beim Fotografieren erzielen, jetzt ist er mühelos auch in der Nachbearbeitung am PC möglich. Allerdings verwischt der Zoomeffekt zunächst das gesamte Bild, auch das Hauptmotiv wirkt dann oft unansehnlich. Darum wendet man den Zoomeffekt am PC gezielt so an, dass zumindest Teile des Hauptmotivs weniger oder gar nicht verfremdet werden. Wir zeigen die Technik hier zunächst mit Photoshop CS2, sie lässt sich aber auch mit älteren Versionen nachvollziehen. Anschließend dann noch Tipps zu Photoshop Elements und Photoshop CS3. Die meisten anderen Bildprogramme liefern ähnliche Funktionen.

Um den Radfahrer vom Zoomeffekt auszunehmen, könnte man natürlich auch eine Lasso-Auswahl um den Bildhintergrund ziehen und nur diesen Bereich mit einem Filterbefehl korrigieren. Es geht jedoch weit komfortabler. Man dupliziert zunächst die aktuelle Hintergrundebene mit Strg+J. Die Ebenenpalette zeigt, dass die neue "Ebene 1" entsteht; die Bildwirkung ändert sich dadurch noch nicht. Im Untermenü "Filter, Weichzeichnungsfilter" klickt man auf "Radialer Weichzeichner" und schaltet im Dialogfeld auf "Strahlenförmig" – so entsteht der Zoomeffekt. Die "Stärke" wird auf 40 gesetzt, bei 10-Megapixel-Dateien auch höher, die Qualität auf "Gut" (siehe Bild 1). Bei sehr großen Dateien auf schnellen Rechnern lohnt sich eventuell die langsamere, aber etwas hochwertigere Berechnung mit der Vorgabe "Sehr gut". Man zieht die Verzerrungsgrafik rechts im Bild etwas nach oben. Das Zentrum des Effekts sollte also auf dem Zentrum des Bildes liegen, hier auf dem Oberkörper des Rennradlers.

Bild 2. Schwarze Farbe in der Ebenenmaske dämpft die Verfremdung über dem Hauptmotiv [Foto: Getty Images] Erst nach dem OK-Klick rechnet Elements den Effekt ins Bild, es erscheint weitgehend verwischt. Eine Effekt-Vorschau direkt bei geöffnetem Dialog gibt es nicht, und man kann das Zentrum des Effekts in Photoshop auch nicht per Klick ins Bild festlegen. Sitzt das Zentrum nicht genau auf dem gewünschten Punkt, muss man also widerrufen und neu ansetzen. Praktisch dabei: Per Strg+Alt+F ruft man den letzten Filterdialog noch einmal auf. Jetzt braucht man die Ebenenpalette. Wenn die noch nicht zu sehen ist, lässt sie sich in Photoshop-Vollversionen meist mit der Taste F7 aufrufen. Unten in der Palette auf die Schaltfläche "Ebenenmaske hinzufügen“ klicken. Dann mit der Taste "B" den Pinsel einschalten, und nach Rechtsklick ins Foto stellt man eine größere Pinselspitze mit weichem Rand ein. Nun noch die Taste "5" drücken, um die Pinseldeckkraft auf 50 Prozent zu senken.

Man braucht schwarze Vordergrundfarbe. Die richtet Photoshop in der Regel automatisch ein, sobald eine neue Ebenenmaske angelegt wird. Man malt nun über dem Hauptmotiv – es tritt wieder deutlicher hervor, denn die schwarze Farbe in der Ebenenmaske blendet die obere, verwischte Ebene örtlich aus (Bild 2). Falls bereits zuviel vom Originalbild freigelegt sein sollte, wechselt man mit der Taste "X" zu weißer Vordergrundfarbe. Dort sollte man nun dort malen, wo man den Wischeffekt wieder sehen möchte. Ist der Effekt insgesamt zu stark, senkt man die Deckkraft oben rechts in der Ebenenpalette. Oder man experimentiert mit der Überblendmethode; sie steht zunächst auf "Normal", doch die Vorgaben "Aufhellen", "Negativ multiplizieren" und "Ineinanderkopieren/Überlagern" bieten reizvolle Varianten. Dabei will man die Ebenenmaske oft vorübergehend abschalten; dazu hält man die Umschalt-Taste gedrückt und klickt dann auf die Maskenminiatur rechts oben in der Ebenenpalette. Passt alles, drückt man nur noch Strg+E. So verschmilzt die obere Ebene mit dem Bild darunter und kann wieder in vielen beliebigen Dateiformaten gespeichert werden.

Bild 3. In Photoshop CS3 können Sie Smartfilter verwenden, so lässt sich der Effekt jederzeit neu einstellen [Foto: Getty Images] Dieses Verfahren mit Photoshop CS2 lässt sich leicht als Befehlsfolge (Aktion) aufzeichnen und in vielen anderen Bildprogrammen nachvollziehen, auch wenn die Funktionen andere Bezeichnungen tragen. Eine Besonderheit bietet jedoch Photoshop CS3 mit seinen Smartfiltern: Man verstaut sie in den "Radialen Weichzeichner" als Objekt in der Ebenenpalette, die Filterwirkung lässt sich immer wieder neu einstellen; man braucht die Originalebene hier auch nicht zu duplizieren. Man lädt so das Bild in Photoshop CS3 und wählt zuerst "Filter, Für Smartfilter konvertieren". Dann folgt "Filter, Weichzeichnungsfilter, Radialer Weichzeichner". Nach dem Klick auf OK erscheint wieder das komplette Bild verfremdet. In der Ebenenpalette sieht man den Balken "Radialer Weichzeichner". Dort klickt man einmal auf die weiße Miniatur der Filtermaske. Die schwarze Vordergrundfarbe nun wieder einschalten und mit dem Pinsel über dem Hauptmotiv malen – es tritt deutlicher hervor, denn das Schwarz in der Filtermaske dämpft die Filterwirkung. Wollte man die Regler im Filterdialog ändern, klickt man unten in der Ebenenpalette doppelt auf den Balken "Radialer Weichzeichner". Ganz rechts zeigt dieser Balken ein Symbol mit zwei stilisierten Schiebereglern. Dort für die "Fülloptionen" klicken (Bild 3). Dort senkt man die Deckkraft der Filter-Ebene und kann auch mit Überblendmethoden wie dem "Aufhellen" experimentieren.

Bild 4. In Photoshop Elements brauchen Sie eine Zwischenebene, um Original und verfremdete Bildebene verlustfrei zu mischen [Foto: Getty Images] Das Programm Photoshop Elements erscheint etwas gehandicapt, weil es für übliche Bildebenen keine Ebenenmasken anbietet. Man könnte zwar das Bild-Original duplizieren, verzerren und dann im Bereich des Hauptmotivs verwischte Pixel wegradieren. So tritt das Original wieder hervor, aber man verliert die Bildpunkte aus dem Zentrum dauerhaft. Es geht noch einen Tick vielseitiger – die Elements-Programmversion spielt dabei keine Rolle: Man drückt zunächst zweimal Strg+J, um die vorhandene Bildebene zweimal zu duplizieren. Dann wendet man den "Radialen Weichzeichner" an, das funktioniert genauso wie oben für Photoshop CS2 beschrieben. Man hält die Alt-Taste gedrückt und führt den Mauszeiger in der Ebenenpalette exakt über die Trennlinie zwischen der mittleren "Ebene 1" und der darüber liegenden "Ebene 1 Kopie", siehe den Doppelkreis! Darauf klickt man – die "Ebene 1 Kopie" erscheint nun in der Palette eingerückt, die Bildwirkung ändert sich noch nicht.

Der Trick kommt jetzt: Man klickt in der Palette einmal auf die mittlere "Ebene 1", schaltet mit der Taste "E" das Radiergummi ein und senkt mit der Taste "5" die Deckkraft auf 50 Prozent. Oben in den Werkzeugeinstellungen wählt man nun eine größere Werkzeugspitze mit weicher Kante. Damit nun über dem Sportler radieren – er wird wieder deutlicher sichtbar, weil man ein Loch in die "Ebene 1" radiert. Wird bereits zuviel vom Original sichtbar, wechselt man mit der Taste "B" zum Pinsel und malt mit einer beliebigen Farbe, so bringt man die Information von der verwischten Ebene wieder ins Spiel. So gestaltet man die Bildwirkung beliebig; sowohl die verwischte wie auch die ursprüngliche Version bleiben stets vollständig erhalten. Wenn alles passt, verschmilzt man schließlich die drei Ebenen mit dem Befehl "Ebene, Auf Hintergrundebene reduzieren".


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Autor

Heico Neumeyer

Heico Neumeyerschreibt Testberichte und Praxistipps für PC- und Fotozeitschriften und gibt Schulungen. Er ist auf digitale Bildbearbeitung und Fotografie spezialisiert. Sein Photoshop-Kompendium im Verlag Markt+Technik gilt seit vielen Jahren als Standardwerk. Neumeyer studierte Deutsch, Pädagogik und Politik in Berlin und Köln und war Redakteur bei einer Fotozeitschrift. Er ist bekannt für praxisnahe, gut lesbare Texte und maßgeschneiderte Schulungen. Er lebt in Oberbayern.

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Hier stellen wir für unsere Leser einige Hintergrund-Artikel mit Tipp-Charakter zusammen.

Zusammenfassung

Per Zoomeffekt lassen sich zu statische Bilder beleben. Simuliert wird dabei das Ändern der Brennweite eines Zoomobjektives während der Belichtung. Dabei entstehen strahlenförmige Verwischer, die so aussehen, als rase das Hauptmotiv auf den Betrachter zu. Früher konnte man den Effekt nur direkt beim Fotografieren erzielen, jetzt ist es mühelos auch in der Nachbearbeitung am PC möglich. Allerdings verwischt der Zoomeffekt zunächst das gesamte Bild, auch das Hauptmotiv wirkt dann oft unansehnlich. Darum wendet man den Zoomeffekt am PC gezielt so an, dass zumindest Teile des Hauptmotivs weniger oder gar nicht verfremdet werden.