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Den richtigen Gewindeadapter (Übergewinde) von 1/4 auf 3/8 Zoll finden

2018-02-25 Sie wollen einen Stativkopf, eine Schnellwechseleinrichtung oder etwas anderes mit mit großem 3/8-Zoll Fotogewinde auf ein Stativ oder eine Halterung montieren, die nur ein kleines 1/4-Zoll Fotogewinde hat? Das ist kein Problem, dafür gibt es Adapter, sogenannte Übergewinde. Doch davon gibt es verschiedene Ausführungen und nicht jedes Übergewinde eignet sich für jede Anwendung. Deshalb haben wir diesen Fototipp gemacht.  (Jan-Markus Rupprecht)

Ein Fototipp zu Gewindeadaptern? Das gibt das Thema doch wirklich nicht her, werden Sie vielleicht denken. Habe ich auch 20 Jahre lang gedacht, bis mir letztens ein Gewindeadapter unterkam, der in meinem Fall eben nicht das machte, was er sollte. Dieser erreiche mich als Teil eines umfangreichen Adaptersets, billig auf eBay erstanden und als Rundum-Sorglos-Paket für derlei Adaptierungsfragen gedacht, aber für meine Zwecke ungeeignet. Ich wollte einen plane Platte mit 3/8-Zoll-Gewindebohrung auf eine ebenfalls plane Platte mit 1/4-Zoll-Gewindestift schrauben. Dazu gibt es ja solche Gewindeadapter, wie kann das dann nicht passen?

Ahnen Sie es? Es war der Adapter (unter anderem unter der Marke Mengs erhältlich) ganz links im Bild. Dieser wird nicht ganz ins Gewinde hineingeschraubt, sondern es steht immer noch ein einen Millimeter hoher Bund mit dem Schlitz für den Schraubendreher aus dem 3/8-Zoll-Gewinde heraus, nachdem der Adapter voll eingedreht ist. Hat das Teil, das man dann dort drunterschrauben will, nicht an der Stelle eine ziemlich tiefe Aussparung, dann sitzt das ganze nicht wackelfrei aufeinander, sondern behält einen gewissen Abstand zueinander. Dieser Adapter ist also in vielen Situationen gar nicht zu gebrauchen, es gibt aber natürlich auch Anwendungen, wo der vorstehende Bund für den Schlitzschraubendreher passt. Positiv an diesem Adapter ist, dass das Gewinde recht lange Gewindegänge hat. Damit verspricht er guten Halt. Diese günstigen Adapter kosten rund 1 Euro pro Stück oder z. B. 7,50 Euro für 5 Stück.

  • Bild Verschiedene Gewindeadapter ("Übergewinde") im Vergleich. Von links nach rechts: "China-Adapter" aus einem Adapter-Set, Manfrotto 148KN bzw. Hama 5120, fittings4you-Übergewinde, Manfrotto 088LBP. [Foto: MediaNord]

    Verschiedene Gewindeadapter ("Übergewinde") im Vergleich. Von links nach rechts: "China-Adapter" aus einem Adapter-Set, Manfrotto 148KN bzw. Hama 5120, fittings4you-Übergewinde, Manfrotto 088LBP. [Foto: MediaNord]

Besser ist der zweite Adapter von links. Dieser wird so beispielsweise von Hama (Artikel 5120) und Manfrotto (148KN) verkauft und liegt sehr vielen Manfrotto-Schnellwechselplatten bei, die seit längerem nicht mehr mit getrennten Schrauben für 1/4 Zoll und 3/8 Zoll Stativgewinde ausgeliefert werden, sondern stattdessen mit diesem Gewindeadapter. Dieser hat ebenfalls einen kleinen Zylinder am Ende, aber dessen Höhe ist minimal. Damit der Schraubendreher zum Reinschrauben (eine kleine Münze tut es übrigens auch, das ist durchaus beabsichtigt) trotzdem greift, ist der Schlitz in dem Gewindeteil fortgesetzt. Die Gewindegänge beginnen aber erst etwas später. Damit ist sichergestellt, dass keine unschönen Grate am eigentlichen Gewinde entstehen. Auch dieser Adapter guckt ganz eingedreht noch ein wenig aus dem 3/8-Zoll-Gewinde heraus, aber nur minimal. Ob das stört, hängt vom Anwendungsfall ab. Dieser Adapter ist ja vor allem dazu gedacht, eine Kamera (oder etwas anderes) mit großem Gewinde auf Schnellwechselplatten mit kleinem Gewinde zu montieren. Und die Schnellwechselplatten haben immer entweder eine elastische, rutschfeste Oberfläche (die dafür sorgen soll, dass die Platte unter der Kamera schön "Grip" hat und sich nicht leicht abdreht) oder sogar eine kleine Vertiefung im Bereich der Kameraschraube oder sogar beides zugleich. Schon allein durch die Gummi- oder Kork-Auflage macht der minimale Vorsprung, den der Adapter braucht, kein Problem (selbst wenn man die Schnellwechselplatte stark festzieht). Hat zusätzlich die Schnellwechselplatte eine Vertiefung gibt es sowieso kein Problem. Praktisch machen diese Adapter für den vorgesehenen Zweck keinerlei Probleme. Lediglich die Länge des 3/8-Zoll-Gewindegangs finde ich etwas kurz. Wirklich große, schwere Sachen würde ich damit nicht befestigen. Aber in solchen Fällen schaut man dann sowieso, dass man besser ganz ohne Adapter auskommt. Diese Adapter sind sehr günstig: Etwa 6 bis 8 Euro zahlt man für 5 Stück von Manfrotto oder 10 Stück von Hama.

  • Bild Ein Manfrotto 148KN Übergewinde befindet sich im Lieferumfang der meisten Manfrotto-Schnellwechselplatten, damit diese (wie hier die Manfrotto	200PL-Pro) sowohl  zu 1/4 Zoll als auch zu 3/8 Zoll Stativgewinden kompatibel sind. [Foto: Manfrotto]

    Ein Manfrotto 148KN Übergewinde befindet sich im Lieferumfang der meisten Manfrotto-Schnellwechselplatten, damit diese (wie hier die Manfrotto 200PL-Pro) sowohl  zu 1/4 Zoll als auch zu 3/8 Zoll Stativgewinden kompatibel sind. [Foto: Manfrotto]

Was aber nun, wenn man eine Lösung braucht, wo wirklich gar nichts aus der Gewindebohrung heraussteht? Auch dazu gibt es Lösungen von mehreren Herstellern. Alle vermeiden komplett den Steg zum Einschrauben. Die Frage ist dann natürlich, woran man dann noch schrauben kann. Dazu gibt es zwei Lösungsansätze. Viele haben einfach auf der Außenseite eine entsprechende Aussparung. Der letzte Gewindegang ist sozusagen unterbrochen. Dort kann man mit einem Schraubendreher ansetzen, um den Adapter wieder aus dem 3/8-Zoll-Gewinde herauszubekommen. Einen Gewindegang quer durchzufräsen, finde ich nicht so schön, da dabei leicht Grate entstehen können, die für Schwergängigkeit sorgen oder sogar im schlimmsten Fall das 3/8-Zoll-Gewinde beschädigen können. Pfiffiger finde ich den umgekehrten Ansatz, den ich bei einem Adapter von fittings4you gefunden habe (dritter von links in unserem Foto). Bei diesem Adapter sitzt der Schlitz für den Schraubendreher nicht an der Außenseite, sondern an der Seite, die man zuerst ins Gewinde steckt. Man schraubt also mit einem nicht zu großen Schlitzschraubendreher sozusagen durch das 1/4-Zoll-Gewinde hindurch. Oder man schraubt den Adapter einfach von Hand auf die 1/4-Zoll-Schraube auf und beides zusammen dann ins 3/8-Zoll-Gewinde. Beim Herausdrehen wird der Adapter wahrscheinlich eher im 3/8-Zoll-Gewinde verbleiben als auf der 1/4-Zoll-Schraube. Zum Herausschrauben braucht man dann einen schlanken Schlitzschraubendreher. Ein Vorteil dieses Adapters sind die schön langen Gewindegänge, sowohl auf der 1/4-Zoll- als auch auf der 3/4-Zoll-Seite, die eine stabile Verbindung gewährleisten. Preis: rund 5 Euro für zwei Stück.

  • Bild Die Unterseite des Manfrotto MA 088LBP Gewindeadapters ist einfach eine Plane Fläche mit 30 mm Durchmesser. [Foto: MediaNord]

    Die Unterseite des Manfrotto MA 088LBP Gewindeadapters ist einfach eine Plane Fläche mit 30 mm Durchmesser. [Foto: MediaNord]

Und dann gibt es da noch den Unterschraub-Adapter 088LBP von Manfrotto (ganz rechts im Bild), der in bestimmten Anwendungsfällen ggf. Vorteile bieten kann. Dieser Unterschraub-Adapter hat eine an das Adaptergewinde angearbeitete Platte mit 30 mm Durchmesser mit Rändelung am Rand und einer aufgeklebten Neopren-Gummi-Platte für richtig Grip. Verwendet man diesen Adapter, um ein Teil mit männlichem 1/4-Zoll-Gewinde mit einem weiblichen 3/8-Zoll-Gewinde zu verbinden, wird dieser Adapter beim Festziehen durch die Neoprenschicht eine sehr innige Verbindung mit dem Teil am 3/8-Zoll-Gewinde eingehen. Das kann lästig sein oder auch gewünscht, je nach Anwendung. Von Hand bekommt man diesen Adapter dann nur ab, wenn man die Rändelung gut greifen kann. Ist der Adapter unter einem flächigen Teil mit größerem Durchmesser montiert (z. B. einem Stativkopf) braucht man zum Abschrauben eine Zange. Der Adapter ist extrem stabil und geht aufgrund seiner Größe nicht so leicht verloren wie die zuvor beschriebenen winzigen Übergewinde, mit rund 10 Euro aber auch sehr teuer.

  • Bild Manchmal benötigt man überhaupt kein Übergewinde, sondern das vorhandene Gewinde lässt sich einfach austauschen. Schaut z. B. oben aus einem Einbeinstativ oder Reisestativ ein 1/4-Zoll-Gewinde, dann kann man dieses oft umdrehen. [Foto: MediaNord]

    Manchmal benötigt man überhaupt kein Übergewinde, sondern das vorhandene Gewinde lässt sich einfach austauschen. Schaut z. B. oben aus einem Einbeinstativ oder Reisestativ ein 1/4-Zoll-Gewinde, dann kann man dieses oft umdrehen. [Foto: MediaNord]

  • Bild Die obere Platte wird einfach so lange gedreht, bis man die Gewindestange entnehmen kann. Danach wird die Gewindestange einfach andersherum wieder hineingesteckt und wieder mit der Platte festgezogen. [Foto: MediaNord]

    Die obere Platte wird einfach so lange gedreht, bis man die Gewindestange entnehmen kann. Danach wird die Gewindestange einfach andersherum wieder hineingesteckt und wieder mit der Platte festgezogen. [Foto: MediaNord]

  • Bild Dann hat man direkt ein 3/8-Zoll-Gewinde und benötigt keinen Adapter. [Foto: MediaNord]

    Dann hat man direkt ein 3/8-Zoll-Gewinde und benötigt keinen Adapter. [Foto: MediaNord]

Nicht nur funktionell, sondern auch qualitativ gibt es durchaus Unterschiede bei solchen Adaptern. Mir ist noch keiner gebrochen, aber in Rezensionen auf Amazon zu Adaptern aus unbekannter Quelle liest man durchaus davon. Durchaus häufiger gibt es auch Unterschiede in der Passgenauigkeit. Manche Billigadapter lassen sich nur schwer in das Gewinde hineinschrauben (das birgt natürlich die Gefahr, das Gewinde zu beschädigen), andere wackeln im Gewinde hin und her. Auf Qualität zu achten, scheint also auch bei diesen scheinbar unwichtigen Artikeln angebracht zu sein.

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Autor

Jan-Markus Rupprecht

Jan-Markus Rupprecht, 53, fotografiert mit Digitalkameras seit 1995, zunächst beruflich für die Technische Dokumentation. Aus Begeisterung für die damals neue Technik gründete er 1997 digitalkamera.de, das Online-Portal zur Digitalfotografie, von dem er bis heute Chefredakteur und Herausgeber ist. 2013 startete er digitalEyes.de als weiteres Online-Magazin, das den Bogen der digitalen Bildaufzeichnung noch weiter spannt.

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